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Der Israelit · 1931-04-23 · Heft 17 (23.4.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 17 (23.4.1931)
Date
1931-04-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6. Nr. 17 Der Israelit 23. April 1931 Holland. Die Tätigkeit der „Schemiras Schabbos" in Rotterdam. Rotterdam, 14. April. Die dem Weltverband „Schomre Schabbos" angeschlossene Vereinigung „Schemiras Schabbos" in Rotterdam hat unter dem Vorsitz des Herrn Oberrabbiner Davids im vergangenen Winter eine rege Tätigkeit entfaltet. Den Auftakt bildete eine imposante Kundgebung im September des vergangenen Jahres, in der eine Reihe prominenter Redner das Sabbatproblem von den verschiedensten Seiten beleuchteten und insbesondere die praktischen Möglichkeiten der Sabbatheiligung ausläßlich der Einweihung der Kolonie „Ksar David" stattfand, ist noch über eine interessante Rede der Mrs. Snowden, der Gattin des englichen Schatzkanzlers zu berichten. Mrs. Snowden ist eine begeisterte Freundin des Palästina-Aufbaus, zugleich aber trotz ihres Sozialismus von echt englischer konservativer Religiosität beseelt. Sie beklagte in ihrer Rede lebhaft den Mangel religiösen Sinns bei der jüdischen Jugend im heiligen Lande. „Als ich," so sagte sie, „in Palästina gewisse historische Plätze besuchte, z. V. den Ort, an dem Gideon kämpfte, war ich erstaunt, daß mein eigenes Herz viel stärker bewegt war, als das der -jungen Menschen, die .mch begleiteten. Diejenigen, - die die Religion gering schätzen, sollten daran denken, daß die Freundschaft zeigte. Die Kundgebung hinterlftß einen liefen Ein- Großbritanniens für den Zionismus vor allem auf . ~ f L . r. * . '^ lu. i. J-i . i i i f ts rt v* 11 Ui" druck, so daß die nun ,mgende WintSrärbeit auf frucht baren Boden fiel. Sie war in hervorragendem Maße der Jugend gewidmet. Mit gutem Erfolge wurde insbesondere daraus hingewirkt, daß eine größere Zahl von Schulkindern als bisher an Sabbaten und Festtagen der Schule fern blieb, um diese Tage in Synagoge und Elternhaus zu feiern. Für Kinder, denen das Sabbatmilieu fremd ist, wurden Schabbos-Nachmittagszusammenkünste veranstaltet, die durch einen kleinen Vortrag über den Schabbos eingeleitet wurden und im übrigen bei Spiel und Sang in froher Schabbosstimmung verliefen. Diese Veranstaltungen wurden in der Regel von 100 bis 140 Kindern besucht. Eine Sonderabteilung bildet die Stellenvermittlung. Obwohl es unter den jetzigen Verhältnissen außerordentlich schwer ist, sabbatfreie Stellungen zu beschaffen, so war es doch durch immer erneute Bemühungen möglich, eine Reihe von sabbathaltenden Arbeitsuchenden unterzubringen. England. D'Avigdor Goldsmid bleibt Präsident des Board of Deputies. London, 13. April. Der Präsident des Board of Deputies. O. E. d'Avigdor G o l d f m i d , hat sich in der letzten Sitzung des Board im Hinblick auf die politischen Verhältnisse und die Lage in Palästina, an der der Board weitgehend interessiert ist, dazu' bewegen lassen, seine Demission vorläufig zurückzuziehen. In der gleichen Sitzung wurde ein von Harris Samuels eingebrachter Antrag auf Einsetzung einer statistischen Kommission abgelehnt. Bei dieser Gelegenheit wurde von mehreren Rednern, unter ihnen auch von d'Avigdor Goldsmid, aus die wertvollen Arbeiten der jüdischen Gesundheitsorganisation (englische Abteillung der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden OSE) aus dem Gebiete der Statistik hingewiesen. D'Avigdor Goldsmid forderte den Board os Deputies auf, diese Arbeiten der jüdischen Gesundheitsorganisation zu fördern. Der Vorsitzende der Ausländerkommission des Board. Mr. Schildkraut, gab der Versammlung bekannt, daß Innenminister I. R. Clynes als Entgegnung auf die bei ihm erhobenen Vorstellungen bezüglich der Fremdenregistrierungen ein Schreibest an Präsident d'Avigdor Goldsmid gerichtet hat, in dem mitgeteilt wird, daß gegenwärtig im Innenministerium gewisse Erleichterungen bei der Fremdenregistrierung in Erwägung gezogen werden.! der britischen Bibeltradition beruht. In seiner Erwiderung kam W e i z m a n n auch aus die Mahnung der Mrs. Snowden zurück und verteidigte die von ihr kritisierten Chaluzim mit einem Gleichnis, das angeblich von Oberrabbiner Kuk stammt. Dieser habe, als man sich bei ihm über die Mißachtung der Tradition durch die Jugend beklagte, geantwortet: „Als der Tempel gebaut war, durste niemand das Allerheiligste betreten mit Ausnahme des Hohenpriesters am Jomkippur in besonderer Festkleidung — aber solange noch am Tempel gebaut wurde, bewegten sich an der Stelle des Allerheiligsten die Bauleute in ihrer Arbeitskleidung an gewöhnlichen Wochentagen." Die Besucher, die nach Palästina kommen, betrachten dieses als ein Museum. Aber wenn sie ehrfürchtig die Plätze bewundern, wo z. B. Gideon gekämpft hat, dann sollten sie dessen eingedenk sein, daß die, die dort jetzt leben, Fleisch von Fleisch Gideons sind. Man kann G'tt mit einem Spaten und mit Bearbeitung des Bodens dienen und alle Betrachter müssen sehen, daß diese Arbeit im Grunde von religiöser Inbrunst beseelt ist. Cs ist eine neue Art von Andacht. Diese Menschen treiben G'ttesdienst in ihrer eigenen Weise." Soweit Weizmann. Er glaubt wohl selber nicht, daß das von Rabbiner Kuk und seine eigene damit im Einklang stehenden Verherrlichung der von Nationalgefühl getragenen körperlichen Arbeit als „G'ttesdienst" eine irgendwie sinnvolle Antwort auf die berechtigte Kritik von Mrs. Snowden darstellt. Idealistische Inbrunst ist noch keine Religion und kein Judentum. Sonst könnte man ebenso gut die aus Idealismus erfolgenden bolschewistischen Religionsverfolgungen in Rußland, wie den Chillul Schabbos der Chaluzim im heiligen Lands als eine „neue Art von Religion" bezeichnen. dem Jahre 1800 erlassenen Gesetze automatisch außer Kraft getreten, daher auch das Edikt über die Vertreibung der Juden. Die erste feit der Judenvertreibung von 1492 gesetzlich anerkannte Synagoge wurde erst im Dezember vorigen Jahres' eröffnet. Die Synagogengemeinde besteht aus 30 Familien. Bei der Eröffnung der Synagoge war die Regierung durch einen Beamten vertreten, der das Gemeindestatut Unterzeichnete. Schuh des Sabbats in England. London, 14. April. Soeben wurde der Wortlaut des vom Abg. E. F. Wife eingebrachten Gesetzentwurfes über die Sonntagsruhe in England veröffentlicht. Auf Grund der Bestimmungen des neuen Gesetzes wird es Angehörigen der jüdischen Konfession unter folgenden Voraussetzungen gestattet sein, Sonntags ihre Läden offen zu halten: 1. muß der Geschäftsbetrieb am Sonnabend ruhen; 2. muß der Geschäftinhaber die Absicht, den Geschäftsbetrieb am Sonntag aufrecht zu erhalten, vorher den lokalen Behörden bekannt geben; 3. muß im Laden an sichtbarer Stelle ein Anschlag angebracht sein, aus dem zu ersehen ist, daß das Geschäft Sonntags für den Kundendienst geöffnet, Sonnabends aber geschloffen ist. Eine religiöse Kontroverse beim Lloyd George- Bankett. London, 27. April. Von dem unter Teilnahme von Lloyd. George und Dr. Weizmann stattgehabten großen Bankett, das an- Spamen. Trennung von Kirche und Staat in Spanien. Madrid, 17. April. Die neue republikanische Regierung hat dem päpstlichen Nuntius in Madrid mitgeteilt, daß die Regierung in Uebereinstimmung mit ihren anläßlich der Proklamation der Republik verkündeten Grundsätzen Gewi ssensfreiheit und Gleichberechtigung aller Glaubensbekenntnisse in Spanien einführen werde und daß damit die katholische Kirche ihre bisherige bevorzugte Stellung als integrierender Teil des Staates verliere. Alle römisch-katholischen Priester des Landes werden aufgofordert werden, den Grundsatz der Trenjnuttg von Kirche und Staat anzuerkennen und der Republik Treue zu schwören. Die römisch-katholische Kirche galt bisher als spanische Nationalkirche, der mit Ausnahme von einer geringen Zahl von Protestanten, Juden und Freidenkern die gesamte Bevölkerung angehörte. Trotzdem war allen religiösen Gemeinschaften Freiheit des Gebetes gewährt. Die Beziehungen zwischen Kirche und Staat, wie sie bisher bestanden, wurden durch das Konkordat vom 6. Mai 1851 geregelt. Bezüglich der Stellung der Juden in Spanien erklärte im Juli v. Js. der ehemalige spanische Außenminister, Herzog von Alba und B e r w i ck, einem Vertreter der ITA., daß die Juden in Spanien den übrigen Einwohnern des Landes gleichgestellt seien und ihre Stellung nur davon abhänge, ob sie spanische Bürger oder Ausländer seien. Die Juden, erklärte der Herzog, können die spanische Bürgerschaft ebenso erlangen wie Angehörige anderer Bekenntnisse. Als spanischen Bürgern steht ihnen jedes staatsbürgerliche Recht, auch das passive Wahlrecht für das Parlament, zu. Was das Austreibungsedikt vom Jahre 1492 betreffe, so seien durch die Konstitution von 1876 in Spanien alle vor Palästina. Vorläufig keine Aussicht auf Beendigung des palästinensischen Lehrerstreits. I e r u s a l e m, 16. April. Die Lehrerschaft Palästinas hat in einer Reihe von Städten Versammlungen abgehalten, um zur Streiklage Stellung zu nehmen. Vorläufig ist die Lehrerschaft noch nicht entschlossen, der Forderung des Waad Leumi nach Wiedereröffnung der Schule zu entsprechen. In Jerusalem haben die Eltern der Schulkinder ein Komitee gebildet, das in dem gegenwärtigen Konflikt zwischen der Lehrerschaft und der Exekutive der Jewish Agency vermitteln soll. In Haifa und Rechowoth haben Versammlungen stattgefunden, in denen gegen den Streik schärfster Protest erhoben wurde. Die Lehrerschaft von Jerusalem hat in einer Versammlung den Standpunkt des Lehreroerbandes gebilligt und die Forderung nach einer weitgehenden Reduktion der Gehälter aller Angestellten der Jewish Agency ausgestellt. Die Lehrerschaft von Haifa hat sich zwar dem Streik angeschlossen, jedoch ihr Bedauern über den Streikbeschluß des Lehrerverbandes zum Ausdruck gebracht. (Letzte Nachrichten besagen, daß der Streik beendet ist. Red.). Personalien. Berlin, 18. April. Die freudig gehobene Stimmung des Festes wurde im Kreis der gesetzestreuen Judenheit in Berlin durch den plötzlichen Heimgang des Herrn David Diamant getrübt, der aus kraftvollem Wirken, aus glücklichem Familienleben in der Blüte der Jahre plötzlich herausgerissen worden ist. Der Heimgegangene, ein Sohn des als würdiger v2n Y>»^n in der Posener Heimat allgemein verehrten Salomon Diamant, hat als Aeltester der großen Geschwisterschar die- Ideale des Elternhauses mit besonderer Liebe hochgehalten und sie in seinen eigenen Kreis gepflanzt. Eine in unserer Zeit sehr selten gewordene Herzensgüte, die ihn drängte, jedem Armen und Hilfsbedürftigen mit Interesse und Liebe sich zuzuwenden, erfüllte sein ganzes Wesen. So gibt es kaum eine Institution des lon an der er sich nicht beteiligt und rege mitgewirkt hätte. Die Ausübung dieser Mizwaus führte ihn zu einer Vertiefung und Verinnerlichung der eigenen Frömmigkeit. Sie beschränkte sich nicht aus die Aeußerungen des guten jüdischen Herzens, sondern er hat auch alle, aus Stärkung von und irr-,' gerichteten Bestrebungen, nach dem Maß seiner Kräfte gefördert. An allen Sammlungen für niI'v', an den Institutionen zur Förderung des „Lernens" hat er -sich beteiligt. Sein Leben war gekrönt durch ein herzliches, glückliches Familienleben an der Seite- -einer gleichstrebenden Gattin, aus der Familie Schleffinger aus Mainz, die nun mit ihren beiden noch jungen Söhnen klagt um das allzufrüh zerstörte glückliche Zusammenleben in der Familie. > Möge das des Heimgegangenen und sein vorbildliches jüdisches Wirken zu einer Quelle des Trostes und des Segens für die Familie werden. rvasiin Berlin, 18. April. In der Person des Herrn Jacob Jacobsohn Vst ist der lomdischen Welt und besonders dem talmudisch interessierten Kreis der Berliner Juden eine treue Stütze durch den Tod genommen worden. Der Heimgegangene gehörte zu der immer kleiner werdenden Zahl charaktervoller Männer, die mit großen talmudifchen Kenntnissen profanes Wissen zu vereinen verstehen, und das Problem px in av min von Taurost und Derech Erez ohne viel Aufhebens in stiller Schlichtheit zu lösen vermögen. — Den größten Teil seines Lebens wirkte er als Kaufmann in dem polnisch gewordenen Städtchen Löbau. Diese Kehillo hat er in den Jahren geistiger Kämpfe als Parnes geführt, hat sie in treuer Gefolgschaft des besten Rabbiners Hirsch Caro -?"si vor Neuerungen zu bewahren und in der alten gesetzestreuen Art zu erhalten vermocht. Als der Kriegsausgang ihn zu seinen Kindern nach Berlin verschlug, hat er auch hier in stiller Zurückgezogenheit ganz dem „Lernen" sich gewidmet und ganz in der Welt des „Veth Hamidrasch" gelebt, so daß nach dem Worteam-Qi 6221127 sein Andenken segensreich fortleben' wird, nicht nur bei seinen Kindern und Kindeskindern, sondern auch im Kreise derer, die das G'tteswort lieben. rraxin Mainz, 18. April. Am Sabbato'vip 7>w »inx sind es 25 Jahre her, daß Herr Jakob Tschorniki als Kultusbeamter in der Mainzer Religionsgesellschaft tätig ist. In dem Vierteljahrhündert seines segensreichen Wiro

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