Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-04-23 · Heft 17 (23.4.1931) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 17 (23.4.1931)
Date
1931-04-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450669--77837-2535491
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

torien wieder auf gebaut, subventioniert oder ausgestattet. Mit Hilfe des^JDC wurde die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden in Polen, TOZ, reorganisiert. Seither führt das IDE den größten Teil feines medizinisch-sanitären Programms in Polen durch Vermittlung von TOZ durch. In ähnlicher Weife besteht in den Randstaaten eine Kooperation mit der Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Juden OSE. Im Jahre 1930 wurde der Gesellschaft TOZ für medizinische Arbeit in Polen der Betrag von 62.650 Dollar, der Gesellschaft OSR für das Gesundheitswerk in den anderen Ländereien 31.500 Dollar überwiesen. Die vom IDE unmittelbar geleistete medizinische Arbeit erforderte den Betrag von 18.000 Dollar. Für medizinisch-sanitäre Arbeiten in Osteuropa wurden in den letzten zehn Jahren 2.072.000 Dollar ausgegeben. In Palästina, wo gemeinsam mit dein Gesundheitsdepartement der Regierung wichtige Arbeiten zur Erforschung und Ausrottung der Malaria geleistet wurden und in engem Kontakt mit der Zionistischen Organisation Amerikas und der Hadassah die Spitalsfürsorge ausgebaut wurde, hat das IDE feit 1921 536.000 Dollar für medizinisch-sanitäre Zwecke ausgegeben. Die Abteilung für Hygiene an der Hebräischen Universität wurde subventioniert. In Rußland wurden mit Hilfe des IDE 63 medizinische Hilfsgesellschaften ins Leben gerufen. Durch die diesen Gesellschaften gewährten Subventionen wurde die Errichtung von 42 Polikliniken, 22 Fürsorgestellen, 5 Spitälern, 10 Entbindungsanstalten, 1 Tuberkulosesanatorium und 51 Sonnenheilstätten für Kinder ermöglicht. 56.000 Dollar wurden seit 1924 in Rußland für medizinische Hilfe ausgegeben.' Das Kinder- und Waisenfürsorgewerk des IDE erfaßte etwa 60^ der außerhalb Rußlands in Osteuropa registrierten jüdischen Waisenkinder. Seit 1925 steht die Arbeit für die Waisen in Polen unter der Leitung des Verbandes der Kriegswaisenkomitees. An die Stelle der direkten Kinderfürsorgearbeit des IDE sind allmählich Subventionen an die lokalen Verbände getreten, die die Durchführung dieser Arbeit übernommen haben und mit denen das IDE in engem Kontakt steht. Seit 1921 wurden über 3.900.000 Dollar für die Waisen- und Kinderfürsorge in Osteuropa ausgegeben. In Palästina bildet die Waisenfürsorge eine der Hauptaufgaben des IDE. Ungefähr 4000 Waisen wurden betreut und in verschiedenen Berufen ausgebildet. Für diese Arbeit wurden 1.023.000 Dollar ausgegeben. In der Ukraine und Weißrußland gab es in der Zeit der Hungersnot etwa 300 000 jüdische Waisen, von denen nur etwa ein Drittel ven Judenheit Deutschlands für das von Euer Durchlaucht unseren religiösen Interessen betätigte Wohlwollen aufrichtigen Dank auszusprechen. Insbesondere gedenken wir mit inniger Dankbarkeit jener unserem zweiten Vorsitzenden im vorigen Jahre in Norderney in liebenswürdiger Weise bezeigten Würdigung unseres bedeutungsschweren religiösen Anliegens in Sachen der Sonntagsruhe. Wir haben diesen gegenwärtig in Norderney weilenden zweiten Vorsitzenden beauftragt, diese dankbaren Gesinnungen und die warmen Segenswünsche der gesetzestreuen Judenheit für Euer Durchlaucht ferneres Ergehen persönlich zum Ausdruck zu bringen." Es mag von historischem Interesse sein, dieser Reminiszenz noch ein erläuterndes Wort anzufügen. Man mag über den Fürsten von Bülow als Politiker, heute, nach dem Studium seiner Denkwürdigkeiten, denken, wie man wolle, er war jedenfalls eine Persönlichkeit von reichsten, vielseitigen geistigen Interessen und von bestrickender Liebenswürdigkeit. Tatsächlich nahm er sich 1909, nachdem ihm der damalige stellvertretende Vorsitzende der Freien Vereinigung in dem gemütlichen Heime in Norderneydie Bedeutung des Sabbats für die religiöse Judenheit dargestellt hatte, der Interessen der Orthodoxie mit größter Energie an. Die damals zur Vorlage'beim Reichstag fix und fertig abgeschlossene Novelle zum Sonntagsruhegesetz enthielt keinerlei Bestimmung zum Schutze der religiösen Interessen der Sabbattreuen, und der zuständige Referent — nebenbei bemerkt, ein Herr, der mit einer jüdischen Dame verheiratet war und jeden Kolnidre-Abend die Synagoge der Adaß Jisroel besuchte — hatte die Aufnahme einer solchen Bestimmung rundweg abgelehnt. Zu dieser unangenehmen Tatsache bemerkte Bülow launig: „Schon Fürst Bismarck hat gesagt, daß man immer zm Chef und niemals zum Kommis gehen von der Fürsorge der lokalen jüdischen Organisationen -ersaßt wurde. Während der Zeit der Hungersnot in Rußland hat das IDE 2.630.000 Dollar für Kinderspeisung ausgegeben und 30.000 Kinder in verschiedenen Anstalten ,imtergebrachl. Die Kindersürsorge wird in kleinerem Umfange gegenwärtig unter der Leitung von Dr. Josef A. Rosen im Wege des Agro-Joint fortgeführt. Im Mai 1920 wurde die Wiederaufbaukommission des IDE gegründet. Ueüer 12 000 Häuser, die während des Krieges in Polen, Litauen, und der Bukowina, in Lettland, der Tschechoslowakei und Saloniki zerstört worden waren, wurden wieder aufgebaut. Für diesen Zweck wurden anfangs durch die Wiederaufbau-Kommission und später durch die American Joint Reconstruction Foundation ungefähr eine Million Dollar in Form von Darlehen zur Verfügung gestellt. Gegenwärtig sucht das IDE das Wohnproblem mit Hilfe der Bau-Kooperativen in Polen zu lösen. Das Werk der Berufsausbildung wurde teilweise direkt, teilweise gemeinsam mit JCA und ORT durchgesürht. Abgesehen von den unter der Leitung von JCA und ORT stehenden Fachschulen gibt es gegenwärtig 52 Fachschulen, Berussausbildungsstätten, Werkstätten und Lehrlingsheime des IDE in verschiedenen Ländern über 8000 Schülern. Außer den Subventionen für ORT hat das IDE im Jahre 1930 91.165 Dollar für Berufsausbildung ausgegeben. Die bedeutendste von der Wiederaufbaukommission und später von der Foundation geleistete 1 Arbeit besteht in der Wiederherstellung und Stärkung der jüdischen Kreditgenossenschaftsbewegung in Europa. Es gibt gegenwärtig 760 Kreditgenossenschaften in 13 Ländern und Distrekten. Diese Genossenschaften haben seit 1924 170 000 neue Mitglieder gewonnen. Sie umfassen derzeit 225 000 Mitglieder und haben die Existenz von VA Millionen Menschen gesichert. Eine Ergänzung zu den Kreditgenossenschaften stellen die Gemiluth Chessed-Kassen dar. Auch in Palästina wurlde die Genossenschaftsbewegung gefördert. Eine besondere Stellung nimmt das Aufbauwerk in Rußland ein. Vor 1925 wurden von der Wiederaufbaukommission 1.240.000 Dollar für Förderung der Landwirtschaft, Kredite und Fachschulen in Rußland ausgegeben. In erweitertem Rahmen wurde seit 1924 die Aufbauarbeit unter der Leitung von Dr. Rosen durch die American Jewish Joint Agricultural Corporation (Agro-Joint) durchgesührt. Von 1924 bis 1927 wurden durch Agro-Joint 7500 Familien neu angesiedelt. Außerdem wurden 10 000 Familien älterer jüdischer Siedler unterstützt. Gelegentliche soll. Wenn man von einem Ministerialreserenten verlangt, daß er einen von ihm fertiggestellten Entwurf ändern solle, so empfindet er das gerade so, als ob man einem ordnungsliebenden Schüler einenKlecks mitten in einen sorgfältig ins Reine geschriebenen Schulaufsatz macht." „Ich habe," so fuhr Bülow fort, „es immer mit Rührung empfunden, daß das Alte Testament, dem wir doch unsere ganze Sonntagsruhe verdanken, sich nicht darauf beschränkt, den sozial Abhängigen und Gedrückten ihren Ruhetag zu gewährleisten, sondern daß es selbst dem Tiere seinen Sabbat sichert. Ich werde Herrn v. Bethmann-Hollweg (damals Staatssekretär des Innern) schreiben und ihn ersuchen, daß er die Aufnahme einer Bestimmung zum Schutze der Interessen der sabbattreuen Juden aufs ernsteste prüfen solle". In der Tat fand dann bei B e t hmann-Hollweg eine mehrstündige Konferenz über die Frage statt, in der das Pro und Contra mit der ganzen, dem damaligen Staatssekretär und späteren Reichskanzler eigenen Gründlichkeit durchgesprochen wurde. Am Schluß der langen Unterredung erklärte Bethmann-Hollweg: „Sie haben mich von der Berechtigung und der Durchführbarkeit der Bestimmung überzeugt." Sie war dann in der von der Reichsregierung oem Reichstag vorgelegten Novelle auch enthalten, fand aber natürlich wenig Sympathie bei der Sozialdemokratie und Demokratie einerseits, bei den antisemitisch gesinnten Parteien der Rechten andererseits. Trotzdem hätte sie wohl Gesetzeskraft erlangt, wenn nicht die ganze Novelle infolge der innerpolitischen Konstellation damals dem Schicksal der Zurückziehung verfallen wäre. (Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik.) Das März-April-Heft der Zeitschrift der Zentralwohlfahrtsstelle und Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge ist dem Gedächtnis Eugen Cas- Unterstützung wurd-e auch 15 000 nichtjüA scheu Vauernfamlüen gewährt, die in der Nachbarschasr der jüdischen Kolonien siedelten. Die Zahl der jüdischen Landwirts-Familien in Rußlandist von etwa 15 000 im Jahre 1924 auf 35 000 im Jahre - 1927 gestiegen. Dem jüngsten Bericht Dr> Josef A. Rosens an die amerikanische Gesellschaft für landwirtschaftliche jüdische Siedlung in Rußland ist zu entnehmen, daß gegenwärtig 250 000 Juden in Rußland landwirtschastlich angesiedelt sind. Rußland besitzt somit die größte jüdische; Agrarbevölkerung der Welt. Für das Jahr 1931 ist geplant, daß Agro-Joint seine Arbeiten vollkommen auf dei Krim beschränkt, während die Fortsetzung und Vollendung der Siedlungsarbeit in der Ukraine von der russischen Regierung selbst durchgeführt werden soll. Neben der landwirtschaftlichen Siedlungsarbeit erstreckt sich die Tätigkeit des Joint in Rußland auch auf die Unterstützung von 63 Hilfsgesellschaften für die städtische Bevölkerung. Diese Gesellschaften unterhalten 336 kooperative Unternehmungen, in denen über 16 000 Personen beschäftigt sind. Ferner wurden Fachschulen, insbesondere für Metallindustrie, Holzindiustrie, Baugewerbe und Landwirtschaft gegründet und erhalten. Insgesamt hat das IDE durch Agro- Joint etwa 1.100.000 Dollar für nichtlandwirtschaftliche Aufbauarbeit in Rußland ausgegeben. m Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich. Eröffnung des Sommerhalbjahres am Rabbinerfeminar Berlin. Berlin. 16. April. Am Mittwoch, den 15. April, fand die Eröffnung des 116. Semesters am Rabbinerseminar zu Berlin statt. Bei dieser Gelegenheit wurden zehn neue Hörer in die Anstalt ausgenommen, die gegenwärtig 75 .ordentliche Hörer zählt. Sämtliche neu aufgenommenen Studenten stammen aus Deutschland. Rektor Dr. I. Wohlgemuth hielt eine Ansprache, in der er den Begriff des jüdischen Bildungsideals als jenes religiöse Bildungsideal umriß, das das universale Wissen in der rechten Erfassung der g'ttlichen Offenbarungen erblickt und den Gefamtsinn des Lebens unter der Herrschaft der jüdischen Religion in der Fassung, wie sie das überlieferte Judentum pflegt, beurp a r y s geweiht. Neben den seinem Andenken gewidmeten Aufsätzen enthüll das Heft einen Bericht über die Tätigkeit des Wohlfahrts- und Jugendfürsorgeamtes der Jüdischen Gemeinde in Berlin während der letzten 5 Jahre, ferner einen außerordentlich instruktiven Artikel Dr. Max Kreutzbergers über die Notwendigkeit einer besonderen jüdischen Sozialpolitik, der die bekannte Tatsache der beispiellosen Erschütterung der wirtschaftlichen Basis der deutschen Judenheit mit f r a ppierendem Zahlenmaterial belegt. Endlich eine Uebersicht über die in Deutschland bereits bestehenden jüdischen Darlehenskassen, ihre Kapitalien, Ausleihebeträge usw. Im übrigen bringt das Heft, wie gewöhnlich, eine große Fülle von kleinen Mitteilungen und Notizen, die zum Teil für jeden wichtig sind, der sich irgendwie in öffentlichen Dingen betätigt. Interessant ist beispielsweise ein in dem Hefte wiedergegebener Erlaß des preußischen Ministers für Volkswohlfahrt, wonach Minderjährige fortan nicht mehr darüber befragt werden dürfen, o b sie in einer Anstalt ihres Bekenntnisses oder in einer anderen Anstalt untergebracht zu werden wünschen. Es sei ein erzieherischer Mißgriff, einem Jugendlichen in diesem Punkte eine eigene Entscheidung zuzumuten. Familiennachrichten. Barmizw o: Albert, Sohn des Seminar-Oberlehrers Dr. Stern, Köln, Moltkestraße 35. “um 's 'p /m?. Verantwortlich für den allgemeinen Teil und das Feuilleton S. Schachnowitz, Frankfurt a. M.; Inserate i. B.: S. Schach» nowitz, ebenda. — Für die pädagogische Beilage: Lehrer L. Kaufmann, in Sprendlingen (Kr. Offenbach). — Verlag des Israelit und Hermon G. m. b. $., Frankfurt a. M. — Drum Hermon-Druckerei, Frankfurt a. M.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.