Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 16 (16.4.1931)
- Date
- 1931-04-16
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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16. April 1931 Am Schluffe sei es gestattet, zu bemerken, -aß der letzte Passus des Artikels „Aguda und die polnischen Sejmwahlen" in Nr. 3 der „Breslauer jüdischen Zeitung" stark an Grünbaum'sche Methoden in öffentlicher Polemik — Denunziationen — erinnert. Die erste orthodoxe Sommerkolonie. In der Sommerfrische Dluga Schodle bei Warschau wurde der Grundstein für die erste orthodoxe Sommerkolonie, die den Namen „Jehudith" tragen soll, unter schlichten Feierlichkeiten gelegt. Anwesend waren alle Mitglieder des Baukomitees,, der Chinuch-Kommlssion und Redaktionsmitglieder des „Jüdischen Tagblattes". Als Gast durften wir den Redakteur des Bes Jakob-Journals, A. I. Friedens o h n , begrüßen, der in Vertretung der Zentrale der B e n o t h Agudas I i s r o e l in Lodz erschienen war. Im Städtchen Dluga Schodle herrschte wahre Feststimmung. Die gesamte Bevölkerung war zu den Feierlichkeiten erschienen. Auch die Ortsbehöbden und jüdischen Institutionen waren offiziell vertreten, ebenso die Lehrerinnen der Bes Jakow-Schulen in der ganzen Umgebung. Auf dem Bauplatz grüßte eine von den Z. A. Z. aufgestellte Ehrenpforte mit hebräischen Inschriften die Gäste. Herr Joel U n g e r hielt im Namen des Baukomitees die Begrüßungsrede. Die Notwendigkeit einer eigenen Sommerkolonie für die Kinder der religiösen Schulen machte sich schon seit langem fühlbar, nun soll die Idee zur Ausführung gelangen. Eine Kräftigung des Körpers und der Seele des Kindes will die Erholungsstätte herbeiführen. Herr Ratmann A. B. E ck e r m a n n begrüßt mit einer polnischen Rede die Vertreter der Behörden, indem er auf die humanitäre Bedeutung der Anstalt hinweist. Es folgen Begrüßungen durch den Ortsrabbiner, Rabbi Benjamin P o m m e - ranz und viele befreundete Organisationen. Nach der Verlesung der in hebräischer Sprache gehaltenen Gründungsakte und Versenkung der Pergamentrolle in die Grundmauern beginnt der Akt der Grundsteinlegung, an dem sich alle Vertreter mit Begleitworten beteiligen. Ein gut einstudierter Chor der Zeirei Agudas Jisroel beschloß die akademische Feier. Schriftliche Begrüßungen langten von allen Teilen der Welt ein. Eine Besichtigung des Geländes und eine Orientierung über den Plärr überzeugten alle Anwesenden von der Größe der Sache. Abends fand noch e in Bankett statt mit vielen Reden und künstlerischen Darbietungen. Das Ganze nahm einen herrlichen Verlauf und darf als gutes Omen für das volle Gelingen des Unternehmens gelten. Ein Lexikon der Agudas Jisroel. Zum 20jährigen Jubiläum, das die Agudas Jisroel im kommenden Jahre, 5692, feiern kann, wird unter der Redaktion von Benjamin Münz und Elieser Gerson Friedens o h n in Lodz ein Lexikon der Agudas Jisroel vorbereitet. Die rapide Entwicklung der Organisation, heißt es im Aufrufe, macht die genaue Registrierung unserer geistigen Habe in allen Ländern der Welt zu einer dringenden Notwendigkeit. Wir müssen der jüdischen wie der großen Welt zeigen, was Agudas Jisroel für das jüdische Volk geschaffen hat. Das ist der Zweck des geplanten Memorialbuches, des Lexikons der Agudas Jisroel. Agudas Jisroel als Volksbewegung hat feit ihrem Bestehen viele Geistesheroen als Führer des jüdischen Volkes hervorgebracht, unzählige bescheidene Arbeiter in verschiedenen Städten, die ihr Leben und Vermögen dem jüdischen Klall geopfert haben. Auch diese haben einen ansehnlichen Teil an dem Bau der Agudas Jisroel. Das Lexikon der Agudas Jisroel will nun Namen und Lebensbild all dieser Führer und Ar- Der Israelit Blätter beiter verewigen, als Muster für spätere Generationen. ' Im Lexikon finden Platz ausführliche Abhandlungen über Agudas Jisroel, Zeirei Agudas Jisroel, Benoth A. I., Paale A. I., orthoodxe Erziehungsorganisationen, Presse und Literatur ufw. All die Aufsätze sollen von Fachleuten versaßt sein. Den ersten Platz im Lexikon werden die Biographien der Gründer, Führer, prominenten Arbeiter und Arbeiterinnen der A. I. in allen Ländern der Welt einnehmen. Im Interesse der Vorbereitungsarbeiten, die bereits im vollen Gange sind, werden alle Interessenten gebeten, sich mit der Redaktion des Lexikon in Verbindung zu setzen und bei der Sammlung und Sichtung des Materials für die Biographien mitzuhelfen. Insbesondere werden alle Sekretariate der Aguda-Organisationen und Institutionen aufgefordert, die Adressen derer anzugeben, von denen sie glauben, daß ihr Name in einem Lexikon der Agudas Jisroel nicht fehlen darf. Alle Mitarbeiter und Mithelfer werden im Lexikon als Freunde des Unternehmens aufgeführt. Man bittet, sich an folgende Adresse zu wenden: Lexikon der Agudas Jisroel, Lodz (Polen), S k r z. poczt o w a 1 4 6. Die rituelle Verpflegung auf der Palästina- Liuie des Lloyd Triesiiuo. I. Don einem Leser unseres Blattes gingen uns zu dem in der Ueberfchrift genannten Thema vor kurzem die nachfolgenden Aeuheruugen zu: „In Nr. 1 Ihres gesch. Blattes veröffentlichen Sie die „Bestimmungen für die Verabreichung der rituellen Verpflegung auf den Palästina-Linien des Lloyd Triesfmo" sowie den 23erid)t einer „Gesellschaftsreise nach Palästina." Ich habe im Laufe des letzten Jahres (zuletzt vor wenigen Wochen) dreimal die Ileberfahrt Triest-Jaffa gemacht (1 mal auf der Carnaro und 2 mal auf der Adria) und habe daher zu Ihren Veröffentlichungen folgendes zu bemerken: 1. Die rituellen Konserven werden nicht auf Elastellern, sondern auf Porzellantellern serviert, 2. Die rituell zulässigen Fischtonserven (Oelsardineu ufw.) werden nicht in Gegenwart der Passagiere geöffnet, sondern bereits schon vorher und werden aus Porzellantellern serviert. In Gegenwart der Passagiere werden nur die Fleischtonserven geöffnet. 3. Für die rituelle Verpflegung sind keine besonders gekennzeichneten Bestecke vorhanden. Auch glaube ich beobachtet zu haben, daß die für die Mittags- und Abendmahlzeiten verwendet wurden. Auch besonders gezeichnete Tischtücher tonnte ich nicht sestftellen (besonders gezeichnet höchstens durch besonders viele Flecke). 6. Milchkaffee wird nicht in Gläsern, sondern in Porzellanschalen erviert. Die Milch wird ans Milchtannen serviert und es ist nicht festzustellen, ob es sich um einwandfreie kondensierte Milch handelt. Bei den Frühstücks- und Nachmittagsmahlzciten speisen die rituellen Passaigere mit den nichtrituellen gemeinsam. 7. Ihre Menukarte ist irreführend. Sie führen aUein vier verschiedene Fleischsorten aus, während es tatsächlich während der 4V2 Tage nur zweimal Fleischkonserven gibt und der Oberkoch immer besonders veranlagt werden mutz, wenigstens eine dieser Fleischmahlzeiten am Schabat zu verabfolgen. Zn den anderen acht „rituellen Fleischmahlzeilen" gibt es an Bord gekochten Fisch (Ich meine nicht Gebackene Fische oder Hering), der von den meisten Passaigeren in gutem Glauben, da er doch an der rituellen Tafel verabfolgt werde, gegessen wird. Wer diese Fische nicht itzt, muh mit einer Kartoffel, einem Ei und etwas Salat Vorlieb nehmen. Weder gebratene Fische, noch ritueller Käse gehören zum Menu, für welches der Lloyd Triestino Mk. 20.— (für vier Tage) bezahlt nimmt. Auf Grund ihrer Veröffentlichung werden in Zukunft viele Reisende die von ihnen aufgesührten gebackenen Fische mit den gekochten Fischen für identisch halten und daher erst recht anstandslos essen. 6. Sie schreiben ferner: „Die strikte Einhaltung dieser Weisungen wird vom Bordkommissar streng kontrolliert." Bisher war mir nicht bekannt, dah der Bordkommissar, an dessen guten Willen ich nicht zweifeln will, als Maschgiach zulässig ist. Cirka 60 Proz. der Reisenden aus den Schiffen des Lloyd Triestino sind Juden und es mühte dem L. T. daher möglich sein, für die koscheren Passagiere einen jüdischen Koch anzustellen, resp. wenn keine extra Küche vorhanden, die ganze III. Klasse, in der 90 Proz. Juden sind, koscher ju führen. Nr. 8 ^cite 3 Von den ca. 150 jüdischen Passagieren nimmt ca. die Hälfte bereits jetzt trotz der schlechten Verpflegung und den im nächsten Punkt geschilderten Zuständen, an der rituellen Verpflegung teil. Auch von der anderen Hälfte der jüdischen Passagiere würden die Meisten, wie ich durch eine Rundfrage festgestellt habe, an der rituellen Tafel teilnehmen, wenn eine ausreichende Verpflegung wäre und die im nächsten Punkt geschilderten Zustände geändert würden. 10. Der Verfasser des Reiseberichtes ist scheinbar II. Klasse gefahren, wo Bedienung und Sauberkeit allerdings zufriedenstellend sind, jedoch im Höchstfälle 8—10 Interessenten an der rituellen Tafel teilnehmen. Anders ist dies jedoch in der Touristenklasse (III.), wo die grohe Menge der jüdischen Passagiere reist. Die rituell lebenden Passagiere werden hier von Anfang an benachteiligt. Während den anderen Reisenden ein schöner Speisesaal, mit guten Sitzgelegenheiten, zur Verfügung steht, werden für die Koscher-Passagiere im Zwischendeck, zwischen Koffern, Betten, Schlasstühlen u. a. Tische und Bänke ausgestellt. Für ältere Personen ist es natürlich sehr beschwerlich über die Bänke von hinten herüberklettern zu müssen, zumal es regelmäßig Streit um die einzelnen Plätze gibt, da diese nicht ausreichcn. Die unzureichende Verpflegung und der nicht gerade zum Essen angenehme Aufenthalt im Zwischendeck, veranlaßt viele, an der gewöhnlichen Tafel teilzunehmen. Die Tischtücher sind gewöhnlich auch alles andere als sauber, allerdings wohl durch die Schuld eines Teils der Koscher-Passagiere, der Teller und Tischtuch, resp. Tischtuch und Serviette, für identisch hält. Der rituell lebende Passagier, der denselben Preis wie andere zahlt, und weitaus schlechter verpflegt wird, kann auch einen anständigen sauberen Speisesaal verlangen (eventl. sollten die Mahlzeiten in zwei Schichten ausgegeben werden). Ich möchte nur noch bemerken, dah ich ans allen drei Aeberfahrten, entgegen deni von Ihnen veröffentlichten Reisebericht, jeden Morgen und jeden Abend reichlich Minjan hatte, am Schabbat sogar drei bis^vier Minjanim. Cs wäre sehr zu wünschen, wenn Qle durch Beröfsentlichung dieser Berichtigung in Ihrem werten Blatte für Abhilfe der geschilderten Zustände sorgen wüden. Was auf der Strecke nach Amerika längst durchgeführt ist, sollte auf einer zu 80 Proz. von Juden befahrenen Schifsslinie nach dein Heiligen Lande eine Selbstverständlichkeit sein. Auch sollten sich die zuständigen Rabbinate (sowohl in Erez Jisroel, als auch in Chuzah laarez) endlich für diese Angelegenheit interessieren. Ich zeichne hochachtungsvoll E. L e v i n s k y. II. Wirhaben diese Beschwerden zunächst der Palästina- Centrale vorgelegt, die dazu folgendes schreibt: „Seitens der Direktion wird zugegeben, dah es vorgekommen sein mag, dah aus Irrtum oder Versehen, rituelle Konserven auf Porzellantellern gereicht wurden. Der rituelle Passagier hätte das ruhig sofort zurückweiseu können und er wäre ohne weiteres in Glastellern bedient worden. Die Bordkommissäre erhielten neuerdings genaue Instruktionen, dah sämtliche rituelle Konserven — auch Fische und Oelsardineu — nur in Gegenwart der rituellen Passagiere geöffnet und sämtliche rituellen Speisen nur in Glastellern, die an Bord der beiden Dampfer, die den Palästinadienst versehen, in ausreichendem Matze vorrätig sind, serviert werden sollen. Die rituellen Bestecke sind, mit Koscherstempel markiert, nunmehr auch in genügender Menge vorhanden, doch ist zugleich Vorsorge dafür getroffen, dah die eigenen Bestecke der rituellen Passagiere, nach stattgesundener Mahlzeit von den Stewards bei Tisch vorschriftsmäßig gereinigt werden. Auch die von rabbmischer Seite gewünschten farbigen Tischtücher für die Frühstückstasel werden demnächst zur Verwendung kommen. Eine vollständige Trennung auch der F r ü h st ü ck s tafel für rituelle und nichtrituelle Passagierei ist aus ted)nijd)en Cöriinben nid)t immer gut durchführbar. Soweit dies möglich, wird den diesbezüglichen Wünschen des Publikums, auch im Interesse des Dienstes, Rechnung getragen. Laut rabbmischer Vorschrift wird jedoch die rituelle Kondensmilch nicht mehr in der Vorratskammer verdünnt, sondern kn Originalbüchsen, in Gegenwart der rituellen Passagiere geöffnet, verabreicht. Indem aber den rituellen Passagieren der Milchkassse nur in Gläsern serviert wird, ist jede Ungehörigkeil in dieser Hinsicht vollständig ausgeschlossen. Auf den beiden Palastinaschiffen „Carnaro" und „Adria" gibt es 4—5 Arten Fleischkonserven, wie Huhn, Kalb, Rind und anderes F'eifch und fft das Schiffsperfonal instruiert soweit als möglich, den Wünschen der Reisenden entgegenzukommen. Sämtliche rituellen Konserven, mit eingeprägten Koscherstempel der betreffenden Firma, unterliegen der vorherigen zuständigen rabbinischen Genehmigung. Auf den rituellen Tisch kommen abwechselnd auch Bratbezw. Backfische. Wenn einzelnen Passagieren aus Wunsch auch gesottene Fische gereicht werden, so gehört das nicht mehr zur gewährleisteten rituellen Verpflegung und dürfen auch nicht an der gemeinsamen rituellen Tafel serviert werden. Rituellen Käse hat es tatsächlich zeitweilig nicht gegeben. Doch ist dieser Mangel bereits behoben. Dah die rituelle Verpflegung in der II. und l. Klasse eine reichhaltigere als in der IN. Klasse ist, ist, wie auch bei der nichtrituellen Verpflegung, lediglich eine Folge des höheren Preises. Ber der geringeren Zahl von Passagieren in der I. und II. Klasse, können auch die