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Der Israelit · 1931-04-16 · Heft 16 (16.4.1931) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 16 (16.4.1931)
Date
1931-04-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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16. April 1931 Der I s r & e I i t Nr. 16 Seite 9 509 jüdischen Einwanderern stehen im Dezember bloß 2$ jüdische Auswanderer gegenüber. Auch im ganzen Halbjahr überstieg die Auswanderung von Ausländern die Einwanderung. Die Einwandererzahl im Dezember war die kleinste seit Februar.1919. Die Gesamtzahl der jüdischen Einwanderer während des am 30. Juni abgelaufenen Finanzjahres betrug 11915. Im zweiten Halbjahr 1930 wurde 229 Juden die Einwanderung verweigert und 75 wurden deportiert, während in dem mit Ende Juni abgeschlossenen Finanzjahr 1930 insgesamt 250 nicht zugelassen und 164 deportiert worden waren. (ITA.) Palästina. Der Aeberfall auf jüdische Arbeiter bei Haifa. Jerusalem, 7. April Der am Ostersonntag abends auf jüdische Arbeiter in der Nähe von Haifa verübte Ueberfall hat die Juden heit Palästinas ift Bestürzung und tiefe Trauer versetzt. Die Erregung ist allgemein. An dem Begräbnis der drei Opfer' des Ueberfalls nahmen über 10 000 Menschen teil. s‘ Die Leitung des Jüdischen Nationalrats für Palästina (Waad Leumi) hat beim High Commissioner Sir John Chancellor vorgesprochen, um im Hinblick auf den Ueberfall bei Padjur die Probleme der öffentlichen Sicherheit in Palästina zu erörtern. Ein Arbeiter der Zementfabrik Nescher gab dem Häisaer JTA-Verfteter folgende Schilderung des Vorfalls: ' ' ’ ' Unmittelbar nachdem der Magen mit den jüdischen Arbeitern das Gebiet der Zementwerke verlassen hatte — es war 10 Uhr abends — wurde er von Gewehrsalven empfangen, die von beiden Seiten der Straße kamen. Es war zweifellos ein wohl vorbereiteter und organisierter Ueberfall. Das Schießen aus dem Hinterhalt setzte auch, als bereits einige Arbeiter verwundet auf dem Boden lagen, nicht aus. Hinda Fishman und Samuel Dishel waren auf der Stelle tot, von den übrigen fünf Verletzten starb der Arbeiter Jacob Zamir bald nach seiner Einlieferung ins Spital. Mit aller Entschiedenheit trat der Gewährsmann des JTA-Vertreters der in gewissen Kreisen verbreiteten Meinung entgegen, daß der Schießerei ein Streit zwischen den jüdischen Arbeitern und den Arabern vorangegangen sei. Der Ueberfall, erklärte er, erfolgte ohne jegliche Provokation. Wir haben die Angreifer, die im Dunkeln das Weite suchten, gar nicht zu Gesicht bekommen. Die bei dem Ueberfall bei Padjur Verwundeten liegen im Hadassah-Spital zu Haifa; sie sind außer Lebensgefahr. Der polnische Konsul hat die Verwundeten im Spital besucht. Es verlautet, daß Polen eine Entschädigung für die bei dem Ueberfall Verletzten verlangen wird. Die arabische Tageszeitung „Felestin" erklärt, der Mord von Padjur sei eine schreckliche und verabscheuungswürdige Tat; möge sie nun auf persönliche Feindschaft zurückzuführen sein oder räuberischen Charakter .tragen. außerordentlich stark, und so oft 4i,n Anhänger des Großmufti ein Hoch auf diesen auszubringen versuchte, kam er über die Worte „Lang lebe . . ." nicht hinaus. Er wurde dann durch Rufe wie „DemMfe Geist:fahre in den Pater.des Mufti!" miedergeschrien. Die Pilger übernachteten auf dem Platze vor der Omar-Moschee und vereinigten sich am nächsten Tage mit den Pilgerzügen aus Lifta und Ain Karen. Die Araber gegen die Round Tablekonferenz. Jerusalem, 13. April. Die arabischen Zeitungen begrüßen es, daß die arabische Exekutive in ihrer am Dienstag, den 14. April, stattfindenden Sitzung sich mit der Frage der Entsendung einer Delegation nach London befassen wird. Gleichzeitig berichtet die arabische Presse, daß die arabschen Führer der Regierung mitgeteilt haben, daß sie der Einberufung einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz nicht zustimmen. Daraufhin habe die Regierung ihnen gegenüber die Versicherung abgegeben, daß die Verhandlungen nicht auf der Grundlage des MacDonald-Briefes geführt werden würden, und daß die Teilnahme jüdischer Vertrete ran ihnen nicht unbedingt notwendig sei. Die arabische Presse bringt die Meinung zum Ausdruck, daß es für die arabische Sache vorteilhafter wäre, die Ver Handlungen mit der Regierung in Palästina statt London zu führen. in Personalien. Regensburg, 14. April. Vor Jahresfrist wurde in Darmstadt ein Mann zu Grabe getragen, dessen Verdienste in diesen Zeilen eine kurze Würdigung erfahren sollen: ___ Max Jonas Meyer ließ in der Synagoge der Gemeinde Alsbach (Hessen), seiner frommen Gesinnung gemäß, an der Frauenschule ein Gitter anbringen und stiftete dazu noch ein prächtiges i-ana- In f8aben-^8aben, wo er des öfteren zur Erholung weilte, schenkte er dem dortigen G'tteshause mehrere wertvolle Kultusgegenstände. Beide Gemeinden ernannten ihn zu ihrem Ehrenmitglied. Den größten Teil seines g'ttesfürchtigen Lebenswandels verbrachte er in Darmstadt, wo er an der Seite seiner ihm ebenbürtigen Gattin ein Haus schuf, das wegen seiner Gastfreundlichkeit und Wohltätigkeit weit und breit bekannt war. In den letzten Jahren seines Lebens erfüllte er noch die seltene nw von rro n:r>n> Sein Sohn, der vor kurzem seinen Wohnsitz nach hier verlegte, lieh in seiner Wohnung für das selten schön geschriebene isD einen _ _ _ . viipn vns anfertigen. Während des Trauerjahres wurde Betätigung, die durchdrungen war von einer Ruhe und wären als manche reich mit Ehren Bedachte. In Pieski (Grodno) geboren, wuchs er nmn '212 by heran, um in frühester Jugend die Jeschiwo in Slonim zu besuchen. Mit 18 Jahren erhielt er bereits als Schochet die bon dem Sohne des Rabbi Jizchok Elchonon, dessen Stamm er angehörte. Man muß die Forderungen in Bezug auf Wissen und menschliche Eigenschaften kennen, die im Osten an einen Schochet gestellt werden, um zu verstehen, was es bedeutet, wenn ein so Jugendlicher dort dieses Amtes schon für würdig erachtet wird. Zehn Jahre war er in Frankfurt ein treuer Diener seiner Gemeinde. Zuletzt, als er den großen Anforderungen nicht mehr gewachsen war, übte er in Bensheim als Schochet und Chafon sein aus. Eine tückische Krankheit raffte ihn im besten Mannesalter dahin. Seine Eltern, die er vorbildlich verehrte, wie er überhaupt ein seltener rra war, sahen mit ihm ihre Hoffnung dahinschwinden. Mit ihnen trauern alle, denen es vergönnt war, durch die unscheinbare Schale die edle Seele des Dahingegangenen zu erkennen. •rraxnn Paris, 10. April. In Paris verstarb im Älter von 84 Jahren Baronin Dorothy de Rothschild, geb. Pinto, die Gattin des Barons James A. de Rothschild, eines Vetters Baron Edmond de Rothschild. Die Verstorbene hat sich durch ihr philanthropisches Wirken, insbesondere durch ihre Tätigkeit im Dienste des Roten Kreuzes während des Krieges die Sympathien weitester Kreise erworben. - Schlüchtern, 12. April. Nur 2J4 Monate nach dem Heimgang seiner treuen Gattin und Weggenossin hat auch Moritz Wurz mann, Oberlehrer a. D., in Schlüchtern, das Zeitliche gesegnet. Er hat das biblische Alter im November v. Js. erreicht. Seine Wiege stand in Demmelsdorf in Oberfranken. Frühzeitig verlor er, der Jüngste von fünf Geschwistern, den Vater. Das Waisenhaus in Fürth wurde ihm alsdann zur zweiten Heimat. Seine ausgezeichnete Begabung und seine großen Fähigkeiten wiesen bald auf den Weg seiner ferneren Ausbildung. Cr kam auf die Präparandenfchule Burgpreppach und nach deren Absolvierung in das Lehrerseminar nach Würzburg. Nach Abschluß seiner Studien erhielt er seine erste Stelle in Wiesenfeld bei Karlstadt a. M. Hier war er nur zwei Jahre. Er folgte einem Rufe der Regierung zur Uebernahme der Volksschullehrerstelle in Mainstockheim bei Würzburg. Was er hier in vollen 41 Jahren auf dem Gebiete der Schule, in der Gemeinde und deren Wohlfahrtseinrichtungen Hervorragendes und Segensreiches geleistet hat, war für ihn und seine Gemeinde von solch erfolgreicher Tragweite, daß ihm des öfteren Lob und Anerkennung seitens der Regierung zuteil wurde. Er war nicht nur der weithin bekannte und berühmte Schulmann und Erzieher, dessen Schule den allerbesten Ruf hatte, sondern auch ein Führer seiner Gemeinde, erfüllt von Toroh und Jiroh, die er in Einklang zu bringen verstand mit Derech Erez, wie man es sich nicht schöner und besser wünschen konnte. Dem entsprach auch sein ganzes Ween und Auftreten in seiner dienstlichen wie privaten Die Aebi Alusa-Prozesfton in Jerusalem. — Demonstrationen gegen die Juden, das Mandat und den Großmufti.; Jerusalem, 17. April.' An der. anläßlich des Nebi Mufa-Festes veranstalteten Wallfahrt zu der bei Jericho gelegenen Stätte, an der die Mohammedaner das Grab Mofis vermuten, nahmen viele Tausende Araber teil. Der Zug bewegte sich in feierlicher Prozession durch die Straßen Jerusalems, in denen über 10 000 Zuschauer, vorwiegend 'schwarz gekleidete und verschleierte mohammedanische Frauen, das Schauspiel verfolgten. Es wurden wilde judenfeindliche Rufe laut, die an die Tage des Maffacres im August 1929 erinnerten. Viels Pilger riefen: „Schlagt, verwundet und tötet ohne Furcht." Andere beschränkten -sich darauf: „Nieder mit der Balfour-Deklaratron und dem Mandat" zu rufen. . .! :! Die Behörden hatten außerordentliche Maßnahmen zur Verhütung des Ausbruchs von Unruhen getroffen. Ein Heer von Polizisten war auf den Beinen, Panzerwagen versperrten den Zugang zur Jafsastratze und starke berittene Polizeikräste eröffneten und beschlossen den Pilgerzug, um?.vor allem die tanzenden Derwische, die den verdächtigsten Teil der Prozession bildeten, im Auge zu behalten. Nur der Wachsamkeit der Behörden ist es zu danken, daß es nicht zu. dem befürchteten Zusammenstoß zwischen Anhängern und Gegnern des Mufti kam. Immerhin war die Erregung der beiden Parteien in seinem jüdischen Hause an jedem rot? elernt. Zum ersten Jahrzeitstage ja'} i"a '2wv rw-is mv, an dem das oben genannte isa ausgehoben wurde, widmete der Sohn des Verewigten ein würdiges Geschenk für unser r-iv»n rva zum Andenken seines frommen Vaters. rr:mn- München, 10. April. Am zweiten Pessachtage verschied. 75 jährig, Markus L e w i n g e r. Er hatte die scharfen Kämpfe der vorwärtsstürmenden Reform gegen die immer spärlicher werdenden Reste der Orthodoxie miterlebt und als fleißiger Synagogenbesucher freute er sich immer wieder, in seinem geliebten „Ohel Jakow" zu sehen, daß ein, wenn auch numerisch kleiner, so doch qualitativ hochwertiger Teil der Münchner Judenschaft der traditionellen Richtung erhalten geblieben war. In den letzten Jahren hatte er noch das Glück, sich an einem stetigen Aufstieg seiner ni>vp zu erfreuen. Obwohl nicht immer mit allem einverstanden — er war auch Synagogenvorsteher — hörte man nie aus feinem Munde ein lautes Wort der Kritik, nie ein scharfes oder verletzendes Wort. Gelassenheit und gekrönt von einer Bescheidenheit, die in Familie und Wirkungskreis geradezu sprichwörtlich geworden war. Einer solchen Persönlichkeit ergeben zu sein und ihr sein ganzes Herz zu erschließen, galt in jüdischen und insbesondere auch in nichtjüdischen Kreisen als selbstverständlich. Verehrung und Hochachtung wurden ihm allerseits entgegengebracht. Nach seiner Pensionierung verlegte er seinen Wohnsitz nach Schlüchtern, um den Ruhestand in der Nähe seiner Angehörigen verbringen zu können. Nur sechs Jahre waren ihm noch befchieden. Familie, Freunde und Berufsgenossen werden dem Verstorbenen ein dankbares und ehrendes Gedenken bewahren. Laupheim, 10. April. Oberlehrer a. D. R0 fende r g e r, der 44 Jahre im stattlichen Schuldienste tätig war, vollendet am 24. April in geistiger und körperlicher Rüstigkeit sein 70. Lebensjahr. Möge ihm ein noch recht langer, glücklicher Lebensabend befchieden fein. Berlin, 14. April. Herr Dr. Alfred Wiener, Rechtsanwalt am Kammergericht und Notar, wurde für das Im Vereine mit feiner Gattin 'w führte er ein altj Kammergericht und die Gerichte der Landgerichtsbegi^e jüdisches Haus. Er war nach Rabb. Ehrentreu i>"i der j >. st. und III Berlin als Sachverständiger für Mdsiche erste Münchner, der die Opfer auf sich nahm, um fein Religionsgefetze (Ritualrecht, Eherecht und Zivilrecht) be- -. - ' ' - ---- - ------ eidigt. Neustadt a. S., 10. April. Ein stattlicher Trauerzug bewegte sich zum Friedhof der Kultusgemeinde, um dem nach kurzer Krankheit mitten aus feiner Wirksamkeit ab- Kind in eine ausländische nv'v' ziehen zu lassen. Sein Sohn ist mit der Tochter von Siegmund Fraenkel rv? verheiratet; feine Tochter gehört ebenfalls der strengorthodoxen Gruppe in Breslau an. In feinem Silberwarengeschäft hatte er zum Großteil Nichtjüdlsche Kunden, die seine strenge Sabbatruhe kannten und respektierten. t Die Teilnahme fast aller Ohel Jakow-Mitglieder an der: miap war ein Beweis der Liebe und Wertung, die der genoß. Aber auch viele Prefönlichkeiten der Großgemeinde, mit dem Oberrabbiner an der Spitze, bekundeten durch ihre Anwesenheit, daß der Verblichene über die Grenzen seines engeren Kreises hinaus bekannt und geschätzt war. Herr Rabb. Dr. Ehrentreu '"2 * erklärte, daß er wegen des n-m keinen ivon halten könne. n-axsnberufenen Oberlehrer Karlmann Wähler das letzte Geleite zu geben. Am Grabe schilderte Herr Distriktsrabbiner Dr. V a m b e r g e r aus Kissingen die großen Verdienste des Dahingeschiedenen um die Israelitische Kultusgemeinde. Ganz besonders pries er seine tiefe Religiosität, seinen aufrichtigen lauteren Charakter und sein bescheidenes Wesen. Er verfügte über entsprechende pädagogische Begabung und über ein reiches Wissen, das er in stetem Studium erweiterte. Herr Sanitätsrat Dr. Guggenheimer sprach im Auftrag der Kultusgemeinde und zollte ihm ebenfalls für seine hingebende rastlose Tätigkeit innigen Dank. Als Vertreter der Bezirksschulbehörde sprach Herr Oberregierungsrat Stummer. Er lobte das ersprießliche Wirken Wählers in heim^e^eEmalig^^hasonOun^Sl^chet^er^Genwinde, der Schule. Auch die Regierung würdigte seine Ver- Abraham Gold mann. Er war einer jener , dienfte, indem sie ihn zum Oberlehrer ernannte. Kollege Meüschen, die dadurch, daß sie in bescheidener Treue IBlumenth al von Unsleben ehrte ihn als wahrhaft ibren llcbweren Dienst tun, wenig von sich reden machen,! aufrichtigen Amtsbruder und ubermittefte' das aufrichtige obwohl sie hoher Achtung und Wertschätzung würdiger i Beileid seiner Kollegen. Herr Direttör Dr. G u g -

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