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Der Israelit · 1931-04-16 · Heft 16 (16.4.1931) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 16 (16.4.1931)
Date
1931-04-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 16 Der Israelit 16. April 1931 Gutsbesitzer und spätere Obmann des Kuratoriums der Königswarter-Stistung, Arnold W o d i a n e r, aus Györ, ferner die Rabbinen der Stiftung und späteren Kultusgemeinde, seit 10 Jahren der aus Sopran gebürtige Oberrabbiner Josya Grünvald. Nicht zuletzt die Hotelier-Familie Bermann. Vor 30 Jahren, am 27. März 1901, wurde die erste Synagoge Tirols in Meran eingeweiht und dieses Freudenfest fällt mit dem 10jährigen Jubiläum des derzeitigen Rabbiners der Gemeinde zusammen, unter dessen Führung, die Gemeinde einen erfreulichen Aufschwung genommen, die Institutionen derselben ausgebaut und in musterhaft konservativ-traditionellem Geiste geführt wurden. Rabbiner Grünvald erwarb sich unvergängliche Verdienste durch die Unterstützung kranker ungarischer Juden, deren Unterbringung im Sanatorium des Vereins „Asyl für mittellose kranke Israeliten", ferner um die Ausforschung der Gräber jüdischer Kriegshelden und die neuerliche würdige jüdische Bestattung der Kriegshelden in Ehrengräbern der Israelitischen Kultusgemeinde Merano, unter anerkennenswerter Mithilfe der italienischen Regierung. Es ist zu hoffen, daß unter dieser bewährten Leitung die Meraner jüdische Gemeinde vor einer neuen Periode des weiteren Aufblühens steht. Frankreich. Die Jüdische kaienderreform-konferenz in Frage gestellt. Paris, 10. April. Das „Jüdische Komitee betreffend die Kalenderreform" in Zürich, dem der französische Grotzrabbiner Israel Leoi, Chief Rabbi Dr. I. H. Hertz und die Rabbiner Dr. Fürst (Wien) -und Dr. Lewenstein (Zürich) angehören, hatte im Hinblick aus die Gefahr einer Annahme der Kalenderreform und der Einführung eines Blankotages durch die vom Völkerbund einberufene Konferenz für Verkehr und Transit die Einberufung einer Konferenz aller jüdischen Gemeinden ins Auge gefaßt. Die Konferenz sollte am 14. April stattfinden. — Die Grotzrabbiner von Frankreich und England ermächtigten die I. T. A. zu der Mitteilung, datz sie unter den gegebenen Umständen die Konferenz für nicht mehr notwendig halten und datz sie nicht beabsichtigen, an einer solchen Konferenz terlzunehmen. (ITA.) * * Zürich, 13. April. Herr Oberrabbiner Dr. T. Lewenstein, Generalsekretär des Jüdischen Komitees betreffs der Kalenderreform in Zürich schreibt der I. T. A.: „Infolge der Erklärung der Herren Erand-Rabbin Levi, Paris und Chief Rabbi Dr. Hertz, London, aus der hervorzugehen scheint, datz die Gefahr des Blankotag- Kalenders beseitigt ist, — eine Ansicht d i e ich keineswegs teilen kann — wird die demnächst anberaumte Konferenz aller jüdischen Gemeindevertretungen Europas nicht stattfinden können. Unter diesen Umständen kann ich die Verantwortung für die weiter zu unternehmenden Schritte des jüdischen Komitees betreffs der Kalenderreform nicht länger auf mich nehmen. Ich betrachte somit meine Tätigkeit als Generalsekretär des Komitees als beendet und ebenfalls meine Angehörigkeit zum Komitee. Weitere Sendungen von gesammelten persönlichen Unterschriften für die Massenpetition aus jüdischen Gemeinden, wo diese Sammlungen jetzt abgeschlossen werden, werden von mir noch bis Ende Mai entgegengenommen." (Siehe „Wochenrundschau".) England. Eine Lloyd Georg-Kolonie in Palästina. London, 13. April. Auf einem Festabend zu Ehren Lloyd Georges in London, an dem über 600 Gäste teilnahmen, wurden hohe Beträge zur Gründung einer Lloyd George- Kolonie in Palästina gezeichnet. Der Festabend fand unter Vorsitz von Dr. Chajim W e i z m a n n statt. Außer diesem hielten noch Ansprachen Sir Herbert Samuel, der Chiefrabbi Hertz, Dr. Eder, Nahum So kolo w u. v. a. Aus der bedeutungsvollen Rede, die der gefeierte Lloyd George selber hielt und die den Höhepunkt des Abends bildete, fei folgendes wiedergegeben.' „Ich kann die Dankbarkeit für die mir durch Verknüpfung meines Namens mit einer Kolonie im Tale Jezreel zuteil gewordene Ehrung' kaum durch Worte ausdrücken. Vor 11 Jahren wurde in San Remo das Palästinamandat England übertragen. Damals war Palästina kein Heim für irgendein Volk, sondern eine Ruine, bestenfalls war es der Platz für ein Heim. "Ein Land, das einst 5 Millionen reichlich ernähkt hatte, konnte nunmehr einer Bevölkerung von weniger als einer Million kaum den ärmlichsten Unterhalt bieten. Der in den 11 Jahren seither geNmchte Fortschritt ist unglaublich. Ein befruchtender Strom von Reichtum, Energie, Eifer und geistiger Leistung hat sich nach Kanaan- 'ergossen. Die jüdische Bevölkerung hat sich bereits mehr als verdoppelt und gleichzeitig, dies fei allen Kritikern des Jüdischen Nationalheims gesagt, ist die Zahl und die Wohlhabenheit der arabischen Bevölkerung gestiegen. Der Zionismus, der in ein ruhmreiches, aber zugrunde gerichtetes altes Land neuen Reichtum, neue Energie, neue Initiative, neue Intelligenz, eine neue Hingabe und eine neue Hoffnung gebracht hat, ist zwar weit davon entfernt, seine Aufgabe vollendet zu haben, aber er hat durch seine bisherigen Leistungen gezeigt, daß das Wort von dem Land, das von Milch und Honig fließt, keine unbegründete Legende ist. Es hat auch Unruhen und Unheil gegeben. Wenn aber das Judentum wegen der jüngsten Enttäuschungen aushören sollte, mit erneuter Kraft und Opferwilligkeit an seinem Werke zu bauen, wäre es unwürdig seiner großen Vergangenheit. Ein Volk, das mehr Verfolgungen als jedes andere erlitten und seine Zuversicht doch nicht verloren hat, macht wegen eines abscheulichen feigen Aufruhrs nicht kehrt. Auch die Mandatarmacht muß ihre Aufgaben treu und entschlossen erfüllen. Die infolge des Weißbuches entstandenen Zweifel wurden durch den Briefwechsel zwischen dem Ministerpräsidenten und Dr. Weizmann behoben. Das Mandat muß dem Wortlaut und Geist nach durchgeführt werden. Das Mandat hat die Rechte aller Einwohner des Landes zu berücksichtigen, gleichzeitig aber jene von 40 zivilisierten Nationen angenommene Politik zu verfolgen, durch die die Errichtung eines Jüdischen Nationalheims in jeder Weise erleichtert werden soll. Oberste Pflicht einer Regierung ist es, Leben und Eigentum aller Bürger ohne Unterschied von Rasse oder Glauben zu schützen. Versagt sie in der Erfüllung dieser elementaren Pflicht, so hat sie nicht das Recht, den Platz einer Regierung einzunehmen. Der Jude in Tel-Awiw hat ebenso viel Anspruch auf Schutz wie der Mohammedaner in Cawnpore. Die Palästina-Regierung hat sich anläßlich der letzten Unruhen damit entschuldigt, daß sie überrascht worden sei. Die größte Ueberraschung ist wohl die, daß eine solche Entschuldigung vorgebracht werden konnte. Das Ueberraschungsmoment darf nicht länger zur Entschuldigung für ein Versagen bei dieser primären Ausgabe einer Regierung herangezogen werden. Niemals war die Rede von einer Ungerechtigkeit gegenüber Mohammedanern oder Christen. In Palästina ist genügend Raum für ein Jüdisches Nationalheim, ohne daß irgendeiner seiner jetzigen Bewohner oder dessen Kinder heimatlos gemacht werden müssen. Lange bevor die Wissenschaft die- Möglichkeiten der Entwicklung unbegrenzt vermehrt chatte, hat Palästina das Fünffache seiner jetzigen'Bevölkerung ernährt. Die Juden haben zweifellos einen besonderen Anspruch auf Kanaan. Sie sind die Einzigen, die in dem Lande während der letzten 3000 Jahre erfolgreich gearbeitet haben Und sie haben als Volk nie eine anders Heimat gehabt. Die Menschen, die der Zionismus in Palästina sammelt, kommen aus allen Teilen der Welt. Sie kommen, bereichert durch die Berührung mit allen nationalen Kulturen der Welt, so daß wir von dem zionistischen Experiment nicht 'nur für Palästina, sondern für alle Länder, nicht nur für die Kinder Israels, sondern für alle Menschenkinder Großes erwarten können." Die Eröffnung des zrveiten Teils der Regierungs- Verhandlungen verschoben. London, 13. April. Der Beginn des zweiten Teils der Verhandlungen zwischen Vertretern der Jewish Agency und der englischen Regierung, der für den 13. oder 14. April angesetzt war, wurde im letztne Augenblick verschoben. Ein genaues Datum für die Eröffnung, der Verhandlungen wird erst festgesetzt werden, wenn eine Antwort der arabischen Exekutive auf die Einladung de rbritischen Regierung, eine Delegation nach London zu entsenden, eingetroffen sein wird. Auch hat die englische Regierung noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob der Plan einer jüdisch-arabischen Round Table-Konferenz verwirklicht werden soll. Amerika. Ausdehnung der Arbeiten der Volkswerkzeugkampagne auf ganz Osteuropa. Newyork, 9. April. In Newyork fand eine Konferenz der Volkswertzeug- Kampagne zugunsten der russischen Juden statt. Die Konferenz beschloß, die- Tätigkeit der im Februar 192& von den jüdischen Arbeitergruppen Amerikas zum Zweck des Ankaufs von Wertzeugen und Rohmaterial für die deklassierten Juden Rußlands geschaffenen Organisation zu verstärken und auf ganz Osteuropa auszudehnen. Insbesondere soll im Hinblick auf die immer schwieriger werdende wirtschaftliche Lage der jüdischen Bevölkerung in Polen eine intensive Arbeit der Organisation, die sich nunmehr Volkswerkzeug-Kampagne für die deklassierten Juden Osteuropas nennt, in Polen eingeleitet werden. Aus dem der Konferenz vorgelegten Rechenschaftsbericht geht hervor, daß in den letzten zwei Jahren 176 000 Dollar von der Organisation ausgebracht wurden. Der Großmeister des unabhängigen Ordens Brith Abraham, Nathan Perlinan, ühergab dem Präsidium der Konferenz einen Scheck aus 1500 Dollar als Beitrag, seiner Organisation für die neue Kampagne. Bei einem für die Delegierten veranstalteten Frühstück wurden 15 500 Dollar gesammelt. Zum Vorsitzenden der Organisation wurde der Direktor der Nexoyprker jiddischen Tageszeitung „Vorwärts", B. C. Vl-adek, zum Schatzmeister Herr Baskrn wiedergewählt. Amerikanische Spenden. N e w y o r k, 12. März. Nach amtlichen Veröffentlichungen stammen von 142.082.670 Dollar, die im Jahre 1930 in den Vereinigten Staaten in Spenden von mindestens einer Million Dollar von Einzelpersonen und Stiftungen philanthropischen Zwecken zugesührt wurde, 35.470.020 Dollar oder 25 Proz. von jüdischen Persönlichkeiten und Institutionen. Auch die drittgrößte und oiertgrößte Spende des Jahres wurde von Juden gemacht: Maurice Falk hat 10 SJUUionen, der verstorbene Conrad Hubert 8.750.000 Dollar im Jahre 1930 philanthropischen Zwecken gewidmet. Nachstehend die Liste der jüdischen Persönlichkeiten, die im Jahre 1930 Spenden von einer Million Dollar und darüber für wohltätige Zwecke gemacht haben: Max Adler (eine Million Dollar für ein Planetarium in Chicago), Louis Bamberger und Frau Felix-Fuld (5 Millionen Dollar für ein Institut für höhere Studien in Newark), Max Epstein (eine Million Dollar für ein Kunstmuseum an der Universität Chicago), Maurice Falk (10 Millionen für die Pittsburger Wohlfahrtsstiftung), Daniel Guggenheim (tl/2 Millionen letztwillig für dw Daniel und Florence Guggenheim-Stiftung), Conrad Hubert (8.750.000 Dollar letztwiillg für sieben verschiedene Wohlfahrszwecke), Ralph Jonas (eine Million Dollar für die Vereinigten jüdischen Wohlfahrtsorganisationen von Newyork und Bröoklyn), Jules Mastbaum (2 Millionen Dollar ' für das Rodm-Müseurn in Philadelphia), Harry H. Meyer (2.470.220 Dollar letztwillig für das Montefiore-Spital in Pittsburgh und das Mount Sinai- Spital in Newyork), Julius Rosenwald (2.550.000 Dollar für drei Wohlsahrtszwecke) und Morris Schirmst (eine Million Dollar letztwillig für ein Spital in Konstantinopel). Die jüdische Einwanderung nach Amerika im Iahre 1930. Washington, 12. März. Amtlichen Verlautbarungen ist zu entnehmen, daß ick der zweiten Hälfte des Jahres 1930 5994 jüdische Ausländer zur Landung in die Vereinigten Staaten zugelassenwurden. Davon waren 4026 Einwanderer und. 1965 Personen, die zu vorübergehendem Aufenthalt kamen. In dem gleichen Zeitraum haben 1151 Juden die Vereinigten Staaten verlassen, davon 922 zeitweilig und 159 dauernd. . Die Zahl der jüdischen Ausländer in den Vereinigten Staaten ist in der' zweiten Hälfte 1930 um 4840 Personen gestiegen. Während die Gesamtzahl der Äüslänöer, die zur Einwanderung im Dezember zutzelaffen wurden, geringer war, als die Zahl jener, die im gleichen Zeitraum das Land verließen, war das Verhältnis bei der jüdischen Ein- und Auswanderung umgekehrt.

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