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Der Israelit · 1931-04-16 · Heft 16 (16.4.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 16 (16.4.1931)
Date
1931-04-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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16. April 1931 Der Israelit Nr. 16 Seite 7 die der orthodoxen Aguda nicht Gefolgschaft leisten wollen, für eine regierungsfreundliche Politik zu gewinnen und durch diese Bestrebungen sich die Förderung der Regierung zu sichern. Die Warschauer Aguda-Organisation hat beim Vorstand der Jüdischen Gemeinde gegen den Beschluß der Wahlkommission, den Führer des „Bund", Henrik Ehrlich, sowie die poale-zionistischen Führer Zerubawel und Lew nicht aus der Wählerliste zu streichen, Protest erhoben. In dem Protest weist die Aguda darauf hin, daß diese jüdischen Arbeiterführer sich öffentlich als konfessionslos bekannt hätten. Befreiung jüdischer Fachschüler in Polen vom Sahbatunkerricht. Warschau, 13. April. Das polnische Unterrichtsministerium hat in einem Zirkular die Befreiung der jüdischen Schüler vom Unterricht am Sabbat in den staatlichen Fach- und gewerblichen Fortbildungsschulen angeordnet. Cifanett. Eine neue orthodoxe Organisation in Litauen. K o w n o, 15. April. Am Sonntag und Montag tagte im Saale der Jawne- Schule eine Konferenz, die von 45 Delegierten aus Kowno und der Provinz besucht war. Die Konferenz beschloß die Gründung einer Organisation unter dem Titel nnnv, mit dem Zwecke, alle positiv eingestellten jüdischen Kräfte in Litauen zu vereinigen und zu aktivieren, insbesondere die Jugend mit Thorageist zu durchdringen. Die erste Begrüßungsrede hielt Herr Oberrabbiner S ch a p i r o aus Kowno. Darauf ergriff Rabbi K a h a n a aus Ponewiesch das Wort zur Erläuterung der leitenden Ideen der Organisation. Herr Schmu elowitz ab einen Ueberblick über die geistige Lage der jüdischen Gemeinden in Litauen. Es zeige sich leider überall ein geistiger Niedergang. Eine innere geistige Erhebung tue not. Herr Koppelowitz spricht über die Probleme des Judentums in der letzten Zeit. Es habe sich gezeigt, daß alle äußeren Mittel zur Stützung des jüdischen Hauses versagt haben. Das einzige Rettungsmittel sei: Rückkehr zum Volljudentum, Erstarkung des Thorastudiums, Aufklärung in Wort und Schrift. Herr Sachs aus Telschi sieht die vornehmste Aufgabe der Organisation in der Bekämpfung des Amhaareztums. Herr F e i w e l s o h n hält es für notwendig, daß alle, die dazu berufen sind, unter das Volk gehen und die Ideale der Thora in die breite Volksmasse tragen. Nach einer lebhaften Debatte werden die Richtlinien der Organisation angenommen. Für die Ausstellung eines Arbeitsplanes wird ein Komitee ernannt, lieber die Beziehungen der Organisation zu anderen Organisationen wird eine Resolution angenommen, die besagt, daß „die Verbindung nicht den Charakter einer Partei trägt, sondern lediglich eine Gemeinschaft von jüdisch bewußten Männern zur aktiven Arbeit für das Judentum darstellen will." Rumänien. Das Staakenlofen-Problem in Rumänien. Bukarest, 24. März. In Beantwortung einer vor etwa vier Wochen an den Innen- und den Justizminister in Sachen der Staatenlosen gerichteten Interpellation erhielt Senator Dr. Mayer Ebner vom Präsidium des Senats ein Schreiben, in dem gesagt wird, daß das Innenministerium keinerlei Maßnahme zur Ausweisung von Ausländern dieser Kategorie ergriffen hat. Bezüglich jener Personen, die seinerzeit nicht in die Nationalitätslisten ausgenommen wurden, sind besondere Weisungen an die Behörden ergangen. Es werden diesen Personen Spezialscheine ausgestellt, die ihnen bis zur Annahme der Abänderungen zum Bürgerschaftsgesetz als Ausweispapiere dienen sollen. Auch werden diese Personen von den Vorschriften über die Kontrolle der Ausländer ausgenommen werden. Personen, die, obwohl Besitzer von Dokumenten fremder Staaten, sich um die Erwerbung der rumänischen Nationalität bemüht haben, sind verpflichtet, bis zur Fällung der Entscheidung durch die rumänische Regierung, ihre ausländischen Ausweispapiere in Ordnung zu haben. Das Justizministerium hat sogar verfügt, daß in Zukunft solche Bittsteller nicht, wie bisher, ihre Pässe beim Justizministerium zurücklassen müssen. Sie erhalten bei der Einbringung des Naturalisationsgefuches ihre Ausweise zurück und werden i bis zur Entscheidung über das Gesuch als ordentliche! Ausländer betrachtet: ihr gegenwärtiger Status wird durch die Einbringung eines solchen Gesuches nicht berührt. Darüber hinaus hat das Innenministerium Ausländern, die wegen längeren Aufenthalts in Rumänien von ihren Gesandtschaften oder Konsulaten keine Pässe mehr bekommen, erlaubt, unbehelligt weiter im Lande zu bleiben. Ein Regierungswechsel in Rumänien. Bukarest, 10. Aprst. Der Falk der Regierung Mironescu wird in Rumänien als Beginn einer längeren Regierungskrise beurteilt, die zu einer rolligen Aenderung des Systems führen dürste. In jüdischen Kreisen ist man geneigt, von der Uebergabe der Macht an Tilülescu eine Besserung der Verhältnisse zu erwarten, wenn auch anerkannt wird, daß das Kabinett Mironescu in der letzten Zeit bemüht war, den Antisemitismus in die Schranken zu weisen. Der Unterrichtsminister des letzten Kabinetts, Eostachescu allerdings war von antijüdischen Gefühlen nicht völlig frei. Insbesondere erscheint seine Rolle in der Frage der rumänisch-jüdischen Studenten in Frankreich recht zweideutig. Zu diesem Fall schreibt das Organ der Union rumänischer Juden „Eurieruk Israelit": „Die in Paris und in Bukarest abgegebenen Erklärungen ermangeln eines einzigen, aber sehr wichtigen Details: Wenn in dem Brief des Herrn Ballhazard kein Passus über die jüdischen Studenten und deren Sonderbehandlung enthalten war, wieso ist dieser erfundene Teil des Brieses in die rumänische Presse gelangt? Leider wird man jetzt hierfür wohl keine Erklärung mehr erhalten, denn die Negierung ist gefallen, bevor man den Unterrichtsminister zu einer Aeußerung bewegen konnte. Lettland. Ein Agudafieg in Riga. Riga, 12. April. Am Sonntag fanden in Riga die Wahlen zuni Stadtrat statt. Auch diese Wahl wurde aus der jüdischen Gasse von den Parteien links der Aguda, von Misrachi bis zum Bund, unter der Kampfparole: „Gegen die Orthodoxie" ausgetragen, obwohl die Aguda als solche die Hand zum Frieden ausstreckte und für die Gründung eines jüdischen Blocks sich einsetzte, und zwar mit Hinblick aus die Gefahr von außen, aus die antisemitischen Regungen, die die Juden in Lettland um die Frucht der Gleichberechtigung bringen möchten. Das Friedensangebot der Aguda wurde aber schroff.zurückgewiesen und der Kampf nach bekannten Mustern rücksichtslos geführt. Und das Resultat? Von acht Mandaten, die den Juden zustehen, hat die Aguda vier erhalten, die übrigen vier verteilen sich auf einige jüdische Listen; der zionistisch-misrachistische Block, der führend war im Kampfe gegen die Aguda, erhielt nur ein einziges Mandat. Der nicht allein für die Orthodoxie, sondern für die gesamte lettische Judenheit, und nicht zuletzt für den lettischen Staat, hochverdienten Ratmann Mordechai Du bin bleibt Führer der orthodoxen Fraktion im Stadtrat, so wie die Aguda unter den jüdischen Parteien führend bleibt. Wir können mit dem Ausgang der Wahlen zufrieden sein, und diesen als Symptom eines Neuerwachens des jüdischen Lebens in Lettland überhaupt begrüßen. Weitere Erfolge der jüdischen Parteien. R i g a, 31. März. Nach den bis jetzt vorliegenden Resultaten haben sich bei den in ganz Lettland durchgesührten Gememdewahlen die jüdischen Parteien im allgemeinen gut behauptet und konnten an manchen Orten ihre Stimmenanzahl gegenüber den letzten im Jahre 1928 stattgefundenen Wahlen beträchtlich vermehren. Bei den Wahlen in die Stadt-Duma von Riga entfielen von insgesamt 220 597 gültigen Stimmen 17 603 aus die jüdischen Listen gegenüber 14 509 Stimmen, die die jüdischen Listen im Jahre 1928 aus sich vereinigen konnten. Insgesamt erhalten die jüdischen Pareien in der neuen Stadt-Duma 8 Mandate, davon die Aguda 4, und je ein Mandat der revisionistisch-misrachistische Block, der Handels- und Jndustrieverband, der „Bund" und die zionistisch-sozialistische Partei. In Dwinsk haben die jüdischen Parteien insgesamt 17 Mandate erobert, davon entfetten aus den „Bund" 5, auf den Handelsverband 3, auf die Handwerkerpariei 2, auf die allgemeinen Zionisten 2 und auf die vereinigten zionistisch-sozialistischen Gruppen, die Aguda, dse Hausbesitzer und zwei lokale Parteien je rin Mandat. In Libau wurden 10 jüdische Gemeinderäte gewählt. Aus die jüdischen Listen entfielen diesmal 1 000 Stimmen mehr als bei den letzten Wahlen. In Rcfchice dürsten den Juden 14 bis 15 Mandate zusallen, in die Stadt-Duma von Mitau wurden 4, in die von Kreuzburg 10 jüdische Eemeinderäte entsandt. Religiöse Reform als Mittel zur Erhaltung der jüdischen Religion in Rußland. — Bericht auf dem antireligiösen Kongreß in Moskau. Moskau, 6. April. Auf dem vom Apikvrsim-Verband einberpfenen ersten antireligiösen jüdischen Kongreß wurde über die von den religiösen (?) Juden zur Erhaltung des jüdischen Glaubens in Rußland ergriffenen Maßnahmen berichtet. Diese bestehen vor allem in einer weitgehenden religiösen Reform. In den Leningrader Synagogen wurden gemischte Chöre eingesührt und die bisherige gesonderte Sitzordnung für Frauen und Männer aufgehoben. Die Frauen erhielten aktives und passives Wahlrecht in die Synagogenvorstände. In den Kleinstädten wurden allgemein und unentgeltlich zugängliche Chedarim eröffnet. Den jüdischen Kolonisten folgen wandernde Prediger, Schächter und andere religiöse Funktionäre in ihre neuen Niederlassungen und richten transportable Synagogen ein. Alle Rabbiner der Sowjetunion sind bereit; im Interesse der Erhaltung der jüdischen Religion eine Reihe von Vorschriften und Riten zu opfern. Nach Annahme einer Resolution, in der die Entschlossenheit zur Fortführung einer rastlosen Campagne gegen die jüdischen Kleriker und alle jüdischen religiösen Institutionen zum Ausdruck gebracht wird, wurde der erste antireligiöse jüdische Kongreß geschlossen. Die jüdisch-kommunistische Tagsezeitung „Emeh" greift in einem längeren antireligiösen Artikel den Rabbi von Nakhatschkaley in Daghestan heftig an, well er angeblich in einer Predigt die in Moskau verurteilten Menfchewisten verteidigt und erklärt habe, der große Menschewistenprozeß sei in Wirklichkeit eine antijüdische Aktion gewesen. Auch der Warschauer Tageszeitung „Hajnt" wird in dem Artikel der Vorwurf gemacht, sie habe den Menschewistenprozeß als jüdische Angelegenheit behandelt. Tschecho-Siorvake». Demonstration im Preßburger Ghetto wegen Entweihung des Sabbats. Bratislava (Preßburg), 12. April. Eine vielhund ertköpfige Menge demonstrierte am letzten Sabbat vor dem Laden des Trödlers Diamant im jüdischen Viertel von Bratislava gegen die Entweihung des Sabbats durch Offenhaltung des Geschäftes. Berittene oPlizei mußte eingreifen und die Demonstranten zerstreuen. Es wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen. Die Demonstranten wollten ofsenbar im Hinblick auf die bevorstehende Einführung der gesetzlichen Zwangssonntagsruhe in der Slowakei durch ihr Vorgehen religiös kare Elemente davon' abzuhalten, dem Beispiel Diamants zu folgen. Derzeit ist die Ruhe im jüdischen Viertel von Bratislava wieder vollkommen hergestellt. Italien. Don der Jüdischen Gemeinde in 2Neran. Meran, 26. März. Vor nahezu 100 Jahren begann die neuzeitliche Ansiedlung jüdischer Familien im weltberühmten Kurorte Meran. Als Begründer sind die Brüder Daniel und Jakob Biedermann, Eigentümer des weitbekannten Bankhauses D. u. I. Biedermann zu betrachten. Chef des Bankhauses ist auch noch heute ein Mitglied dieser Familie, Friedrich Stransky. Im Jahre 1872 wurde der erste Friedhof mit den Mitteln der hochherzigen Königswqxter-Stiftung errichtet, diese Stiftung versah auch den G'ttesdienst und Religionsunterricht und unterstützte notleidende kranke Israeliten, gründete 1893 das „Asyl für israelitische Kranke", ein Wohltätigkeits-Institut sondergleichen, wo jährlich viele Hunderte minderbemittelte kranke Juden dauernde Heilung erlangen. Große Verdienste um die Förderung des religiösen Sinnes und der Wohltätigkeits-Institutionen erwarben sich der leider allzufrüh Heimgegangene Rabbinats-Kandidat aus Ungarn, Dr. S. B a l k a n y, der ungarische

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