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Der Israelit · 1931-04-16 · Heft 16 (16.4.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 16 (16.4.1931)
Date
1931-04-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit Nr. 16 Seite 5 16. April 1931 sm Deutscher, ein Jude bist". Das Volksbewußtsein (z. B. des Juden) stellt dem Bekenntnis „Ich bin ein Jude" das Bekenntnis gegenüber „Ich bin daS jüdische Volk". Das Jndividualbewußtsein ist in einem Menschen mit echtem Volksbewußtsein völlig geschwunden. Er fühlt nicht mehr sich selbst, er fühlt in sich nur noch das Volk. Der Mund des rnhwidualistifchen Menschen spricht trotz seines Jndmidnalbervußtserns auch nicht „Ich bin der Mund," sondern „Ich bin der Mensch". Der Mund des Menschen mit kosmischem Selbstbewußtsein spricht „Ich bin das Volk". Wenn der Mensch dieses echte Volksbewußtsein gewonnen hat, ist er auch vor einer Gefahr gefeit, in die der Mensch mit bewußtem Volkstum unentrinnbar gerät, näMich vor der Gefahr des nationalen Jndividnalbewußtsems, d. h. des Bewußtseins von der besonderen Bedeutung und den besonderen Interessen seines eigenen Volkes. Das nationale In d i vid u al bew ußtfe m ist weiter nichts als das gemeinsame Volks i' nie re ff e der individualbewußten Volksangehörigen. Keiner von ihnen fühlt und spricht „Ich bin das Volk"; jeder sagt „Ich bin ein Jude, ein Deutscher"; jeder fühlt sich nur als Individuum, wenn auch als jüdisches oder als deutsches Individuum, das dem jüdischen oder deutschen Volke angehört.; Wer dagegen gelernt hat, sich als sein Volk zu empfinden, der fühlt den Strom überpersön-- 1 scheu Lebens durch seinen Körper fließen, für den ist das Lebendige überhaupt ausschließlich überpersönlich, d. h. kosmisch. Sein Leben weitet sich zum Ganzen des körperlichen Lebens, zum Leben des Kosmos. Der Mensch kann nur völkisches Selbstbewußtsein erlangen, wenn alle seine lebendigen Bewegungen zugleich die lebendigen Bewegungen seines Volkes sind. Es gibt nur ein einziges Volk auf Erden, das diejenige Institution sein eigen nennt, die diese restlose Identifizierung ausdrückt, nämlich das jüdische Volk. . Die Thora und die chalacha umfassen alle menschlichen Bewegungen, um sie aus der Sphäre der individuell-persönlichen Bewegungen Miporzuheben zu den lebendigen Bewegungen des jüdischen Volkes. Es ist darum auch erforderlich, daß jeder Jude sie nicht als feine persönlichen Bewegungen, sondern ausschließlich als Bewegungen des jüdischen Volkes empfindet. Damit wird sein ganzer Lebensinhalt überpersönlich: Die Thorabewegungen jüdisch-völkisch, die Arbeit menschheitlich-kollektiv (vgl. Aufsatz „Arbeit"; „Israelit" Nr. 43 und 44) und das Denken und Forschen unmittelbar kosmisch (vgl. Aussatz „Wissenschaft"; „Israelit" Nr. 4/5). Sofern auch nur ein einziges Teilchen der menschlichen Tätigkeiten aus dem Bereich des überpersönlichen Selbstbewußtseins hinausfällt, ist es aus mit diesem Selbstbewußtem. Schon nimmt dann das Jndividualbewutztsein an fern Zipfelchen vom Menschen Besitz und rettungslos ist er ihm damit verfallen; denn ein gleichzei-tiges Nebeneinander von individuellem und kosmischem Selbstbewußtsein in demselben lebendigen Organismus ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wäre die Thorat nicht so umfassend, wie sie es ist, würde sie nicht den ganzen Menschen mit Beschlag belegen, so hätte sie ihren Sinn verloren. Eine auch nur in einer einzigen Einzelheit für unanwendbar gehaltene oder eingeschränkte Thora hätte aufgehört, Thora zu sein. In die Lücke, die diese Einzelheit schafft, dringt sofort das Jndividualbewußtsein, das das kosmische Bewußtsein und damit die Liebe vernichtet, hinein. Der Jude würde Aese eine Bewegung nicht als Zelle des jüdischen Volkes, sondern als Individuum, als Mensch mit Jndividualbewußtsem ausführen. Daher ist ein jüdisches Volkstum, das nicht — wie durch die Thora —- den ganzen Juden, den Juden in a l l e n seinen Bewegungen erfaßt, überhaupt kein Volkstum. Liebe in der Welt ist nur möglich, wenn der Mensch anstatt bewußten Volkstums (oder bewußter Humanität oder bewußter Klasienzügehörigkeit) ausschließlich Volksbewußtsein besitzt. Mine Webe kanD erst in die West kommen, wenn Aas individuelle Selbstbewußtsein ausgerottet ist. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit“ für den Monat Mail Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten. Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von 20 Pfg. Verlag desIsraelitG.m.b.H., Frankfurt a.M. Solange es noch Menschen gibt, die anderen aus die Backe schlagen, ist vollkommene Liebe nur eine Zukunstshoffnung. Echte Liebe leuchtet in dem Augenblick auf, in dem Dein Genosse Dir gleich, mit Dir identisch, mit Dir eins geworden ist. Dann wird der Kosmos eine lebendige Einheit b rDen; dann wird auch das Erlebnis der Einheit von dem Einen Lebendigen, die vollkommene G'ttesliebe gewonnen fein. Du, Jude, bist berufen, Bahnbrecher dieser Zukunftshoffnung zu sein. Du kannst die echte Liebe bei Dir verwirklichen, so Du Dein echtes jüdisches Volkstum verwirklichst, so Du aus dem europäischamerikanischen Jndividualbervußtsein h eraustrittst und emgehst in das Wische Volksbewußtsein: Liebe auf Erden, Liebe m der Welt? Du kannst das Wunder vollbringen! Gehe durch die Thora auf im jüdischen Volksorganismus! Du bist das jüdische Volk! Liebe Deinen Genossen Dir gleich! Korrespondenzen « ßacbricbten. Deutsches Reich. Ostnot der deutschen Juden. Breslau, 25. März. Eine unter Vorsitz des LandesverbandsvorsitzendeU Dr. Georg T a r n o m s t i, Breslau abgehaltsne Vollversammlung dos Bezirkes Mittel- und Niedsirschlesien des C. V. war von den Ortsgruppen stark beschickt. Rechtsanwalt Ludwig Foerder erstattete den Tätigkeitsbericht. Er schilderte das hetzerische Treiben des „Hirschberger Beobachters", des „Schlesischen Beobachters", deren Inhalt sich in den vom „Völkischen Beobachter" übernommenen Tendenzen bewegt. Die Propaganda bewegt sich auf dem Gebiete des Rassen- und Religionskrieges, sowie * der Boykottbewegung. Die Trebnitzer Friedhofsschändung im November 1930 wurde von drei eingeschriebenen Mitgliedern der N. S. D. A. P. verübt. Sie sind übrigens bis heute noch nicht abgeurteilt. Anzeigen des Central-Vereins wegen Beleidigung und Aufreizung zum Klassenkampf bildeten einen wichtigen Gegenstand der Arbeit des Landesverbandes. Der Berichterstatter erwähnte einige Gerichtsentscheidungen von prinzipieller Bedeutung. Einige Prozesse schweben noch. Syndikus Dr. Wiener zeichnete ein Bild der allgemeinen Lage und gab einen Ueberblick über die von der Berliner Hauptstelle geleisteten und vorgesehenen umfassenden Arbeiten. Fast alle Abgeordneten der Ortsgruppen brachten wichtige Mitteilungen über bedeutsame Ereignisse in ihrem Bereiche vor. Der Verbandsvorsitzendelegte die Stellung des Hauptvorstandes zu den schwebenden Fragen dar, erkannte die. bedrückendem wirtschaftlichen Samstag 18 1 Verhältnisse an, warnte aber davor, sich etwa selbst a-uf- Sonntag 19 2 zugebeu und bat, sich von der Krisenpsychose freizumache^n. Montag 20 3 — Syndikus Dr. Wiener wies in seinem Schlußwort Dienstag 21 4 darauf hin, daß die Berichte aus der Provinz Schlesien' Mittwoch o. SS 22 |5 gezeigt hätten, daß die Beziehungen zwischen Juden und Donnerstag 23 6 Nichtjuden,, deren Erhaltung, und Festigung vornehmste Freitag 24 7 Aufgabe sei, in vielen Städten noch recht gut seien, und Samstag 25 8 daß es in Schlesien eine erfreuliche Zahl christlicher Mitbürger aller Parteirichtungen gäbe, die ihren Sinn durch wilde Judengegnerschast nicht haben trüben lassen. Der Central-Verein müsse durch Aufklärung in jeder geeigneten Form Beleidigung und Verkennung des Judentums zurückweisen und das Wissen von der Wertigkeit des Judentums in deutscher und jüdischer Hinsicht verbreiten. Am Sonntag sprachen Justizrat Dr. Brodnitz und Dr. Wiener in einer stark besuchten Breslauer Mitgliederversammlung. Der Vorsitzende der Repräsentantenoersammlung der Jüdischen Gemeinde, Justizrat Perser wies auf den ungeheuren Ernst der Wirtschaftsverhältnisse in Breslau und Schlesien hin. Auch der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden könne diese gefährliche Situation des schlesischen Judentums nicht übersehen. Schleunige Hilfe sei geboten. Justizrat Brodnitz erklärte jeder nutzbringenden Hilfsarbeit die volle Sympathie des Central-Vereins. Wirtschaftlicher Not wirtschaftlich zu begegnen, sei Aufgabe anderer Organisationen. Der C. N. kämpft gegen Verhetzung und Boykott und, seinen Satzungen gemäß, für politische und wirtschaftliche Befriedung. Oesterreich. Plenarsitzung des Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde. — Budget-Beratungen für das Jahr 1931. Wien, 2. April. Sonntag, l en 29. März, begannen in öffentlicher Plenarsitzung de.- Vorstandes der Wiener Kultusgemeinde die Budgetberal.ngen für das Jahr 1931. Die Sitzung wurde vom Prä identen Prof. Dr. A. Pick eröffnet, der nach einem Aulounfall zum erstenmal in der Gemeindestube erschienen war. Aus dem Einlauf ist hervorzuheben, daß Baron Louis Rothschild 20 000 Schilling für Zwecke der Kultusgemeinde gespendet hat. Nach Eintritt in die Tagesordnung ergriff der Finanzreferent Reg.-Rat. Dr. Oppenheim das Wort. Der Referent beurteilt die Finanzlage der Gemeinde sehr düster und schätzt das Gesamtdefizit auf 709 000 Schilling. Er hält es für unangebracht, jetzt mit Steuererhöhungen vorzugehen, so daß nur Ersparungen das Gleichgewicht Herstellen können. Er beantragt die Einsetzung einer Ersparungskvmmission mit diktatorischen Vollmachten und kündigt an, daß versucht werden müsse, auch bei den Personallasten Ersparnisse zu erzielen. Bei der am Montag, den 30. März, stattgefundenen Fortsetzung der Budgetdebatte ergriff namens der Agudah Herr Wolf Pappenheim das Wort. Er beklagte sich über mangelnde Förderung der orthodoxen Interessen seitens der Kehillah, obwohl die Orthodoxie viel Steuern zahlt und eine Unmenge lebenswichtiger jüdischer Institutionen eigener Schöpfung zu erhalten hat. Er fordert insbesondere die Unterstützung der konfessionellen Schulen aus Kehillah-Milteln. England und die Frage der jüdisch-arabischen Zusammenarbeit. Wien, 10. April. Das Zentralorgan der christlich-sozialen Partei Oesterreichs „Reichspost" veröffentlicht ein Gespräch seines Jerusalemer Korrespondenten - Dr. Mambelli mit dem Präsidenten der Jewish Agency unnd der Zionistischen Organisation Dr. Chaim Weizmann über die Frage einer jüdisch-arabischen Kooperation in Palästina und die ökonomischen Auswirkungen des Patzfield'schen Weißbuches und des. Mac-Donald-Briefes. In diesem Gespräch erklärte Dr. Weizmann u. a.: „Was die Juden in der Diaspora und besonders jene von Amerika noch mehr als die Wirtschaftskrise verhindert, ihre Kapitalien nach Palästina zu senden, ist der Umstand, daß sie zu England kein Vertrauen prehr haben. Das Weißbüch der Londoner Regiegierung vom Oktober 1930 erweckte bei den Juden den Wochenkalender. v. 18. - 25. April 1931 I v. 1. - 8. Sjar 6681 enn 'tt mm i-'na p2i2v nmt

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