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Der Israelit · 1931-04-16 · Heft 16 (16.4.1931) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 16 (16.4.1931)
Date
1931-04-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 Nr. 16 Der Israelit 16. April 1931 Aek zakke Iknen 2 ffliffionen if&JJ wenn Sie das Spofte~£os gewinnen! 43'/2°/o aller Lose gewinnen. Schon ein mittlerer Treffer bedeutet: Umwälzung Ihrer Existenz flocft JUaffen^Eofe frei. Haekngkausen Ziehung schon am 20./21. April 1931 _Staat!. Lotterte Einnehmer Zeil 26 (Nähe Amtsgericht) Fernsprecher 27732 druck darauf zu bestehen, daß in der bürgerlichen Gesellschaft die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in einer Weise geregelt werden, die es allen Familienvätern ermöglicht, das Notwendige zu verdienen und zu erwerben, um sich, Frau und Kinder standesgemäß und den heimatlichen Verhältnissen entsprechend zu ernähren. Denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Ihm den Lohn zu verweigern oder unbillig herabzudrücken, ist schweres Unrecht und wibd von der Heiligen Schrift (Deut. XXIV, 14; 15) unter die schlimmsten Sünden gerechnet. Es ist auch nicht recht, die Löhne so niedrig anzusetzen, daß sie in den jeweiligen Verhältnissen für den Unterhalt einer Familie nicht genügen." Im Anschluß daran wird auch die Autorität des Staates zur Verantwortlichkeit für die Schaffung der erforderlichen Voraussetzungen entschieden aufgerufen. Im jüdischen Lager muß man sich angesichts der statistischen Feststellungen ganz besonders mit dem Inhalt und dem Geiste dieser Enzyklika befassen. Gegen die Parole des Hasses. Jede Stimme, die sich heute gegen Verunglimpfung und Verhetzung wendet, findet ein aufmerksames Ohr; denn es ist reichlich still geworden im Bereich des gegenseitigen Verstehens. Und darum ist der Aufruf, den der christliche Friedenskämpfer Alfred Peter im letzten Monatsblatt des Versöhnungsbundes, dem Organ einer bedeut? samen nichtjüdischen religiösen und ausrechten Vereinigung, der breiten Oessentlichkeit übermittelt, besonders zu begrüßen. Dieser Aufruf hat folgenden Wortlaut, — und man sollte ihn verbreiten: „Eins liegt mir auf der Seele: wieder einmal auszurufen zur Achtung vor jedem Mitmenschen und jeder Menschenseele, m einem wie immer rassenmäßig geformten Körper sie sich auch befinden mag. Schwierige Fragen der Rassengegensätze und Völkergeschichte werden nicht gelöst durch Haßorgien und Fluchparolen, die nach einem unverbrüchlichen Gesetz wieder auf den zurückfallen, der sie ausspricht. Ich habe mit ehrlichen Menschen der äußersten Rechten gesprochen, und erfahren, daß dieses Wort eine Erkennungsparole ist, die aber von ihnen selbst nicht gebilligt wird. Ich richte daher an die betreffenden Verbände die Bitte, diese Parole möglichst rasch zurückzuziehen. Auch um unsres eignen Volkes willen, das gerade in der Winternacht dieser Tage sonnenhafter Lichtimpulse und nicht Haßflüche dringender bedarf denn je. Nicht nur auf eine m Volke, auf allen Völkern lastet heute eine furchtbare Schuldverkettung von Jahrhunderten und Jahrtausenden. Wir lösen sie nicht, indem wir uns als Richter übereinander erheben, sondern indem wir uns als Priester des lebendigen G'ttes gegenseitig entsühnen; nicht durch menschenmor^ dende Haßorgien, sondern durch die neuschaffende Kraft aus der Höhe." Das Blatt selber bringt dazu nachstehende redaktionelle Anmerkung: „Ein Losungswort, so menschenunwürdig und wid>erchriftlich, daß wir es hier nicht wiedergeben möchten, wenn es nicht beinahe Tag für Tag in den Straßen unserer Städte tausendfach widerhallen würde — „Juda verrecke!" — ein Fluchwort, das nur Unsegen bringen kann ..." Unsere jüdische Aufgabe bleibt es, der Psychose des Niederganges eine wahrhaft kraftvolle und sichtbare religiöse Verinnerlichung entgegenzusetzen. Eine unerwünschte Kabinettskrise. Im Nachrichtenteil dieser Nummer veröffentlichen wir eine JTA-Meldung, die von den Oberrabbinen von Frankreich und England, den Herren Rabbinen Dr. L e v y und Dr. Hertz inspiriert ist, in der es heißt, daß das „Jüdische Komitee betreffend die Kalenderreform" in Z ü - r i ch, die von ihm schon vor Monaten beschlossene Einberufung einer allgemeinen Konferenz der jüdischen Gemeinden u n d G e m e i n d e v e r b ä n d e jetzt n i ch t m e h r f ü r n o t w e n d i g h a l t e und wonach die Herren Dr. Levy und Dr. Hertz „nicht b e ä b s i ch t i g t e n , a n einer solchen Konferenz t e i l z u n e h m e n." Den Schlüssel zu dieser seltsamen Erklärung bietet ein daran anschließendes Communique des Generalsekretärs des Züricher Komitees, Oberrabbiner Dr. L e w e n st e i n , aus der hervorgeht, daß dieser im Mittelpunkte der ganzen Kalenderreform-Abwehr stehende verdienstvolle eigentliche Arbeiter des Komitees seinen Austritt aus dem Komitee ankündigt, weil er im Gegensatz zu den Anschauungen seiner beiden Kollegen von Paris und London die früher beschlossene und bereits e i n b e r u f e n e Gemeinde-! konferenz noch jetzt für unentbehrlich hält, um die Ein h e it li chk e,i t un d Wirksamkeit der weiteren Arbeit z u s i ch e r n. Die jüdische Oessentlichkeit wird von diesem Konflikt mit recht peinlichen Gefühlen Kenntnis nehmen, und es scheint uns die Aufgabe der jüdischen Presse aller Parteirichtungen zu sein, die beteiligten Herren, die, ebenso wie das vierte Mitglied des Komitees, Oberrabbiner Fürst in Wien, bisher das uneingeschränkte Vertrauen aller Richtungen und Parteien innerhalb der gesamten Judenheit besaßen, an die schwere Verantwortlichkeit zu erinnern, mit der sie sich durch diese quereile de maison im Angesichte des g em einsa m e n Gegners belasten. Es muß schlechterdings Mittel und Wege geben, um die zwischen den Herren bestehende Meinungsverschiedenheit, zu der wir sachlich im Augenblick gar keine Stellung nehmen wollen^ auszugleichen, ohne daß die Züricher Zentralstelle in die Luft fliegt. Es gibt gewiß jüdische Organisationen, wir erinnern an den W e l t v e r - band S cho m r e S chab b o s und an die A g u >d a s I i s r o e l, in deren Leitung starke Neigungen bestehen, die Erbschaft des Züricher Komitees anzutreten und den Kampf gegen die- Kalenderreform selber und nach eigenert Gesichtspunkten in die Hand zu nehmen. Aber wir glauben, daß weder diese beiden Organisationen, noch irgend eine andere die Aufgabe des Züricher Komitees als Vertrauensstelle für die g e s a m t e I u d e n h e i t d e r W e l t zu fungieren, wie die Dinge heute einmal liegen, in vollem Umfange übernehmen können. Die schwer gefährdete Sache der Sabbatinstitution muß höher stehen, als die subjektive Willensmeinung dieser oder jener Personen und dieser oder jener Organisationen. Wir möchten vorschlagen, daß vor allen Dingen ba-e vier Mitglieder des Züricher Komitees unter Zuziehung einiger neutraler Persönlichkeiten zusammentreten, um in persönlicher Aussprache dien Konflikt aus der Welt zu schaffen. Die Aussichten im Rabbinerberuf. (Bearbeitet von der Berufsberatung des B. I. A.) In Betrachtungen über Berufsaussichten kehrte häufig die Behauptung wieder: Die Chancen für Theologen sind sehr gut. Wenn das vielleicht allgemein zutraf oder heute noch zutreffen sollte, so war dieser Satz für gesetzestreue Rabi biner höchstens bedingt anzuwenden und hatte sicherlich nur kurze Zeit Geltung. Die tatsächliche Lage läßt sich für Deutschland . V* J? Thora min haschoniajim und Sefira-Trauer. Bon B. C. 1. Ein junger Akademiker, der aus einer gesetzestreuen Verbindung sich zurückgezogen, antwortete auf meine Frage nach dem Anlatz dieses Schrittes mit der wegwerfenden Bemerkung: Ach, dadrin halten sie von nichts als von Thora min haschomajim und vom Sefira-Bart! Ungewollt enthielt diese Antwort die Schilderung der religiösen Not unserer Zeit. Unsere Zeit erträgt keine Bindung des Geistes und keine Bindung des Gemütes mehr. Sie atmet nicht mehr den Feuergeist derer, um die wir in der Sesira trauern. Mag die Sesiratrauer ein Gebot später Weisen sein, — sie hat dennoch viel Gemeinsames mit dem Fundament unseres Glaubens: Die Lehre ist vom Himmel. 2. Man hat uns den Vorwurf gemacht, durch unser Festhalten' an Geist und Buchstaben des Thorawortes sei den Äutzeustehenden der Weg zu uns verbaut. Das ist ein Vorwurf ohne geschichtlichen Weitblick. Wäre uns nicht seit den Tagen des Wüstengeschlechtes autzer dem Geiste auch der Buchstabe der Thora heilig gewesen, — ein geänderter Buchstabe hätte im Altertum uns dem Götzendienste, im Mittelalter der Kirche, in der Neuzeit der Aufklärung und in der Gegenwart dem Atheismus und dem Mystizismus in die Arme geliefert. Den Anteil des Menschen selber am Zustandekommen der G'ttesoffenbarung, der größtenteils auf dem Gebiete der Unbewutztseinsforschung zu ermitteln wäre, haben allezeit unsere Weisen mit Stillschweigen Übergängen,- denn noch immer ist die Zeit nicht gekommen, in der man sich auch unter dem Innenleben nichts Regelloses und Willkürliches, sondern streng geregeltes, bis auf den Buchstaben genau präformiertes Eeistesgut vorstellt. Darum wurde am Sinai kerne Thora aus Gefühlen und Hymnen, sondern aus Gesetzen und Buchstaben offenbart. Heilig sind uns darum nicht nur ihre Grundgedanken, sondern auch ihre Buchstaben; heilig nicht nur ihre Propheten, sondern auch ihre Massoreten. Die Thora, „die jetzt sich in unseren Händen findet", ist die welche dem Mose am Sinai gegeben wurde. Die Beweise? Das Leben Israels hat sie selber gegeben. Jede Aenderung eines Buchstaben der Thora hat Sekten erzeugt und — zugrunde gehen lassen. Wir durften nicht danach fragen, ob dieses „starre" System unserer Umgebung gefiel; es blieb unser Rückgrat, „unser Leben und die Länge unserer Tage." 3. Wieviele Buchstaben der Thora hätte man denn schon ändern müssen, um im Zeitalter Rabbi Akibas nicht Opfer, sondern Freunde der römischen Religionsverfolger zu werden? Wieviele Buchstaben, um in den Schreckensjahren der Kreuzzüge nicht Märtyrer, sondern Genosse der „Majim sedonim" zu werden? Bei ihnen allen gilt hie Thora, gilt, jawohl, gilt als Heiligtum dem Geiste nach, nicht dem Buchstaben nach. In ihren Tempeln wird der alte Bund neben den neuen gefeiert, — nur im Glauben, nicht in Taten, — nur im Geiste, nicht im Buchstaben. Wohl aber starben für das Gesetz, den Buchstaben, den Körper der Offenbarung, die Tat, unsere Märtyrer unter Römerschwert und Kreuzfahrerlanze. So gar der Römer des Barkochba-Zeitalters „schwärmte" für Orientreligionen und marterte Thoralehrer. Alle jene Feinde „ehrten unseren Geist und lästerten seine Buchstaben." lieber Märtyrergräbern aber wird der Eid der Ahnen erneuert: Wir geben nichts preis. Keine Gewalt der Vergangenheit konnte uns lebend das geheiligte Schriftzeichen entwinden. So darf auch kein Spottlächeln uns den Trauerzeichen untreu machen, die wir seit jeneu Märtyrerqualen alljährlich anzulegen haben. Was hat alle von Menschen erschaffene, ja in edelsten Menschenseelen entzündete G'ttesverehrung zuwege gebracht? Scheiterhaufen des Fanatismus, Weltkriege, Tod, Verödung. Gewaltlos seinen Weg durch die Zeiten gegangen ist nur das Volk des Thorabuchstabens. Wiegt das Wohlgefallen unserer Umgebung die Treue auf, -bte wir unseren für den Buchstaben sich opfernden Ahnen schulden? 4. Vor allem das Wohlwollen einer solchen Umgebung wie der, in der wir heute atmen, — wiegt es die Treue zu der ernsten und trauerbeschwerten Seele aus, die aus erhabenerem Geschlechts im Frühlingswehen zu uns sich herablätzt? Wenn wir in der Sesira die allgemeinste Ethik der Thora, die Pirke Aboth, mit denr Hinweis auf ihre g'ttliche Herkunft „vom Sinai" alljährlich zu lesen beginnen, — dann haben wir uns damit jedwedes menschlichen Eigenstolzes begeben und verzichten demgemäh bis zu den von der Ueberlieferung als Ende der Sesiratrauer angenommenen Tagen auf die sonst g'ttgesällige Pflege unseres Aeutzeren. Auch das Aeuherliche au uns soll, nach den Worten unserer vertrauten Ueberlieferung, sichtbar dem Tage entgegenharren, an welchem wir Mattan Thora alljährlich neu erleben, — die völlige Unterordnung unseres Tuns und Denkens unter das, was G'tt nicht in, sondern zu unseren Vätern gesprochen. So ist auch ohne die spätere Trauerinnerung die Sitte des Nichtfcherens in der Sefira eine lebende Aeuherung unserer Verbundenheit mit dem Wort G'ttes zu Mose. 5. Wenn daher in gut jüdischen. Akademikerkreisen der Sesiratrauer wirklich einmal eine nur um Weniges geringere-

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