Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 15 10. April 1931t; Der I s r a c I t t Schmone Esre ein Irrsinniger namens Zatlotka mehrere Schüsse ab, wobei der 17jährige Lehrling Eugerr Noch und der 44jährige Agent Nathan Taglicht lebensgefährlich verletzt wurdest. Zwei andere Synagogenbesucher trugen leichte Verletzungen davon. Es gelang dem Oberrabbiner Dr. H e v e s i, den Attentäter zu entwaffnen. PoLen. Die jüdische Gemeinde. Warschau, 26; März. Zum jüdischen Eemeindegesetz gab der Innenminister Skadlowski folgende Erklärung ab: Die Regierung ist nicht gesonnen, in das innere Leben der jüdischen Gesellschaft einzugreifen. Sollte die Verordnung eine solche Bestimmung haben, so könnte sie nur den Zweck haben, den religiösen Charakter der jüdischen Gemeinde, im Einvernehmen mit der Grundidee der Verfassung und den Wünschen der Vertreter der jüdischen Gesellschaft, die am meisten am religiösen Leben interessiert sind, zu wahren. Die Einteilung der W a h lk o m m i s s i o n e n hat den Zweck, eine Desorganisierung der Gemeinden durch extrem radikale Elemente, die im krassen Gegensatz zur jüdischen Religion stehen und deren Taktik darauf hinausgeht, die religiösen Gefühle zu verletzen, zu verhindern. Das Peffachfest und die Wirtfchastsnot im Osten. n W arschau, 1. April. Das Pesfachfeft hat die fürchterliche Wirtschaftsnot unter den Juden des Ostens zu krassem Ausdruck gebracht. Bei der Warschauer jüdischen Gemeinde liefen beinahe 80 000 Gesuche um Pessachhilfe ein. Noch schlimmer ist es in den Prooinzstädten. In Lodz ist fast ein Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung genötigt, an die öffentliche Mildtätigkeit zu appellieren. Leute, die früher zu Pesach 10000 Zloty zu spenden pflegten, haben in diesem Jahre Beträge von etwa 100 Zloty als Unterstützung erhalten. Unter den Tausenden von Menschen, die in Lodz, Warschau, Wilna vor den Gemeindeämtern stehen, brechen häufig Wartende, die schon tagelang nichts mehr gegessen haben, zusammen. Die amerikanischen Unterstützungen sind angesichts der katastrophalen Not gänzlich unzureichend. (Ganz ähnliche Berichte liegen leider auch aus anderen Orten des Ostens, insbesondere aus K o w n o, vor. Red.). Der Gemeindervahlkampf in Polen. Warschau, 30. März. Die Warschauer Agudo hatte auf Grund des § 20 der Wahlordnung gefordert, daß vier Mitgliedern der jetzigen Gemeinderepräsentanz, die als Führer des „Bund" in schärfster Weise gegen die jüdische Religion aufzutreten pflegen, das aktive und passive Wahlrecht abgesprochen werde. Die Wahlkommission hat diese Hop-; derung mit vier gegen drei Stimmen abgelehttftnrvo-- gegen Beschwerde beim Regierungskommissar eingelegt werden soll. In Lodz hat die Wahlkommissiön dagegen sämtlichen bundistischen und poalezionistischen Mitgliedern -der Gemeinderepräsentanz das Gemeindewahlrecht entzogen. ' Der Unterrichtsminister erklärte in einem Interview mit dem Direktor der ITA., Jacob Landau, daß es grotesk sei, wenn in Religionsgemeinden Leute Mitwirken und führen sollen, die nicht die Förderung der Religion, sondern den Kampf gegen die Religion als eine ihrer Hauptaufgaben betrachten. Tschechoslowakei. Jugend tag in kafchau. K a s ch a u, 20. März. Bor kurzem feierte der hiesige orthodoxe Jugendverein „Bene Emunim" sein fünfjähriges Bestehen. Auf einer Vorkonferenz, unter Beteiligung mehrerer Jugendvereine aus der Ostslowakei, begrüßte Herr Ferdinand Ehrlich die Vertreter und Gäste. Es wurde eine Resolution angenommen zur Schaffung einer umfassenden Organisation in der Ostslowakei. Diesem, soll u. a. auch soziale Tätigkeit wie Stellenvermittlung, Unterstützung der Jeschiwoth obliegen. In der Plenarversammlung am Abend wurden mehrere Referate gehalten. Viele Organisationen, so auch die flrthodoxe Gemeinde, übersaydten, durch ihre Vertreter dem Verein viele Grüße. .. ... Zwangssonntagsruhe in der Slowakei. Prag, 1. April. Die lange gefürchtete Einführung der völligen Sonntagsruhe ist nunmehr erfolgt. Die Verordnung tritt am 1. Mai in Kraft. Rutzland. Das Arteil im Muster Prozeß. Moskau, 30. März. Das Minsker Gericht hat den Mohel Jona R a - d u n s k i zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Der Verurteilte kann Berufung . beim obersten Gerichtshof einlegen. England. Paläfiinafragen vor dem Englischen A.nterhaus. London, 26. März. Im Unterhause ersuchte der Abgeordnete der Arbeiterpartei, Holford Knight, den Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, dem Haufe die letzten Informationen über die Lage in Palästina bekannt zu geben. Dr. Shiels erwiderte, seinen Informationen zufolge sei die Situation in Palästina unverändert. Vorfälle von besonderer Bedeutung seien nicht zu seiner Kenntnis gebracht worden. Jedenfalls würden die polizeilichen Maßnahmen, die regelmäßig anläßlich der religiösen Feierlichkeiten in Palästina getroffen werden, auch diesmal platzgreifen. Abgeordneter Knight fragte! fodgnn, ob der High Commissioner auf Urlaüb sei und ob im Hinblick auf das herannahende Osterfest: entsprechende^ Vorkehrungen getroffen worden seien; Dri Shiels antwortete, der High Commissioner sei auf seinem Posten und habe alles Nötige veranlaßt. Nunmehr ergriff der bekannte Zionistengegner Colonel Howard Bury das Wort zu einer Anfrage bezüglich der Lage in Palästina nach Hem Macdanald-Brisf und der Ausdehnung des arabischen Boykotts. Dr. Shiels erwiderte, der High Commissioner habe berichtet, daß die arabische Exekutive am 13. März in einem Manifest alle Araber aufgefordert hat, innerhalb bestimmter Grenzen einen wirtschaftlichen Boykott gegen die Juden durchzuführen. Wie weit dieser Boykott tatsächlich durchgeführt wird, ist dem Kolonialamt nicht bekannt. Auf eine weitere Anfrage erwiderte -Dr: Shiels, die Regierung fei dauernd bestrebt, eine Kooperation zwischen den beiden Parteien herbeizuführen. Der Ansicht Colonel Howard Burys, daß der Brief des Minister-, Präsidenten an Dr. Weizmann eine diesem. Bestreben entgegengesetzte Wirkung gehabt habe, könne er nicht zu-' stimmen, wenn ihm auch bekannt sei, daß an diesem Brief vielfach Kritik geübt wurde. Tagung. Jüdischen..Vereinigung; für.s Frauen?1 und Mädchenschutz^ - London, 12. März. Die jüdische Vereinigung für Frauen- und Mödchenschutz veranstaltete im Hause von Lord Vearsted einen Vortragsabend, auf dem der Präsident der Amerikanischen Gesellschaft für Sozialhygiene, Prof. .M. A. Vigelow, Chiesrabbi Dr. I. H. Hertz u. a. referierten. Dr. Claude G. Montefiore berichtete über die immer umfangreicher werdende Arbeit der Vereinigung. Die Vereinigung hatte sich im abgelaufenen Jahr mit 1574 Fällen, davon 776 neuen, zu befassen. Der Sekretär der Vereinigung, S. Cohen, berichtete über die in Genf geleistete internationale Arbeit zur Bekämpfung des Mädchenhandels und teilte mit, daß 26 Negierungen beschlossen hätten, die gesetzliche Festlegung der Altersgrenze von 21 Jahren für freiwillige Zustimmung aufzuheben, so daß jeder Mädchenhandel, unabhängig vom Alter, als gesetzwidrig anzusehen ist. Tagung des Board of Deputies. London, 16. März. Der Jewish Board of Deputies hörte in seiner Sitzung am 15. März den Bericht der Palästina- Kommission des Boards über den Macdonald- Brief. Der Vorschlag der Palästina-Kommission, der Board möge im gegenwärtigen Augenblick keine Resolution zum Briefe, des Ministerpräsidenten .Macdonald an Dr. Weizmann fassen, noch irgend eine andere Aktion G'ttestat, die, stolz und gewaltig in ihrem wunderhaften Wesen, gleichwohl dem Menscheninst ihrem Sinn nnd Zweck in Fleisch und Blut überzugehen vermag. Waren doch beide Säulen, die mit Israel wie treue Gefährten durch die Wüste zogen, reine!g'ttlkchesi Wunder, die so wenig zu den sogenannten Himmelskörpern zählten, . daß die Astronomie ihr^ Erscheinen und Verschwinden nimmer hätte vorausberechnen können.-— Auf ein Mal waren sie beim Auszuge aus Aegypten da und ebenso plötzlich, ohne natürliche Voraussetzung, blieben sie beim Einzüge ins heilige Land wieder aus. Und doch war ihr Zweck so erdnah, den alltäglichen Bedürfnissen des Menschen so verbunden, daß der Mensch dazu imstande ist, ihn in seiner kleinen Welt gleichfalls zur Erfüllung zu bringen, i—'iVs? nennt ihn Rowo beim Sabbatlichte (Sabbat 23 b) und Rafchi umschreibt diesen Begriff mit den Worten: „Die Hausgenossen empfinden es unangenehm, im Dunkeln zu sein." Wo aber ist die Unannehmlichkeit der Dunkelheit fühlbarer, als in der öden, weltverlassenen Wüste, wo sie sich in der Finsternis der Nacht zur beklemmenden Unheimlichkeit steigert? Hier, wo die Technik des Menschen nicht ausreichte, gewährte G'tt die gnadenvolle Wunderspende des Himmels; — an der häuslichen Stätte tritt im Sabbatlichte die Weihe der Pflicht an ihre Stelle. Die gleiche Doppelheit des Wunderhaften und des natürlichen Zweckes kommt, wie uns scheint, in den oben erwähnten Versen (2. B. M., Kap. 13, Verse 21 und 22) zur Geltung. Wird doch im ersten dieser Verse das Wunder mit solchem Nachdrucke betont, daß G'tt selber in der Wolkensäule — — —, in der Feuersäuleals Israels Führer durch die Wüste erscheint. Der zweite Satz hingegen verrät eher eine an den natürlichen Lauf der Gestirne erinnernde Regelmäßigkeit. Er schildert wie die Wolkensäule stets vor Tagesbeginn und die Feuersäule vor Eintritt der Nacht erschien.und wie sich diese Regelmäßigkeit des frühzeitigen Erscheinens „vor dem Volke" abspielte. Er läßt, uns vermuten, wie tief dieses Erlebnis, welches sich in vierzigjähriger Zeit täglich wiederholte, ins Bewußtsein des Volkes drang. Er läßt uns ahnen, wie die tägliche Wahrnehmung als ein unverlierbares Gedankengut. über die Jahre der Wüstenwanderung hinaus im Volke weiterlebte Und die erleuchteten Geister der Nation noch in der Folgezeit anzuregen vermochte, sie im sabbatlichte zu verewigen. Die Sieligkest der Wiederkehr dürste ebenfalls als Grund dafür gelten, daß der Vers, welcher ihr Ausdruck verleiht, erst am zweiten Tage nach dem Auszuge aus Aegypten seine Stelle gefunden. Die Wiederholung des Erscheinens der Wundersäulen begann ja erst am zweiten Tage. Erst von diesem Zeitpunkte war die von. G'tt vorausbestimmte Regelmäßigkeit vor den Augen des Volkes zur Wirklichkeit geworden. Auf diesem, in der Tauroh verbrieften Grunde baut sich dann der erlesene Gedanke des y&v ’aa auf. Er ist mit dem Zauber umwoben, den die Wiederholung eines geistigen Momentes auf denkende Menschen ausübt, indem sie ihre Erkenntnis vertieft und ihnen den Gegenstand von einer neuen Seite zeigt. So waren unsere Vorfahren für die Eigenschaft des Sabbatlichtes empfänglich, welche der Feuersäule bei ihrem zweiten Erscheinen, am Freitag abend, innewohnte. Wenngleich das Werkverbot des Sabbat noch nicht erteilt war, trugen sie den Sabbatgedanken im Herzen, zumal Moscheh für sie bei Pharaoh (laut Midrasch Rabba) die Sabbatruhe erwirkt hatte. Sogar das Sabbatlicht diente schon im ersten jüdischen Hause zur Verherrlichung des Sabbats. Wissen doch die Weisen (im Midrasch Rabba zu nnv "n) unserer Stammutter Sara nachzurühmen, daß sie von Freitag zu Freitag die Sabbatlampe entzündete und heißt es an der gleichen Stelle, daß die. ihr ebenbürtige Rebekka als treue Erbin ihres Geistes die - schöne Gewohnheit, noeiterpflegte. Die Annahme ist daher wohl nicht zu kühn, daß unsere Ahnen beim Auszuge aus Aegypten in der Feuersäule mit vollem Verständnis und frohen Herzens das göttliche Sabbatlicht begrüßten. — Im Sinne dieses Gedankens,stehen wir am Freitag., dem,zweiten Pessachtage, km Geiste am Quell des Sabbatlichtes. Das g'ttliche Wunder hat sich für uns in die Pflicht gewandelt, die unsere Weisen uns geboten. Die Heiligkeit der Pflicht, mit welcher wir im häuslichen Kreise die Sabbatlichter entzünden, entspricht der Erhabenheit des Wunders, das G'tt durch die Feuersäule auf weiter Wüstenflur für das ganze Volk vollbrachte. Denn G'ttes Vorbild' haben die Weisen im Pflichtgebote der 'Sabbatlrchter nachgeahmt und G'ttes Wille ist's, daß wir der Lehre unsrer Weisen Gehorsam zollen. So sind, unsre Sabbatlichter noch heute das geistige Bildnis der Feuersäule. Wir selber befinden uns demzufolge an jedem Freitag Abend in inniger Eeistesnähe zu ’ der herrlichen, von der g'ttlichen Fürsorge getragenen Himmelsleuchte, deren Andenken die Sabbatlichter in Palast und Hütte als ein besonderes vML» nirs^ 121 umschwebt. — Gebetzeiten. row; Freitag abend 6.40. Samstag narwri 6.45. Samstag morgen 8.00. Samstag nachmittag 1.00 und 5.00. Samstag abend 8.05. Wochengottesdienst: Morgens 6.15 Nachmittags 6.30 Tefillm-Legen am Morgen 4.25..