Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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10. April 1931 Der Israelit Nr. 15 Seite 3 3cfi zakke Jfinen 2 Millionen sf« wenn Sie das Sroflc-f os gewinnen! 431/a°/o aller Lose gewinnen. Schon ein mittlerer Treffer bedeutet: Umwälzung Ihrer Existenz: Hoi 3t(ofen*£ofe frei. HavKngKaufen Ziehung schon am 20./21. April 1931 ______! Staat!. Lotterie-Einnehmer Zeil 26 (Nähe Amtsgericht) Fernsprecher 27732 gegen, daß die Beschneidung eine hygienische Maßnahme frarftette. Auch Dr. Churgin fiel um un>d beteuert am zweiten Verhandlungstage, daß er selbst stets ein Gegner der Befchneidung gewesen und von mediAmischen Gesichtspunkten aus von ihrer Schädlichkeit völlig überzeugt sei. Der Staatsanwalt A d l e r ft e i n vertrat in seinem Plädoyer den Standpunkt, daß Radunski an dem Tadle des Knaben Tfchertok schuldig sei und plä- Dierte für die Verhängung der Höchststrafe über den Angeklagten. Als Volksanwälte fungieren der Herausgeber des „Oktiäbr" Chaim D u n e t s und L. R o s e n h a u s. (Siehe Nachrichtenteil.) IlsrrezponSenrea » vaedrlchte«. Deutsches Reich. Aotschrei. Berlin, 27. Mörz. Die Zent ralwohlfahrts st eile der deutschen Juden erläßt in Gemeinschaft mit der Deutschen Liga der freien Wohlfahrtspflege, dem Zentral- Ausschuß für die Innere Mission der deutschen evangelischen Kirche und anderer caritativen Verbände einen Aufruf, dem wir folgende Sätze entnehmen: Millionen Erwerbsloser müssen feiern. Alte und Junge leiden schwer. Hunger und Entbehrung gefährden wieder wie in den Schreckensjahren der Inflation die Gesundheit von Erwachsenen und besonders von Kindern, lleberall in Deutschland regt sich der Helserwille. Im kleinen und im großen wird vieles geleistet, um der bittersten Not zu begegnen. Mit dankbarer Freude stellen die Verbände der freien Wohlfahrtspflege die Fülle dieser Hilfsbereitschaft fest, die meist ganz im stillen wirkt. Gegen das Riesenmaß der millionenfachen Not reichen nicht die bis an die letzten Grenzen der Leistungsfähigkeit gespannten Hilfsmaßnahmen von Reich, Ländern und Gemeinden; reichen auch nicht die Ströme freiwilliger Hilfsbereitschaft, die durch die Hände der freien Wohlfahrtspflege, wie auch nachbarlich vom Helfer zum Hilfsbedürftigen fließen. Es muß noch mehr geschehen! Wir wissen, daß es heute kaum einen Menschen in Deutschland gibt, der nicht von der allgemeinen Wirtschaftsnot mehr oder weniger hart getroffen ist. Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Beamte und Angestellte und freie Berufe — alle sind von den Folgen der wirtschafilichen Krise erfaßt. Trotzdem richten wir unseren Ruf an alle. Nicht nur an die, die vielleicht noch etwas übrig haben, vielmehr auch an die, denen es ein wirkliches Opfer bedeutet: Helft mit aller Kraft, die Not zu überwinden! — Rejchsbund für jüdische Siedlung in Deutschland. Berlin, 27. März. Ende März fand in Berlin die Generalversammlung des Reichsbundes für jüdische Siedlung in Deutschland (RJS) statt. Nach einer Begrüßungsansprache des ersten Vorsitzenden des Bundes, Dr. Leo Loewenstein, erstattete Geschäftsführer Martin G o e tz den Rechenschaftsbericht, aus dem hervorging, daß sich dem Reichsbund bereits zahlreiche Synagogengemeinden, Korporationen und Verbände als Mitglieder angeschlossen haben. Mit Hilfe eines von der Jüdischen Gemeinde Berlin im Juli 1930 gewährten Kredits von 100.000 Mark wurde von der Schwesterorganisation des RJS, der Jüdischen Landarbeit G. m. b. H. (ILA), das Gut Groh-Gaglow bei Kottbus erworben. Die auf dem Gute tätig gewesenen christlichen Landarbeiter wurden mitübernommen und die seither neu zur Beschäftigung herangezoenen 23 jüdischen Arbeitskräfte leben mit diesen in bestem Einvernehmen. Antisemitismus ist auf dem Gute Groß-Gaglow und in seiner Umgebung unbekannt. Die jüdischen Gärtner gehören der Gärtnergenossenschaft Kottbus an und erfreuen sich größter Wertschätzung seitens ihrer christlichen Berufsgenossen. Gegenwärtig wird die Gutsgärtnerei in Größe von 19 Morgen angelegt, außerdem werden noch für dieses Jahr 8 Siedlerftellen mit je einem Haus und 10 Morgen Land besetzt werden. Von dem Boden jeder Siedlerstelle werden vier Morgen nach den Vorschriften der Gutsleitung bepflanzt, sechs Morgen werden jedem Siedler zum Anbau für feinen persönlichen Gebrauch überlassen. Das gesamte Gut soll auf 40 bis 50 Siedlerstellen aufgeteilt werden. Die Gestehungskosten einer Gärtnerstelle in Groß-Gaglow dürsten sich auf 19.000 Mk. belaufen, von denen etwa 16.000 Mk. im Rentengutsverfahren umgelegt' werden, während der Betrag von 3000 Mk. von den Siedlern anzuzahlen ist. Die zinsliche Belastung des im Rentengutsverfahren umgelegten Betrages von 16.000 Mk. beträgt bloß 650 Mk. p. a. Der Gedanke der jüdischen Siedlung hat überall stärksten Anklang gefunden, und es besteht die Hoffnung, Mitarbeiter aus allen Organisationen und aus allen Lagern des deutschen Judentums heranziehen zu können. Der Verband der jüdischen Jugendvereine hat Mittel für die Ansiedlung seiner Mitglieder zugesagt, ein Fonds für minder-' noch da war, auf den Höhenwegen. Vielleicht war ihm kein Strauch und kein Baum fremd, kein Kuckucks ruf und kein Nachtigallenschlag.Alle redeten sie mit ihm, wenn sie ihm begegneten. Der Baron und der Pfarrer, der Bürgermeister und der Doktor. Nur der neue Hatz tat ihm weh. „Was tun wir ihnen denn", sagte er einmal. Wir gingen oft auf Waldwegen und sprachen von vielen Dingen. Wir schrieben uns oft. Ich war vor nicht langer Zeit einmal einen tav lang im Dorf, das eine sterbende Kehillo hat.Es war nach Twv -Nacht, da plauderten wir noch von dem und jenem. Cs war eine seltsame Stille in der Gasse. Viele Dinge lietzen mich lange nicht dazu kommen, chn zu besuchen. Dann und wann lietz ich ihm Grütze sagen. Am rottn wollte ich ins Dorf fahren. Dann war wieder etwas anderes. Nächste Woche. Aber man soll es nicht verschieben, etwas Gutes auszusähren, wenn man es sich vorgenommen hat. Nicht, wenn es s'ch um Gesunde handelt, und erst recht nicht, wenn es sich um Kranke handelt. Man soll aus gutem Anlatz Dinge tun und nicht warten, bis man sie aus bösem Anlatz tun mutz. Letzte Woche nach rav bekam ich die Nachricht, er sei nach kurzem, eintägigem Kranksein, still und ruhig, wie das- Leben war, wie das Dorf ist, eingesch lasen. Ich weiß nicht, woran er noch alles gedacht haben mag. Ich weiß nicht, ob er noch einmal Erinnerungen Heraufrufen tonnte aus vergangenen Tagen. Ich weitz nur, daß ich nicht mehr bei ihm war und ihn nicht mehr sehen werde. Am Roschchodesch haben wir ihn auf das alte vbv geleitet. Durch die Judengasse. Vorbei an dem kleinen Schulhaus, von dem ich einmal im Krieg erzählte und das nun ganz zerfallen ist. Vorbei an der alten Schul, in der leere Bänke verstauben. Es war eine undurchdringliche Trauer in der Landschaft. Eisiger Regen peitschte um k>ie Gesichter. Und so Viele, so Viele vom Dorf waren dabei. Roschchodesch verbot, Worte der Klage zu sprechen. Die Natur stimmte ein einziges düsteres Klagelied an. Ein Freund sagte in ein paar Worten, was zum Abschied zu sagen war. Dann betteten wir ihn in die Erde zur Seite der vorausgegangenen greisen Mutter, die im Leben ihm zur Seite war. Das Kind an der Seite der Mutter. Cr war kein Gelehrter, kein Grotzer, keiner mit vielem Tun und weitem Wirken. Nur ein guter, ein lieber Mensch, dem G'tt zum Leiden die Gabe des Ertragens, zur Mühsal das Licht der Freude verliehen hatte. Ls werden viele an ihn denken. Am Quell der Sabbatlichter. Ein Epilog z u m P e s s a ch f e st e. von Willy Wolf, Köln. Wenn, wie in diesem Jahre, der zweite Tag des Pessachfestes auf Freitag fällt, stehen wir im Geiste am Quell der Sabbatlichter. Em berühmter Talmuderklürer, der Verfasser des 'w. hat den Quell mit der Wünschelrute seiner tiefschürfenden Forschung erschlossen. Aus den Schwingen des Gedankens trägt er uns zum ersteu Freitag des jüdischen Volksdaseins, zum ersten Freitag nach dem Auszugs aus Aegypten, zurück und zeigt uns das Himmelslicht der Feuersäule, welches damals unseren Vätern die Nacht erhellte, als das g'ttliche Vorbild der Sabbatlichter. Ein Wort, mit welchem R. Josef laut Sabbat 23 b seiner Frau über eine Vorschrift der Sabbatlichter Aufschluß gab, bot dem ras die Anregung zu seiner trefflichen Erklärung. Als nämlich R. Joses die Wahrnehmung machte, daß seine Frau die Sabbatlichter erst kurz vor Nacht anzündete, belehrte er sie darüber, daß dieser Zeitpunkt etwas zu spät gewählt sei und berief sich dabei auf den Vers 2. 23. M., Kap. 13, Vers 22: bemittelte Siedler soll geschaffen werden. Mit der Versicherungsgesellschaft Phönix wurde ein Legatversicherungsvertrag abgeschlossen, der die Aussicht auf Beschaffung größerer Mittel für die Vundeszwecke eröffnet. Schweiz. Erste Session des Verwaltungsrates des Nansen-Amtes. Genf, 13. März. Der Verwaltungsrat des Internationalen Nansen- Amtes für Flüchtlingswesen hat am 12. März die letzte Sitzung seiner am 10. März unter dem Vorsitz von Prof. Huber, dem Präsidenten des Internationalen Roten Kreuzes und ehemaligen Präsidenten des Ständigen Internationalen Gerichtes im Haag, eröffneten ersten Session abgehalten. Der Rat hat sich im Laufe seiner Tagung vor allem mit der Frage der Arbeitsbeschaffung für die bisher in das Wirtschaftsleben noch nicht wiedereingereihten -70 000 Flüchtlinge und der Versorgung der 65 000 arbeitsunfähigen Flüchtlinge (Kriegsinvaliden, Kranke, Kinder usw.) befaßt. In diesem Zusammenhänge wurde im Verwaltungsrat auch die Frage der Schaffung eines Fonds erörtert, aus dessen Mitteln die Kosten für die Fortführung des Flüchtlingswerks bestritten werden sollen. Der Fonds soll mit Hilfe eines Komitees einflußreicher Persönlichkeiten aufgebracht werden. £ Zum Generalsekretär des Internationalen Nansen- Amtes wurde der ehemalige Adjunkt des Hochkommissars für Flüchtlingswesen Johnson ernannt. Dänemark. Dänische Landeszenlrale des Wellverbandes Schomre Schabbos. Kopenhagen, 3. Mürz. Am 19. Februar hatte die dänische Landeszentrale des Weltverbandes Schomre Schabbos einen Erfolg zu verzeichnen, der ob seiner Nachhaltigkeit besonders unterstrichen werden darf. Herr Oberrabbiner Dr. M. Friediger, der Vorsitzende der Landeszentrale, leitete den ersten größeren Vortragsabend ein, indem er auf die dreifache Aufgabe der Organisation .hinwies: Für den Schabbos in der Außenwelt zu wirken (Kalenderreform), das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit im Innern zu stärken und für die Versorgung der Familie und Einzelperson einzutreten (Nachweis sabbathfreier Stellen). 2llsdann ergriff der Hauptredner des Abends, Herr Rabb. Dr. Meier Hildesheimer-Berlin, das Wort und hielt kraft seines genialen Rednertalents das zahlreiche Auditorium etwa iy3 Stunden in Bann. Angarn rutenial in der Ludapestcr Synagoge. Budapest, 6.^ April. In der Synagoge der neologen Gemeinde gab am Freitag Abend unmittelbar nach Beendigung der „Es wich nicht die Wolkensäule am Tage und die Fenersäule des Nachts vor dem Volke." Raschi erblickt die besondere Bedeutung dieses Verses m dem Umstande, daß ihm schon ein ähnlich lautender vorangeht: „Und G'tt ging vor ihnen her am Taae in einer Wolkensäule, sie den Weg zu führen, und Nachts^in einer Feuersäule, ihnen zu leuchten; zu gehen bei 'Tag und bei Nacht." R. Josef entnahm dem Verse 22, daß die Fcucrsäule am Abend vor dem Verschwinden der Wolkensäule erschien und daß ebenso am Morgen die Wolkensäule vor dem Weggang der Feuersäule sichtbar wurde. Der yvv 'Uv meint nun, wir hätten den Vers 22 eher im Anschluß an Kap. 12, Vers 37, erwartet. Dort berichtet die Tanroh vom ersten Zuge des Volkes, der es von Raamses nach Suckoth führte und der gewiß schon von den Wundersäulen begleitet war. 2ln unserer Stelle jedoch, Kap. 13, Vers 20, heißt es: „Und sie zogen von Suckoth und lagerten in Etham, am 2lnfang der Wüste." Zu diesem Zuge bemerkt Naschi, daß er am zweiten Tage erfolgte, „denn am ersten Tags waren sie von Raamses nach Suckoth gewandert." Da aber der e r st e Tag der Ueberlieserung gemäß ein Donnerstag war, so fiel der zweite Tag, der Tag, bei welchem in Kapitel 13, Vers 22, das vorzeitige Erscheinen der Feuer- und Wolkensäul'e angedeutet wird, auf Freitag. Indem somit die Tauroh das pünktliche Aufleuchten der Feuersäule, welches bereits am Donnerstag abend stattfand, erst am Freitag abend vermerkt, so spricht sie nach der Ansicht des svi» 'ub die Lehre aus. beim Anzünden des Sabbatlichtes diese Pünktlichkeit nachzuahmen. , Die geniale Entdeckung des yvv ’ja weist mithin die unmittelbare ideelle Beziehung der Sabbatlampe zur Feuersäule auf. Sie läßt uns eine Eigenschaft der Feuersäule erkennen, die sie vor den Übrigen zahlreichen Wundern der damaligen Zeit auszeichnet; die Eigenschaft einer