Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1931)
- Date
- 1931-04-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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10. April 1931 . Der Israelit Nr. 15 Seite 5 in diesem Zusammenhang einleiten, fand einhellige Zustimmung. Im Vetlaus der Debatte-über den Bericht der Palästina-Kommission kamen Meinungen der Zufriedenheit, wie auch der starken Unzufriedenheit mit dem Macdonaltst' Briese zum Ausdrucke. In seinem Bericht an den Board of Deputies teilt das Joint Foreign Committee mit, daß es beschlossen habe, allen jüdischen Gemeinden in Großbritannien und Irland eine' Resolutionzur -Annahme zu empfehlen, die sich gegendie Kalenderreform wendet. Die von den Gemeinden gefaßten Resolutionen werden vom Joint Foreign Committee gesammelt dem Völkerbund und der britischen Regierung überreicht werden. Der Bericht des Joint Foreign Committee befaßt sickweiter mit dem Ausländer-Arbeits-Gesetz in Litauen. Es wird hervorgehoben, daß der Innenminister die Erklärung abgegeben hat, daß die im Gesetz vorgesehenen Beschränkungen bloß jene Ausländer betreffen, die feit dem Juli 1929 nach Litauen gekommen find. Schließlich, besaßt sich der Bericht des Joint Foreign Committee mit der Abschaffung der aus zaristischer Zeit stammenden Ausnahmegesetze gegen die Juden in Polen. Diese Frage fand inzwischen durch Sejmbeschluß in Warschau ihre Erledigung. Mlüfttna. Für AriedtzH undVerstän-igstng. in Palästinas — Eine Erklärung des Zentralkomitees der palästinensischen Agudakh Israel. Jerusalem, 1. April. Das Zentralkomitee der palästinensischen Agudath Israel veröffentlichte nachstehende Erklärung: Die Agudath Israel in Palästina, eine Organisation, die an der Besiedelung und Entwicklung des Landes, sowie an der Beseitigung der Hindernisse, die dieser Entwicklung im Wege stehen, interessiert ist, anerkennt die Notwendigkeit, eine Lösung des palästinensischen Problems zu finden und die Ruhe wieder herzustellen, und ist sich darüber klar, daß diese Lösung von einem gegenseitigen Uebereinkommen und der Verständigung zwischen Juden und Arabern abhängt. Die Organisation erklärt in aller Form, daß sie mit den Arabern Palästinas in Frieden zu leben wünscht; daß sie sich jenes Friedens zu erfreuen wünscht, der das Ziel des tiefinnersten Strebens des Volkes Israel für das Heilige Land bildet: eines Strebens, das emporquillt aus Thora und Tradition, deren Wege Wege des Friedens sind; eines Friedens, der die Besiedelung unter günstigen Bedingungen erleichtern soll. Indem sie sich selbst in den Dienst des Friedens und gegenseitigen Verständnisses stellt, ruft Agudath Israel oie Juden Palästinas und der Diaspora auf, ihre Bemühung zu unterstützen und es zU ermöglichen, daß diese Bemühung mit Erfolg gekrönt werde. Sie ruft die Jewlsh Agency, die ein Streben nach Frieden Und gegenseitiger Verständigung cm den Tag gelegt hat, und alle anderen, die an der Spitze der jüdischen Gemeinschaft in Palästina stehen, auf, ihre Anstrengungen auf die Verwirklichung der in vorliegender Erklärung aufgezeigten Ziele zu richten, um gemeinsam mit-der orthodoxen Judenheit diese Verwirklichung zum baldmöglichsten Zeitpunkt zu erreichen. Sie ruft die Araber, die den Frieden wünschen, und deren Führer in diesem Lande aus, ihren Friedenswillen in der Erkenntnis, daß die gegenwärtige Situation uns allen schwere Schäden bringt, durch eigene Anstrengungen zu bekunden: den Willen nach einem Frieden, der auf Gleichheit basiert und sowohl Juden, als Arabern zur Ehre und zum Segen gereichen wird. . , Sie richtet an die jüdische und arabische Presse Palästinas den Appell, einen Aufruf gleich diesem zu erlassen und jene zum Schweigen zu bringen, die durch Verbreitung von Verleumdungen jede gute Absicht und jede lobenswerte Bestrebung zunichte machen. Jede Zeitung soll innerhalb ihres Kreises dazu beitragen, den Frieden und die Wiederherstellung gegenseitigen Vertrauens im Lande zu fördern. An die Palästinaregierung richtet Agudath Israel den Appell, alle beteiligten Parteien zu ermutigen und sie im Hinblick auf das gewünschte Ziel zusammenzubringen. Sie appelliert an die Regierung, die hier bekundete gute Absicht zu fördern, eine Absicht, die zweifellos in den Herzen aller Gutgesinnten Palästinas ohne Unterschied von Rasse und Glauben ihren Widerhall findet. Pessach in Erez Iksroel. Jerusalem, 6. April. Die ersten Pessachtage sind ruhig verlaufen. Die Regierung trifft umfassende Sicherheitsmaßnahmen wegen des"'Zusammentreffens des chrifllichen Osterfestes mir dem mohammedanischen Nebi Musa-Fest. Man befürchtet insbesondere Unruhen vonseiten der kommunistischen Internationale. Welzmann ist in Begleitung von Dr. Ruppin nach Europa abgereist. ' Am Ostersonntag wurde eine Gruppe von jüdischen Arbeitern auf dem Heimwege überfallen, wobei zwei Arbeiter und eine Arbeiterin getötet wurden. Die Täter sind entkommen. ' Amerika. Die Einwanderung nach Amerika fast ganz unterbunden. Washingtons. März. Das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten hat die Regierungsvorlage, die die Einwanderung für die Dauer von zwei Jahren auf 10 Proz. 'der gegenwärtig zugeläfsenen Kontingente beschränkt, angenommen. Für diejenigen jüdischen Kreise in b$n Ländern Osteuropas, die sich für die nächste Zeit zur Auswanderung nach den Bereinigten Staaten auf Grund der zugelassenen Kontingente ihrer Länder vorbereityt haben, bedeutet das neue Gesetz einen sehr schweres Schlags Personalien Macta Kohn-Königshöser Mannheim, 1. April. Im Anzeigenteil des „Israelit" war in einer der jüngsten Nummern folgende ergreifende Anzeige zu lesen: „Am 16. Adar entschlief ohne Schmerz Und Vorahnung meine liebe Frau Maria Kohn geb. Kömgshöfer, 12 Tage nach der Geburt unseres Sohnes. An unserem ersten Hochzeitstage trugen wir sie zu Grabe." Diese schlichte Anzeige, in welcher mit g'ttergebenem Sinn und Ausdruck von einem erschütternden Schicksalsschlag berichtet wird, der über eine hochangesehene Familie gekommen ist, läßt wohl die ganze Größe und Tiefe des Schmerzes erkennen, in den ein junger Ehegatte, Eltern, Geschwister und Verwandte durch des Himmels unerforfchlichen Ratschluß jäh versetzt worden sind, aber nicht den Umfang und die Schwere des Verlustes, die dieser Tod auch für, einen weiten Kreis von Freunden und Bekannten, ja für die jüdisch interessierte Allgemeinheit überhaupt, darstellt. Maria Kohn geb. Königshöfer, die ihre edle junge Frauenseelr vorzeitig ihrem Schöpfer zurückgeben mußte, und gerade zu dem Zeitpunkte, als sich ihr das schöne Glück zu vollenden schien, das sie an der Seite eines wackeren Ehegatten vor Jahresfrist gesunden, war ein Mensch von besonderer Prägung. Ein Enkelsproß des weithin bekannten bn D"'i rrri Dr. M. I. Kömgshöfer in Fürth, lebte sie nicht allein gemäß den Lehren und Traditionen ihres frommen Elternhauses, sondern erhob dieselben zürn bewußten Grundsatz ihres Seins. Das Gewohnheitsmäßige lag ihr überhaupt nicht; ihr Geist rang nach Höherem, nach Durchdringung und Vollendung. Daher ihre Tätigkeit in den Iugendbünden der Agudas Iisroel in ihrer Vaterstadt Fürth und ihre.Berufsarbeit in der Kinderpflege- Und Erziehung. Sie, . der .es eine ernste, höhere Fügung versagt hat, ihre Mutterliebe und Sorge an das eigene Kind zu wenden, hak' schon als Mädchen jung an Jahren,-Geschick und Talent bewiesen zur Erziehung und Heranbildung jüdischer Kinder im Herme der Ahawa in Berlin. Ihre /Güte, ihr heiter-froher Sinn, ihr wohlwollendes Wesen machten sie zu diesem Berufe besonders geeignet. Eine gute Tochter, eine treue Gattin, eine verständnisvolle Mitarbeiterin an allem Wahren und Guten, war sie auch eine aufopfernde Genossin allen ihren Freunden und Freundinnen, und ewig unvergessen bleibt ihr in diesem Freundeskreise die Offenheit und hingebungsvolle Selbstlosigkeit, mit her sie es verstand, Freundschaft zu pflegen. Mit dem Gefährten ihres frühvollendeten Lebens blickt darum auch die Schar der Freunde fchmerzumdüstert nach ihrem frühzeitigen Grabe. Sie aste gedenken der frohen, nutzbringenden Stunden, die sie in ihrer Gemeinschaft verbracht und blicken mit wehmutsvoller Innigkeit ihr nach. Beglückend und heiter, wie ihr ganzes Wesen, hat sie G'tt von solchen Empfindungen erfüllt, rasch imb ahnungslos wie in einem heiteren Trauine der Erde entrückt. rrawn- Neustadt (Saale), 21. März. Unser lieber trauter, auf allen Lehrerversammlungen gern gesehener Kollege, Oberlehrer Wähler, Neustadt a. d. Saale, erlag innerhalb 8 Tagen der tückischen Krankheit einer Rippenfell- und Lungenentzündung. Die Nachricht von dessen unerwartet raschem Hinscheiden erschütterte Stadt und Land und alle Kreise^ die. dem - Entschlafenen nahe standen. Am Dienstag, den 17. März d. I. wurde der allzu früh uns Entrissene zu Grabe getragen. Der fast unübersehbare Trauerzug, in weltfern alle Glaubensgemeinschaften der Stadtgemeinde Neustadt vertreten waren, bot ein Bild rührender Teilnahme und Ehrung des Verklärten. Hinter den Leidtragenden schritten die Schüler und Schülerinnen der israelitischen Volksschule, der Berufs- und Mittelschule. Nun? Dauerwellen und Haararbeiten ist Vertrauenssache! E U G E N O CHS Spezialist dafür Moselslr. 16 . Taunus 1593 ———■ Unverbindlicher Besuch erbeten ammmmmmmmmm folgten unter Vorantiitt des Herrn Bezirksrabbmers Dr. Bamberger, Bad-Kissingen, die Vertreter der israelitischen Kultusverwaltung, der Schulbehörden und Lehrerschaft, Freunde und Bekannte aus nah und fern. Die Beisetzungsfeier eröftnete Herr Bezirksrabbiner Dr. Bamberger. Bad-Kissingen, in einer tiefempfundenen Trauerrede, worin er das musterhafte Lebensbild, seine tiefinnerliche Frömmigkeit und sein segensreiches Wirken würdigte und mit der Verleihung der Chowerwürde dem Verklärten die letzte Ehrung erteilte. Innige Worte der Verehrung und Dankbarkeit sprachen Herr Sanitätsrat Dr. Guggenheimer namens der Kultus gemeinde, Herr Oberregierungsrat Stümer im Aufträge der Schulbehörde, Herr Professor Dr. Guggenmos als Rektor der Mittelschule, Herr Hauptlehrer Blumenthal, Ansleben, für den israelitischen Lehrerverein Bayerns und als Freund, der Vorstand des Bezirkslehrervereins, Herr Lehrer Schmehling, für den allgemeinen bayrischen Lehrerverein und Bezirkslehrerverein Neustadt, Herr Rothschild, Kultusvorstand in Hörstein, entbot ihm im Namen seiner Heimatgemeinde die letzten Heimatsgrütze. Eine Schülerin der Berufsschule und ein Schüler der Volksschule sprachen dem geliebten Lehrer noch Worte des Dankes und Verehrung aus. Rührende Abfchiedsworte rief Herr Oberlehrer Wähler, Hörstein, feinem scheidenden Bruder nach, rraxa/v Frankenthal (Pfalz), 20. März. In der Frühe des 15. Adar (4. März) hat nach kurzer, aber schwerer Krankheit im Aller von nur 56 Jahren Mar Maas feine reine Seele ausgehaucht. Einem schlichten g'ttessürchtigen Häufe (Leiwen bei Trier) entstammend, hat er seine Emuno, sein unerschütterliches G'ttvertrauen, seine Liebe zu rrapn und seinem Gesetz als ein heiliges Ideal im Busen getragen und im Leben betätigt. Und es war der einzige Wunsch dieses edlen Mannes, den gleichen Geist der G'ttesfurcht auch auf feine Kinder übertragen zu können. Ein bescheidener, wahrhaft religiöser Jude ist mit ihm dahingegangen, eine Zierde unserer Gemeinde, deren Thora-, Awoda- und Gemillus-Chesed-Leben er mit allen Fasern seiner Seele unterstützte. Am Grabe verliehen Lehrer Schottland, Frankenthal und Professor Darnkstädter, Mannheim (für den Verein zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums Baden) dem Schmerze über den großen allzu früh gekommenen Verlust ergreifenden Ausdruck. Vermischtes. Ein jüdisches Jugendhaus in Leipzig. Leipzig 27. März. Am Sonntag wurde das neue Iugendhaus, das dank der Opferwilligkeit der Gemeinde den Iugendverbänden aller Richtungen zur Verfügung gestellt worden ist, eingeweiht. Nach einer Ansprache des Gemeindevorstehers G o l d s ch m i d t dankte Herr Hans Oesterreicher lipP Das neue jüdische Jugendhaus in Leipzig, tut Namen des Jugendrings dem Eemeindevorstand für die freundlichen Worte und schilderte die Entstehung des Jugendhauses. Die Grüße und Wünsche des Reichsverbandes der jüdischen Iugendbünde überbrachte Dr. L u b l i n s k i, Berlin. Rach einem Klaviervortrag folgte ein hebräisches Lied. Die Räume des Hauses werden von allen in Leipzig bestehenden Iugendvereinen benützt werden, wobei die Selbständigkeit der Vereine natürlich ganz unangetastet bleibt. Berlin, 22. März. Das Jacobfonheim in Seesen wird am 1. Mai ds. Js. wieder für erholungfuchende Jugendliche beiderlei Geschlechts im Alter von 14—25 Jahren eröffnet. Die Aufenthaltsdauer im Heim beträgt oder 4 Wochen, der tägliche Verpflegungsprsis Mk.