Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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1. April 1931 D e r Israelit Nr. 14 Seite 3 Irrationalen durchsetzte und das Judentum am Leben äußerlich führenden, mit den feinsten Allüren ausgestaterhielt. das ist das Erbe Esras." Und von feiner eigenen!teten, jedoch der lasterhaftesten sittlichen Entartung zuge- Glaubensgemeinfchaft sagt er, sre habe „ihre eigentliche j tauen Weltkind andererseits. Allerdings — wir können Produktivität und Aufba-ukrazt nicht aus der neuen Umhier nicht umhin, einzuschalten, daß wir uns den Vergebung, in die sie eintrat, sondern aus dem jüdischen such und das Gelingen einer Verschmelzung von Reli- Wurzelboden gezogen." igion und Kultur ein wenig anders oorstellen als die The Jewish Librarv" Zweite Serie heraus-!geschätzte Verfasserin. In der Hauptsache gälte es dafür, iiie „Jewisii Library . id et tc werte, -voraus dem Judentum in seiner absoluten Reinheit und gegeben von Rabbiner Dr. Leo Jung. New york. 1930. Bloch Publishing p a n y.! Unantastbarkeit zu vereinigen, was in der einer anderen Com- Religion huldigenden Welt an „verirrten Blütenblättern! vom Baum der jüdischen Erkenntnis", wie Samson Wir Juden haben digeschichtliche Mission zu SÄ'1 ^r,ch -inmal ungefähr fchän lagt, umd°n Augen aller SIMMüibk Ehre der Thara , 's Ltz O p p - n h ° im - r war kein Jd-alm-nsch. IS i n TNnrfit freilich verkörperte sich in ihm unzweideutig und Welt zu einer welUiewegenden, wellgestalt n ch Iin^nsprbtbarer mrrr t»in treuer 'fttener ferne«; fierm werden. Das -ist auch der tiefere otnit von Dy rrn ns» p* -pi, daß Thora und Mizwaus in den Zusammenhang der Welt hineingeftellt werden müssen. In diesem Sinne Hamburger Ordinarius für Erdkunde, Siegfried Passarge, als besangen ablehnen, wenn es sich um eine Beurteilung jüdischer Belange handelt. Wie unsicher allgemeine Aufstellungen seitens der Charakterologie fein können, weift Z. bei der Gestikulation nach. Wenn „in der Tat die Neigung zum Geftikulieren bei den Juden im allgemeinen größer scheint als bei den Ariern" ist es aber eine bekannte Tatsache, „daß die Gestikulation der Italiener, die doch arischer Abstammung sind, durchschnittlich noch viel lebhafter ist, als diejenige bei den Juöen." Die als Anhang beigefügten „charakterokogifchen Beispiele auf dem Gebiete der Heilpädagogik und Kriminalpsychologie" bilden eine wertvolle Ergänzung und Erleuteruna des inhaltsreichen Werken. K. O. Der Zeugnis abzulegem Unsere Tora soll zum unanfechtbar: er war ein treuer Diener" seines Herrn, war diesem mit Leib und Seele, selbst unter Entbehrungen uitfc vielseitigen Anfechtungen zugetan. Dutzende -e x v «tn« von Malen erkennt der Herzog Karl Alexander Ist b»s mn zur Besprechung vvrlieg-vd- Buch eme glan- „ on Württemberg dain den wärmsten und zende Leistung w k* nls«.«- schmeichelhaftesten Ausdrücken an. Indessen machte sich W iinh Oeibuib lki Süß neben dieser frohen und tapferen Dienstbereitmeinen Gebiete abzwelgt. Leonarda da Bnin and L-lbnch und aus Grund ihrer vielen Erfolge auch -in verwarm nur ,m Smne Ea ykt^adisiem Wenn Egotomus breit. Er nutzte Rang und Stet- A [“„8J£L6,ÄSJ lung weidttchj manchmal tyrannisch, aus. bereicherte beherrschte er allenfa.ls etne ganze Reihe von Lehrgegen- A bor..,«.-.«:" n f { _ A w _ |anben. Es gehen ihm aber hundert S°rl,g!-,t°n Lanst- und Mi? fEräner S-Ib,tsicher°h°it durchdacht?» .Pr°>t-kr-ch--t. «.f a,,si°nfcha,tl,chem Gebiete immerhin Be. Wsisen'der Wett reichtet an-/ den Zusammenhlag ,tot““»!*"^mlaum"^ Stn f'l-5“ Ä' unk Erd7°°E 1 TiäKSb I «Mich-- L,d ^M-ÄttchL t Unt-rm-nfchllche- 911165, wa-> Hammel ""d erfüllt, l!• , wohnten in ihm dicht nebeneinander. Hier zarteste HinsblIbe t^^rnri+tbim>rnit>n wurden-1gäbe, weiseste Rücksicht, ein bis zur Selbstverleugnung, und Erde und was sie e^ttt, ms Dasem ««usen wurden, j» bis zur völligen Selbstentäutzerung gesteigertes Hän- ’ “ni;U am Glauben seiner Väter, das ihn, den zu Unrecht durchleuchten und durchwarmen. 'zum Tode Verurteilten, mit gefaßtem Sinn betend die Nr-mönlikbp 9ant Richtstätte betreten ließ. Dort eine strotzende, tobende, ilt^im üebrMchen Alphabet entbalte^nnd in ÄtnnmMer ungezügelte Sinnlichkeit, deren Objekt ihm gleichgültig P im. hebräischen Ä^yavet enlyarien uno tn oe,itm me Bauernmagd oder Gräfin sein. Intuitiv Horm ausgeprägt Mag auch.d«^ d« «wtzrache Lion Feuchtwanger in seinem fluchwürdigen Roman em wemg verändert haben, so ist dennoch zumindest die ' eüfeV, ö'ff unaebeure Nerbreituno eine Anklaae Wirkung, daß das hebräische Alphabet tm Eolus em «ug , oeßen ungeyeure Verbreitung eine ^innagt. Band der Einheit um alle Glaubensbrüder schließt. jjgf" £«j In meisterhafter Weise wird in einem zweiten ArpT]rtilu ^mpfShü* tikel der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion und, seine Konseguenzen dargelegt und im Sinne des gesetzes- Behagen diesen Natitrtrteb und m7°"°°?^n-E7Äma TI' dfetee nvch °s° Mtkresianb Wp-MZich Solche B-weisi svlltev anzur Borficht mahnen. in sich felbst ruhenden und gemächlich -inh-r- Vvn den Grandi-ealen und F-rdimagen de- Inden, i senden?-nd-staat zu einem modernen. wohIg-i-°°>. kamspricht -in d-ttter «-M-I, der ,-?ad° hente, da absolutistischen Staat m,t w-,tg°h-nden Machtbesug. mm, dil rl»I--schi«d-gern °«,sich'a möchte, umsa wichtiger!"'!.!«» 7«.^°»«"'°" s-"bt°. Hier wird ist. Worin di- „!°a-a«nat kl-tm Differenz" besieht, ^e-, S-Ich>chU>ch° P-rsonl-chk-it rade darauf kommt es an, gerade das ist der springende' " oUht el 5 k«9ö"3e"er' ' ö teils ihm angedlchteter oder aufgebauschter Verbrechen Was ist wahres Judentum, so fragt -m andrer "'»-'st.D» b-d-ut-ndst- Jurist de- Landehurp- Meister und deutet auf das thoratreue Judentum, welches ' Don ber Umüer(ttat Tübingen, «(10116 seine Synagoge, Heim und L-b-a omsaht und alle Saadluugen B-r»rt-,Iung zum Tode aus Grund der b-ft-h-nd-n S°. unseres L-b-us zu unserem Seist iegelt.!>«d° de- Deusichen Reichs und des Landes Wurttem- Dah in Palästina das Jentrum jüdischen Lebens berg für unmöglich. Man solle Sutz seinen Raub, so. pulsterei, mützte^ wird tu einem weiteren «rtike, aus.!">«» er tn»“N!«'- °bn-h,»-i, und ihn °us dem s-r. geführt. Bei jeder näheren Angabe aus einem Artikel versündigt man sich an den köstlichen Geistesschätzen aus demselben Artikel, die man aus Raummangel nicht wiedergeben kann. Nun gar mit wenigen Worten den tiefen Gehalt auch nur eines der vielen Artikel zu bringen, ist kaum möglich. Schon die Namen der Verfasser wie Gaster, Isaaks, Hertz, Collins, de Sola Pool, Lieben, Macht, Daiches, Roth und vor allem der Name des Herausgebers bürgen für die Gediegenheit des Buchinhalts im Ihoratreuen Sinne. Glauben und Denken, Philosophie und Irrtum, Spanien und das Mittelalter, Deutschland und Reuchlin, Osten und Westen, jüdische Diätvorschriften im Lichte der Wissenschaft, Chauwaus Halwowaus, der ganze Reichtum jüdischen Lebens und Volkstums ziehen kaleioofkartig an nns vorüber — alles Strahlen, die von einer Sonne ausgehen. — Solche Bücher müßten in den Sprachen aller Kulturländer allen Schülern zugänglich gemacht werden. Dann würden sicherlich viele Jrrtümer verhütet werden, im mz?y nn«i Dr. M. A. 2ud Süß. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte. Von Selma Stern. Akademie-Verlag Berlin. Eine in ihrer strengen unvoreingenommenen Wissenschaftlichkeit, in der übersichtlichen Klarheit der Anordnung und in der fesselnden Form der Darstellung mustergültige Monographie. Hier wird zum ersten Male ohne Zorn und Groll, aber auch ohne hätschelnde Liebe das Bild des vielverlästerten, nie bisher richtig begriffenen württembergifchen „Finanzienrats" aus feiner Zeit, seinem Milieu und seinem Naturell erklärt und verdeutlicht. Joseph Süß Oppenheimer war in der Wurzel und im Mittelpunkt seines Wesens Jude, im Laubwerk und an der Peripherie Barockmensch. In ihm wollte sich zum ersten Male in der deutschen Geschichte die Synthese zwischen diesen Gegensätzen vollziehen. Die Synthese einerseits zwischen dem im Ghetto eingeengten, dadurch unfrei und verschüchtert gewordenen, an die Scholle gebundenen und nicht über sie hinausschweifenden, aüf den Handel beschränkten, aber tiefer Innerlichkeit und fester Glaubensstärke fähigen Juden einerseits. Und zwischen dem seine Blicke und sein Tun auf das Ganze von Staat und Universum richtenden, sich i Nur mit tiefster Ergriffenheit kann man die inhaltsschweren Seiten lesen, auf denen die Verfasserin schildert, wie der der Beobachtung seiner Religion lange Entfremdete reuig zum G'tte seiner Väter zurückkehrt, wie er mit stolzer Beharrlichkeit und Entschiedenheit alle Bekehrungsversuche abweist und sein letzter Atemzug ein brausendes Bekenntnis zu dem Einen Einzigen G'tte ist. . Es ist kaum möglich, die Fülle neuer und bedeutsamer Aufschlüsse in diesen kurzen Zeilen nur zu skizzieren. Man kann nur dringend wünschen, daß das Buch, desfert Wert durch Bilder, Faksimiles, Aktenstücke, Briefe und ein treffliches Register noch erhöht wird, in weiteste Kreise dringt. M. Sp. Die Grundlage» der Charakterologie. Bon Pros. Dr. Th. Ziehen. Langensalza. Hermann Beyer und Söhne. Preis: Mt. 9.—. Vorliegende Arbeit ist der Niederschlag von 15 Vorlesungen, die der Hallenser Professor Dr. Ziehen — ein geborener Frankfurter — in den ($etknluv}en der Universität Jena gehalten und nun in erweiterter Form niedergeschrieben hat. Der zuverlässigen Führung des Altmeisters seelenkundlicher Führung durch dieses schwierige Gebiet kann man sich ruhig anvertrauen. Er versteht es, die Probleme schlicht und klar darzustellen und in geschickter methodischer Art die pädagogischen Folgerungen zu ziehen. Leicht wird allerdings dem psychologisch interessierten Laien die Durcharbeit nicht gemacht, da das Buch mit einem Uebermaß von Fachausdrücken belastet ist. Aus der reichen Fülle des Stoffes seien hervorgehoben: „Charakterentwicklung aus den einzelnen Altersstufen", „Charakterologie des Verbrechers, insbesondere des jugendlicheil". „Charakter und Genie", „Charakterdiagnose" und „Therapie von Charakter und Temperament." Als Juden interessiert UNS der Abschnitt über „Charaktere von Rassen, Stämtnen und Völkern, Charaktere von Sekten und Berufen." Daß der berühmte Psychiater und Psychologe zu dem, was er über Israeliten zu sagen hat, neben einer von ihm als ziemlich dürftig bezeichneten französischen Quelle ausgerechnet nur H. F. K. Günther und S. Passarge angibt, finde ich etwas eigenartig. Wenn er selbst gegeii manche Aufstellungen Günthers erhebliche Bedenken hat, so müssen wir darüber hinaus sowohl Günther als den Philosoph Ernst Marius als Nachfolger Kants. Von Dr. S. Friediänder. Essen. 1330. Verlag G. D. B a c b e f c r. 86 Seiten. Broschiert Mk. 3.60. Nach den Angaben des Verfassers, der sich als glühender Verehrer von Ernst Markus bekennt, ist dieser Philosoph von der Kathederphrlosophie ebenso erfolgreich totgeschwiegen worden, wie vor hundert Jahren Schopenhauer von den Fichte, Hegel und Genossen. Diese Tatsache^ muß aber in unserem Zeitalter der weitestreichenden Pressefreiheit auf wlssLnschaftlichem Gebiete immerhin Bedenken erwecken gegen die Verhimmelungen, die Markus durch den Verfasser erfährt. Fortgesetzt wird uns eingehämmert: Markus war der Kepler und Newton Kants, des Kopsrnckus der Philosophie, den gute Mathematiker, die zugleich schlechte Logiker sind, niiA verstehen. Er ist nicht nur der auf Sehschärfe eingestellte Kant, sondern sein einziger echter Erbe und Fortsetzer. „Hätte man Kant beherzigt, so wäre der sog. Weltkrieg vermieden worden." (Seite 26) Einer so profunden Weltweisheit gegenüber versagt freilich jede noch so ausführliche Darlegung der wahren Ursachen der Katastrophe, die ja viel zu verwickelt sind, als daß sie sich auf eine kurze Formel bringen ließen. Unsere volle Anerkennung verdienen jedoch die trefflichen Ausführungen des Verfassers zur Serualethik und Ehe (Seite 64—68) und Absatz X, der von Glauben und Frecheit handelt. E. F. Year Book Central Conference oi American Rabbis Volrnne lorty. Providence, Rhode Island Convention 1930. Der vorliegende 40. Band des Jahrbuchs der Zentralkonfereiy der amerikanischen Reformrabbmer ist ein guter Bekannter auf dem jüdischen Büchermarkt. Er legt mit feinen 500 Seiten jedenfalls wieder Zeugnis ab von dem literarischen Fleiße der an der Spitze stehenden Herren und auch von der finanziellen Opferfreudigkeit mancher ihrer Anhänger. Der Hauptgegenstand, der in der Konferenr erörtert wurde, war das reformierte Gebetbuch, das nach allen Richtungen hin diskutiert wurde. Ueber die moderne E^ttesidee äußern sich die Räbbinen ^Srickner und Heller. Ueber die Lage des Judentums in Südamerika berichtet Dr. Israel Rafalouitsch aus Rio de Janeiro, der Hauptstadt Brasili ns. Herausgeber des Bandes ist wie früher Rabbirn-r Markussohn in Macon. Aus dem Leben eines Optimisten. Von Ludwig Stein. Berlin W 35. Brückenverlag. Gebunden Mk. 10.-. Professor Ludwig Stein hat seine Memoiren nicht zu Ende führen können, der Tod, der ihn im Juli 30 ereilte, hat uns das Schlußkapitel über seine Stellung zu Kunst, Dtusik usw. oorenthalten. Nicht in gezwungener Reihenfolge, mehr gedanklich verbunden, erfahren wir hier das Leben und die Betätigung des Mannes, der dem Optimismus huldigend auf dem Lehrstuhl in Zürich und Bern und in der großen Politik seinem Lebensprinzlp nachhing. Bedeutende Männer der Wissenschaft und der Politik treffen wir hier an, wir finden eine große Auseinandersetzung über den Zionismus und äußerst interessante Mitteilungen über die „Mittwochgesellschast" und ihre Teilnehmer, wie auch über Amerika. Hier kann man für viele Situationen des Krieges und der Nachkriegszeit wirklich hinter die Kulissen blicken, so daß dem politisch interessierten Leser das Buch viel Neues und Nachdenkliches bringen wird. Von der religiösen Anschauung des Verfassers hören wir wenig, Bibel und biblische Gestalten sind ihm aber geläufig und jüdische Dinge liegen zwar nicht im Mittelpunkte, aber auch nicht außerhalb des Bereiches seiner Betrachtungen. Da Bülow viele Seiten des Buches gewidmet sind, wäre es wertvoll festzustellen, was Bülow in seinen „Denkwürdigkeiten" über Stein sagt. Wer den selbstverständlichen Egoismus solcher Meinoirenschriften vertragen kann, wird an dem Genuß des Buches viele Freude haben. Das Eschweger Memorbüch. Ein Beitrag zur Geschichte der jüdischen Stadt- und Landgemeinden im Kreise Eschwege. Von Dr. Joseph Cohn. Kreisrabbiner emerit. Hamburg 1930. Die verdienstvolle Leistung des Verfassers, der vor kurzem den 80. Geburtstag feiern konnte, liegt nicht nur darin, dre historische Kenntnis eines Bezirkes, über den man in den gegenwärtigen Nachschlagewerken — wie der großen Encyklopaedia Judaica — nichts finden kann, vermittelt zu habet!, sondern darin auch, uns mit Persönlichkeiten und deren Kreis bekannt zu machen, die es verdienen der Vergessenheit entrissen zu werden. Es ist doch eine Freude, zu lesen, daß 1736 in Eschwege eine D'art rw'ip man gegründet wurde, die nach zehn und daun