Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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wieder nach, zwölf Jahren aro machen konnte. Das eigentliche Memörbüch bereichert unsere Literaturgeschichte bestens, zumal sich der Verfasser bemüht, die Zeitgenossen und Verbindungen zu beleuchten. Wertvolle Anmerkungen klären über Abkürzungen, üher Namen vM schneor u. a. aus. Durch die hebräischen Beilagen erfährt man zugleich etwas über die Gemeinden Reichensachsen und Rolhenburg. Wer Interesse an der Vergangenheit hat, wird dem bejahrten Verfasser sehr dankbar sein und sich freuen, baß er diesem Kreise, in dem er als Rabbiner wirken konnte, das nette Büchlein widmete. P. Bummler und Bettler. Roman von Salomon Dem- . b i ij e r. Berlin. 1930. Aria-Verlag. Der Waschzettel — technischer Ausdruck für die wohlwollende Besprechung, die viele Verleger ihren Werken mitzugeben pflegen — sagt: Diese unbedeutende Handlung ist eingehüllt in ein Wortkleid von großer Schönheit und tiefstem Gedankenreichtum. In Bildern und Worten, würdig unserer großen Philosophen, ist die alte Frage nach des Lebens '^>ein abgehandelt." Der. Rezensent, der sich die ihm anvertrauten Werke stets sehr genau zu besehen pflegt, bevor er sie begutachtet, sagt: Es ist altbackene Weisheit, die hier neu in zuge- ' gebenenmaßen schmucker Garnierung aufgetischt wird. Der Unwert oder der „Sinn" des Lebens soll hier an zwei Gestalten demonstriert werden. An einem reichen Globetrotter, der keinen Begriff von der Bedeutung, dem Ernst, der Schönheit des menschlichen Lebens hat. Und dann an einem freiwilligen Bettler, der seelisch zerschmettert wird, weil er, in hoher sozialer Stellung, dem menschlichen Mitleid zulieb gegen die waltende. Justiz und ihren obersten Verkörperet, den Landesfürsten, opponiert, Undank geerntet hat und von seiner Frau verlassen wurde. Einzelfälle, von denen der Bettler der weitaus interessantere ist, werden hier zu typischen Fällen aufgebauscht und zur Grundlage einer allgemeinen, völlig pessimistischen, das Leben verneinenden Weltanschauung gemacht. Dieser müdlässigen, halt- und gehaltlosen Weltanschauung fügt sich auch der Dithyrambus auf die „Fleischeslust" ein, die jede Vergeistigung und Zweckbewußtheit sanktionierter Sinnlichkeit ausschaltet. Wie wär's, Herr Dembiher, wenn Sie bei ihrer trotzdem entschieden großen Begabung einmal folgenden Vorschlag für einen zweiten Teil dieses Romanes in Erwägung zögen? Vielleicht, daß man diesen unermeßlich reichen Herrn Syloian Gluth nach den ziel- und nutzlos verbrachten ersten vier Jahrzehnten seines Daseins in ein tätiges, etwa auf sozialem Gebiete täiges Leben eintreten und ihn auf diese Weise Steuer und Inhalt des Lebens finden ließe? Wir würden uns freuen, dieses dann gewiß gereifte Buch willkommen heißen zu können. Der Jude in der dramatischen Gestaltung. Von Kurt Sabatzky. Buchverlag der Königsberger Hartungschen Zeitung und Verlagsdruckerei, Gesellschaft auf Aktien, Königsberg i. Pr. Ein geschickt zusammengestellter Leitfaden über die Verwendung des Juden in der dramatischen Gestaltung aller Zeiten und Völker, der allerdings nicht ganz vollständig ist. Es fehlen z. B., um wahllos etwas herauszugreifen, Otto Ludwigs „Makkabäer" und Grillparzers Esther-Fragment, von denen der vielhelesene Verfasser nicht in Abrede stellen wird, daß sie ,',in die Weltliteratur eingegangen sind." Das bis. in die ^neueste Zeit aus- ' gedehnte Büchlein .plant und unterhalt keine tiefgründigen Analysen der behandelten Merke, sondern zumeist Inhaltsangaben, aüs denen aber doch deutlich, und interessant die Stellung ihrer Autoren zu denHuden, hervorleuchtet, die in ihrer Auffassung teilweise zertgebünden, teilweise persönlich gebunden, manche auch durchaus objektiv sind. Der Sündensall des Christentums. Eine Untersuchung über Christentum, Staat und Krieg. Von E. I. Heering. Gotha. 1930. Leopold Klotz Verlag. 278 Seiten. Dgs.° Christentum, wie es sein Begründer—iis' den ^^venEe'n Jahren seines Wirkens lehrte, ist--gegen Krieg *und Heeresdienst. Wenn sich später--die' Vertreter des Christentums mit dem Krieg versöhnt haben, so bedeutet dos ein Abweichen von dem reinen Christentum, zu dem zurückzukehren Heering ausfordert. Heering polemisiert gegen das Judentum, das in seiner Bibel zwei Gedankengänge aufweise, nämlich einen national-kriegerischen und einem dem Krieg abgewandten. Diese Behauptung zeigt den Blick des christlichen Theologen. Das Tatsächliche ist aber so: Der christliche Glaube wendet sich an das einzelne Individuum und stellt an es radikale ethische Forderungen. Die jüdische Volksreligion wendet sich an den Einzelnen und an die Gesamtheit, — und die Gesamtheit, das Volk, muß eben mit der Tatsache der Möglichkeit von Kriegen. rechnen. Die Bibel umfaßt neben der Religion auch ein Jahrtausend Geschichte des jüdischen Volkes, und die Bibel idealisiert ihre Menschen nicht, sondern schildert sie mit ihren Abirrungen gegenüber den g'ttlichen Geboten. Wer beurteilen will, was die Bibel über den Krieg sagt, der darf nur das von ihr darüber Gebotene betrachten und muß alles Geschichtliche abstrahieren; — genau, wie cs Heering bezüglich des Christentums tut. Tel-Aviv. Jüdische Geschichte. Mit 16 Illustrationen und Register. Von Joachim Prinz. Berlin 1931. Verlag fü r Kulturpöl iti k. 272 Seiten. Es ist kein Buch ^er Geschichte. Aber wer jüdische Geschichte kennt, gewinnt einen Gesamtüberblick über ganze Epochen der jüdischen Vergangenheit. Die Gesinnung des Verfassers spiegelt sich in seiner Geschichtsauffassung, wenn auch nicht ausdringlich, so doch hie und da deutlich wider. Sie ist n a t i o n a l und gemäßigt liberal. S. R. Hirsch find ein Dutzend Zeilen gewidmet. Er wird ihm, was die Synthese von Gesetzestreue und Bildung betrifft,. gerecht und bezeichM ihn als einen Mann von großer Sprachgewalt und glänzender Formulierungskunst. Die Entscheidung, so meint er, habe auch er in Wirklichkeit nur hinausgeschoben. Sein Antipode, Abraham Geiger, ist für ihn „ein Apostel des prophetischen Judentums". Ueber den kleinen Reformer Jacobson bricht er völli^'den Stab. Theodor Herzl nimmt beinahe acht Seiten in Anspruch. Das Buch ist gut geschrieben und man könnte den zweiten Teil über die nachbiblische Zeit hinnehmen, würde uns nicht die Darstellung der biblischen Zeit die Freude am Werke gründlich verderben! Ist es auch nicht Bibelkritik alten Stiles, so hat doch Prinz seine eigenen kritischen Methoden, die nicht minder gefährlich sind — noch weit gefährlicher sogar —. weil hypothetische Spekulationen auf eigene Faust hier Grundlage ganz unhaltbarer, aber in der Form bestechender Darstellungen abgeben. Es ist eine ähnliche Enttäuschung, wie wir sie bei D u b n o w erleben. —tz. Jüdische Legenden. Nacherzählt von Else Schubert- C h r y st a,l l e r. Verlegt bei Eugen Salzer. Heilbronn. Eine ganz ausgezeichnete Sammlung von deutsch nachergählten Midraschim. Tieferer Gehalt und innerer Ton find trotz der entzückenden Schlichtheit und Schönheit der Sprache vorzüglich getroffen. Das Büchlein ist ein höchst empfehlenswertes Geschenkwerk für Kinder aller Altersstufen und religiösen Richtungen, gleichgültig ob sie zu den Leben'squ?llen des Talmud und Midrasch unmittelbar hineführt werden oder ob sie dieselben auf diese Weise abgeleitet kennen lernen. Wir wünschen dem Bändchen noch Nachfolger aus der gleichen Feder. Warum ich Jude bin., Von Edmond Fleg. Berlin SW 68. ^6 i i o 58 e r I ct g. 94 Seiten. Ein kleiner Prophet. Von Edmond Fleg. München. R. Piper u. Co. 200 Seiten. Edmond Fleg (Flegenheimer), eine begabte Persönlichkeit von starker ethischer Qualität, stand in der Gefahr, als Jude ein Abtrünniger zu werden. In seinem Elternhause sah er, eine Mischung noch gefühlsmäßig beobachteter jüdischer Sitten und vom Verstand aufgenommener Anschauungen und Gewohnheiten der nichtjüdischen Umwelt vor sich — und seine sich nach Wahrheit sehnende jüdische Seele zerbrach an diesem Zwiespalt. Rabbiner und Religionslehrer zeigten sich als Söldlinge eines Berufes, waren aber keine Berufenen und gingen den Fragen des Knaben aus dem Wege. Die philosophischen Studien seiner Universitätsjahre entfernten ihn noch mehr, — und so wurde er einer der Schriftstellertypen, an denen wir Juden leider so reich sind, kein Jude und darum ein Schwankender. Da kam der Dreyfus-ProFeß und wurde Fleg zum Menetekel, wie er es auch Herzl geworden .war; nur. daß Herzl zum jüdischen Volkstum, Fleg aber zur jüdischen Religion zurückfand. j( Flegs Bekenntnisschriften — „Der kleine! Prophet" hat die Form einer biographischen Novelle — zeigen, wenn auch in großen Umrissen, trefflich den. Unterschied zwischen Judentum und, Christentum und geben jedem ernst denkenden Juden den Ansporn, nun tiefer in das Judentum einzudringen. Das ist ihr besonderer Wert. Die seelische Not, die Fleg erlebte, ist heute die seelische Not unendlich vieler Juden. Der Unterschied ist aber, daß sie sich ihrer Not nie recht klar werden und in ihrer nebelhaften Unbefriedigung nicht nach einer Lösung im Judentum suchen. Mögen darum Flegs Schriften von Tausenden gelesen werden! Tel-Awiw. Saly Geis. Metaphysische Gemeinschaft. Untersuchungen über Wesen und Wert der Gemeinschaft. Von Dietrich von Hildebrand (in der Sammlung Kirche und Gesellschaft, soziologische Veröffentlichungen des Katholischen Mademiterverbandes. Herausgegeben von Ferdinand Kirnberger und Franz Taver Landmesser, 1. Band). 1930. Abteilung Buchverlag, Literarisches Institut H a a s e und Grabherr in Au g s b u r g. Broschiert Mk. 10.—, gebunden Mk. 12.—. Das vorliegende Buch zerfällt — nach einer kurzen Einleitung — in vier große Abschnitte: I. Die Personalen Grundlagen von Gemeinschaft im weiteren Sinne, II. Wesen von Gemeinschaft, III. Das. ontifche Jneinandergreisen der Gemeinschaften und IV. Wert und Wertrang der Gemeinschaft. In schlichter Sprache werden die Gedanken vorgetragen und entwickelt, die Beispiele sind einfach und werden jedem Leser es wohl ermöglichen, dem Verfasser zu folgen, der das Problem, der Vereinigung und der Gemeinschaft von verschiedenen. Seiten aus beleuchtet. Religiöse Betrachtungsweise und gelegentliche Belege aus dem R. T. tragen zum Verständnis bei. Die philosophische Darstellung kann auch 1 ihren praktischen Nutzen haben, wie in dem kurzen und schönen Schlußwort gezeigt wird. Buch kann jedem ernsten und nachdenklichen Menschen , nur empfohlen werden. Rassenproblems. Von Professor Dr. Franz O.ppen-:? heim er. Philo-Verlag, Berlin 1930. Broschiert Mt. 1.20. Aus der Feder eines Berufenen werden in dieser Schrift klar und übersichtlich die Problemeder Rassenleher auseinandergesetzt. Das Büchlein wirkt gleichzeitig als Apologie, da es die Fehlerquellen der nationalsozialistischen Rassentheorien ausdeckt. Aus wenigen Seiten wird dann noch etwas über die Geschichte der menschlichen Rassen überhaupt und vor allem in Europa gesagt. Verbreitung und Wirkung ist dem kleinen Heft.Hehr zu wünschen. Rabb. Dr. Posner, Kiel Feuilletons. Von Vladimir Jabotinsky. Herausgegeben ron Karl Baum. M ä h r i s ch - O st r a u. gegeben vom Karl Baum-Verlag, Dr. Ver lag D r. Färber. Mk. 3.50. Eine ungestüme Sprache, ein Radikalismus ohne Grenzen, ein ernster Wille, ein ewiger Sturm und Drang, das sind etwa die Kennzeichen dieses Buches, die Gefühle etwa, von denen man ergriffen wird, wenn man diese Aufsätze und Vorträge liest. Ueber die hier verfochtenen ij- Ideen kann eine Kritik im Rahmen. einer Besprechung nicht gegeben werden. Aber es werden sicher nicht viele Leser die Heftigkeit des Verfassers verstehen, (daß man z. B. die Einrichtung des Jowel so gering schätzt, weil sie nur ein Korrektiv gegen soziale Mißstände ist). Trotzdem ist die Ausgabe von nicht zu unterschätzendem Werte. Sie zeigt die Jugendlichkeit des Verfassers, die Frische seiner Ideen, die Wärme seiner Sprache und die Liebe zu seinem jüdischen Volte (interessant sind die Aeußerungen zur Religion und überhaupt die Auseinandersetzung über Nationalismus S. 99). Ein kurzes Vorwort des Herausgebers belehrt über Bedeutung und Sinn der Ausgabe. Man wird das Erscheinen des Bändchens mit Freude begrüßen, wie man auch zu seinem Inhalte stehen mag, es vervollständigt das Bild von Vladimir Jabotinsky. P. Die Wahrheit über Dreyfus. Von Militärattache von Schwartzkoppen. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Bernhard Schwertfeger, mit einem Titelbild und einem Faksimile. Berlin 1930. Verlag für Kulturpolitrk. Ein Memoirenwerk, zum größeren Teile, vom Verfasser selbst so niedergeschrieben, zum geringeren Teil und zugleich zum Nachteil aus seinem Nachlaß ergänzt, Das Buch zeigt, was in diesen Monaten durch verschiedene Veröffentlichungen ja immer mehr Volkswissen und Volksgut geworden ist, daß es niemals eine „Affäre Dreyfus" — im währen Sinne des Wortes — gegeben haben konnte. Die Darstellung ist rein politisch, sachlich, militärisch. Sie berührt gelegentlich auch das Judesein von Dreyfus Man wird gewiß sich freuen, daß auch'von dieser Seite die Unschuld von Dreyfus der Welt mitgeteilt wird. Dennoch wird man m. E. mit Unwillen lesen, wie wenig Schwartzkoppen die Familie Dreyfus bei ihrem Kampfe um das Recht unterstützt hat, mit welcher Unerbittlichkeit er keiner Bitte seitens der Familie und ihrer Freunde nachgegeben hat. Vielleicht war er durch Amt und Würde gebunden. Das Buch reiht sich den neuen Arbeiten .über die Dreyf.usangelegenheit würdig an, es verdient weiteste Verbreitüng und aufmerksamstes Interesse. P. 'Die neue Majestät. Bon Guttrttann. Roman aus Preußens Anfang. Berlin, S. Fischer V erlag. \ Der Roman zeichnet ein treues Bild der Uebergangszeit, in der aus dem Kurfürstentum Brandenburg das; Königreich Preußen erwuchs. 'Der Große Kurfürst als kerniger Kriegsheld und weitblickender Staatsmann innerhalb der Jntriguen eines Hofes, in dem die Gesandten Oesterreichs und Frankreichs um den maßgebenden Einfluß kämpften, ist die Hauptfigur. Wie er den Schutz Norddeutschlands gegen das Ausland auf sich nahm, wie er sich. als Hort der Duldung bewährte, wie er aber in vielemdie Verhältnisse stärker fand als feine Macht und chließlich —> nicht zuletzt im Hinblick auf das eitle Ween und die Schwäche des Kurprinzen — verbittert wurde, das tritt innerhalb der anziehenden Schilderung des Kulturzustandes jener Zeit deutlich hervor. Der letzte Teil gruppiert sich um den Kurfürsten Friedrich III., den nachmaligen König Friedrich I., der als Sohn und Nachfolger seines Vaters wohl den besten Willen mitbrachte aber nicht die Kraft, das Erbe in seinem Sinne weiterzuentwickeln: Seine künstlerischen und wissenschaftlichen Interessen verbinden sich mit der Absicht, sein Volk zu ordern, aber seine Hinneigung zu äußerer Pracht und eine Empfänglichkeit für Schmeichelei lassen ihn in die Hände fremder Abenteurer geraten, die sich am Gute der euszenden Untertanen bereichern und die Räte des Großen Kurfürsten verdrängen. Obwohl es ihm gelingt, sich die Königskrone zu verschaffen, so bedeutet seine Zeit doch für'die Mark einen Niedergang, dem sich seine Nachfolger zum Glück mit Erfolg entgegenstemmten. Der vorliegende historische Roman wird gewiß viele Freunde, finden. * Z. S. G.