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Der Israelit · 1931-04-01 · Heft 14 (1.4.1931) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 14 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 2 Nr. 14 D e r Israelit 1. April -1931 Interessen Zeugnis ab. Wir fanden Abschriftender Hymnen, die beim G'ttesdienst in den Tempeln gesungen wurden, mathematische Tabellen, die von einfachen Additionsaufgaben zu Formeln für das Ziehen von Quadrat- und Kubikwutzelu inneres eines Wohnhauses aus der Zeit Abrahams. Von den Ausgrabungen in Ur. übergingen, und Abschriften der. alten, in der Stadt vorhandenen Bauinschriften. Auf diese Weise war eine kurze Geschichte der Haupttempel zusammengetragen. Eine weitere Aufklärung gab die Entdeckung der privaten Kapellen die zu den Häusern gehörten. An einem Ende des Zimmers war das Pflaster durch eine einzige Lage von Fußbodenziegeln erhöht, und darauf war gegen die Rückwand ein Ziegelaltar gebaut worden. Ueber dem Altar oder auf einer Seite von ihm war eine flache Nische in der Wand, die vermutlich für das heilige Bild oder die Tonfiguren des Gottes bestimmt war: an der Seitenwand befand sich ein viereckiger Ziegelpfeiler zu unbekanntem Zweck. Unter dem Flur des „Mittelschiffes" entdeckten wir ein gewölbtes Ziegelgrab, in das alle verstorbenen Mitgliedr der Familie kamen. Nicht jedes Haus hatte eine Kapelle, und wo keine vorhanden war, da konnte die Familiengruft unter irgendeinem sonstigen Zimmer liegen. Zuweilen fanden wir unter den Fußböden weitere vereinzelte Begräbnisse, indem die Leichen unter umgestülpte Tonsärge in Form von Badewannen gelegt worden waren. Es war Sitte, daß der Tote in dem Haus blieb, in dem er gelebt hatte, und seine Erben wohnten in den Räumen über seinem Grab. Mag uns diese Sitte auf den ersten Blick barbarisch erscheinen, sie paßt zu dem Gefühl für den ununterbrochenen Zusammenhang der Familie, das beispielsweise bei den alten Hebräern so stark ist. Gelegentlich holten wir in den Hausruinen einige der kleinen Tonfiguren aus der Erde, von denen sehr viele Beispiele ist'andern Teilen der Wohngegend gefunden^ worden ^nd, Figuren, die Götter und ihre Änbeier darstellen. Zuweilen sind es rohe Nachbildungen der großen Tempeli Kapelle eines Hanfes mit Altar, Nische u. gewölbt. Ziegelgrab Von Yen Ausgrabungen in Ur. standbilder, zuweilen scheinen sie von einer vertraulicheren Art zu sein. Da aber die Standbilder in Stein oder kostbarem Metall zum größten Teil verschwunden sind bieten diese Tonnachbildungen unschätzbaren Stoff für die Erforschung der zeitgenössischen Kunst. Es sind die „Teraphim", die Hausbilder, die Rachel ihrem-Vater stahl und die Jakob unter -einer Eiche in Sichern vergrub. Sie mögen einen Teil der Einrichtung der Hauskapellen gebildet-haben, und gewiß erläutern sie die mehr persönliche Seite der-Religion«, über die Texte, die sich mit den Tempelbräuchen-beschäftigen, wenig oder nichts zu sagen haben. Noch eine andere Seite des Lebens in der Stadt Abrahams haben unsere Ausgrabungen ans Licht gebracht. Im Tempel Dublalmach, über den noch mehr.gu sagen ist, fanden wir einen Schatz von vielen Hunderten von Tafeln-,, die zu der Sammlung der Geschäftsurkunden des Gebäudes gehörten. Als König und Landeigentümer bekam der Gott Zins und Zehnten und Opfergaben aller Art. Da es kein gemünztes Geld gab, wurden alle diese Abgaben in Waren bezahlt und Speicherräume im Tempel benötigt. Daher der Bedarf an Speichern, die jedes Heiligtum umgeben. Die Sumerer waren gute Kaufleute, und kein Geschäft wurde gesetzlich anerkannt-,: das nicht schriftlich bestätigt war. So faßten die Priester für alle Einkünfte förmliche iQmttungen ab, deren Abschriften im Archiv des /Tempels eingeordnet Aus dem Leben der deutschen Luden im Mittet all er. Die Judengasse m Frankfurt a. M. / (Noch einem Stich aus der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde in Berlin.) wurden. Ob es eine Schafherde war oder ein einziger Käse,-eirt Ballen Wolle oder'Kupfererz aus fremden Gegenden, eine Quittung' würde ausgestellt und gebucht. Wenn die Vorräte für den Gebrauch des Tempels,-die zum Opfer benötigten Tiere, Oel gegen das Quieken der Türangeln, Holz für ein Standbild oder Gold, um es zu schmücken, entnommen wurden, stellte der verantwortliche Beamte einen Ausgabefchein aus, der den Namen des Empfängers und die Vollmacht für feine Forderung enthielt,- Abschriften hiervon kamen in das Archiv. Biele dieser Dokumente, wie wir sie in Dublal-mach fanden, werfen nicht wenig Licht auf die weltliche Betriebsamkeit eines religiösen Hauses. Ferner gab es auf den Tempelgrundstücken regelrechte Fabriken, wo die als Abgaben bezahlten Rohstoffe verarbeitet wurden. Wir besitzen ausführliche Rechnungsabschlüsse einer solchen Fabrik, in der Frauen zum Wollspinnen und Tuchweben angestellt waren. Sie Abschlüsse wurden jeden Monat und alle drei Monate aufgestellt. Sie enthalten eine Namenliste der Arbeiterinnen, hinter jedem Namen die Menge Rohwolle, die jede Arbeiterin elüpfangM hätte, .die von ihr fertiggestellte Ware und ihre Kostendi e Mf G rund der Lebensmittel und ' sonstigen ZmvenöMgen errechnet wurde, die die. Arbeiterin bekaM Älles ist sehr praktisch und. merkwürdig modern: wie- Ausgegkabeve Lehmfiguren aus Zeit Abrahams. Bon den Ausgrabungen in Ur) der sehen wir, wie die Vorfahren des hebräischen Volkes ganz anders waren, als wir erwartet haben konnten. jüdisches Leben im Mittelalter. 1 : (Mit o; Bildern) Seit Berliners grundlegender Arbeit über das innere Leben der deutschen Juden im Mittelalter, die heute vollständig vergriffen ist, haben wir keine für das große Publikum bestimmte lesbare Darstellung über dieses heute weite Kreise interessierende Thema. Dr. I. Münz hat daher eine fühlbare Lücke ausgefüllt durch das kleine, vornehm und anziehend ausgeftattete Buch, das er unter dem Titel „Jüdisches Leben im Mittelalter" soeben bei M. W. Kaufmann in L e i pz i g veröffentlicht hat. Von dem Inhalt des Buches, das eine ganze Reihe schöner Illustrationen enthält, geben nachfolgende Kapitelüberschriften die beste Vorstellung: Die sittlichen Grundlagen des Familienlebens, Sabbätnnd Festtage, Erziehung und Studium, Mädchen und Frauen, Eheschließung und Hochzeitsfeier, Luxus und Spiel, Handel und Handwerk, Heilkunde, Wohltätigkeit und Menschenliebe, Frömmigkeit und Opfermut, Friedhöfe und Grabsteine, Ethik.. Die wissenschaftlichen Anmerkungen und Quellennachweise sind in den Anhang verwiesen und stören dadurch nicht den ästhetischen Genuß bei der Lektüre. Wir geben an dieser Stelle einige Jllustrationsproben aus dem Münz'fchen Buche wieder. Das neue Altersheim in Leipzig. (Mit Bild.) In Leipzig wird in diesen Tagen das von Frau Louise A r i o w i t sch zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten errichtete Altersheim für den jüdischen Mittelstand eröffnet. Der stattliche Bau, den unsere Leser (auf Seite 4 tiefer .^Beilage) im Bild vor sich sehen, liegt in einer ruhigen-: vornehmen.Straße in der Nähe des Rosentals. Auf einem Gartenterrain sind zwei hintsreinanderliegenve Gebäude mit allen . Errungenschaften der Neuzeit errichtet worden, von denen jedes etwa. 30 Personen Unterkunft gewährt. Beide 'Häuser find durch eine geräumige Glasveranda miteinander verbunden und ein kleiner gepflegter Garten umgibt das ganze Gebäude. Tempelhof der Mondgöttln mit dem Untersatz von Amrofels Kriegsdenlmal. Bon den Ausgrabungen in Ur. Die Insassen erhalten vollständige rituelle Verpflegung,: die unter Aussicht des orthodoxen Rabbinats der Leipziger Gemeinde steht, und bei bedürftigen Personen soll, soweit möglich, gegebenenfalls auch Kleidung. und ein kleines Taschengeld gewährt werden. Der normale Preis, der von den Insassen zu entrichten ist, beträgt, soweit

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