Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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1 h Üllusfrieric Dell a«je zum.„iAsrae Ar kasdim zur Zeit Abrahams. Ne.ie AuLgradüngen in Chaldäa. (Mit 5 Bildern).. In einem prächtigen, wissenschaftliche Gründlichkeit mit fesselnder Darstellungskunst verbindenden Buche, das unter dem Titel „Ur und die Sintflut. Sieben Jahre Ausgrabungen in C h a l d ä a, der Heimat Abrahams" (Geheftet Mk. 7.50, Leinen Mk. 8.—) bei FA. Brockhaus in Leipzig erschienen ist, berichtet Dr. C. Leonard Wo o ll e y über die Ausgrabungen der gemeinsamen Expedition des britischen Museums und des Museums der Universität von Pennsylvanien. Diese Ausgrabungen, die unter Leitung des Verfassers sieben Jahre hindurch fortgesetzt worden find und als deren Frucht schon vor einiger Zeit ein Buch des Verfassers über die Sumer er erschienen ist, haben die Geschichte von Ur weit zurück bis zu den Tagen der Sintflut verfolgt und eine reichliche Fülle auch vorsintflutlicher Funde an Tongesätzen, Feuersteinen usw. zutage gefördert. Im folgenden soll auszugsweise einiges aus dem interessanten Kapitel des Buches über die Bauten der Könige von Larsa mitgeteilt werden, die in^die Zeit Abrahams hineinführen und uns neben den hochinteressanten Grabungen an den Tempelbauten/ auch einen Blick in. die Wohnhäuser jener Zeit gestatten. Das Buch ist reich mit Bildern ausgestattet und enthält außerdem eine Karte und einen Plan von Ur. Der Glanz der Dritten Dynastie von Ur endete in Schmach und Unglück. Die kühnen Bergbewohner Persiens überschwemmten das Flußtaldie sumerischen- Streitkräfte wurden im Felde geschlagen und der König von Ur gefangen fortgeschl-eppt. Als die Elamiter in ihre Berge zurückkehrten, war das Land verwüstet, waren die Tempel geschleift und lagen die Städte in Trümmern. Ur wird als die Hauptstadt des Reiches den Hauptstoß des Unheils auszuhalt-en gehabt haben- und konnte sich nicht leicht erholen. Als die Sumerer ihr Haupt wieder erhoben, war es eine andere Stadt, die die Führung übernahm. Die Könige von Jsin und La rsa, einst Lehensstaaten wurden der Reihe nach die Oberherren von Sumer. Nicht nur der Nm-Gal-Tempel litt unter der Wut der babylonischen Truppen. Unmittelbar außerhalb der Grenzen des Heiligen- Bezirks gruben wir ein Stück der alten Stadt aus, das Wohnviertel war, und medergebrannte Mauern und mit Asche bedeckte Fußböden zeigten,, daß auch hier in der gleichen Zeit einähnliches Schicksal gewaltet hatte. Es war einer der ältesten Stadtteile, wo viele Hunderte von Jahren hindurch 5)aus er gebaut und in Schutt zerfallen waren; dieser Schutt hatte den Boden für neue Bauten ergeben, so daß um 2000 v. Ehr. an dieser Stelle ein"sich hoch über die Ebene erhebender Hügel stand. Jetzt wurden die Böschungen zu Terrassen geschnitten, und d-ie Häuser aus der Zeit Abrahams standen in verschiedenen Höhen, indem sie von der Spitze des Hügels bis zum flachen Boden hinuntergingen. Bei der Zerstörung der Stadt waren d-ie Häuser auf den oberen Terrassen wohl Rekonstruktion eines Hauses ans der Zeit Abrahams. Bon den Ausgrabungen in Ur. am' vollständigsten vernichtet worden. Der Schutt fiel auf d-ie Bauten auf den unteren Terrassen und begrub hier alles tief. Viele Häuser waren dadurch so gut erhalten, daß sie eher gestern als vor 38 Jahrhunderten verlassen worden zu sein schienen. Die ausgegrabenen Häuser waren Privathäuser von eher einfachen als wohlhabenden Bürgern. Ihre Größe und -ihr Grundriß waren je nach den Bedürfnissen des verfügbaren Raumes und den Mitteln des Eigentümers verschieden. Aber im ganzen folgten sie einem allgemeinen Plan. Sie waren im Jahre 1885 v. Ehr. geplündert und verbrannt und M einer Zeit zwischen diesem Datum und 2100 Ehr. erbaut worden. Die Mehrzahl war mehr als einmal ausgebesfert oder neu gebaut worden, so daß sie ganz bestimmt die Form des Wohnhauses einer bestimmten Klasse während einer bestimmten Zeit Wiedergaben. Rach den Privathäusern der Zeit Rebukadnezars. die die Deutschen in Babylonausgegrab-en hatten, hattenwir sehr bescheidene Wohnhäuser zu finden -erwartet, ein Stockwerk hoch, aus Schlammziegeln, mit drei oder vier Räumen-, die sich auf einen Hof öffneten: anstatt dessen entdecktenwir, daß die Leute in Abrahams Zeit in Hausern gewohnt hatten, deren Mauern unten aus gebrannten Ziegeln und oben aus Schlammziegeln bestanden und deren Verputz und w-e-iße Tünche den Wechsel im Baustoff verbargen: sie waren zwei Stockwerke hoch und enthielten 13 bis 14 Räume rund um einen gepflasterten Mittelhof, der dem .Hause Licht und, Luft gewährte. Die Straßen waren eng, gewunden und un-gepflastert, aus beiden Seiten mit glatten Wänden, ohne Fenster, also Straßen-, wie man sie noch heute in jeder Eingeborenenstadt sieht, ungeeignet für Wagenverk-ehr. An einem Haufe zeigte ein Aufstergeblock, daß man zum Reiten und Lasttragen Esel verwendete, und die Ecken der engen Gassen waren sorgfältig abgerundet, um Verletzungen bei Reitern und Lasten zu verhüten. Durch die Vordertür eines Hauses gelangte man in einen winzigen Vorraum mit einer Röhre im Fußboden, wo der Besucher Hände oder Füße waschen konnte, und von da in den Mittelhof. Auf einer Seite stieg die Ziegeltreppe an, die zum oberen Stockwerk führte. Hinter der Treppe lag ein Waschraum mit einer Terrakottaröhre. Dann kam -d-ie durch ihre Feuerstelle und die Mahlsteine auf dem Boden kenntliche Küche; ein Raum mit zpoei Türen oder einer ungewöhnlich breiten Tür war zum Empfang von Gästen bestimmt, ein anderer Raum mochte für die Diener sein, und ein weiterer war für d-ie Hauskapelle. Wir müssen unsere Vorstellungen vom hebräischen Erzvater beträchtlich ändern, wenn wir lernen, daß er seine jungen Jahre m solch einer Umgebung verbrachte. Er war Bürger einer großen Stadt und erbte di-e Ueberlieferungen einer alten und hochentwickelten Kultur. Die Häuser zeugten von Behaglichkeit und Ueppigkeit. Abgesehen von -dem Gebäude selbst, war wenig übriggeblieben, das auf das tägliche Leben der Einwohner Licht geworfen hätte, aber ein -oder zwei Haufen von Tafeln legten von ihren geistigen