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Der Israelit · 1931-04-01 · Heft 14 (1.4.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 14 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 14 Der Israelit 1. April 1931 Schenken Sie zu Ostern einen Füllfederhalter. 1000 schreibfertige Halter zur Auswahl! mit 14 karat. Goldfeder ab Rmk. 3.— Osmia-Supra, Parker-Duofold, Mon blanc, Pelikan, Waterman Hausmarken: Ceka und Juwel und andere Marken CARL KLIPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren aller Art Aus der Breslauer Gemeindevertretung. ' V r e s l a u, 20. März. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung führte wieder einmal zu recht charakteristischen Auseinandersetzungen zwischen den gegensätzlichen religiösen Richtungen in der Gemeinde. Der Jüdische Schulver ein, der bekanntlich Träger der Jüdischen Volksschul und auch der Höheren Jüdischen Schule ist, hatte beim Gemeindeoorstand beantragt, ihm zur Ersparung von Mk. 1800.— jährlicher Miete für ein Jahr in einem der Gemeindehäuser, die dort nachmittags für den Religionsunterricht benutzten, vormittaos aber ganz leer stehenden Räume zur Verfügung zu stellen. Der Vorstand hatte diesen Antrag, dessen Bewilligung die Gemeinde nicht einen Pfennig gekostet hätte, sonderbarerweise a b g e - le h n t. Während der Vorstandsvertreter, Geheimrat Goldfeld, den Beschluß des Vorstandes in der Sitzung der Gemeindevertretung durch allerlei bürokratische Nich tigkeiten begründete, wurde der Vorsitzende der Schul kommission im Vorstand, Justizrat Kali sch, deutlicher und erklärte zur Verblüffung seiner Kollegen, „es könne der liberalen Mehrheit des Vorstandes nicht zugemutet werden, der von ihnen grundsätzlich bekämpften jüdischen Schule eine Unterstützung durch unentgeltliche Ueberlassung von Klassen zuzuwenden." Also eine ganz orthodox anmutende Rücksicht auf den naw n» yvo tiok .vpayiSie sensationelle Offenherzigkeit des liberalen Vorstandsmitgliedes führte dann dazu, daß die Gemeindevertretung einstimmig beschloß, die Angelegenheit an dem Vorstand zur nochmaligen Prüfung zurückzuverweisen. Nicht minder lebhaft ging es dann zu, als eine Interpellation des konservativen Mitglieds Dr. Schlesinger über die Frage der Sabbatheiligung im jüdischen Jugendheim zur Besprechung gelangte. Der liberale Jugendbund will am Freitag abend im Jugendheim um keinen Preis auf seine Lieder mit der Laute und auf Klavierbegleitung verzichten. In einer lange»! Aussprache zerbrachen sich die Gemeindevertreter die Köpfe darüber, ob das Verlangen der religiös gesinnten Jugendlichen, am Freitag im Jugendheim auf Instrumentalmusik zu verzichten, einen „Gewissenszwang" für die Liberalen bedeute, oder nicht. Dabei fielen nebenher von liberaler Seite recht interessante Aeußerungen. Sanitätsrat Dr. Horn bezeichnete die im letzten Herbst abgehaltene Simchas Thora-Feier, an der auch Rabbiner Dr. Simonsohn teilnahm, als „wilde Tanzveranstaltung", und Dr. Korn nannte die konservative Forderung auf Schonung der religiösen Gefühle im Jugendheim „einen Dolchstoß gegen die Einheitsgemeinde". Unsere Liberalen werden allmählich, wenn es ihnen gerade so paßt, überhaupt äußerst „konservativ". Sie beriefen sich in der letzten Sitzung auf die „80jährige Tradition" der neuen Synagoge, die Haftarah unter keinen Umständen hebräisch, sondern immer nur deutsch vorlesen zu lassen. Das Gesuch eines langjährigen Synagogenbesuchers, seinen Sohn bei der Barmizwoh die Haftarah hebräisch vortragen zu lassen, wurde also aus „Pietät gegen die Tradition" ablehnend beschieden. Die Gemeindevertretung konnte in dieser Angelegenheit keinen Beschluß fassen, weil der liberale Kultusausschuß (natürlich auch der konservative) autonom ist. Zu Auseinandersetzungen führte der Bericht über die Gehaltskürzungen für die Beamten und Angestellten der Synagogengemeinde. Die Kürzungen sollen nochmals unter dem Gesichtspunkte einer Staffelung der Abzüge nachgeprüft werden. Die Woche. Berlin. Die Abwehrblätter erscheinen jetzt im neuen schönen Format, mit gelbem Umschlag und in verstärktem Umfange. Das 60 Seiten starke Märzheft bringt eine große Fülle von Abwehrmaterial. — Im Alter von 86 Jahren verstarb in Laupheim (Württbg.) Rabbiner Dr. Leopold T r e i t e l. Er ist Verfasser des geschichtsphilosophischen Buches „Gesamte Theologie und Philosophie Philos v. Alexandrien". Königsberg. Antisemitisch verhetzte Gymnasiasten überfielen den jüdischen Handlungsgehilfen Artur Knopf und verletzten ihn tödlich. Karlsruhe. Im badischen Städtchen Schriesheim bei Heidelberg wurden auf dem jüdischen Friedhof zwei Grabsteine umgeworfen und ein dritter beschmutzt. Zwei festgestellte Täter sind Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei. Damit haben die Friedhofsschändungen in Deutschland die Zahl hundert erreicht. Würzburg. Vor der großen Strafkammer des Würzburger Landgerichts fand die Verufungsverhandlung gegen die Nationalsozialisten statt, die sich an den Demonstrationen gegen das Habima-Ga st spiel in Würzburg am 19. November 1930 beteiligt hatten. Dornbusch, der in der ersten Instanz freigesprochen wurde, wurde zu drei Monaten, andere zu vier und einem Monat Gefängnis verurteilt. Bewährungsfrist wurde allen Verurteilten versagt. London. Der Abgeordnete Harry S n e l l wurde zum Unterstaatssekretär für Indien ernannt und zugleich in den P e e rstand erhoben. Harry Snell hat sich als Mitglied der Untersuchungskommission über die August-Unruhen in Palästina wie auch später im Unterhause als warmer Freund der Juden und des jüdischen Nationalheimes betätigt. — „Jewish Chronicle" will erfahren haben, daß Kolonienminister Lord P a ß f i e l d endgültig seine Demission eingereicht hat. Sein Nachfolger werde der gegenwärtige Staatssekretär für die Dominions I. H. Thomas sein, während er selbst zum Generalzahlmeister im Schatzamt ernannt werden soll. — Im Eeiriog-Gedächtnisinstitut, einem Gebäude, das neben praktischen Zwecken auch der Erinnerung an ehroorragende Waliser und die von ihnen der Menschheit geleisteten Dienste gewidmet ist, wurde eine Tafel mit folgender Inschrift angebracht: „Zur dankbaren Erinnerung an die den Juden der ganzen Welt von dem sehr ehrenwerten David Lloyd George, P. C. O. M., D. L. C., M. P. erwiesenen Dienste wurde diese Tafel im 41. Jahr seiner Vertretung des Wahlkreises Carnarvon im Unter- Hause angebracht. Als Ministerpräsident des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Irland sanktionierte er die Veröffentlichung der historischen Balfour-Deklaration vom 2. November 1917, in der zum ersten Mal eine europäische Großmacht den Anspruch des jüdischen Volkes, ein Natkonalheim in Palästina zu errichten, anerkannt und gebilligt hat. — An die durch das Ausscheiden von Robert Stricker freigewordene Stelle eines Mitgliedes des zionistischen A. C. ist laut Beschluß des Verbandes Radikaler Zionisten das bisherige Ersatzmitglied, Dr. Nahum Goldman«, getreten. Rom. In L ivorno, einer der größten jüdischen Gemeinden Italiens, wurde ein jüdisches Museum errichtet und eingeweiht. Jerusalem. Die Exekutive der Jewish Agency hat beschlossen, von den ihr noch zur Verfügung stehenden bis Ende März oültiaen 286 Zertifikate 156 an 40 Ehaluzim-Familien auszugeben. — In der jüdischen Kolonie Moza bei Jerusalem fand der feierliche Abschluß eines Dauerfriedens zwischen der Kolonie und den Arabern des Nachbardorfes C o l o n i a statt. Aus Colonia stammten die Aufrührer, die im August 1929 Moza zerstörten und die Mitglieder der jüdischen Familie Maclefs lebend verbrannten. — In Jerusalem fand eine Probeaufführung des von der Gesellschaft „Paramount" aufgenommenen ersten hebräischen Tonfilms statt, der Bilder aus dem Leben der Jugend und Reden von Kisch und Ussischkin enthält. Rio de Janeiro. Die brasilianische Regierung hat durch ein Dekret verfügt, daß zwei Drittel der Angestellten sämtlicher in Brasilien bestehender geschäftlicher Unternehmungen brasilianische Staatsangehörige sein müssen. Eine nur dreimonatige Frist wird für die Umstellung gewährt. Durch dieses Dekret sind besonders die zahlreichen Juden, die im letzten Jahrzehnt eingewandert waren und noch kein Staatsbürgerrecht besitzen, schwer betroffen worden. In der geheimen Sitzung wurde zum Dajan der Sy-- nagogengemeinde Breslau als Nachfolger des am 1. April ausscheidenden Rabbiner Dr. Kohn, Herr Rabbiner Wassermann von der Israelitischen Religionsgesellschaft in Darmstadt berufen. Aus der Mannheimer Gemeinde. Mannheim, 21. März. -nv mon nin •>> Im Nissan ziemt es, dem verflossenen Winterhalbjahr ein paar Worte zu widmen. An Vorträgen fehlte es, wie üblich, nicht. Alle Gruppen, alle- Altersstufen kamen zu ihrem Recht. Im Rahmen der Klausabende wurde das Leben und Schaffen hervorragender jüdischer Gestalten dargestellt; im „Lehrhaus" interessierte gesetzestreue Kreise vor allem Oskar Wolfsbergs Vortrag über „Konservative jüdische Führer des 19. Jahrhunderts". Versteht sich von selbst^ daß ein Oskar Wolfsberg, wenn er über M. Sachs^ S. R. Hirsch und N. A. Nobel spricht, seinen Ausführungen eine eigene Note verleiht und die behandelten Persönlichkeiten höchst persönlich beleuchtet. Es rvürds den Rahmen dieser Zusammenfassung überschreiten, wollte man sich kritisch zu Wolssbergs Vortrag äußern. Kritik wäre in mancher Hinsicht am Platze gewesen. Den Abschluß der Lehrhausvorträge bildete ein Referat von Frau Dr. Rahe! Strauß -München über die „Jüdische Jugend und die Umwelt". Viel jugendliches Publikum, das dann auch in einer Diskussion manch Bemerkenswertes zu sagen hatte. Es zeigte sich: Mannheims jüdische Jugend, auch die gesetzestreue, ist stark von national- 'jüdischen Gedankengängen beeinflußt. Von einer Werbej kraft agudistischer Ideen ist wenig zu verspüren. Im G emeindeleben gab es personelle Veränderungen. Die Wahlen zu Synagogenrat und Gemeindevertretung verliefen friedlich. Sie wirkten sich auch innerhalb der Klaussynagoge aus; bei der Bildung der Kommissionen wurde der sogenannten Klauskommission eine gewisse Autonomie verliehen, insofern, als nur Mitglieder der Klaussynagoge in die Kommission berufen werden können. Damit hörte der recht paradoxe Zustand auf, daß Besucher eines liberalen G'ttesdienstes in Angelegenheitendes gesetzestreuen Kultus hineinreden. Es ist das Schöne, daß es ein friedlich errungener Erfolg ist. — Die Klausbesucher sahen mit größtem Bedauern, daß ihrlangjähriger, beliebter mir,' Herr Bernhard Kaufsmann, sich nicht mehr bewegen ließ, noch viel länger als 32 Jahre im Amte tätig zu sein. So blieb nichts übrig, als mit der aufrichtigen Dankeskundgebung an den ausscheidenden vzis die Neuwahl seines Nachfolgers zu verbinden, der in der Person von Studienrat Prof. Dr. Salli L e v i gefunden und mit dessen Neuwahl die- Wiederwahl seines bewährten Mitwir,. des Herrn O. Simon, verbunden wurde. — Wie rührig die Arbeit der Klausreligionsschule ist, bewies eine jüngst stattgefundene Prüfung und Schlußfeier. Hier wurden von befähigten Lehrkräften außerordentlich beachtenswerte Erfolge auf dem Gebiet des Unterrichts und des „Lernens" erzielt. Die hiesige Gemeinde durfte vor wenigen Wochen mit herzlicher Freude vom 70. Geburtstag des Herrn L. Meyer-Gerngroß, eines Mitglieds des Synagogenrats, erfahren. Es war der 70. Geburtstag eines Mannes, dessen Wirken und vor allem dessen Wohltun im Stillen und Verborgenen vernehmlich gerühmt werden darf; denn wo von soviel Not die Rede ist, ist es doch ein wenig ermutigend, zu wissen, daß immer wieder Hilfsbereitschaft und Menschenliebe die Not zu lindern bereit ist. Und so darf dieser „Winterbericht" zum Schluß noch in Kürze erwähnen, daß n">rr an nos das Israelitische Altersheim hier in Betrieb genommen wird, erbaut von der Israelitischen Religionsgemeinschaft Badens und der hiesigen Gemeinde. Cs wird Gutes stiften, wie jede Einrichtung dieser Art. Es wird, so hoffen wir, in seiner Weise beitragen zur Linderung der jüdischen Not. Zur Kalenderreform. F u l d a, 20. März. In der Fuldaer Zeitung schreibt Dr. Hermann Schuchert über die neuen Forschungen zum Geburts¬ und Todesjahres des Stifters der christlichen Religion. Bei dieser Gelegenheit wendet sich Dr. Schuchert mit heftigen Worten gegen die Bestrebungen auf Einführung des Blankotages. Er schreibt u. a.: „Hände wetz

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