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Der Israelit · 1931-04-01 · Heft 14 (1.4.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 14 (1.4.1931)
Date
1931-04-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 14 Der Israelit 1. April 1931 Zigarren Wolf ZeiJ “T Tel. Hansa 27930 ch a rdt in der C.-V.-Zeitung. Er zählt zunäch t all die studentischen Verbindungen aus, die seit 1929 unausgesetzt und unbeirrt m den Choru „Numerus clausus!" einstimmen. Zuerst die Berliner Organisationder Deutschen Stu dentenschaft, sodann die Studentenschaft in Er langen und Würz bürg, die Asta i: Leipzig und in W ü r z b u r g , die Studen tenschaft in Rostock und in Gieße n. Der G i e ß e n e r Beschluß fand die öffentliche Miß billigung des Hessischen Kultusmini st e r s im Landtag, aber eine Auflösung der staatlich anerkannten Studentenschaft ist trotzden nicht erfolgt. München, Karlsruhe Charlottenburg, Freiberg (Sächsi sche Werkakademie) und Weimar (Ingenieur schule) folgten nach. Am Würzburger Be schluß ist bemerkenswert, daß auch vier Vertreter katholischer Korporationen, gegen alle Traditionen der katholischen Religion und Politik, die zur Zeit im harten Kampfe mit den nationalsozialistischen Erzfeinden aller Religion stehen, an ihm Mitwirken. Ein ähnlicher Beschluß der Karlsruher Studentenschaft hat dieser Tage zu einem öffentlichen Protest des Landes v e r b a n d e s Bade n d e s C.-B in Karlsruhe geführt undzu einer Eingabe an das Badis ch e K u l t u s m i n i st e r i u m. Vielleicht darf man die Tragweite dieser jugendlichen Anstürme nicht überschätzen. Daß diese Entwicklung schwere Gefahren in sich birgt, ist unverkennbar. Wird der politische und wirtschaftliche Antisemitismus nunmehr in dieser Weise auch noch zu einer geistigen Bewegung gemacht und zu einem Gegenstände der Komment erziehung der Korporationsst u deuten, so darf es uns schon bange werden um die Zukunft des deutschen Volkes, um die Zei-t, da die Akademiker aus dieser Schule führend in die Verwaltung und ins Geistesleben eintreten. Politik und Wirtschaft wandeln sich nach den Zeitumständen. Andere Zeiten werden gewiß andere Vögel und andere politische Lieder bringen. Ein wissenschaftlich fundierter Antisemitismus könnte aber, was G'tt verhüten mag, noch lange über diese Zeit hinaus das geistige Elend stabilisieren. Diese Gefahr abzuwenden, ist ein G e b o t d e r Stunde nicht so sehr für die deutschen Juden, als für die K u l - t u r f ü hr er des d eutfchen Volkes in's- Enthüllte Talmudzikake. Es dürfte kaum ein Buch in der Weltliteratur geben, dys so mißverstanden und mißdeutet würde, wie der Talmud. Alle.Verleumdungen, mit denen r man die jüdische Rasse und Religion treffen will, muß der Talmud, obwohl heute noch, nicht allein den Antisemiten ein Buch mit sieben Siegeln, über sich ergehen lassen. G'tt, Israel und die Thora sind eine Einheit. Man kann nicht Israel anfeinden, ohne seine und- G'ttes Lehre zu verunglimpfen. , Die Abwehrvereine haben einen schweren Kampf gegen die Urkundenfälscher aus dem Lager der Fritsch, Dinter und Konsorten, die das Flucherbe von Pfefferkorn, Eisenmenger und Rohling hüten und mehren. Eine gute. Waffe m diesem mühsamen und leidigen Abwehrkamps hat uns Dr. Alexander Guttmann mit seineni soeben im Philo-Verlag, Berlin W. 15, erschienenen Buche „Enthüllte Talmudzitate" in die Hand gegeben. Es sind in diesem Werke außer Vorwort und. Register sieben Gutachten enthalten über den jüd i schen G 'ttesbegriff, jüd ische Gerichtsbarkeit, Z e u g e n s ch a f t u n d Eid, Verkehrund Handel, Kult und Ritus, Geschlechtsleben, B l u t b e s ch u l d i g u n g u. v. «. Die beliebten Talmudzitate aus der antisemitischen Hetzliteratur, vom „Judenspiegel" bis zum „Hammer" und „Völkischen Beobachter", werm den angeführt, besprochen, auf ihre Quelle zurückgeführt und richtig gestellt. Des ihnen fälschlich untergelegten Sinnes entkleidet, stellen sie/ sich entweder als harmkose Aussprüche, als Werturteil über Herden und grobkörniges Hei dentum in der talmudisechn Zeit,-oder sogar als Thesen höchster Sittlichkeit dar. Ein andermal weiß Guttmänn solchen deutbaren Talmudsätzen k l a r e Verordnungen der christlichen Kirche ge gen die Juden gegenüberznstellen', und es zeig sich dabei, auf welcher Seite das größere.' Maß von Liebe und Versöhnlichkeit wohnt. Selbstver stündlich hält sich kein vernünftiger Mensch der christlichen Welt heute an jene Verordnungen Und den Juden sollte man heute noch irgend ein Wort zur Last legen wollen, das vor tausend Jahren in berechtigter Notwehr, gegen d i Akum von damals gefallen ist? Es ist ein gutes Buch, das die sogenannten wissenschaftlichen Quellen des Antisemitismus acl nd8urckum führt, und wir möchten wünschen daß das Buch vor allem auch der jüdischen Jugend in die Hand gegeben wird. Denn es ist die Tragödie in der Tragödie, daß heute auch Juden, in krasser Unwissenheit -aufgezogen ansangen, an die Authentizität d-er Zitate aus den antisemitischen Falschmünzerwerkstätten zu glau ben. Ein Ersatz für T h o r a - und Talmud st u d i u m wird natürlich auch dieses Buch, das in erster Reihe apologetische Zwecke verfolgt nicht sein. Aber vielleicht wird der eine oder an dere dadurch angeregt, sich doch die Dinge an der Quelle anzusehen. Daß wir damit die Haßquellen verstopfen, glauben wir nicht. Wirken aber die Richtigstellungen aufklärend im eigenen Lager so hätten wir damit schon immerhin etwas er- Zehn Zahre «Züwne" in Telschi. Von Mordechai Lichtig in Telschi. Der Saal eines kleinstädtischen Kinos ist für die Feier hergerichtet. Dem Eingang gegenüber prangt das Wahrzeichen der Schule: xVi «V mii3 öx '3 ns3' das dem Erntretenden schon so recht den Geist verrät, von dem dies alles getragen wird. Mit Jubel und Freude dürfen die Führer auf ihre glanzvolle Schöpfung sehen, die in den 10 Jahren einen neuen Typus des orthodoxen jüdichen Mädchens geschaffen hat, sie, die. damal-: mit Tränen ihre Saat eingegvaben, zweifelnd, ob sie je keimen wird. Bor zehn Jahrenwar es als der erste Versuch gemacht wurde,. auch im Osten das „Tauroh-stn-Derech-Erez-Prmzij?"- allerdings nur für Mädchen emzuführen. ,.Nu o, wie man es im Westen versteht, wo profane Bildung und heilige Ueberlieserung gesondert uns beschäftigen^ sondern eapn nxi' nasrr jwXi am Anfang aller WissensHäft muß die,: ilin tehen, alles muß von ihren? überreichen Quellen gespeist, von ihrem Leben' durchpulst werden, nxin rrnwa 121s' bis in die äußersten Winkel des Lebens müssen ihre Wasser fluten. Nur wer mit den qim-Verhältnissen im Osten vertraut ist, wird eine solche Arbeit zu werten verstehen, weiß welche Schwierigkeiten zu überwinden sind-,, wieviel hartnäckige Kämpfe durchgefochten werden müssen. Zuerst die Gegner im eigenen Lager und dann der erbitterte Kampf mit den Zionisten um ein. paar jüdische „Seelen", wie sie es nannten. . Die Zeit war vorbei, in der das jüdische Mädchen seine Erziehung noch-im Elternhause genossen, in der ihr jüdisches Herz noch die G'ttnähe fühlte, ohne im Geist ein abgerundetes Bild, vom Judentum und feinen Idealen zu haben. Der Weltkrieg, der auch in die verstecktesten Winket des Ostens den westeuropäischen Materialismus gepflanzt hat, hat auch dieser Erziehungsform, die lediglich an das Gefühl des jüdischen Mädchens appellierte, ein Ende bereitet. Die neue Zeit mit neuen Idealen forderte eine systematische Durchbildung auch der jüdischen Frau auf allen Gebieten. Nachdem in allen politischen Richtun- .■*! -ui vagen und geistigen Strömungen die Frau eine so hervorragende Rolle spielte, konnten auch wir nicht mehr verzichten auf die Hilfe der Frau, einer von jüdischem Bewußtsein durchdrungenen Frau. Wie aber gegen alle Ueberlieserung mit der jüdischen Frau min lernen, ihr die nötige weltliche Bildung übermitteln? Vornehmlich ältere O’jal waren es, die den Gedanken verwarfen, die althergebrachte Tradition gegen ein neues System zu vertauschen. Groß und einsam ein Vorkämpfer dieser Idee, ragte der damalige Telschi er Vst 3*1, der Führer der großen na*#» unter den übrigen Anhängern hervor. Er sah, daß die litauische Orthodoxie dem Untergange geweiht war, wenn nicht ein Geschlecht kräftiger, opferbereiter Frauen den fremden,. das Judentum untergrabenden Idealen entgegengestellt werden konnte. Und mit gewohnter Festigkeit und Hartnäckigkeit führte er mit einer kleinen Zahl Begeisterter' diese Idee zum Siege. Ein schwerer Kampf stand ihnen, bevor, den Gründern Rabb. E. M. Bloch und- Dir. Ch. Krön. Nur die feste Ueberzeugung, daß ein jkü, niTp» für den n»x den ^verdienten Erfolg haben wird, gab ihnen Mut-zu dieser fast aussichtslosen Arbeit. Denn woher das Geld zur Erhaltung einer Schule, woher plötzlich orthodoxe Lehrer und woher die Mädchen zum Unterrichten? Diese waren bereits alle untergebracht in den zionistischen Simultanschulen,, die dank der Unterstützung seitens der zionistischen Organisation die geringen Schwierigkeiten längst überwunden hatten. Hier wurde mit Bedacht darauf hingearbeitet, eine jüdische Kämpferjugend zu erziehen und das von den Vätern ererbte jüdische thoraartige Denken und Fühlen aus den Herzen der jungen Kinder zu verbannen. Diese Kinder zu gewinnen war die Aufgabe; aber die pessimistisch denkenden! Eltern, die die Existenz Möglichkeit einer orthodoxen Schule anzweiselten, während sie in diesen sogenannten Tarbuth-Schulen ihre Töchter gut versorgt wähnten,, stellten sich mit Festigkeit dagegen. Nur den vierzehn jungen, tatkräftigen Mädchen, in denen, noch, die Sinaibegeisterung flammte, denen das Thoralicht den richtigen Weg wies, gegen den Willen der Eltern die zionistische Schule zu verlassen und für die neue Thoraidee als erste Pioniere in das Feld zu ziehen, nur ihnen ist es zu verdanken, daß heute ein Geschlecht von jüdischen. Müttern heranreift, .tzasFMistert^hür Thzyra Md Juhenurü zu ^ampf^Hereit^und-MNs^D/ Ehemalige J^schiwohbachurim^ die.' xioch gesMdeH Jdßglismus von der mnzr, mitbxpchten, stellten sich unentgeltlich , als Lehrkräfte -zur, Werfügung,' zwei Zimmer mit SchultaselmMurden geborgt und da? mit war der Grund zufn heutigen Gymnasium in Telschi gelegt. Von dem Beispiel dieser Mutigen wurden auch andere beseelt und durch die hingebungsvolle Arbeit des Direktors Dr. Holzberg konnten noch zwei Schwestergymnasten in Kowno und Poniewesch entstehen, (mit zusammen 30 Lehrern und 500 Schülerinnen) nebst einer großen Zahl Volksschulen (mit zusammen 200. Lehrern und 6600 Schülerinnen). Sie gaben sich den Namen man1? nny jroiox nir und charakterisierten damit die Aufgaben, die sie sich zum Ziel gesetzt. Es soll ein Gymnaium sein, die nötige weltliche Bildung übermittln und die jungen Menschen zu selbständigem' Denken zu erziehen, was die Aufgabe jeder Schuleist. Es ist aber ein '12!? jroim, in dem hebräisch' gedacht und gesprochen werden soll, nicht etwa: wie andere fälschlich wähnen, weil dies uns zum Volk stempelt, sondern aus der tiefen Erkenntnis ' heraus, daß die Heiligkeit.der Sprache, in der G'tt sich uns am Sinai geoffenbärt, in der er uns zu seinem auserwählten Volk erhoben, daß schon sie veredelnd wirkt auf das jüdische Gemüt; der Seele einen ganz anderen Schwung verleiht . .■ ■ . ' 'ü -,:aO '-5 Ü

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