Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 14 (1.4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1. April 1931 Der Israelit Nr. 14 Leite 3 verem Blatte seit Jahr und Tag unter diesen drei ^Gesichtspunkten angesehen und behandelt. Wer (wollte cm dem geschichtlichen Phänomen achtlos! vorübergehen,, daß in einem Lande, in dem noch jvor wenigen Jahren kein jüdischer Fuß die Städte l außerhalb des Rayons betreten durfte, es heute ein Jude bis zu den höchsten Aemtern in der Verwaltung bringen kann! Das volle Recht brachte die Revolution Rußlands Juden, freilich auch das Recht, sogar ein Uebermaß an Recht auf Verhungern. Dagegen kämpft die Protz u k t i v i e r u n g — und damit wären wir zum zweiten Gesichtspunkte gelangt — an, die Kolonisierung und die Industrialisierung der jüdischen Niederlassungen. Aber was haben die Deklassierten von diesen weitschauenden Plänen? Sie werden bis zu ihrer Realisierung zehnmal verhungert sein! Und noch mehr. Wer nicht nur die Einleitung und die Schlußsätze des Aufrufs gelesen hat, sondern eifrig die orthodoxe Presse, insbesondere den „Israelit", liest, weiß, wie sehr wir all diese Bestrebungen würdigen und anerkennen. Wir halten unsere Leser nicht nur auf dem Laufenden über die Entwicklung in der Krim und in Biro-Bidschan, sondern haben wiederholt in Redaktionsartikeln' das Augenmerk der Welt auf diesen einzigartigen Prozeß gelenkt und es wiederholt ausgesprochen, daß wir von der Konzentration jüdischer Massen in eigenen autonomen Ansiedlungsrayons, wo sie sich, dem Argusauge der jüdischen „Apikorsim" entzogen, frei ausleben können, die Lösung nicht allein der wirtschaftlichen, sondern auch der k u l t u r e l l e n und re l i g r ö s e n Frage der russischen Judenheit erwarten. Ueber die Botschaft, die die Sowjets mit diesen Befreiungsprozessen in der Richtung des Menschenrechtes und der Völkerbefriedung für die G e s a m tm e n f chh e i t künden, haben wir in letzterer Zeit des öfteren einen besonders rußlandfreundlichen Mitarbeiter in unserem Blatte zu Worte kommen lassen. Aber es gibt in Sowjetrußland, — um das Zu sehen, muß man nicht erst päpstlich wie der Papst sein, — auch eine religiöse Not. die die „Geserd", wenigstens ihre Berliner Redaktion, nicht kennt, und die in diesem Dithyrambus auf das russische Dorado mit keinem Sterbenswörtchen gestreift wird. Unzählige Tausende lassen sich in die Produktivierungsmaschinerie nicht einreihen. Weiß Herr Dr. E. F. warum? Weil sie, nach dem Plane der Fünftagewoche, für das Stückchen Sowjet-Brot ihren Sabbat hergeben müßten, weil sie, sofern sie in Aemtern oder staatlichen Betrieben beschäftigt wären, keine Synagogebetreten, ihre Kinder i n keine jüdische Schule schicken dürften, sich, wie die alten Marannen in Spanien, mit ihren religiösen Hebungen indenKellerverkriechen müßten. Soll man all diese Leute, die ihre jüdische Reschomo nicht für den F ü n fj a h r p l a n einsetzen wollen, einfach verhungern lassen? Was soll mit den Rabbinern, Schächtern, Kultusdienern, M e - l a m d i m ufw. geschehen, die als „unproduktive Elemente" in Rußland nicht nur keine Wahlrechtskarte, sondern auch keine Brotkarte erhalten? Oder sind das auch lauter Märchen, von klerikaler Seite ausgestreut, um Rußlands Aufhauprozeß zu stören und die Sowjets herabzusetzen? Wir könnten mit Dutzenden von Privatbriefen dienen, die auf alle Fälle kundiger und zuverlässiger sind, als die Angaben der Herren der „Geserd" an der Spree. Der „ C h o f e z Chajim " in Radin, an der Grenze Sowjetrußlands, und Rabbi Chajim Ofer Grodz e n s k i in Wilna, die den Aufruf mit flammenden Worten unterstützen, die sogar als die eigentlichen Initiatoren der „Rußlandhilfe" anzusprechen sind, müssen es am Ende auch wissen . . . Die Gegenaktion der „Geserd" gehört in die Reihe der vielen Lieblosigkeiten, die in letzterer Zeit das thoratreue Judentum bei all seinen Unternehmungen über sich ergehen lassen mußte. Sie kommen zumeist von der gleichen Seite. Hier freilich, wo sich eine Menschengruppe zusammentat, den Brüdern in einem Punkte zu Hilfe zu kommen, in dem sie von keiner anderen Seite — am wenigsten von der der „Geserd" — etwas zu erwarten haben-, wo junge Menschen ihre Kraft, ihre Zeit, sogar ihre Nachtstunden mit einer Aufopferung der Sache weihen, wie sie nur echte Bruderpflicht erzeugen kann, hier hätten wir, wir gestehen es, vielleicht doch ein Wort der Anerkennung und edr Liebe erwartet! Die Enttäuschung ist schmerzlich. Aber sie wird uns veranlassen, noch mehr unsere Pflicht zu tun. Wie kaum eine andere Erscheinung tut dieser Angriff mit aller Klarheit dar, daß unsere Brüder in Rußland in ihrer religiösen Pein von der a n - derenSeite nichtdieSpurvonVerständnis, Liebe und Hilfsbereitschaft zu erwarten haben. Man erzählt ihnen von den vielen Hektar Boden, die man einem sich dafür eignenden Teil gegeben, und mi ß g ö n n t ihnen die H a n d v o l l Mehl für M a z z o , das ihnen Bruderliebe über die Grenze schickt. Solches Vorgehen bezeichnet unsere Väterweisheit treffend mit den Worten: -2'nnrr njn irsn mn iry Antworten wir mit einer gesteigerten Aktivität, mit einer lebendigen Aktion auf der Grundlage von nnn« nrpi jiv Rationierung des Geistes. Numerus clausus ist ein etwas abgebrauchtes Wort, aber eim Spuk, der sich nicht bannen läßt. Selbst Frankreich wehrt sich nicht — wie an dieser Stelle mitgeteUt — gegen eine Sperre der Bildung, eine nach Rasse und Landesgrenze genau abgegrenzte Wissenschaft. Akademische Jugend in Deutschland schreit danach. Ihre zentralen Instanzen schweigen., sympathisieren mit den Rufern oder unterstützen ihre Forderung. Und sind Regierung und Universitätsbehörden nicht willig, so brauchen die jungen Herren Gewalt, üben Selbstjustiz. Eine Numerus clausus aus eigene Faust. Man kennt das liebliche und erbauliche Bild. Man muß leider konstatieren, daß mit der Zunahme der Schreie nach dem Numerus clausus sich die Stellungnahme der studentischen Körperschaften zu ihm gewandelt hat. Noch im Februar 1929 hatte der Hauptausschuß der Deutschen Studentenschaft zu einem Würzburger Beschluß eine Resolution gefaßt, wonach das Aufrollen dieser Frage eine Verletzung der Verfassung des „Deutschen Stv^entenbundes" bedeute, die diesen geradezu gefährde. Der Spruchhof der „Deutschen Studentenschaft" entschied noch hinterher, daß die Ausnahmeforderungen der Würzburger und Erlanger Studentenschaft verfassungswidrig sei und gegen das Statut verstoße, das bestimme, daß jeder deutsche Staatsbürger, welcher Raffe er immer angehöre, ausgenommen werden müsse. So 1929. Im Februar 1931 faßt aber schon der gleiche Hauptausschuß der Deutschen Studentenschaft den Beschluß, den einzelnen Studentenschaften zu empfehlen, „sich wissenschaftlich mit den Problemen des Numerus clausus zu beschäftigen." Diese wiffenschaftliiche Beschäftigung bedeutet aber, nach den weiteren Ausführungen, die grundsätzliche Anerkennung der v ö l k i s chen Ideologie. Die Führung der „Deutschen Studentenschaft" geht mählich in die Hände der Nationalsozialisten über. Ist Gefahr vorhanden, daß die frommen Wünsche der jungen Kämpfer auf den Bastillen der Unfreiheit baldige Erfüllung finden? Mit dieser Frage beschäftigt sich Herr Walter B o r - ung nur dnrch die über Ägyptens Land und Volk von Herrn und Gebieter der Welt verhängte Strafgerichte möglich war. Es ist ganz im Sinne der Weifen, die G'tt das Wort in den Mund legen den Engeln gegenüber, als sie beim Versinken der Ägypter in das Schilfmeeres Tiefen im ein Jubellied anstimmen wollen. „Meiner Hände Werk liegt vernichtet im Meere, und ihr wollt mir ein Lied anstimmen". Wir singen auch an dem letzten Tagen des Pessach kein ganzes Hallet, — so mitfühlend und teilnehmend erwiesen wir aus auch gegen unsere Feinde. So ist es in Israel Gesetz und Norm geworden, daß aus dem Dunkel der Ägyptischen Knechtschaft das Licht der menschenfreundlichsten Satzungen hervorgestrahlt ist und uns die Tora einschärst: n-r onjn’ ami kV tm o’*re» vn"n tr>u ’s un vw- „Den Fremdling bedränge ja nicht, ihr wißt doch, wie es dem Fremden zu Mute ist, da ihr Fremdlinge wart im Lande Ägypten. Ist unser Judentum nicht universell, fordert es nicht Liebe, Duldung und Schaunung gerade für dem Schwachen und Fremden? Bereits in Ägypten ist Israel das Gesetz der Gleichheit verkindet werden: un uVi tnnb y' rns nun Q33na- Eine Lehre soll gelten für den Einheimlichen wie für den Fremdling unter uns- Srder-»7Vörlchen". Zufammengeststtt von Mosche Zinowitz. Ma nifchtano. Wenn der Vater mit Emphase ausruft: „Wen es hungert, der komme und esse mit uns!" hinterher aber die Türe fest zufchlietzt, daß keiner hinein kann, fragt das Kind: „Ma nifchtano? Wie stimmt das? Darauf der Äa.1er' nsnsV wn o'NZV M2Btt haben es bei Pharao in Mizralim gelernt, mancherlei zu versprechen, ohne es zu halten. n”pa 1,3,81 ntn n5nB ™ (Aus inj? “»»ir Vip). Die Nacht des Golris. Warum zeichnet sich diese Eolusnacht von den früheren Leidensnächten aus, daß sie gar kein Ende neh. men will? Weil nsv iVo mn nV>Vn in dieser Nacht des Golus alles von Zank und Streit widerhallt (siehe Jesaias 53, wo ns» im Sinne von Streit -gebraucht wird). Der grundlose Hatz und der Unfriede verlängern die Golusnot. .(C3'“is8 niVViy) Jedes Jahr anders. Der Chafjivim-Rabbi Naftali Ropschitzer pflegte zu sagen: Man mutz aus dem Grunde jedes Jahr neue Hagadoth drucken, weil derjenige, den man voriges Jahr noch für einen Rofcho hielt, heilte vielleicht schon im Vergleich zu den anderen als van und p'ns gilt. Die Zeichen des Nadbi Jehnda. In den Psalmen, Kap. 105, wird die Reihensvige der Plagen anders als im Pentateuch angegeben. Dort geht die Skala: Finsternis, Blut, Frösche, Gewild ufw. Mit den Zeichen a-nsa sm* nun will Rabbi Jehuda sagen, nicht die Reihenfolge der .Psalmen, sondern die der Thora gilt. bna->a ninan). Keine Spur. Alle Ereignisse im Mizrajim sind durch Zeichen aus deni Sedertisch symbolisiert: Das Pessachopfer durch den Knochen, das bittere Leid durch M o r a u r, der rasche Auszug durch Mazzo. Warum kein Zeichen für das grotze Vermögen, das unsere Väter aus Mizrajim getragen haben? Weil davon längst kein Zeichen und keine Spur vorhanden ist (Volkssprr'chwort). Genauigkeit beim MazzodaSen. Rabbi Israel S a l a n t e r konnte einmal krankheitshalber nicht selber seine Mazzo backen und schickte seine Jünger, datz sie alles genau beaufsichtigen sollen. Er konnte auf sie vertrauen. „Worauf haben wir am meisten zu achten?", fragten sie. „Am meisten", sagte der kranke Rabbi, „daraus, datz man mit der Knetfrau liebevoll umgeht und ihr den Lohn pünktlich auszahlt. Sie ist eine arme Witwe... Der Becher des Elijahu. Warum heitzt der fünfte Becher der Becher des Elijahu? Der Wilnaer Gaon gibt dafür folgenden einfachen Grund. Es ist in Talmud und Dezisoren die ^reitfrage nicht geklärt, ob man am Sederabend für das Tischgebet nutzer den vier Bechern noch einen Ertrabecher haben mutz. Der Prophet Eli.ahu ist aber dazu da, alle offen gebliebenen talmudischen Streitfragen zu lösen. °9°>n Darum heitzt der Becher, der da beim Tischgebet steht und nicht berührt wird, der B e ch e r des lk I i j a h 11. Ein Wort des Scheloh. Pessach, Mazzo und Moraur weisen auf die Hauptpflichten des Judentums hin: Thora, Awoda und Gemilus Chaffodim. „Pessach" ist die Awoda, da in Beziehung zum Pessachopfer oft das Wort „Awoda" gebraucht wird. „Mazzo", ein Gebäck aus Mehl und Wasser, ist die Thora, wie es einmal heitzt: «as Va Mn trttV und ein anderes Mal in der Mischna nap ]■>» orr min r>8- „Moraur", die bittere Rot, erheischt die Erfüllung der E h e s s e d p f l i ch t. Der Seder. Das Wort Seder heitzt Ordnung, Plan. Nichts war im Leben des jüdischen Volkes zufällig und von ungefähr, alles war Bestimmung und höhere Ordnung d. h. Seder. (nan nse?). 3cfi jafife Aknen 2 Millionen wenn Sie das Seofe-Cos gewinnen! 43y,°io aller Lote gewinnen. Sckan ein mittlerer Treffer bedeutet: Umwälzung Ihrer Existenz floefi JC(a0en-£ofe frei. Ziehung schon am 20./21. April 1931 Harkngkausen Staat!. Lotterie Einnehmer Zeit 26 (Nähe Amtsgericht) Fernsprecher 27732