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Der Israelit · 1931-03-26 · Heft 13 (26.3.1931) · page 22

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 13 (26.3.1931)
Date
1931-03-26
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 2 Nr. 7 Der g j r ae l it Blätter 26.. März 1931 Außerdem noch manche Wirtschaftlichen und sozialen Positionen durch die Aguda <nt Palästina begründen ließen. ' Ein von Hunderten orthodoxen Rabbinen^ Unterzeichneter Aufruf zur Unterstützung der Palästina-Fonds der Aguda ist jetzt erlassen worden. Bleibt aber die Sammeltätigkeit in den früher beobachteten Formen-, so ist anzunehmen, daß das Ergebnis keine Ueberrafchungen bringt. Die Propaganda bedarf anderer Leitworte als bisher! Wenn sie als Palästina-Werk des religiösen Judentums unter das Publikum gebracht wird, dann kann sie sich weit über die Einflußzone der Aguda hinaus auf die ganze religiös orientierte Judenheit erstrecken, soweit sie nicht von der nationalen zionistischen Bewegung ergriffen ist. Selbst die als „Liberalismus" figurierenden Teile der Religionsjudenheit werden für Palästina einen Aufbau auf den Traditionen des Judentums wünschen. Die Zionisten aber müssen jede Stärkung der palästinensischen Judenheit, woher sie auch komme, begrüßen. Das Hemd ist näher als der Rock. In unserer Zeit übersteigen in den meisten Ländern die Nöte im Heimatsland die Kräfte der Judenheit; — wie soll man da zu beträchtlichen Geldleistungen kommen? Bei den bisherigen Anschauungen, daß man spendet, was man entbehren kann oder will läßt sich heute gar nichts erreichen. Darüber be steht kein Zweifel. Die bisherigen Anschauungen sind aber we der menschenwürdig, noch sozial, noch religiös ge dacht. Nicht das Gefühl des Spendens, sondern das Gefühl heiliger Pflichterfüllung lehren freu digen Selbstverzicht auf Anschaffungen und Ge nüsse, die man sich zu schulden glaubt. Ein Klei dungsstück nicht anfchaffen und sich noch weiter mit dem nicht mehr schönen oder unmodern ge wordenen behelfen, bei einer Reise in einer nied rigeren Klasse als bisher fahren, das Rauchquan tum um die Hälfte herabsetzen usw. usw., — bei einem festen Willen gibt es selbst in schwierigen Verhältnissen noch Sparmöglichkeiten! Die Juden des Galuth täuschen gern der Außenwelt zuliebe ein Dekor vor, das ihrer wirklichen Situation gar nicht entspricht. Das kommt Hauptsächlich daher, weil sie sich den Nichtjuden gegenüber gesellschaftlich unsicher fühlen. Da ist es doch in Palästina anders! Hier findet man auf Schritt und Tritt Juden mit einer natürlichen, selbstverständlichen Sicherheit, die das primitivste, ar beitsvollste Leben in dem frohen Bewußtsein führen, für eine Idee zu leben. - Unsere Vorfahren im Mittelalter, ihre Männer und ihre Frauen, ihre Jünglinge und ihre Jungfrauen, waren wahrlich aus einem anderen Gusse als ihre heutigen -Nachkommen im Galuth, — und erst ihre Nachkommen in Palästina begreifen sie wieder! Sie haben, um dem Judentum die Treue zu wahren, in Armut, Drangsal und Knechtung ihr ganzes Leben verbracht und — wenn es galt — für sich und ihre Kinder den martervollen Tod durch ihre Peiniger gewählt! Was verlangt heute die Stunde? Kein Besteigen des Scheiterhaufen, kein Hinschlachten des eigenen Fleifchs und Bluts! Nur das Eine: sich selber aus den Nichtigkeiten seines bisherigen Tuns erheben, sein Tun adeln, seinem Leben die Ewigkeit geben, indem man für die Erneuerung des -ewigen Volkes, dem man angehört, für das Wiederaufblühen des ewigen Judentums, das mit der Bibel für alle Zeiten G'tt, Gerechtigkeit, Sittlichkeit und Menschenliebe zum Panier wahren menschlichen Strebens erhoben hat, wenigstens 'materiell so viel beiträgt, als es das eigene Können irgendwie erlaubt. Wer aber an die Erneuerung des jüdischen Volkes in Verbindung mit dem Wiedererblühen des Judentums denkt, denkt unwillkürlich auch an Palästina. „Von Zion geht die Thora aus!" Gelingt es, daß sich in Palästina unter dem Banner der Thora das jüdische Leben entfalte, dann Ergießt sich sein Segen befruchtend auf die Gesamtjuden, heit. Vorstehendes ist im allgemeinen gesagt. Doch ün jeden, der sich zu den Thoratreuen zählt, hauptsächlich aber an jedes Mitglied der Aguda fei noch eint besonderes Wort gerichtet! —.Die Gegenwart verlangtin jeder Hinsicht ein Aufrütteln'aus gedankenloser Unbekümmertheit. Noch mehr als um die Erhaltung der materiellen Existenz geht es um die Rettung der ideellen jü difchen Existenz! Keiner, der der Thora noch dt Treue halten will, kann sich befreien und sagen Was liegt schon an mir! In Situationen großer Gefahren kommt es auf die Hilfe jedes einzel nen an!, So viele Mitglieder die Aguda zählt, so viele Agitatoren muß sie haben, die keine Gelegenhei versäumen, ihr Gelder Zuzutragen, damit sie ihre Aufgaben erfülle. Jeder Agudist muß in opferbereitem Entsagen zugunsten dieser Aufgaben beispielgebend in seinem Familien- und Bekann tenkreise wirken, dann wird «es ihm auch nicht schwer fallen, Nichtagudisten zum Geben für Pa lästina zu veranlassen. Das t d e e l l e Pro bl e m. Zum Antrieb der Propaganda gehört aber auch ein klares Programm dessen, was die Aguda in Palästina durchführen will. Wenn die Aguda noch über den Boden von Machneh Israel verfügen kann, dann sollte sie vor allen Dingen einen landwirtschaftlichen Lehrbetrieb auf ihm ins Auge fassen, aus dem sich dann eine Siedlung entwickelt. Die Jugend der Aguda muß wissen, daß ihr die Aguda die Möglichkeit gibt, Chaluz zu werden, sei es für die Errichtung landwirtschaftlicher Siedlungen in ihrem Heimatlande, sei es für solche in Palästina. Da würde ein starkes Stimulans bilden. Naheliegend erscheint auch, daß die Aguda die Errichtung von Kredit-Institutionen und Hand werker-Ausbildung betreibt. Das gehört in ein Palästina-Programm! Nun aber das Schulproblem. Es ist bekannt, daß man in der agudistifchen Orthodoxie Palästinas sich nicht dazu verstehen will, den gesamten Schulunterricht einer Reformierung zu unterziehen. Man stützt sich auf ein Verbot der Rabbiner Palästinas, das unter Verhältnissen gegeben wurde, die von den heutigen grundverschieden sind. Auch die Kinder der agudistifchen Orthodoxie sprechen heute hebräisch und nicht Jargon. Auch sie haben bald das Verlangen, die hebräischen Tageszeitungen zu lesen. Sie kommen leicht in die Gefahr, in hebräischer Sprache Ansichten zu lesen und zu hören, die dem Judentum widersprechen. Darauf muß eine Erziehung heute selbst in Jerusalem, für das das Verbot erlassen war, vorbereitet sein. An dem Nichtantworten auf die Fragen der-Jugend hat in dem letzten Halbjahrhundert die Judenheit Osteuropas großen Schaden erlitten. Es sollte das jetzt endljch begriffen werden. Wenn die Jugend doch einmal mit unjüdischen Gedankenwelten bekannt wird, dann soll eine vorsorgliche Erziehung schon vorher die Fragen überflüssig gemacht haben. Elementarfächer, fremdsprachlicher Unterricht sind heute ebenso nötig, wie eingehende Kenntnis der Bibel unter Berücksichtigung all der Anstürme gegen sie, die sie als das Wort G'ttes nicht anerkennen wollen. Es läßt sich mit Zahlen belegen, wie große Verluste an Menschenmaterial die Orthodoxie Palästinas in den letzten Jahrzehnten erlitten hat dank der Nichtänderung ihres Schulsystems, das in der Hauptsache nur den talmudischen Unterricht kennt. Die Misrachi-Schulen haben ein Drittel der Unterrichtszeit für den talmudischen Unterricht; dann sollten die Aguda-Schulen sich doch dazu verstehen, wenigstens ein Drittel für Elementarfächer zu reservieren. Eine Umstellung ist heute jedenfalls ein Gebot der Selbsterhaltung geworden, und die Aguda sollte der Lösung dieser Frage nicht länger aus dem Wege gehen. Ist das aber geschehen, dann werden der Aguda für ihr Schulwerk leichter die Mittel und die Schüler s'ommen, — und der Stärkung des thoratreuen Judentums in Palästina wird gedient! Daf-Zaumi und wir. -- - - Vom Ernst Bläu m Hamburg. hj - Als wir -uns am 15. Schebät-mit der ganzen jüdischem Welt über die Vollendung des großen Werkes des Lublmer Rcmv, über den Siam des Schatz des Daf-Jaumi freuten, und in allen Gruppen Feiern anläßlich dieses Festes veranstaltet wurden, da waren viele von uns mit dem Herzen nicht recht ber dieser Freude. Sie fühlten sich nicht selbst Mit dem Daf-Jaumi verbunden und - wollten' deshalb auch nichtau der Freude der Tauroh heilnehmen. Und wirklich, welches Recht hatten wir, uns über eineMizwo zu freuen die doch nicht die unsrige war? dursten wir uns stolz eines Werkes rühmen, an dem wir weder direkt noch indirekt beteiligt waren? Im Gegenteil, wir hätten doch — ganz abgesehen vom Daf-Jaumi — auch sonst weniger gelernt als die Zeirim in anderen Ländern! Steht doch in den Agudo-Jugendgruppen des Ostens das Lernen viel mehr im Mittelpunkt der Arbeit als bei uns.; Aber wir können uns doch ein. Recht auf Teilnahme an der allgemeinen Freude an der Tauroh -erwerben. Denn der Grund des Festes ist ein doppelter: Mchl nur über das vollendete Schatz freute man' sich, sondern auch über das neu begonnene. An der ersten Freude haben wir leider keinen Teil, aber an der zweiten können wir einen Teil haben — wenn wir nur wüllen. Der Sium des Schatz bedeutet für uns eine Aufgabe. Gr ermahnt uns, von nun ab mehr zu lernen als bisher. Jeder Einzelne von -uns mutz von nun ab die Zeit, die er bis jetzt der Ta-uroh gewidmet hat, verlängern. Und als stetige, Erinnerung au dieses vermehrte und vertiefte: Tauroh-Studium soll j e d e r j u n g e A g u d i st v o m 1. Nissan ab jeden Tag eine Mi sch na gründlich lernen. Diese Mischna Jaumis soll uns flänlig an ui se e vermehrt: Lernpflicht gemahnen. Mancher wrrd sie nur nebenbei lernen, neben dem vielen andern was er außerdem schon lernt; andre wieder, die infolge beruflicher Ueberlastung nur wenig Zeit für die Tauroh übrig behalten, werden durch die Mischna Jaumis doch wenigstens etwas lernen. Beiden aber wird sie das Band sein, das die Agudas Jisroel Jugendorganisation mit der Tauroh vereinigt. Die Mischna Jaumis soll das Symbol unserer Verbundenheit mit der Tauroh darstellen. Sie wird uns vor der Uebsrschätzung der organisatorischen Arbeit gegenüber der geistigen Arbeit hüten und uns stets daran erinnern, daß unser ganze Arbeit in und für Agudas Jisroel nur um der Tauroh willen geschieht, daß die Tauroh nicht einer von vielen Punkten unseres Programms ist, sondern der Ausgangspunkt und das Endziel aller unserer Arbeit. Mehr als der Besuch der Veranstaltungen wird es von nun ab das Kennzeichen des jungen Agudisten sein, daß er die Mischna Jaumis lernt. Nicht mehr am Mitgliedsbeitrag, sondern am täglichem Lernen der Mischna wird man in Zukunft erkennen, wer zu uns gehört und wer nicht. Und noch eine andere Aufgabe hat die Mischna Jaumis: Sie wird ein geistiges Band um alle deutschen jungen Agudisten schlingen und alle, die räumlich weit voneinander.entfernt sind, durch die gleichzeitige Beschäftigung mit dem selben Teil der „mündlichen Lehre" miteinander vereinigen. Jeder von uns, der die Mischna Jaumis lernen wird, wird wissen, daß zur gleichen Zeit viele Hunderte Gleichgesinnter die selben Erkenntnisse gewinnen und sich mit den selbem Schwierigkeiten abmühen. Zur Frage einer agudistifchen Jugendbewegung. Von Hermann Cohn, in Hamburg. , , In einer der letzten Nummern der „Blätter" und des unabhängigen, freien agudistischen Aus- 'pracheorgans „Der Bund" wurden .von verchiedenen Seiten der neuen Leitung der Agudas Jisroel-Jugendorganisation Vorschläge und Anregungen für eine gedeihliche Weiterarbeit unterbreitet und über das Wesen agudistischer Jugendbewegung Ansichten geäußert, die nicht unbeantwortet bleiben sollen. Ich möchte in Folgendem versuchen, in Kürze die Aufgaben und den Charakter einer agudistischen Jugendarbeit gegen die verwandten Jugendbewegungen abzugrenzen und gleichzeitig einen Weg zu zeigen, auf den anderen, in den Arbeitsbereich der Aguda nicht gehörenden Gebieten „unbeschadet eines freien Jdeenkampfes" leine umfassendere Zusammenarbeit aufzunehmen. Als man anfing, einen Delegiertentag oder eine Neuorganisation der Agudajugend in die Wege zu leiten, wandte man sich an verschiedene prominente Jungagudisten mit der Bitte um Vorschläge und Wünsche für die Ausgestaltung der Jugendarbeit, und auf diese Bitte hin sind sehr beachtliche Anregungen gegeben worden. Die einen erwarteten eine Steigerung agudistischer Erziehungserfolge durch die Umstellung auf eine konzentrierte Muffartätigkeit, wie sie auch von

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