Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1931)
- Date
- 1931-03-26
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Nr. 7 Seite 3 , 26. März,1931 : D er Isr aekit B l ä t t e r - Dr. W. Hofmann propagiert wurde, .andere rieten dringend zu einer Individualisierung der Erziehungsarbeit, ohne die Erfolge überhaupt nicht Möglich seien, dritte,-wieder hielten die. „Entpolitisierung der Jugend" für das einzige Allheilmittel. Es wäre unfruchtbar, alle diese Anregungen nun zu praktifizieren, zu versuchen oder zu entscheiden, welche von ihnen am meisten Erfolg verspricht und daher, verwirklicht werden müßte; alle die in.ihnen aufgezeigten Aufgaben einer jüdischen Jugendorganisation' vielmehr konNen' nur dann gelöst werden, wenn man imstande ist, die organisatorische Tätigkeit auf den Zweck, das Endziel der Organisation zu konzentrieren — jüdische Menschen zu mm und nmy zu erziehet! — und diese Aufgaben dann als Bestandteile dieses letzten großen Zieles selbstverständlich mit verwirklichen kann. Aber Mittel-, zu seiner Erreichung sind sie nicht. Das Ziel kennen wir alle; nur den Weg gilt es zu finden. Die Erziehung der jüdischen Jugend zu thoratreuen, unbeirrbaren Juden ist in Deutschland zum allergrößten Teil dem Esra überlassen. Wir sehen dabei ab von den Jugendbünden, die neben die rein jüdische Erziehung ein zweites Erziehungsziel setzen oder schon im Charakter ihrer Organisation in einen Widerspruch zum Religionsgesetz (wie es von unseren geistigen Führern interpreriert wird) getreten sind. Die im Esra organisierten jungen Menschen haben genau das gleiche Ziel wie wir: sie erziehen zur Erfüllung der Gesamtausgaben des Judentums; und Agudas Jiskoel organisiert die Erfüllung dieser Aufgaben selbst. Agudas Jisroel ist die Organisation (besser: Organisierung) des gesetzestreuen Judentums, und die „agudistische Idee" ist die jüdische Idee. Die schwere Zeit, in der wir stehen, hat in vielen agudistischen Kreisen Befürchtungen darüber hervorgerufen, ob Agudas Jisroel nicht ihren Nachwuchs verlieren und so dem Untergang anheimfallen könnte, wenn unsere gesamte Jugnd in „nichtagudistlschen" Bünden organisiert ist und uns so verloren geht. Und die Folge dieser Befürchtungen war der Entschluß, der Agudas Jisroel eine eigene Jugendbewegung anzugliedern, Schülergruppen zu gründen, die eine Reserve für den schlimmsten Fall bilden würden. Wirklich bestehen schon einige solcher Schülergruppen, und man sagt, sie arbeiteten mit Erfolg. Ein Beschluß des Delegiertentages sieht auch Neugründungen von Schülergruppen vor, vorausgesetzt, daß die Organisationsleitung deren Notwendigkeit als gegeben erachtet und eine genügende Anzahl geeigneter Führer vorhanden ist. Da wird also die Frage , akut, wann die Notwendigkeit für. solche Neügründungen gegeben ist. Um die Antwort, die. ich für richtig halte; vsrwegzunehmen: in den allerseltensteU Fällen, vor all ent nur dann, wenn nichk schock' Esrägrüppett am gleichen Ork bestehen, o •: :: Wenn nämlich etwas. dazu angetan ist, die Ueberwindung dieser schweren Zeit zu erschweren oder gar unmöglich zu machen, dann sind es die ni.r^nKi' bte vielfach aus ganz unzureichenden, vielfach aus gar keinen Gründen zwischen gleichgesinnten jüdischen Menschen und Organisationen bestehen und jedes Zusammenarbeiten, jede Verständigung, jedes Verantwortlichkeitsgefühl füreinander unterbinden. Vor lauter Kämpfen gegen andere, haben wir das Kämpfen f ü r unsere Idee fast ganz vergessen. Und der Erfolg: wirstehen völlig isoliert da, mit hundert Gegnern, von denen jeder — wie W. S. I. treffend aufgezeigt hat —etwas anderes an uns auszusetzen hat; und wir kommen zusammen und müssen seststellen, daß wir nichts geleistet haben, aber wir erkennen nicht, daß wir uns zu immer größerer Leistungsunfähigkeit verurteilen, wenn wir auf dem befchrittenen Wege weitergehen. Vor allem also ist die Scheidung zwischen der Agudas Jisroel und dem Esra ein Unding, und die erste Aufgabe der OL ist es, mit der leidigen Problemstellung Aguda—Esra gründlich und endgültig aufzuräumen. Jeder, der auch nur das mindeste Interesse an der Aufrechterhaltung agudistischer Arbeit hat, muß einsehen, daß durch, die Berschwendüng von.Zeitz Geld und vor allem Arbeitskraft auf Dinge, die von anderen bereits völlig zufriedenstellend besorgt . werden, diese Kraft für anderes verloren geht, was. nicht minder dringlich ist. Der Esra erzieht Die Jugend, und feine Erfolge allerorts beweisen, daß er sie gut und richtig erzieht. Aber er erzieht auch im agudistischen Sinne, und die Befürchtungen derer, die eine „Abschwenkung nach links"; vom Esra heraufbeschworen, oder in der vom Esra proklamierten Politiklosigkeit eine Gefahr oder ein Manko sehen, sind völlig grundlos. Denn eine Erziehung zur Mitgliedschaft in der Agudas Jisroel gehört nicht zu der jüdischen Erziehung, die zu vermitteln Aufgabe des Esra ist und Aufgabe agudistischer Schülergruppen' wäre; sobald die jüdische Erziehungsarbeit dazu ausgenützt wird, organisatorische, in den Bereich der „Jüdischkeit an und für-sich" nicht gehörende Zwecke zu verfolgen, ist sie ihres größten und schönsten Inhaltes beraubt. Wir sind begeisterte Anhänger der Agudas Jisroel, nicht weil sie Agudas Jisroel ist, sondern weil wir nur durch sie und nur in ihr die Möglichkeit zur Erfüllung unserer Pflicht als Juden gewährleistet haben; und wann immer es Juden gibt, die sich ihrer Pflicht bewußt und zu | ihrer Erfüllung auf die Hilfe einer Wettorganisation angewiesen sind, wird es Agudas Jisroel geben, und mit dem Tagewo diese Organisation ihre Notwendigkeit verloren hat, wird sie aufhören. Für Nachwuchs also brauchen wir nicht zu sorgen. Sogar wenn zu der Befürchtung Grund gegeben wäre, daß der Agudas Jisroel noch schwerere Zeiten bevorstehen und die Zahl ihrer Anhänger immer abnehmen würde: die wenige!: begeisterten Treuen sind dann doch der Stamm, aus dem sie sich in besseren Zeiten zu neuer Blüte wird entwickeln können, und auf die Quantität der Menschen durfte es uns Juden nie ankommen (eine Rückendeckung, Herr W. I. S.? Nun: n*?to ‘tsri1? nivm man N'I'VV N2 risn •nrm» unp jnt an rma Es ergibt sich zweierlei: Erstens muß und soll die Erziehung der jüngeren Jugend dem Esra überlassen bleiben (was jetzt durch die Absonderung der Mksrachisten im Brich Hanoar doppelt ungefährlich erscheint). An. Orten, wo Esragruppen noch nicht bestehen, doch aber Notwendigkeit oder Gelegenheit gegeben ist, in Jugendbünden erzieherische Arbeit zu leisten, soll möglichst mit der Bundesleitung des Esra Hand in Hand gegangen und nur in dem Fall, daß der Esra eine Gruppe nicht gründen will, seitens der Jugendorganisation eine solche Gründung vorgenommen werden, wenn ein Mangel an geeigneten Führern nicht zu befürchten ist. Die Esräer, die der eigentlichen Erziehungsarbeit entwachsen und zu pflichtbewußten, in unseren: Sinne gesetzestreuen Juden erzogen worden sind, werden ihre Kraft der Agudaarbeit zur Verfügung stellen oder sollen, falls man ihre jüdische Einstellung kenntz von anderen der Agudaarbeit zugänglich gemacht werden. Während der Esra dre-cheoretischen, überzeugungsmäßigen Grundlagen des Judentums dem jungen Menschen in Fleisch und Blut übergehen läßt, ist es Sache der Aguda, zur praktischen Verwirk!!- chungallerjüdischenKlallpflichten zu erziehen und diese Verwirklichung mit ihren organisatorischen Mitteln zu ermöglichen und zu erleichtern:! Alles andere — Geselligkeit, Ausspracheabende, Vorträge — kann nur dazu dienen, das Gemeinschaftsgefühl wach und rege zu erhalten und bleibt also nur Mittel zum Zweck einer erfolgreichen gemeinsamen Arbeit. Die einzelnen Zweige dieser Arbeit — soziale Hilfe, Lernen, Erez Jisroel — auf den Grad augenblicklicher Notwendigkeit und die Möglichkeit ihrer Verwirklichung hin zu prüfen, wird in den nächsten Monaten die wichtigste Aufgabe der OL fein. Zweitens muffen Mittel und Wege gefunden werden, mit den Organisationen, die uns wesensfremd sind, auf gemeinsamen Arbeitsgebieten .Zusammen zu arbeiten. Die Verhandlungen des GA mit dem Brith Chaluzim Dathiim und die bevorstehende Zusammenarbeit der I. O. mit diesem Bund sind der erste erfreuliche. Schritt auf diesem. Wege. Und eine der wichtigsten,, wenn auch die schwerste Aufgabe der OL dürfte es fein, die Kampstendenz der Jugendgruppen gegenüber anderen Jugendbünden und Organisationen in die gegenteilige Richtung der Zusammenarbeit in gegebenen Fällen zu tendieren. Uber nur so wird es möglich fein, das Ansehen der Agudas Jisroel zu heben und vor allem der Jugend zu Bewußtsein zu bringen, daß Agudas Jisroel keine politische Partei, sondern d re Organisation der g e s e tz e s t r e u e n I u d e n h e i t ist und nur den einen Zweck Hatz im Sinne der Thora die Aufgaben des Judentums erfüllen zu helfen. Agudas Jisroel darf keine politische Partei sein, und ihr Zweck darf nicht zu der Aufgabe herabgewürdigt werden, Wahlsiege in jüdischen Gemeindegremien zu erringen, die doch nur den einen Erfolg haben würden, daß die Agudisten, die mit Müh und Not ins Gemeindeparlament eingezogen find, bei der ersten besten Gelegenheit von einer ohne jede-Schwierigkeit beliebig zusammengestellten Majorität überstimmt und nicht nur zur Machtlosigkeit, sondern auch dazu verurteilt werden würden, sich und die Idee, die sie vertreten sollen, zu verkaufen. Wären wir vor die Notwendigkeit gestellt, in der I. O. werbetüchtige und für den politischen Wortkampf befähigte Agudisten heranzuerziehen, dann würden wir! uns nur an die Männer mit der Bitte, uns auszubilden, wenden müssen, die ein Leben dem politischen Kampf für Agudas Jisroel gewidmet haben; auf uns allein gestellt, könnten wir gar nichts beginnen. Wenn die I. O. sich jedoch eine Leitung gewählt hat, deren Jugendlichkeit im Mittelpunkt der Erörterung steht, wenn überall innerhalb der I. O. der Ruf nach jugendlichem Impetus und junger Energie laut wird, dann kann und darf der Grund dafür nur darin liegen, daß es jetzt heißt, eine Arbeit zu leisten, die nicht nur der Erfahrung und des Wissens unserer älteren Führer, sondern vo allem der Frische und Begeisterung, der Arbeitslust und der Arbeitsfähigkeit unserer Jungen bedarf. Und das ist — um es noch einmal zu sagen — praktische, nicht theoretische Arbeit, eine schwere aber unfreiwillige, einem jeden vorgeschriebene Tätigkeit im Dienste des Klall, der ohne die tatkräftige Hilfe jedes Einzelnen nur immer schwereren Zeiten entgegenzugehen droht. Zu dieser Hilfe wollen gerade wir Jungen aufrufen: es ist keine Zeit, Probleme zu erfinden und immer neuen Grund für Streit und Zwietracht, selbst wenn es auch noch so sehr v'vVüv^zu tun ist, es ist keine Zeitz sich „politisch zu betätigen", und um den heißen -Brei herumzulaufen, von lauter Pflichten ständig nur zu r e d e n; Zeit ists, die Pflichten zu e r - füllen, und keiner ist zu jung dazu, mitzuarbeiten und mitzuhelfen. .!*|mm nan 'n> rnwy1? nr Eingesandt. In Nummer 3 der Zeitschrift der Rabbiner Hirsch- - Gesellschaft ist eine Rede veröffentlicht, die Herr Rabb. Dr. Raphael Breuer anläßlich der Jahrzeitsgedenkseiex für Rabb. Hirsch i--«» über das Thema: „Was hat Rabbiner Hirsch unserer Zeit zu sagen?" gehalten hat. Zu der Rede selbst Stellung zu nehmen, ist hier nicht der Platz. Nur eine Anfrage fei hier erlaubt. Am Ende seiner Rede führt der verehrte Referent aus, daß das, was Rabbiner Hirsch uns noch heute zu sagen hat, der jüdischen Gesamtheit gilt, zu. diesem Zwecke s i die Rabbiner Hksch-Gesellschäst ins Leben gerufen worden und er fordert auf, der Gesellschaft als Mitglied beizutreten. Er prägt hierbei das schöne Wort: „Vergessen wir, was uns vielleicht in nebensächlichen Dingen trennt, denken wir an das große Gemeinsame, das uns verbindet." Ist denn Herrn Rabbiner Dr. Breuer nicht bekannt, daß bereits eine Organisation besteht, die die Gedanken von Rabbiner Hirsch Vst in der ganzen jüdischen Welt verbreitet hat, die in Weiterführung dessen, was Rabbiner Hirsch durch die Gründung der „Freien Vereinigung" für Deutschland geleistet hat, für das orthodore Judentum der Welt heute arbeitet? Weiß der Vorstand der Rabbiner Hirsch- Gesellschaft nicht, daß durch die Agudas Jisroel der Name von Rabbiner Hirsch und seine Werke in der außerdeutschen Orthodoxie Anerkennung und Würdigung gesunden hat» daß diese Organisation es ist, die die Souveränität der Tauroh in der jüdischen Gesamtheit predigt und durch ihr Wirken dieses Prinzip zur Anerkennung gebracht hat. Und