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Der Israelit · 1931-03-26 · Heft 13 (26.3.1931) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 13 (26.3.1931)
Date
1931-03-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sette 8 Nr. 13 D e r I s r a e I i t ^?2L^MSrz^931 mitees sprachen sich. viele bedeutende Regierungsinstanzen f ü r die Kalenderreform mit B l a n k o t a g aus. Vor einigen Tagen hielt das Komitee in Amsterdam seine zweite Sitzung ab, das unter dem überwältigenden Eindruck der jüdischen Unterschriften seine Stellungnahme änderte und einstimmig folgenden Beschluß faßte: „Nachdem ansehnliche Gruppen holländischer Bürger sich mit dem Blankotag nie absinden können, so muß eine solche KalenderreforiM für die holländische Regierung als unannehmbar gelten." Palästina. Veizmann im Vaad leumi. Jerusalem, 23. März. Schwabach, 21. März. Herr Rabbiner Dr. Mannes ersucht uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Ohne mein Wissen.und gegen meinen Willen ist die mich betreffende Notiz erschienen. Nachdem dies geschehen ist, bitte ich dringend, von jeder Beglückwünschung absehen zu Wollen. Ich nehme die mir zugedachte Aufmerksamkeiten als erwiesen an und danke hiermit allen für die für mich gehegten guten Wünsche, uw 0212 rriun Vermischtes. Berlin, 16. März. Der Berliner Esrä veranstaltet am Montag, den 6. April (Ostermontag) eine Film Matinee im Admirals-Kino (am Bahnhof Friedrichstr.) zu Gunsten seines Ferienheimes, das, wie alljährlich, auch in diesem Jahre während der Sommerferien errichtet wird. Zur Vorführung gelangt der gute Günther Plü schow-Film „Silberkondor über Feuerland" und mehrere Kurz-Tonfilme. Karten zu Mk. 1.—, 1.50 und 2.— sind bei allen Esräern erhältlich, sowie in den Buchhandlun gen M. Ganzer, Oranienburgerstr. 26 und Louis Lamm. Neue Friedrichstr. 61—63 und in dem Restaurant von Der Sitzung des Waad Leumi des exekutiven Organs der Asfefath Haniwcharim von Sonntag, den M?Schlank," An'der Spandäuer''Brücke "^"und tel"e 22. März, abends, wohnte Dr. Chaim Weizmann bei. I fonisch zu bestellen ^bei Weichselbaum,^ Berlin NW.. 6, Von den Mitgliedern des Waad Leumi freundlich be grüßt, hielt er eine Rede, in der er sich über die wichtigsten Fragen des Zionismus und des jüdischen Jischuw in Palästina äußerte. Die Gesetzgebende Versammlung für Palästina (Legislative Assembly), führte jjx. Weizmann aus, wurde in den Besprechungen zwischen der Jewish Agency und der britischen Regierung bis hc-je noch nicht erörtert. Es sei direkte Unwahrheit, wenn man erkläre, daß die zionistische Leitung sich mit der Einrichtung einer Legislative einverstanden erklärt habe. Aber man müsse den Tatsachen ins Gesicht sehen: der Plan wird in der einen oder der anderen Form aufgestellt werden. Die neue Bodenverordnung, die in kurzer Zeit veröffentlicht werden wird, erklärte Dr. Weizmann weiter, werde für uns zufriedenstellend sein. M. M. U s s i s ch k i n, dem der Vorsitz im Waad Leumi angetragen wurde, lehnte diese Würde ab. Der Sitzung, in der Weizmann seine Ansprache hielt, wohnte Ussischkin nicht bei. Personalien. Gelsenkirchen» 16. März. In der Nacht zu v'bpV 'a na» ist Adolf Rosen thal verschieden und am Montag kam er in Köln auf dem p~nn der Adaß Jeschurun zur letzten Ruhe. Der Heimgegangene war ein Mann von außerordentlicher Güte und Menschenfreundlichkeit und war wegen seines offenen Wesens, seines edlen Sinnes für Wohltätigkeit, die im Stillen geübt wurde, von Jedermann geehrt und anerkannt. Der kleine Kreis der nun-Treuen in Gelsenkirchen verliert in dem leider zu früh Entschlafenen einen seiner besten a'ii.v, der stets bestrebt war, eine Stütze und ein Förderer des gesetzestreuen Judentums zu sein. Er war einer der Säulen - der dortigen und sorgte dafür, daß regelmäßig der G'ttesdienst mit pw verrichtet wurde. Er sah es als eine heilige Pflicht an, den jungen, alleinstehenden Leuten, die nach Gelsenkirchen in die Lehre geschickt wurden, in jeder Hinsicht als gutes Vorbild zu dienen und ihnen in seinem gastlichen Hause eine liebevolle Aufnahme zu 'bieten. Kein Armer klopfte vergebens an feine Türe; still und bescheiden übte er seine npur, seine eigene Person in den Schatten stellend. Der Heimgegangene n"s war ein leuchtendes Muster auch als Gatte und Vater. Sein Heim hat er zusammen mit seiner Gattin auf den unerschütterlichen Säulen der m-as? min und non aufgebaut und erlebte noch die große Freude, in seinen Kindern, einer Tochter und einem Sohne, ein im Geiste der nun heranwachsendes Geschlecht zu erblicken Albrechtstr. 14 D 1 Norden 0479. Postscheckkonto: Heinz Weichselbaum, Berlin NW. 7, Nr, 136 667. Familiennachrichten. Barmizwo: Alfred Rewisorski, Israelitische Wai senanstalt. ix '0 'p nie- — Sohn des Herrn H Ephraim Bloch, Nürnberg, Wirthstr. 36. nvv njn»n *>w nas?. Synagoge Adas Israel. Briefkasten. I. R K. 12. Marcheschwan. Ein Klausianer. Es gehört schon ein großes Maß von Phantasie dazu, aus dem Artikel über das „Friesländer-Chafonus in Schweizergrenze" eine Herab fetzung des auch von uns hochgeschätzten Chafonus in der Frankfurter Klaus herauszulesen. Anfrage. Was bedeutet in der '121 nuan ^2 des Morgens nach dem Verbrennen des der Ausdruck n’n denn für das vernichtete bedarf es doch keines lnv'2? Metz. Frs. 25.— für Abonnement eingegangen. Lehrerinnenseminar. Die Adresse des Herrn Dir. Dr. Leo Deutschländer lautet: Wien VII., Halbgasse 2 2. Anftagen bezüglich Lehrerinnenseminare sind an das Büro der Beth-Jakobzentrale Wien II., Leopoldsgasse 26 zu richten. Q. M. Das von uns empfohlene Buch Hannah, Verfuchezur Einführungin das jüdische Leben, vonGtzrechter, liefert eleg. in Leinen gebundenzu Mk. 6.50 die Buchhadlg. Grünebaum in Kassel als Haupt-Auslieferungsstelle. Die lvoche. -n"2xan HeuteNacht entschlief sanft nach längeremLeiden unser innigstgeliebter Mann, Vater und Bruder en Ettlinner 1 "25 Frankfurt a. M. Rückertstr. 45 Die trauernden Hinterbliebenen i. d. N. Frau Bella Ettlinger geb. Ichenhäuser Die Beerdigung findet von Haus aus Freitag, 11 Uhr, statt. Das Ringen um die jüdische Gemeinschaft. Nachdem durch öffentliche Vorträge der letzten Zeit das Prinzip der Selbständigkeit der Orthodoxie Angriffe erfahren hat, und nachdem den selbständigen thoratreuen Gemeinden ihre Existenzberechtigung abgesprochen und das „Austrittsprinzip" für überlebt und abgestorben erklärt worden war, erwuchs den Bekennern des genannten Prinzips die Pflicht, in der Oeffsntlichkeit gegen den „zu Unrecht ausgestellten Totenschein" zu protestieren. Zu diesem Zwecke hatte eine Gruppe von. Einzelpersönlichkeiten zu einer Kundgebung nach dem großen Saale der Frankfurt-Loge aufgerufen, für die ein Referat des- Hötrn Jacob ' R 0 f e ncheim über -das Thema: „Das Ringen ,um die jüdische. Gemeinschaft" angekündigt war.' Thema und Redner., hatten zusammengewirkt, um schon vor Beginn den großen Saal in solcher Weise zu füllen, ja sogar zu überfüllen, daß mehrerer hundert Besucher keinen Eintritt mehr finden konnten. Der Redner begann mit der Feststellung, daß seine Ausführungen lediglich seine persönliche,, offen ausgesprochene Auffassung darstellen sollten, daß sie aber in.keiner Weise als offizielle Anschauung irgend einer Partei oder Körperschaft zu gelten hätten. Ausgehend von den geistigen Wurzeln der Reformbewegung wurde zunächst in prägnanter Kürze der Unterdrückungskampf dargestellt, den der „Liberalismus" des 19. Jahrhunderts gegen Anschauungen und Institutionen der dem alten Judentum treu gebiiebenen Kreise führte, ein Kampf, der in Frankfurt zu Gewaltakten wie Verbot des Thoralernens und Zuschüttung der Mikwoh führte. Der Selbsterhaltungskampf, den das Häuflein der mutigen Bekenner, die sich in der. Jsr. Religionsgesellschaft zusammenfanden, gegen diese Zerstörungstendenzen zu führen hatte, führte unter Leitung Rabbiner Hirsch's erst nach 20 Jahren (1876) zum vollen Erfolge. Erst jetzt, da die neue Gemeinde das Recht erhalten hatte, sich aus eigene Füße zu stellen, fand sich der liberale Gemeindevorstand aus durchsichtigen Gründen zu Konzessionen bereit; jetzt aber, da die staatlichen Fesseln gefallen waren, erklärte Rabbiner Hirsch die nunmehr freiwillige Zugehörigkeit zur Reformgemeinde für ein unerlaubtes Bekenntnis und Anerkenntnis. Zu dem halachischen Streite zwischen Hirsch und Bamberger übergehend, stellte der Redner zunächst fest, daß beide Rabbinen einig waren in der-.Verwerfung der Reform als System des rmia/.-;: in der Auffassung) daß allerdings die Menschen, die. sich zu: ihr bekannten,!, heute nicht .als. Wnim im Sinne der Halacha anzusehen' seien, daß? ein Gemeindevorstand, dem auch nur e i n Sabbätentweiher. angehörte) von den -Gesetzestreuen - nicht anerkannt und ihm keine Steuerleistüng gezollt 'werden dürfe und schließlich, daß Gesetzestreue keinerlei Beiträge für Institutionen der Reform leisten dürsten. Auch für Rabbiner Bamberger war es ferner nachweislich nach wie vor eine selbstverständliche Pflicht aller Gesetzestreuen, der reinen Thoragemeinde, also der JRG. in Frankfurt, anzugehören. Während jedoch Bamberger in den Zugeständnissen, die der liberale Vorstand notgedrungen. machen müßte, ein Symptom für eine Aenderung des Reformsystems sah, in der Richtung, daß wenigstens von nun an keine Propaganda des Abfalls ausgeübt werden sollte, fand Hirsch, daß die Konzessionsbereitschaft des Vorstands nicht im mindesten aus innerer Gesinnungswandlung, sondern nur auf finanziellen Motiven beruhte. Er hielt Bamberger dessen eigene, gerade entgegengesetzt lautende Entscheidung im Falle der Wiener Gemeinde entgegen, in der er ge- .meinsam mit 400 Rabbinen die Loslösung der Orthodoxen gefordert hatte. Schließlich ging Bamberger im Sinne seiner Entscheidung von der Voraussetzung aus, daß die selbständige Ritualkommission ja nunmehr für die Gesetzestreuen der eigentliche Vorstand sein werde, während Hirsch voraussah, daß auch weiterhin der liberale Gemeindevorstand die eigentlich leitende Gemeindebehörde sein werde, wie es in der Tat bis heute geblieben ist. Es ergibt sich aus diesen unangreifbaren Feststellungen, daß die heutige Gemeindeorthodoxie sich zur Stützung ihres Standpunktes zu Unrecht auf Rabb. Bamberger s. A. beruft: die Verfassung der Frankfurter Gemeinde wird halachisch durch die Entscheidung Vambergers in keiner Weise gedeckt, da einmal die Steuern der Orthodoxen nicht gesondert verbucht und verwaltet werden, zum anderen aber, entgegen dem Psak Bambergers, der Gemeindevorstand auch von den Orthodoxen anerkannt, mitgewählt ja sogar beschickt wird. Der dritte große Zeitgenosse, Rabb. Esriel Hildesheimer. hat denn auch schriftlich den Psak Rabb. Hirsch's als „großartig angelegt und unwiderleglich" in vollem Umfange bestätigt. Der Berufung auf Bamberger wird aber damit überhaupt jede Basis entzogen, daß seine Voraussetzung, die Konzessionsbereitschaft der Liberalen beruhe aus einer Sinnesänderung, sich 34 Jahre später als irrig erwies: die berüchtigten „Richtlinien" Seligmann's mit der darauf-rügenden Renpierung dieses Nicht iuien-Judentums als gleichberechtigtes Gemeinde-Judentum durch den Gemeindevorstand und neuerdings die folgerichtige Fortentwicklung der Seligmann'schen Absallsgedanken durch Gottschalk mit seinem krassen Bekenntnis zum Unglauben, zur Verneinung der Vorsehung und des Fortlebens nach dem Tode — all dies hat bewiesen und beweist. daß von einer, von Bamberger erwarteten, Umwandlung des Minus-Systems des Liberalismus keine Rede sein konnte und sein kann. Das Referat ging weiterhin ausführlicher" auf die aus neuerer Zeit noch bekannte halachische Kontroverse zwischen Rabb. Unna und Rabb. Klein ein, die sich um den Begriff des „Arewuth", drehte. Erst nachdem der Referent auf diese Weise den historischen und halachischen Voraussetzungen des Themas gerecht geworden war — ein Verlangen, das man billigerweise an jeden stellen sollte, der über Austrittsfragen sprechen will — ging er aus die weltanschaulichen Grundfragen ein. Der auch jüngst wieder erhobene Vorwurf; der Wunsch nach selbständiger Organisation der Thoratreuen entspringe einem „religiösen Egoismus", wäre selbst dann ungerechtfertigt, wenn es tatsächlich nicht Möglich wäre, vom Forum einer selbständigen Gemeinde aus auf Fernstehende einzuwirken; dann wäre eben die selbständige Gemeinde im Sinne des 'irrt i'vn unrv der Versuch, den künftigen Geschlechtern — auch den Nachkommen der liberalen Brüder — ein eigenes/ in sich und nur durch die Thora gefestigtes jüdisches Milieu in Reinheit und Unabhängigkeit zu erhalten. Esist aber gar nicht einzusehen, warum die Versuche, Andersdenkende individuell zu beeinflussen oder durch Wort und Schrift auf sie einzuwirken, angeblich nur von der Einheilsgemeinde aus erfolgen können, da sie doch in Wahrheit völlig unabhängig von der Form sind, die sich die- Gemeinde des Beeinflussenden gegeben hat. Der Redner trat auch der Behauptung entgegen, die Frage der Selbständigkeit eines jüdischen Zibbur oder der Abhängigkeit von der Reform sei nur eine Frage der Taktik oder des Gefühls, die je nach Belieben so oder anders gelöst werden könne. Er legte vielmehr dar, daß in Zeiten der metaphysischen Zerrissenheit und der Entscheidungslosigkeit im Ringen um den Lebenssinn die jüdische Gemeinde gerade der Hort der einzigen und unverfälschten Wahrheit sein müsse; sei doch das jüdische Volk gerade dazu berufen, in dem weltgeschichtlichen Ringen der Menschheit um die richtige Organisationsform den festen Mittelpunkt und die Keimzelle zu bilden,, um die die suchende Menschheit dereinst sich sammeln soll. Deshalb darf die jüdische Gemeinde, die wiederum die Zelle-des K'lall Jisroel darstellt, nur um einen einzigen, festen und unverrückbaren Mittelpunkt — Und nicht um zwei sich einander aushebende wie die dualistische Gemeinde — sich sammeln: um G tt und sein G e s e h. Anschließend widerlegte der Redner Punkt für Punkt Behauptungen und Folgerungen, die daraus gezogen'

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