Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1931)
- Date
- 1931-03-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit Nr. 13 Seite 5 26. März 1931 unö Einwanderer in den Vereinigten Staaten und im Auslande erforderte den Betrag von 1.271.015 Dollar. / Im Jahre 1980 allein find 21.738 Juden aus Polen, 3.269 aus Rumänien, 8.922 aus Litauen und 874 aus Lettland, linsgefamt 34.803 Juden aus Osteuropa ausgewandert. Im gleichen Zeitabschnitt sind 6584 Juden nach Argentinien, 2808 nach Brasilien, 1049 nach Uruguay, 3475 nach Kanada und 5000 nach Frankreich gekommen. Die jüdische Einwanderung in die Vereinigten Staaten betrug im Jahre 1930 12.563 Seelen. Davon waren 8974 Personen Neueinwanderer. Insgesamt wurden 951 Dampfer bei ihrer Landung von Hias-Beamten besucht und 4630 Einwanderer durch Hias betreut. An Einwanderer und Deportierte auf Ellis Island wurden 30.537 Kofcher-Mahlzeiten verabreicht. Das Hias-Büro von Ellis Island intervenierte bei 8313 Untersuchungen. Das Washingtoner Büro hat im Interesse jüdischer Einwanderer 312 Gesuche abgefaßt, von denen bloß 44 abschlägig beschieden wurden. Das Shelter Departement (Abteilung für Obdach und Fürsorge) hat 79.982 Mahlzeiten und 12.812 Nachtlager verabfolgt. Das Büro für Staatsbürgerschaftangelegenheiten war 7781 Petenten bei der Erlangung der Staatsbürgerschaft behilflich. Durch das Ueberweisungsbüro wurden 34.725 Ueberweifungen an Verwandte im Ausland in der Gesamthöhe von 1.164.831 Dollar vorgneommen. Seit der Gründung dieser Abteilung im April 1920 sind 31.697.208 Dollar überwiesen worden. An 139.544 Personen wurden Informationen erteilt, 40.138 Telegramme und Briefe aus allen Teilen der Welt wurden empfangen und beantwortet. Aus dem Berichte ergibt sich, wie ungerecht und ungerechtfertigt eine Grenzsperre in Amerika ist. **L-X>*' Korrespondenzen « Racbricbten. Deutsches Reich. Verdandskag des Landesverbandes preußischer Synagogengemeinden. Berlin, 24. Mürz. Der neugewählte Derbandstag trat ' am Sonntag zu seiner ersten Tagung zusammen. Nach einer Weiherede von Rabbiner Dr. V o g e l st e i n-Breslau wurde Rechtsanwalt Heinrich Stern (lib.) zum Vorsitzenden, Rechtsanwalt Köllen sch er (Volkspartei) und Dir. Mar r-Königsberg (kons.) zu Vicepräsidenten gewählt. Den Tätigkeitsbericht, der gedruckt vorliegt, erläutert der Präsident des Rates, Kanünergerichtsrat Leo Wolfs. Er beschwerte sich lebhaft über das Verhallen des Kultusministeriums, das den Entwurf zum preußischen Judengesetz noch immer liegen lasse, weil, so heiße es, ein Referent fehlt. Man werde sich eventl. unmittelbar an den Landtag wenden müssen. Der Rechnungsabschluß für 1929/30 kwanziert mit Mk. 1 156 000.— der Voranschlag für 1930/31 mit Mk. 1070 000.—. Von dem auf Mk. .300 000.— veranschlagten Pslichtbeiträgen der Gemeinden sind nur Mk. 500 000.— eingegangen, Mk. 300 000.— sind rückständig. Die Subventionen werden bis Ende Februar 1931 nur mit 80 Proz. ausgezahlt, da die Entwicklung nicht vorauszusehen ist. Die Mitgliedsgemeinden haben wie bisher 0.8 Proz. zu bezahlen. Die Generaldebatte erstreckte sich, wie üblich, über politische und weltanschauliche Fragen, wobei die neuerlichen Gegensätze zwischen Liberalen und Volkspartei, insbesondere in der Rede von K a r e s k i zum Ausdruck kamen. Dieser meinte u. a., es sei fraglich, ob eine so arme Gemeinschaft, wie die preußische Judenheit, sich noch länger den „Lurus" dreier Hochschulen und dreier Lehrerseminare erlauben dürfe. Man müsse rationalisieren. Namens der Konservativen betonte Rechtsanwalt H o r o - vitz-Frankfurt a. M., daß der Landesverband bisher keine Popularität erlangt habe. Es müsse gefordert werden, daß mehr Bezirksrabbinate, sowie größere Bezirkslehrer- Die Woche. Frankfurt a. W. Martin Bub er, bisher Honorarprofessor an der Frankfurter Universität, hat einen Lehrauftrag für Religionswissenschaft an der gleichen Universität erhalten. Hamburg. Die Hamburger P o l i z e i t r a g ö d i e, von der heute alle Welt spricht, stellt sich als Ausfluß blinden Judenhasses heraus. Der Oberwachtmeister Pohl hat eingestandenermaßen auf den Regierungsrat L a f s a l l y nur deswegen geschossen, weil dieser Jude ist und er, Pohl, sich nicht von einem jüdischen Vorgesetzten vernehmen lassen wollte. Gelsenkirchen. An der Bannerweihe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten in Gelsenkirchen nahmen 2 0 nichtjüdische Vereine teil, u. a. Kriegervereine, Militäroereine und Vertreter der Presse, neben den Vertretern der Staats- und Stadtbehörden. Danzig. Eine Abordnung der Danziger Schneidermeisterinnung ernannte aus Anlaß ihres 75. Bestehens den Reichspräsidenten Hindenburg zu ihrem Ehrenpräsidenten.' Der jüdische Schneidermeister David I o n a s in Danzig, von dem die Anregung ausging, überreichte dem Reichspräsidenten an der Spitze einer Delegation das Diplom der Ehrenpräsidentschast. — Die nationalsozialistische^ Fraktion erklärt, daß sie ihren Schachtverbotantrag im Danziger Volkstage aus wirtschaftlichen Motiven zurückziehe. London. Am 11. März hat der junge Lord M e l ch e t t den feierlichen Eid als Mitglied des Hauses der Lords abgelegt und den Platz feines vedstorbenen Vaters im Oberhaus eingenommen. — Im Unterhause erklärte der Unterstaatssekretär, daß mit Rücksicht auf die kommenden Festtage alle nötigen Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in-Palästina getroffen wurden. Ezernorvih. Der Schullehrer Isidore Markovsky aus dem Dorfe Nehite im Bezirk Czudyn hatte beim Audyner Polizeichef von Czudyn eine Anzeige erstattet, wonach vier Juden versucht hätten, ihn am Tor der Synagoge von Nehite zu kreuzigen. Dasselbe Märchen hatte Markovsky unter der bäuerlichen Bevölkerung von Nehite verbreitet, der sich große Erregung bemächtigte. Die von der Czudyner Polizei sofort eingeleitete Untersuchung hat ergeben, daß die Erzählung des Lehrers völlig frei erfunden war.. Bukarest. Herr Aristide Blank, der bekannte jüdische Philanthrop und Inhaber der Marmarosch- Bankhat für das Frauenspital „Joua Maternitate" in Bukarest eine weitere Million Le! gestiftet. Insgesamt hat die Familie Blank bis heute diesem Hospital ca. 7 Millionen Lei zugewendet und es auf diese Weise ermöglicht, daß diese Anstalt die größte und modernste ihrer Art in Rumänien wurde. Rom. Der jüdische General P u g l i e s e ist zum Generaldirektor des Kriegsschiffbaues und des Marinewesens in Italien ernannt worden. Riga. In Riga wurde unter dem Namen „Christlich-sozialdemokratische Arbeiterpartei" eine neue Partei mit dem Programm 'des Hitler'schen Nationalsozialismus gegründet. Ihre Aufgaben sieht die Partei hauptsächlich in der Bekämpfung der Juden. Jerusalem. Bei den Reparaturen der Geburtskirche in Bethlehem find Ueberreste historischer Bauten aus dem 12. Jahrhundert entdeckt worden. Die Ausgrobunaen, die von Bros. F. G a r st a n g in Alt-Jerickw durchgeführt werden, hoben neue wertvolle Funde, darunter die Nachbildung eines Wolfkopfes in Elfenbein und tönerne Gefäße zutage gebracht. Auch die Ausgrabungen in Ramath Rachels dem neuen Siedlungsvunkte des Keren Hajesfod, südlich von Jerusalem, die unter Leitung von Dr. M a i s l e r vor sich gehen, haben wertere interessante Ergebnisse gebracht. — Anläßlich V... <m-:-UNS in - öffneten die Araber eine wilde Hetzkampagne gegen die Juden. Auf den Dörfern wird unter dem Stichwort gehetzt: „Der König der Kuden ist gekommen, um von Jerusalem Besitz zu nehmen." — Auf Grund einer neuen Berwaltungsverordmrng haben die Siedler ohne Rechtstitel und die beduinischen Weidenutzer die Erlaubnis erhalten, bis auf weiteres auf den jüdischen Ländereien in der Haifabucht zu bleiben. Die Polizei hat die Weisung erhalten, nicht einzugreifen, bis das Bodengericht eine Entscheidung bezüglich' der von den Beduinen erhobenen Ansprüche gefällt hat . Für die Feiertage kaufen Sie lebende Flußfische frische Seefische aller Art am preiswertesten im Fischhaus „Nordsee“ Täglich frische Zufuhr, Lieferung frei Haus und Schächterschaften gebildet werden. Aus dem Lande müsse man Schulen nach dem Beispiele der Winterschulen der Landwirte und Genossenschaften gründen. Notwendig sei auch eine stärkere Vertretung der Staatenlosen durch den Verband. Der antireligiösen Kampagne der Kommunisten müsse eine religiöse Propaganda eittgegengestellt werden. Dr. Jsmar Freund meinte, mit dem Wohlwollen der Behörden könne nicht gerechnet werden — es gebe nur den Weg zur Selbsthilfe. Der Bruderzwist innerhalb der Judenheit müsse aufhören. Peinlich bemerkt wurde, daß Dr. Bruno Weil in seiner Rede die jüdische Schule ablehnte. Rabbiner Dr Hoffman n-Frankfurt sprach sich in der Frage der Vertretung nach außen für den Standpunkt der Volks-« I partei aus. Bezüglich des Schulwesens bemerkte der Redner, es könne gar nicht zu viel Jeschiwvth geben, da auch ein talmudisch geschultes Laientum ungemein wichtig sei. Die Gemeinden müßten kinderreiche Beamte anstellen und diesen Brauten Zulagen geben, S| Einen breiten Raum nahm in der Debatte auch die I Embürgerungs- und Staatenlosenfrage ein, wobei dem preußischen Innenministerium Dank und Anerkennung gezollt wurde. Am Montag trat die Versammlung in eine allgemeine Aussprache über die W i r t s ch a s t s n o t der deutschen Judenheit ein. Dr. Klee legte das Hauptgewicht auf f die Stärkung der Kreditgenossenschaftsbewegung und ans » die Schaffung von Darlehnskassen. Er befürwortet die > Uebernahme der Arbeitsnachweise durch die Gemeinden. I Justizrat P e y s e r tritt für den Eenossenschaftsgedanken 8 ein. Alfred Berger betont, daß die gegenwärtige Krise keine Konsunkturkrise sei, sondern dauernden Charakter trage. Man müsse lokale Darlehenskassen gründen. Die gerichtliche- Entscheidung, daß jüdische Arbeitslose, die einen Arbeitsplatz wegen Chillul Schabbos ablchnen, die Arbeitslosenunterstützung verlieren, hätte zu einem Entrüstungssturm der deutschen Judenheit und zu politischen Schritten des Landesverbandes führen müssen. Die Ka- - thvliken seien g. B. in Sachsen mit Erfolg.gegen eilte ähnliche Zurücksetzung vorgegangen. Oberrabbiner A l t - mann -Trier weist auf die besonderen Bedürfnisse der Schomre Schabbos hin. Man müsse mit den Leuten auf dem Lande Fühlung nehmen und Kleinarbeit leisten. Den Höhepunkt der Debatte bildete die Rede des Staatssekretärs Prof. Dr. Julius Hirsch, der, wenn auch ohne wesentlich neue Gesichtspunkte, doch in großzügiger und übersichtlicher Weise die drei Grundfragen der gegenwärtigen Krise behandelte. Der Redner wandte sich u. a. gegen die von Franz Oppenheimer propagirete landwirtschaftliche Ansiedlung von Juden auf deutschem Boden. Auch das System der Darlehenskassen könne keine wirkliche Abhilfe schassen. An Stelle einer Wirtschaftskonserenz schlug der Redner die Bildung eines kleinen Ausschusses von prominenten Wirtschaftsführcrn vor. B e n a r i o (Volkspartei) führte als bezeichnendes Beispiel für den Stand der Dinge an, daß die Juden in Frankfurt, die vor dem Kriege 45 Proz. der Gesamtsteuerleistung entrichteten, heute nur 15 Proz. der Steuer zahlen, also dreimal so stark verarmt sind, wie die übrige Bevölkerung. Wochenkalender. v. 34. März bis 4. April 1941 I 10. - 17. Nltzan WA Samstag £ 28 10 Vmn nuv i» Sonntag i 29 11 Montag 30 12 Dienstag 31 13 fan ppro Mittwoch 52 1 14 'Wan am n o s a i jr Donnerstag & 2 15 'x rn' nvs Freitag 3 16 '2 Bl’ n o s Samstag 4 17 B’i’«m i’p a-mn mp