Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 13 (26.3.1931)
- Date
- 1931-03-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 13 Schenken Sie zu Ostern eine|( j Füllfederhalter. 1000 schreibfertige5 Haltet zur Auswahl! mit 14karat. Goldfeder ab Rmk. 3.— : Osmia-Supra, Parker-Duofold, . Monlblanc, Pelikan, Waterman . Hausmarken: Ceka und Juwel ' . unil andere Marken CARLKLIPPEL Kaiserstrasse 75 Schreibwaren aller Art und der Freiheit an die Seite der Rechtsstaaten Europas zu treten. Wir dürfen der polnischen Regierung zu diesem Schritte gratulieren. Mit dieser Gratulation verbinden wir aber die Hoffnung, daß das Gesetz nicht Theorie bleibt und daß sich sein Geist bis in die letzte Amtsstube auf dem letzten Dorfe auswirkt. Der Geist dieser Gesetzesannahme, die an sich eine Selbstverständlichkeit darstellt, geht aber weit über das Judenrecht hinaus. Er wird auch sonstigen Terror, wo er sich bisher in Polen, besonders in den Grenzgebieten, bemerkbar machte, für alle Zukunft ausschalten. Der Abbau eines rechtlosen Zustandes wird zur Befriedung Europas überhaupt beitragen. Nicht unerwähnt darf bei diesem glücklichen Abschluß eines Prozesses, der seit der Wiederauferstehung Polens Parlament und Presse beschäftigte, der Mann bleiben, der in den letzten Jahren an der Spitze dieses Kampfes für das Recht feiner Brüder und die Ehre Polens stand, Elijahu K4rs chb raun. Er war es auch, der die Parole ausgab: Nicht gegen die Regierung, sondern m i t d e r R e g i e r u n g für d a s jüdische Recht! Er hat das glückliche Ende des Prozesses leider nicht erlebt, aber die Aguda in Polen, deren vornehmster Vertreter er war, und die Männer aus der Gesinnungswelt der Aguda, die seine treuen Mitstreiter waren, werden an dieser Taktik festhalten und weiter treu aus der Wacht bleiben, daß das jüdische Recht von außen wie von innen nicht angetastet wird. Die Gefahr von außen ist so gut wie abgewendet, die von innen droht aber d e m religiösen Charakter der Gemeinde. Die Regierung, die den Juden den äußeren Rahmen für das politische, soziale und bürgerliche Leben nun unge- D e r Israelit - schmälert sichert, wird auch Sinn dafür haben, dqß das st e l i g iö s e Recht d e r jüdischen 'G e M ein d e und ihr boligiöser Chatakter erhallten bleiben müssen. 50 Fahre jüdischer Einwanderung nach Amerika. Wie bereits gemeldet, wurde am 1. März die 22. Jahresversammlung von Hias (Hebrerv-Shel- 'tering and Immigrant Aid Society of America) abgehalten. Der Präsident von Hias, Abraham H e r m a n , hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er daraus hinwies, daß das Jahr 1931 das 50. Jahr seit dem Beginn der Masseneinwanderung aus Osteuropa in die Vereinigten Staaten ist. Vor 50 Jahren — so führte Präsident Herman aus — begannen die Pogrome in Rußland. Die ersten Ausschreitungen-gegen die Juden fanden in Balta statt. Damit begann die Reihe der schrecklichen Verfolgungen, .die die Juden zu erleiden hatten. Pogrom folgte gus Pogroin. Dann kamen die gehässigen Maigesetze, durch die Millionen von Juden im russischen Reich in jeder Hinsicht entrechtet wurden. Die Vereinigten Staaten gatten als das Land,- in das die Unterdrückten und Verfolgten aller Völker ungehindert kommen können. Es war nur natürlich, daß auch die Juden ihre Augen nach den Vereinigten Staaten als einem Zufluchtshafen richteten. Und sie wurden nicht enttäuscht. Die Tore Amerikas standen weit offen. Das Land der Freiheit begrüßte mit hocherhobener flammender Fackel die Flüchtlinge. Diese wehrlosen Männer, Frauen und Kinder, die aus der Flucht vor des Menschen Grausamkeit den Menschen suchten, fanden hier die Möglichkeiten und den Frieden, die ihnen in ihrem Geburtsland versagt waren. Im Jahre 1881 betrug die Zahl der jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten 250.000 unter einer Gesamtbevölkerung von 45 Millionen. Heute gibt es in den Vereinigten Staaten bei einer Gesamtbevölkerung von über 120 Millionen 4lÄ Millionen Juden. Es ist wohl am Platze, die Frage aufzuwerfen, welche Bedeutung diese 50 Jahre für uns Juden und für Amerika gehabt haben. Was haben diese Einwanderer igeleistet? Welche Folgen hatte ihre Einwanderung für Amerika? Wir glauben, daß die Antwort auf diese Fragen in mächtigien, unzerstörbaren Lettern in das Buch der Geschichte Amerikas eingetragen ist. Wir sind dankbar für das, was uns Amerika freigebig ge- ... . . . 26t März 1931 — "■ 1 ■ '.“ri-'r.; ."•'"U'i'.rr ... schenkt hat. Wir glauben' aber, daß Amerika . ebenso Ursache hat, uns, fsir^ hie ^Mannigfachen Beiträge zu seinem Reichturn MÄ seiner Stellung : dankbar zu sein, Beiträge^, die durch die^Änstrengung-Innd 'Energie MerMMkäWevW^Msiande gekoinnM sind, die sich späW so Mlsommen in das Gefüge Amerikas eingegliedert haben. - ~ Der Redner nahm sodann gegen die geplante Einschränkung der Einwanderung Stellung. Er stellte weiter fest, daß im Laufe des letzten Jahres 34.809 Juden aus Europa v: yhsgewanderti' sind und sich, in den Vereinigten Staaten, in Argentinien, Brasilien, Uruguay, Kanada, Frankreich, Cuba, Mexiko, Chile und anderen Ländern niedergelassen haben. In die Vereinigten Staaten sind 12.563 jüdische Einwanderer gekommen. Am Schlüsse seines Berichtes über die Hilfstätigkeir von Hias.für die Immigranten gab Präsident Herman bekannt, daß im letzten Jahre Einnahmen in der Höhe von 321,061 Dollar Ausgaben in der Höhe von 337.601 Dollar gegenüberstanden, so daß sich die Finanzlage der Gesellschaft gegenüber dem Vorjahre, das ebenfalls Mit einem Defizit abschläß, leider noch verschlechtert hall Aus dem Referat des Generaldirekkors Jsaac L. Asofsky über die jüdische Wanderung in den letzten drei Jahren und die im Interesse der Auswanderung von Hias entfaltete Tätigkeit, ist noch folgendes von Interesse: Insgesamt sind in der Zeit vom April 1927 bis April 1930 119.671 Juden' aus Osteuropa ausgewandert. Von diesen kamen 38.845 in die Vereinigten Staaten, während sich 83.826 nach den Ländern Süd- und Mittelamerikas, nach Kanada, Südafrika, Australien, Palästina und verschiedene andere Länder wandten. Argentinien hat in diesem Zeitabschnitt 18.382 jüdische Einwanderer-, Brasilien 14.832 und Uruguay 4900 absorbiert. Aus der Tatsache, daß 13.714 Ueberweisungen seitens jüdischer Einwanderer in Argentinien an ihre in Europa zurückgebliebenen Verwandten im Gesamtbeträge von 304.877 Dollar durch die Büros von Hias vorgenommen wurden, ist zu ersehen, daß sich die Siedler den neuen Verhältnissen gut angepaßt haben. Durch die Beratung und die organisatorischen Maßnahmen von Hias konnten den Auswanderern 218.277 Dollar 'an Reisekosten erspart werden. Die Gesamtkosten dieser Tätigkeit in den Ländern des Auslandes betrugen in diesen drei Jahren 476.035 Dollar.- Davon wurden 162.305 Dollar in Form von Subventionen an die Komitees, Büros und Aemter in den Auswanüerungsländern und 185:044 Dollar zur Unterstützung der Institutionen in dien Einwanderungsländern ausgegeben. Die Hilfsarbeit für Aus-! Vom alten -Fuldaer Raw -"ri, .der gleich allen Institutionen auch das Mazzothbacfen aufs strengste beaufsichtigte, . wird uns erzählt, daß er eines Tages unangemeldet in eine ihm unterstellte Mazzothfabrik ein-' trat. El bemerkte einen dicken'Teig,'der einige Augenblicke, unverarbeitet .dalag!Nnd fragte einen Arbeiter, was mit diesem -Teige geschehen. solle. Man -antwortete ihm, das sei der Mizwothteig. . Schlagfertig entgegnete der erzürnte Rabbi:' „Nein, das ist der Awerothteig!" Gar viele jüdische Bäcker, deren religiöse Zuverlässigkeit in anderen Fragen nicht in Zweifel steht, unterlassen es aus Sparsamkeit, den vom beaufsichtigenden Rabbiner geforderten Schomer zu bestellen und glauben, sich auch ohne einen solchen für das Kaschruth der von ihnen fabrizierten Mazzoth verbürgen zu können. Daß dies eine Selbsttäuschung ist, dürfte aus Vorstehendem mit Klarheit hervorgehen. Denn der Bäcker selbst, der noch mit anderen geschäftlichen Berufs- und Familienangelegenheiten belastet ist, kann unmöglich den Betrieb so im einzelnen überwachen, daß irgend welche Verstöße, wodurch das Kaschruth der. herzustellenden Mazzoth gefährdet wird vermieden werden. Es herrscht heute Hochbetrieb. Da kommt ein guter Freund oder naher Verwandter, nach vielen Jahren für ein Stündchen zu Besuch. Der Anstand und die gesellschaftliche Sitte verlangen es, daß der Meister sich für ein Viertelstündchen entfernt, um den angekommenen Besuch zu begrüßen. Oder es kommt ein Mehllieferant oder ein Kunde, der eine geschäftliche Differenz mit der Firma hat, und verlangt, mit dem Inhaber unbedingt persönlich zu unterhandeln. Sicherlich bleibt der Betrieb während der Abwesenheit des Meisters nicht stehen und wer garantiert uns, daß in dieser Zeit keine Verstöße Vorkommen? Denn bekanntlich sind die Mäuse Herrn, wenn die Katze weg ist. Mit Recht fordern wir daher, daß die Mazzothbäckerei unter allen Umständen von einem zuverlässigen Schomer, ,d.er nurt zu diesem ^Zwecke bestellt ist, beaufsichtigt wird. . ij Was muß, geschehen, um,,stns vor dem Bezüge nicht vorschriftsmäßig hergestellter''Mazzoth zu schützen? Por -allen -'Dingen muß ' der Besteller sich vor Aufgabe ider Bestellung vergewissern, ob der Lieferant einem gesetzestreuen Rabbiner unterstellt ist. Er frage nun vor Aufgabe der Bestellung bei dem als Referenz aufgegebenen..Rabbiner über die Zuverlässigkeit des hergest.ellten Fabrikats an. Es ist weiter Pflicht des zuständigen Rabbiners, die Mazzothfabriken seines Rabbinats strenge zu überwachen oder dafür zu sorgen, daß der betreffende Mazzothbäcker sich der Aufsicht eines anderen gesetzestreuen Rabbiners unterstellt. Unterläßt das der Bäcker, dann muß der Rabbiner die Flucht in'die Oeffentlichkeit. antreten, und ohne Furcht in den jüdischen Zeitungen rechtzeitig erklären, daß der Bäcker N. N. keiner Aufsicht untersteht und daß für das Kaschruth der von demselben hergestellten Mazzoth keine Garantie gegeben werden kann. Angesichts der großen Bedeutung des Chomezverbots und der schweren Strafen, die uns bei Genuß von Ehomez am Pessach angedroht sind, sollten wir. die größte Vorsicht beim Ankauf von Mazzoth walten lassen. Bemerkungen zur Besprechung über die neue Zeenuah Urennah. Als ich bei einer eingehenden Unterredung Rabbiner S. R. Hirsch 5"prsr sagte, wie wünschenswert es wäre, unseren Frauen eine. gleichwertige Neuausgabe in gutem Hochdeutsch geben zu können, antwortete er, um eine solche Neuausgabe zu schaffen, welche den heutigen Frauen dasselbe sein soll, was die alte m'rrniunseren Müttern war, dazu sei die volle Lebensarbeit eines sehr großen i'vbn erforderlich. In aller Bescheidenheit! möchte ich mir erlauben, hinzuzufügen, daß ein -Neubearbeiter auch,, praktisch vollkommen in der Sprache der alten rirK-n rb’ss versiert sein müßte. Es gibt heute? sehr'wenige Nrehr, welche die Bedeutung des im. alten JüÄisch-Deutsch feh'r häufig vorkommenden'?Wortes „neiert" noch ckenneru :; Die von Ihnen besprochene Neuausgabe bringt das Wort ohne jede 'Erklärung einfach 'mit hneiert". Wenn den Lesern gesagt würde, daß dieses Wort teils und zumeist „nur", manchmal auch: „sondern im Gegenteil" bedeutet, so wäre dem Verständnis des Inhaltes viel gedient.' Leopold Mosbacher. (Eine neue Erklärung zur Hagodoh von Rabbi Samuel Rosenberg Gerade rechtzeitig vor Pessach gibt Herr S. Eh. Deutsch, Mukacevo, einen bis jetzt unveröffentlichten Kommentar zur Hagodoh. schel Pessach, von seinem großen Lehrer, dem Heimgegangenen Hunsdorfer Gaon, Rabbi Schmuel Rosenberg, unter dem Titel bnivv inu heraus. Für die vielen Schüler und Verehrer des Autors bedarf dieses Werk nicht erst der Empfehlung. Aber auch diejenigen Thorakundigeg, welche bisher nicht.Gelegenheit hatten, die eigentümlich anziehende Lehrmethode des großen Thorafürsten zu kennen, haben durch .diese Hagodoh die beste Gelegenheit, die Eigenart kennen zu lernen^ durch welche es ihm gelang, jüdische Seelln für das G'tteswort zu gewinnen. Fast jeder Abschnitt der Hagodoh wird hier in geist- und gemütpackender Weise neu erläutert. Eine. Droscho für ‘man rav ist dem Wert vorausgeschickt. \ Die hübsch ausgestattete, gebundene Hagodoh ist zum Preise von, Mk. 2 — bei dem Herausgeber Samuel Deutsch, Mukacevo, Masarykova 6, sowie bei dem Verlass des „Israelit" zu beziehen.