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Der Israelit · 1931-03-19 · Heft 12 (19.3.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 12 (19.3.1931)
Date
1931-03-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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19. März 1931 Der Israelit Nr. 12 Seite 7 ganz nnd gar den Juden und Arabern des heiligen Landes selber, ohne jede äußere Einmischung, überlassen. „Feleftin" wegen Rilualmordhehe suspendiert. Jerusalem,^. März. Der High Eommissioner hat die Suspendierung der arabischen Tageszeitung „Felestin" wegen Veröffentlichung der Notiz-, in der die Blutbeschuldigung gegen den Juden Omar Levi erhoben worden war, angeordnet. Gleichzeitig hat der High Commissioner, wie die Jüdische Telegraphen- Agentur erfährt, den stellvertretenden Generalstaatsanwalt angewiesen, die Möglichkeit ei'.er strafrechtlichen Verfolgung des Blattes wegen Verbreitung dieser hetzerischen Verleumdung zu prüfen. Zur Frage des Legislative Louncit. Iermsalem, 4. März. Der Parteirat der Jüdischen Arbeiterpartei Palästinas hat sich in seiner letzten Sitzung mit der Frage de,r Errichtung ei,ner gesetzgebenden -Körperschaft für Palästina befaßt. Es wurde ein Beschluß gefaßt, wonach sich die Arbeiterpartei mit den übrigen jüdischen Gruppen des Landes in der Bekämpfung eines Legislative Council in der Form, wie er im Weißbuch vorgeschlagen wird, vereinigen, dagegen für eine parlamentarische Körperschaft, die zu einem Drittel aus Juden, zu einem Dritttel aus Arabern und zu einem Drittel aus Regierungsbeamten zu bestehen hätte, einsetzen soll. Personalien. Meyer Straus Berlin, 12. März. Der ganze Kreis der Adaß Jisroel steht unter dem erschütternden Eindruck des Heimganges unseres allseitig geliebten und verehrten Meyer Straus Vierzehn Tage lang haben die Männer der Ehewra Kadischa fast ununterbrochen Tag und Nacht an seinem Lager gewacht, und sie waren Zeugen eines in klarer Bewußtheit und in harmonischem Einklang mit dem Schöpfer und Lenker alles Seins sich vollziehenden Losringens einer reinen Seele aus ihrer irdischen Umhüllung. Wie dieses Sterben, so war auch das Leben des kurz vor Vollendung des siebzigsten Lebensjahres Abberufenen von G'ttsslkebe und G'ttesfllrcht erfüllt UNd ganz aus einem Gusse. In Michelstadt, dem durch den Baalschem berühmt gewordenen Odenwaldstädtchen geboren, der Familie des Baalschem selber ungehörig und früh verwaist, hat Meyer Straus seine Erziehung und die entscheidenden Eindrücke für seine Weltanschauung und seine Charakterbildung im Hause seines Verwandten, des unvergeßlichen Samuel K. Straus V'st, in Karlsruhe empfangen. Den Idealen eines von religiöser Wärme, Prinzipientreue und sittlicher Ganzheit getragenen jüdischen Lebens, wie sie in diesem Hause gepflegt wurden, ist er bis zum letzten Atemzuge treu geblieben. Er war, auch nachdem ihn die Jünglingsjahre nach Berlin geführt, ja nachdem er dort schon fest verwurzelt war und in einer Tochter des Hamburger Hauses Joshua die kongeniale Gattin gefunden hatte, noch immer der typische, auf seine Eigenart stolze süddeutsche Jude. Süddeutsche Minhogim liebte und pflegte er in seinem Hause Und süddeutsche Grundsätze und Gepflogenheiten suchte er auch in dem aufblühenden Gemeindeleben der Berliner Synagogengemeinde Adaß Jisroel zur Geltung zu bringen, der er von Anbeginn an feine ganze Liebe und Energie mit restloser Hingabe widmete. Jahrzehnte hindurch dem Repräsentanter.kollegium und der Synagogenver- .waltung angehörig, war er ganz erfüllt von der lebenswichtigen Bedeutung einer selbständigen, ein Thora-Milieu gewährleistenden orthodoxen Gemeinde in der Reichshauptstadt und ängstlich darauf bedacht, die Reinheit ihrer Prinzipien und die Unantastbarkeit ihrer selbständigen Stellung zu wahren. Die eigentliche Größe und Stärke seines Charakters jedoch bewährte sich in seinem Berufsleben und in feinem Hause. Schwere Zeiten hat er in unerschütterlichem G'ttvertrauen überstanden, Tag und Nacht nicht ruhende Sorgfalt der jüdischen Erziehung seiner zwei Söhne und drei Töchter zugewandt, die ihm Treue mit Treue vergalten, und auf die er, als sie sein Sterbelager umstanden, in dem g'ückseligen Bewußtsein Hinblicken durste, in ihnen als Jude und Mensch fortmleben. In der Bescheidenheit seines Smnes hatte er den entschiedenen Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß bei feiner Bestattung kein Wort der Trauerklage ertönen solle. So vollzog sich denn diese Bestattung in ernster Einfachheit. Am Abend des ersten Trauertages versuchte ein Verwandter in kurzen Worten im Trauerhause noch einmal das Bild des Entschlafenen zu entrollen, von dem man sagen kann, daß er keinen Feind und keinen Gegner hinterlassen, und dessen Leben und Sterben in einem Maße, wie es selten vorkommt, den Eindruck voller Harmonie hinterläßt. n-'onn- Hamburg, 11. März. Herr Bezirlsrabbmer Dr. S. Mannes in Schwabach begeht am 24. Nissan (11. April) seinen sechzigsten Geburtstag. Gräfenhaufen, 10. März. Am rv's enn s?tn begeht Frau Lina Strauß Wwe. in geistiger und körperlicher Gesundheit ihren 80. Geburtstag. n"n?n möge die Jubilarin kräftigen und ihr noch viele gute Jahre schenken. -nrv v'n y nu» 19 Mainz, 15. März. Unter außergewöhnlicher Beteiligung wurde am Frau Jeanette Goldstein ' geb. Strauß rry zur letzten Ruhe gebracht. Mitihr ist eine Frau heimgegangen, die es verstanden hat, in 27 jähriger glücklicher Ehe an der Seite ihres gleichstrebenden Gatten ihr Heim zu einer Stätte echt jüdischen Wirkens zu gestalten und in ihren Kindern den Grundstein wahren, Mischen Menschentums zu legen. Ihre Gastfreundschaft war weit über Mainz hinaus bekannt, ihr liebenswürdiges Wesen, ihre gewinnende Herzlichkeit gewannen ihr allerseits nur Freunde. Ihr Scheiden hinterläßt nicht nur eine unersetzliche Lücke innerhalb ihrer Familie, sondern mit ihr beklagen auch viele Arme und Bedrückte, denen sie in stets selbstloser Weise mit Rat und Tat beigestanden hatte, ihren Heimgang. Möge ihr mm dem Gatten und ihren Kindern beistehen und seine g'ttliche Hand über die Familie halten. rrasjji Briefkasten. G. in St. Mk. 25.— werden überwiesen. Pf. in K. Lehrerinnenseminare des „Bes Jaakow" befinden sich in Krakau und in Wien. Nähere Auskunft gibt Ihnen Herr Direktor D. Deutschländer, Wien XX. Hallgartenstraße 22. Die Woche. Das Ringen um den jüdischen Gemeinschaftsgedanken. Ueber dieses Thema wird am Samstag abend, den 21. März, 9 Ahr, im großen Saal der Frankfurt-Loge Herr Jacob R o s e n h e i m einen öffentlichen Vortrag halten, zu dem Gemeindemitglieder wie auch Gäste eingeladen sind. - Die Generalversammlung . der Synagogerrgemeltde I raelitische Religionsgestllfihaft. Die ordentliche Generalversammlung der Synagogengemeinde Israelitische Religionsgesellschaft Adaß Ie - s ch u r u n fand am Sonntag nachmitttag 1/^ Uhr in der Aula der S. R. Hirsch-Schule bei guter, aber nicht allzu starker Beteiiigung statt. Der Jahresbericht, den wir an anderer Stelle im Wortlaut veröffentlichen, wurde mit größtem Interesse angehört. Unter den Toten des Jahres wurden Josef Sänger, Ascher E s ch w e g e und der vor einigen Tagen zu früh Heimgegangene Dr. N. E. We i l l genannt und gewürdigt, zu deren Ehren sich die Versammlung von den Plätzen erhob. Eine Diskussion fand nicht statt, so daß man gleich zu den Wahlen übergehen konnte. In den V o r st a n d wurde Herr Dr. S. Ehrmann (149 Stimmen gegen 115 Stimmen, dse auf Herrn Ludwig Strauß fielen) neugewählt und die Herren Isaak Wolfs und Simon Mugdan mit g'vtzer Stimmenmehrheit wiedergewählt. Aus dem Gemeinderat schied auf eigenen dringenden Wunsch Herr Sally Goldschmidt aus. An ferner Stelle wurde Herr Dr. P. K u l p (211 Stimmen) in den Eemeinde'at gewählt. D'e turnusmäßig ausscheidenden Herren Dr. Goldschmidt und Mar Stern wurden mit großer Mehrheit wiedergewählt. Vor Uebergang zu den Wahlen richtete der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Philipp Posen, Worte tiefen Dankes und voller Anerkennung an Herrn Sally Golds ch m i d t, der als Vorsitzender des Gemeinderates all die Jahre mit Geschick und bewunderung-wertem Takt die Eeschä'te dieses Gremiums geleitet und es verstanden hat, sich die Liebe und das Vertrauen aller zu erringen. Herr Goldschmidt dankte für diese Anerkennung und versprach, auch weiter noch der Gemeinde und der Verwaltung nach Krä'ten zu dienen. Schlutzfeiec der Samson Raphael Hirsch-Schule. Wie bereits mitgetei'.t, sindett Sonntag, den 29. März 1931, abends 8 Uhr in Dr. Hoch's Koneservatoirum ein musikalisch-künstlerischer Festabend statt. Als Hauptwerk kommt die „Glocke" zur Ausführung. Um Mißverständnissen oorzubeugen, sei ausdrück.ich darauf hingewiesen, daß es sich bei dieser Ausführung weder um die bekannte Rombergsche noch um die Bruch'sche „Glocke", vielmehr um die in Frankfurt als geschlossenes Ganze noch nicht aufgeführte Vertonung von A l b r e ch t Breve handelt. Im ersten Teil des Programmes spielt das Orchester die Ouvertüre zu „Titus" von Mozart. Außerdem gelangt u. a. das „Kol nidrei" für Cello mit Orgelbegleilung von Bruch zu Gehör. — Mitwirkende des Abenvs sind: Der Mädchen- und Knabenchor der Samson Raphael Hirsch-Schule, em im wesentlichen aus ehemaligen Schülern zusammengesetztes Orchester, Lazar Finkeistein (Tenor), Hans Schiefer (Bariton), Klärchen Wohlfarth, Betty Stern, Margrit Openheimer, Erwin Offenbacher (Klavier), Msrcei Oppenhei uer ^Violine), K^it E gut (Cello), Fritz Otte (Orgel), Berta Felsen (Deklamarion). Künstlerische Gesamtleitung: Mar Reumann. Eintrittskarten zu Mk. 0. 50 und Mk. 0.75 sind im Sekertariat der Samson Raphael Hirsch-Schule erhältlich. Bei der akademischen Feier, die am Sonntag, den 29. März 1931, 11 Uhr vormittags, in der Aula der Schule wie üblich staitfindet, haben Kinder, auch in Begleitung Erwachsener, keinen Zutritt. Dr. R. E. WeM b'm. Nach luuger Krankheit ist Mittwoch abend Dr. N. E. Weil! abberusen worden. Dr. 2ßd£, eine bekannte Persönlichkeit im Finanzleben unserer Stddt, gehörte auch zu den führenden Männern innerhalb der Israelitischen Religionsgesellschaft. Von umfassender Bildung und eminenten vielfachen geistigen Interessen, kannte er das Wort vbiyn w nbiyn ]», wußte er, daß über dieser Welt des Erwerbs und des Genusses eine höhere Welt stehe, und verstand er es, mit der gleichen Genialität und dem unermüdlichen Arbeitseifer, mit denen er sein irdisches Sein aufbaute, auch ewige Werte zu sammeln und geistige Kapitalien i'rw eipna nvinv Tn anzulegen für die Ewigkeit. Seine hochherzigen Stiftungen für die Gemeinde, für den Schulfond und andere Bildung-- und Wohlfahrtszwecke werden, sein Andenken allezeit lebendig bei uns erhalten. Seine Verdienste als Finanzberater der Gemeinde in der Zeit der Inflation werden unvergeßlich und unverwischlich bleiben. Dr. Weill war in seiner Art von Liebe zur Thora beseelt, die aus dem Tiefsten im Menschlichen und Jüdischen hervorquoll. Seit Jahren lernte er, so lange es sein Gesundheitszustand erlaubte, fast täglich unter Leitung eines Lehrers. Für eine Stunde im Tage verwandelte sich das Chefzimmer des Bankhauses in ein L e h r h a u s. Indes draußen Geschäftsfreunde, Finanzmänner und Industrielle in Geschäftsangelegenheiten warteten, wurden drinnen die höchsten und tiefsten Dinge behandelt und wichtige Probleme besprochen, zumeist nach Maimonides, der das Lieblingsstudium Weills bildete. Er zog seine Kinder, sein ganzes Haus und alle, die ihm nahe standen, zum Lernen heran. Freunde de- Hauses erinnern sich gern der Religiöseil Abende auf Grund des jüdischen Schrifttums im gastlichen Hause Weills; der herrlichen Familienfeste, zusammengehalten von einem Programm edelster Geistigkeit und Geselligkeit. Um das Bild von n"»r nroy fnin ganz zu vervollständigen, wurde im Hause je am Freitag und Samstag Abend und oft auch sonst bei besonderen Anlässen Minjang'ttesdienst abgehalten, womit m einer etwas fern von einer Synagoge liegenden Gegend einem dringenden Bedürfnis abgeholfen wurde. Ein Ei.erer für das,, was er als n»n erkannte, konnte der aufrechte Mann schonungslos auch den besten Freunden gegenüber sein, aber wer ihn näher kannte, wußte, wie tief in ihm die Liebe zu E'tt und der Thora, zu Israel und der Menschheit saß, wie hell sprudelnd die warme Menschlichkeit ihn immer und immer wieder zu spontanen Taten der Liebe im Großen wie im Kleinen geradezu zwangsläufig trieb. „Ich tue es für meine Kinder", sprach er oft. Aber damit meinte er die Zukunft der Kehillo, des Judentums überhaupt. Er ist seinen Freunden, seiner Gemeinde, in deren Schulrat und Finanzk o m m i s s r o n er ein gewichtiges fachmännisches Wort mitzlireden hatte, zu früh entrissen worden. Der edlen Gattin wird in den Söhnen, die durch Erziehung und Vorbild und eigene- Streben immer mehr in eine vollMische Geistes- und Gefühlswelt hineinwachsen, der schönste Trost erblühen. In ewigen Werken wird Dr. N. E. Weill vor unserem Geiste und unseren Augen weiterleben. rraxan Dle - . r';. Jrr Markender 1 TangermüDder Schokoladenfabrik Neu aufgenommen HD& Neu aufgenommen Alleinvertrieb durch die Firma 3. (Union SUexandev, Berlin OIO. 18, Candsbcrgcvsfvaßc 91 Niederlage für Frankfurt a. M- : Fa. A. Metzger, Langestraße 7

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