Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1931)
- Date
- 1931-03-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Seite 5 19. Mürz 1931,; sollst nicht töten"fH,von dem es füx den religiösen Menschen^keimM^Ämtiahmegeben^ köniiir'. Es sprach noch^farrer Lic. S a s s e^ der das Problem Nation und AMe im Lichte der ^hien der evangelischen - Kirchlr hiirfßellje, worauf Msgre. Lichtender g mit, einem UppeL an die Erschienenen, das Wirken der Arbeitsgemeinschaft tatkräftig zu fördern, die eindrucksvoll. verlaufene. Kundgebung, schloß. Die einzelnen Referate waren von rezitatorischen und musikalischen Darbietunge^. umrahmt. _ _ Der FührerwÄhfel in der Berliner Jüdischen «Gemeinde. . Berlin, 15. März. Auf der letzten Repräsentantenversammlung am 12. März wurden in der Hauptsache die Schulfragen behandelt. Die liberalen Sieger wollen nun ihren Sieg, besonders auf dem Gebiete der Schule, auskosten, wogegen sich die Führer der „Jüdischen Volkspartei" noch kräftig wehren. Wie-kange noch? . Der Vorsitzende der Liberalen Fraktion, Dr. Kurt Fleischer, verliest eine liberale Erklärung in Sachen des L e hrstu h ls der Hebräischen' Uni v e r s i - tat' in Jerusalem:! Die-Erklärung verwahrt sich gegen den Vorwurf des Wortbruches. Alle von den Liberalen eingegangenen Abmachungen hätten ihre Gültigkeit nur bis zum Ablauf der Legislativperiode. Die Erklärung nimmt auch Stellung gegen eine Aeußerung Dr. Hans Goslars, in der den religiös desinteressierten-Mitgliedern das Recht abgesprochen wird, in Gemeindedingen mitzureden. Der Vorsitzende der Volkspartei, Dr. Klee, erklärt demgegenüber, die Volkspartei hätte nie das Abkommen über den Lehrstuhl in Jerusalem getroffen, wenn sie gewußt hätte, daß dieses nicht für die Dauer gelten sollte. Es ser ganz unmöglich, daß ein „Lehrstuhl der jüdischen Gemeinde Berlin" nur für zwei Jahre gedacht sein sollte. Er könne eidlich bezeugen, daß der Lehrstuhl als eine Lauereinrichtung gedacht war. Er verteidigt im weiteren die Worte und die Auffassung Goslars. Die Liberalen hätten sich beim Wahlkampfe noch ganz andere Dinge geleistet, wie etwa-die Parole: „Gegen die Galizier!" Den -Appell zur gegenseitigen Achtung akzeptiere er. Herrn Dr. Klee sekundiert Herr Redakteur M. Waldm a n n. Er rügt einige Aeußerungen der Liberalen, hofft aber trotzdem auf friedliche Zusammenarbeit. Die liberalen Repräsentanten weisen den Vorwurf der unterschiedlichen Behandlung der Ostjuden zurück. Die Schulfrage wirst der liberale Repräsentant Markus auf, indem er im Namen seiner Fraktion dem Beschluß des Vorstandes, eine private Volksschule des Jüdischen Schulvereins auf dem Gemeindegrundstück in der Klopstockftraße zu errichten, beanstandet. Ihm antwortet vom Vorstand Köllenscher, der Schulverein trage selber alle Kosten der Umgestaltung. Uebrigens biete das Haus. auch Raum genug für W o h I;fa hrtseinrichtungen. Bei den letzten Wahlen hätten mehr als 30 000 Gemeindemitglieder für die jiüdis-che Schule gestimmt. Am Schluß einer Üusgiebigen und lebhaften Debatte wurde mit 11 Hetzen 10 Stimmen ein liberaler Antrag Fleischer angenommen, wonach im Sinne der Wahlen vom 30. November 1930 „die Erfüllung von Schulaufgaben nicht Sache der Gemeinde, sondern die von Stadt und Staat sei." Die bisher betriebene zionistische Politik zur Förderung des Schulwerkes der Jüdischen Gemeinde sei zu bekämpfen. Die von ihnen geplante Errichtung von 8 neuen Klassen: an den jüdischen Volksschulen sei abzulehnen. - Die Repräsentantenversammlung halte sich an Beschlüsse, die die jetzige Gemeindeverwaltung in dieser Hinsicht faßtzu für die Zukunft nicht gebunden und sei gesonnen/ die: neu errichteten Klassen abzubauen, so daß an jeder Volksschule nur eine Klasse bestehen bleibt. Die Liberale Fraktion erstrebe die Uebernahme der jüdischen Volksschulen durch die Stadt. Der Beschluß ist zunächst für den Vorstand nicht verpflichtend. ' ‘1;:! Auch Alm lehnt einen Schachtverbotsantrag ab. Berlin, 12. März. Nachdem in den letzten Tagen die Stadtverwaltungen in Schweidnitz, Rostock, Mannheim nationalsozialistische Schächtverbotsanträge ab gelehnt haben, hat nun aüch der-Gemeinderat in Ulm in einer Vollsitzung den Antrag der inneren Abteilung des Gemeinderates auf Uebergang zur Tagesordnung über den seitens der Der 3 s t a et i t Deutfchngtionalen - gestellten Schachtverbotsaistrag inst allen Stimmen gegen diejenigen: der Mitglieder her ' öeütschnationalen Fraktion angenommen. Das beantragte Schächtverbot ist fcjjnii ab gelehnt. : Wie schon mitHteilt, ist der. Antrag der: Leülfch- Nationüleniin der Bremer Bürgerschaft'äuf! Erstattung eines Berichtes, darüber, „ob die Voraussetzung eines Schächtverbots im Bremischen Staate gegeben fei", der seit Beginn dieses Jahres regelmäßig auf der Tagesordnung der Bürgerschaft stand. von den Antragstellern selbst zurückgezogen worden. An der Abwehr des Schächtverbots - stn Bremen hat sich auch der „Norddeutsche Lloyd", Lessen koschere Küchen an Bord der Amerika- Dampfer von dem Verbote betroffen worden wären, in einer wirksamen Eingabe beteiligt. vesterreich Lin Interview mii dem Lzortkower Rabbi. Wien, 16. März. Die ITA. läßt sich solgendes aus Wien melden: „Der Misrachi-Führer Rabbi Fishman aus Palästina hatte eine längere^Unterredung mit .dem in Wien lebenden Rabbi von Czortkow, Israel Friedmann. Rabbi Friedmann gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß! es Pflicht aller Juden ohne Unterschied der Partei ist, auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete des jüdischen Äüfbauwerkes aktiv mitzuarbeiten. Auf dem Gebiete der religiösen und Erziehungsarbeit sollten sich Misrachj und Agudas Jisroel zu gemeinsamer Tätigkeit zusamrstenschließen, damit durch gemeinsame Anstrengungen bei der das religiöse Judentum in Palästina gestärkt werde. Im Gegensatz zu der in gewissen führenden Agudakreisen herrschenden Meinung äußerte sich Rabbi Friedmann dahin, daß der gesamte Erfolg der politischen Tätigkeit davon abhängt, daß Palästina nicht einen Legislative Council bekommt. Der Czortkower Rabbi sprach die Erwartung aus, daß auch kein Jude des alten Jischuw sich an einem Parlament beteiligen werde, das für den Aufbau Erez Jisroels ein Unglück bedeuten würde. Rabbi Friedmann erachtet es auch als dringend geboten, daß die wohlhabenden Ju den in den Galuthländern Gelder in Palästina investieren. Mit Hilfe dieser Investitionen sollen „Olim" (Einwanderer) aus dem Mittelstände angesiedelt werden. — Am Schlüsse der Aussprache, der auch der Vizepräsident des Wiener Misrachi, Kultusoorsteher Viktor Bauminger beiwohnte, übergab der Czortkower Rabbi zu Händen des Rabbi Fishman einen Geldbetrag zur Anschaffung von Mazzoth für die Chaluzim." Hierzu wird uns vom Sekretariat des Herrn Großrabbiner Israel Friedmann aus Czörtkow mitgeteilt, daß Herr Rabbiner Friedmann bei dem Empfang des Misrachisührers Rabbi Fishman ausdrücklich auf dis von ihm vor Jahren bereits einer Misrachi-Deputation in Lemberg gegenüber abgegebenen Erklärung Bezug nahm, wonach die Vorbedingung für jedes Z u f a m men gehen von Agudas Jisroel und Misrachi auf dem Gebiete des Schulwesens der Austritts es Misrachi aus der zionistischen Gesamtörganisation wäre. Von dieser Vorbedingung, die allein die Unabhängigkeit des Misrachi von zionistischen Einflüssen gewährleisten würde, ist in dem Interview merkwürdigerweise nicht die Rede. Im übrigen trug das Gespräch einen streng privaten Charakter und Herr Großrabbiner Friedmann bedauert, daß.aus einer vertraulich geführten Unterhaltung Aeußerungen, noch dazu in nicht korrekter Form, veröffentlicht werden konnten. Das gilt insbesondere auch von den Privatbemerkungen des Herrn Großrabbiner über den Legislative Council, die lediglich seine persönliche Ansicht wiedergeben, keineswegs aber ein. von. dem der Agudo-Exekutive abweichendes politisches Programm verkünden sollten. TAPETEN LINOLEUM UND DEKORATIONSSTOFFE A. GUTHEIM ROSSMARKT 25 TEL. 25141 Ungarn. Die Wahlen in die Repräsentanz der Pester neotogen Religionsgemeinde. Budapest, 10. März. Am Sonntag, den 8. März, wählte die Pester Neologe Neligionsgemeinde Ihre neue Repräsentanz, die im Sinne der neuen Statuten aus 300 ordentlichen und 75 Ersatzmitgliedern besteht. Wahlpräsident war Adv. Dr.' Earl Barna. Drei Listen waren im Verkehr. Die Liste der Gemeindepartei, die vom bisherigen Gemeindepräsidenten Hofrat Samuel Stern und dem Reichstagsabgeordneten Paul Sandor geführt wurde, und zwei oppositionelle Listen. Insgesamt wurden 4570 Stimmen abgegeben, davon entfielen auf die Liste der Gemeindepartei 3594, auf die beiden Listen der Opposition 798 bezw. 125 Stimmen. Ungültig waren 53 Stimmen. Ein großer Teil der Kandidaten, die auf allen drei Listen figurierten, erhielt etwa 4500 Stimmen, d. h. die Gesamtheit der gültigen Stimmen. polen.!' Regierungstreue jüdische Deputierte deim Premier Slavek. Warschau, 13. März. Die auf den Regierungslisten gewählten und dem Jüdischen Klub nicht angehörenden jüdischen Sejmdeputitzrten Wyszlicki, Minzberg, Ieger und Senator Mendelsohn hatten eine Konferenz mit dem polnischen Ministerpräsidenten Slavek über jüdische Belange und veröffentlichen hierüber solgendes Kommunique: In der Konferenz mit dem Premier Slavek wurde eine Reihe Probleme behandelt, darunter die Frage, wie man Teile der jüdischen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigen könne, die Fragen der staatlichen Kreditgebung an die jüdischen Kreditgenossenschaften, der Annullierung von Steuerschulden, der Konzessionierung des Salzverkaufs und der Erleichterung der Zwangslonntagsruhe. Der Premier versprach, für eine günstige Erledigung dieser Fragen zu wirken. Interpellation im Sejm gegen Mißbräuche bei den jüdischen Gemeindewahlen. Warschau, 11. März. In der Sitzung des polnischen Sejm brachte Abg. I. Grünbaum eine Interpellation wegen Mißbrauch der Amtsgewalt bei der Vorbereitung der Wahlen in die Verwaltungen der jüdischen Gemeinden Polens ein. Er wies u. a. auf den Fall in Plonsk hin, wo der Starosta der jüdischen Gemeinde vorschrieb, aus welchen Personen sich die Wahlkommission zusammenzusetzen habe, und, als die Gemeinde nach eigenem Gutdünken eine Wahlkommisston wählte, den Gemeindevorsitzenden zu sich kommen ließ, ihn anschrie und ihm anbefahl, bis zum Abend eine Namensliste jener Personen einzureichen, die dem Starosta genehm sind. Auch in!Vendin und in Sosnowice würdest die von den jüdischen Gemeinden nominierten Wahlkommissionen durch die Starostas annulliert. Der „Bund" nimmt an den jüdischen Wahlen nicht teil. Warschau, 11. März. Das Zentralkomitee der jüdischen Arbeiterpartei Bund" beschloß, sich an den Ende Mai d. I. stattsindenden Wahlen in die jüdischen Gemeindevertretungen Polens nicht zu beteiligen. Der Beschluß wurde damit begründet, daß „unter den heutigen politischen Bedingungen die jüdischen Gemeinden nichts anderes seien, als Nester des jüdischen Klerikalismus, die von der polnischen faschistischen Reaktion protegiert werden." Besonder? gießt der „Bund" die Schale seines Zornes über die A g u d a aus. Wege« Waummaugeks mußte die WuvriL „Die Woche" in ketzter Minute zurückgestellt werden. Die antijüdischen Zarengesehe in Polen endgültig abgeschafft. Warschau, 16. März. Das Plenum des polnischen Sejm hat sich noch einmal mit der Gesetzesvorlage betreffend Abschaffung der noch aus der Zarenzeit und aus der Zeit der auswärtigen mitttärischen Okkupationen in Polen stammenden gesetzlichen Beschränkungen gegen die jüdische Bevölkerung Polens befaßt und die betreffende Regierungsvorlage mit den vom Senat beschlossenen Abänderungen