Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1931)
- Date
- 1931-03-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seile 4 Nr. 12 Der O s r a c I i f 19. März 1931 Adjutanten, der Mörder fetü' und der befcmntc Danlla, wiegeln das BM.gegen hhe Juden auf. Der Brand von.BorfchäW das Kämmenzeichen des.Hasses,ii.nd.2000-Juden, Frauen und Kinder, die; M VHM Wi-ntch; -iWUuchtey' 'KestM leben. Esten aU' die Macht.dK zweiten StMsrnacht glauben. Wieder verläßt Codreanu im Triumphe den Gerichtssaal. Es ist wahr geword>en, was er in den von ihm redigierten heiligen Schriften des -^Erzengels Michael" geschrieben hat: -/Seid ohne Furcht, denn niemand wird euch, bestrafen!" Dieses Urteil ist aus dem Zeitgeist geboren, aus dem Geist der Männer, die, in antisemitischer Tradition erzogen, mit freundlichen Augen auf die Jugend blicken, welche, getragen von den Sympathien eines großen Teiles der gebildeten Gesellschaft, ihre jüdischen Kommilitonen verhöhnen und verprügeln, jüdische Reisende in Ersenbahnzügen mißhandeln und jüdische Magazine zerstören. Einer der Berteidrger dieser Jugend, Prof. Antonescü, hat gesagt: „Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuld". .Die Juden sind schuldig. „Warum," fragte er, „alarmieren sie die Welt, wenn man einen Juden an seinen „Peijes" (Schläfenlocken) zupft? Im ganzen Lande gibt man ihm Recht. Ein Jude darf nicht Lärm schlagen, wenn die „Goldene Jugend" sich solche harmlosen Scherze mit ihm erlaubt. Man dürfe darum nicht das Land im Auslands anschwärzen. Die cuzistische Jugend ist der festen Ueberzeugung, sie stehe über dem Gesetze und die Juden stünden außerhalb des Gesetzes. Das letzte Urteil bestätigt die traurige Wahrheit^ daß wir Juden, merni wir als Juden leiden, außerhalb des Gesetzes stehen." Der Artikel schließt: „Der pflichttreue Staatsanwalt hat den Appell gegen das Urteil überreicht. Wir werden sehen, wie die höhere Instanz der Gerechtigkeit zum Siege verhilft" Neuheiten in elekir. Hausgerät (Größte-Auswahl) '' , ■ Hin kel & S o h n Frankfurt am Main, Neue Mainzerstr. 14/16 Die Bukarester Universität erhielt von der Pariser Medizinischen Fakultät eine Zuschrift, worin ihr mitgeteilt wird, daß in Paris 511 rumänische Studenten Medizin studieren, von denen der weitaus größte Teil nach Abschluß der Studien ein französisches Staatsdiplom zur Ausübung des Aerzteberufes erhält. Es bestehe die Gefahr, daß sich ihrer viele in Frankreich niederlassen. Es wird nun in diesem Schreiben ein Au s n a h in e g e s e tz für a u s l ä n d i s ch e Studenten, in der Hauptsache rumänischer Staatsangehörigkeit, angekündigt. Die Sache ist leicht zu machen. 85 Proz. dies^r Studenken sind jüdischer Konfession, von -denen ein großer Teil das rumänische Staats bürgerrecht nicht besitzt und nicht genießt. „Wenn dem so ist," heißt es wörtlich in der Zuschrift, „würde es uns sehr leicht fallen, den erwähn t e n Studenten die I n s k r i b i e r ü n g zu v e rw eiger n." Man wird kurzweg den Numerus clausus einführen, so daß fortan nur 20 bis 30 rumänische Studenten an der Pariser Medizinischen Fakultät ausgenommen werden können. Eine rumänisch-französische Kommission, bestehend aus einem Vertreter der Pariser Rumänischen Gesandtschaft und Professoren der Pariser und Bukarester Universität, werden die Auswahl treffen. Die Herren werden bei der Siebarbeit leichtes Spiel haben. Wer nicht volles Bürgerrecht in, Rumänien genießt, bleibt draußen, d a s s i nd di e 8 5 P r o z. ausmachend en Jude n. Der Rest kann bleiben, denn er ist arisch und vollberechtigt. Und wie reagiert Rumänien darauf? Es akzeptiert ohne langes Ueberlegen, denn es sind ja nur Juden. Ansonst pflegten solche Versuche zu Entrechtung von Bürgern eines bestimmten Landes in einem Kulturstaate zu internationalen Trübungen, zu diplomatischen Verwickelungen zu führen, hier führte die Aktion zur friedlichen Bildung einer F r a n z ö s i s ch - r u m ä n i s ch e n Kommission. Wir wundern uns nicht über das Verhalten verweigert, dünn' - rv ärxy- - die tz Dr eihestskämpfer Frankreichs umsonst aus den Bastillen verblutet Es wäre heute die Allergrößte und schmerzlichste Enttäuschung für eine geplagte Menschheit, wenn die französische Trikolore ihre Farben wechselte .und der.-Kreiklang ihrer Parole .hieße: .Unfreiheit Ungleichheit, Lieblosigkeit! Der Hintergrund des rumänischen Antisemitismus. Die Nachrichten aus und über Rumänien sind so widersprechend, daß eine Aeußerung in der Kammersitzung vom 10. März für die Beur teilung der Lage von größtem Werte ist. Bei der Behandlung des Wuchergesetzes hat der frühere Minister Dr. N. Lu pu eine groß-angelegte Rede gehalten, in der er u. a. auch auseinandersetzte daß nicht d ieIuden, sondern die mangelnde Voraussicht der Regierungen an der Wirtschaftskrise die Schuld tragen. Wir konnten im Laufe des vergangenen Jahves, sagte Lupu, drei Bewegungen revolutionären Charakters verzeichnen B orscha, Suce a va und Rad nu tz; Bewegungen, deren Charakter scheinbar antisemitisch in Wirklichkeit aber rein wirtschaftlich war. Ich will das Haus an einen früheren Vorgang erin nern: Wir, die wir schon länger im politischen Leben dieses Landes stehen, wissen sehr gut, wie die Ereignisse im Jahre der Krise 1917 vor sich gegangen sind. Genau so wie heute hat jene Bewegung begonnen, die uns fast die Unabhängigkeit dieses Landes gekostet hätte. Im Norden der Moldau haben rumänische Pächter, die sich durch die Konkurrenz jüdischer Pächter geschädigt fühlten, die Bauern gegen die Juden aufgehetzt. Die Bewegung hat antisemitisch begonnen, um später einen rein ökonomischen Charakter anzunehmen und das Land an den Rand des Ruins zu bringen. Erregt die jetzige Situation des Landes nicht auch bei Ihnen Besorgnis? Der Redner führte dann aus, wie gefährlich es sei, in Zeiten wirtchaftlicher Not zu dulden, daß die Volkswut auf die Juden, die unter der Krise ebenso leiden wie alle anderen Volksteile, äbgelenkt wird, statt daß die Negierung von sich aus Vorsorge trifft, um die Folgen der Krise für die breiten Massen zu mildern. kenntnissen, die zu ihrer sozialenSlelluyg garnichl. patzten. Man munkelte allerlei, und bettiebsmue. Reporter pachten' sich auf die Beine, der Sache aus den Gründ zu^ gehen. Sie besuchten sie in ihrer ärmlichen Behausung -und fragten sie aus. Nach langem Zögern legitimierte sie sich a ls To ch,ter d es. b ekann te n und b erh chtig ten russischen Mihi sie r.p r äs id e n t en PI e h v e, von dem die bekannten M'ä igesetze mit dem I u d en - r a y o n und einer Reihe anderer schwerer Bedrückungen stammen. Plehve kam um 1900 unter Nikolaus II. als Innenminister zu höchster Höhe. Und damit begann eine Aera von Pogromen, Judenverfolgungen, ein System in Gesetzen und Verordnungen sestgelegter Rechtlosigkeit, das zum Teile heute noch in den früheren russischen Landen, so in Polen, nicht außeriKräft gesetzt ift.- iJt. Eine Tochter dieses grimmigsten Judenfeindes, der für Generationen das Leben der-Juden einschnürte, arbeitet in einer jüdischen Fabrik um ihr tägliches Brot. Man darf sich der Hoffnung hingeben, daß ihre jüdischen Brotgeber auch nach Endeckung ihrer Abstammung sie auf ihrem Posten lasse, damit sie erfahre, was es mit der jüdischen Rache auf sich hat. onb inVoim -jktnp asn on Wochenkalender. v. 2t. - 28. März 1831 ( v. 3. -10. Nitzan 5691 Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag 21 •> 3 22 p’3 4 23 5 24 6 :8 25 7 Z 26 8 27 9 28 10 -mm mp ix Inzwischen ist im Prozeß gegen die „Eiserne Garde" und den „Erzengel Michael" in» Bukarest Hsn /Freispru ch ergangen. Die „Ostjüdische Zeitung" schreibt unter,..der Ueberschrift „Die Zweite Staatsmacht" dazu u, a.:; „Warum schweigt die Presse über das Urteil? Sie schämt stch.^.'Hkjn>es.' Morgens erwachte Bukarest aus liefern Schlafe, und als es sich den Schlaf aus den Augen rieb, merkte es, daß feine Mauern mit aufrührerischen Kundgebungen des Zelea Codreanu bedeckt waren. Damals erfuhr die Hauptstadt, daß es neben der Regierung eine zweite Macht im 'Staate gibt, und an der Spitze dieser Macht stand und steht Zelea Codreanu, der seinerzeit den Präfekten Manciu, der sich angegriffener jüdischer Studenten angenommen hat, ermordet und als freigesprochener Mörder im Triumphe das Gefängnis verlassen hat. Codreanu fühlt sich seither zu großen Taten berufen. Er, der als Knabe zu Füßen seines Lehrers und Meisters Cuza saß, gründete die „Eiserne Garde". Mit Blut und Eisen soll Rumänien geholfen werden. Nicht geheim arbeiteten diese Organisationen. In allen Ministerien wußte man von ihrer Existenz. Der Minister des Innern, Baida Boevod, akkreditierte bei sich in der Person seines Kabinettschefs Tazleanu den Ambassadeur der von Codreanu repräsentierten zweiten Staatsmacht und mit den Geldern des Dispositionsfonds förderte er die Bestrebungen der „Eisernen Garde" und des „Erzengels Michael". Zelea Codreanus Korrespondenzen « Nachrichten. Deutsches Reich. Nation und Friede. Berlin, 12. März. Die in der Arbeitsgemeinschaft der Konfessionen für den Frieden vereinigten Organisationen Deutsche Vereinigung des Weltbundes für internationale Freundchaftsarbeit der Kirchen, Friedensbund. deutscher Katholiken und Jüdischer Friedensbünd veranstalteten am 11. März im Festsaal der Gesellschaft der Freunde za Berlin eine öffentliche Kundgebung unter der 'Devise „Nation und Ftiede". Die. stark besuchte Versammlung ryurde durch'das Mitglied des Präsidiums der Arbeitsgemeinschaft, den päpstlichen Geheimkämmerer. und Domkapitular M/gre. B, L i ch t e n b e r g, mit einer. Ansprache eröffnet. Nach einem Referat von Frau Oberlehrerin Maria Schmitz, in dem sie die Unrichtigkeit der in Deutschland stark verbreiteten Ansicht, daß Vaterlandsliebe untrennbar sei von Kriegsbereitschaft, widerlegte, die verderblichen Folgen des Weltkrieges aufzeigte und nachwies, das der Friede die unerläsliche Voraussetzung für das Gedeihen der Nation sei, ergriff Ministerialrat Dr. Hans Goslar das Wort, um zu dem Thema des Abends vom jüdischen Standpunkt aus Stellung zu nehmen. Wenn das Wort Pazifismus heute in gewissen Kreisen der Bevölkerung zu einem Schimpfwort geworden sei, müsse demgegenüber darauf hingewiesen, werden, daß die großen Massen des Proletariats, des Mittelstandes und der wahren Intellektuellen zweifellos den Frieden wollen. Jedem Einzelnen sei die Aufgabe gekeilt, die Welt besser zurückzulassen, als er sie vorgefunden hat. Hauptaufgabe der gegenwärtigen Generation iei der Kampf gegen Imperialismus und Faschismus, das Eintreten für die Idee des. Völkerbundes. und der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. Richtunggebend hierfür muffe das von zahlreichen ähnlichen Vorschriften umrankte Gebot der Bibel ^Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" und vor allem das Gebot „Du