Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 12 (19.3.1931)
- Date
- 1931-03-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Frankfurt a. M., den i. Mßan 569i EinCentralorganfSr das oritiodoxe Judentum 1JJ Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Hl I Abonnement ab Juli 1928: Deutschland 1.30 Mark monatlich: Ausland: Bterteltcchrpreis^ (entsprechend dem deutschen- Inlandspreis zuzüslich Kosten des Stretfband-Ver-- fandes) Deutfch-Sfterretch: Schtlltns O.— . Arnerira l Dollar; England 4 sb.; ab l Tu« Frankreich 25 Fr.; Belgien ab 1.7.87. Belga 3.; Holland 3 fl.; Italien ab 1.1. 28.18 Lire; Jugoflavien 85 Din.; Litauen 7.50 Sit.; Rumänien ab 1. 7. 27; 160 Lei; Polen 4 deutsche Goldmark zum Tageskurs oder 7 Zloty: Schweiz 5 Fr.; Tfchecho-Slowakei E. Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.50 Krön.; Norwegen 3.60 Krön.; Schweden 3.50 Krön. Einzelnummer vierzig Goldpfenntge. ' Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahlen der Stellengesuchen und g Die 75 mm breite Reklamezeile: letzte Tertseir- 2.- Mk.. vorletzte Tertsette 360 Mk.; Ehissregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriefportos. Rabatt nach Tarif. Bet laufenden Jnferataufträge» tartfm. Preiserhöhung jeder» Vorbehalt. Jnseratenannahme durch den Verlag des Israelit <8. m. b. H.. Frankfurt a. M . Rechneiarabenstratze 7. Tel. Hansa 21081 sow. durch sämtl. Annoncen-Erped. d. In- und Au-lands. Alleinige Jnferatenann. für Franks. Gefchäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderlinftratze 25 Tel. 45888. Platzvorfchr. ohne Berbindltchk. Bukarest - Filiale Nr.79805.-Postsparkassen imt Budapest Nr. 18434.-4.,...^ " ' "* 31C. 79.060 —Banca Marmarosch Blank &Co. Itt iahlungsverpffichtungen ist Frankfurt a. M. Schöpfungsberichl und Entwicklungslehre. Von Dr. C. C. in A. Sevtdem die Entwicklungslehre Gemeingut der europäischen Wissenschaft geworden ist, haben sich Me besten jüdischen Köpfe bemüht, einen Ausgleich zwischen ihr und dem biblischen Schöpfungsbericht zu finden. Am meisten Anklang hat noch der Versuch gehabt, aus dem biblischen Schöpfungs tag eine Schöpfungs Periode zu machen. Man ging dabei davon aus, daß die Bibel schon von einem Tage redet zu einer Zeit, als die Sonne noch gar nicht erschaffen gewesen sei, also ein Tag noch gar nicht nach dem Maß der vierundzwanzigstünd-igen Eigendrehung der Erde habe gemessen werden können. Um es gleich von vornherein zu sagen: Einen Ausgleich zwischen dem Schöpfungsbericht und der Entwicklungslehre gibt es nicht. Hier hilft kern schwächliches Ausweichen' hier gibt es nur ein Entweder-Oder. Man muß den Mut haben, die letzten Konsequenzen aus unserer jüdischen Weltanschauüng zu ziehen. Dies ist gar nicht so schwer, wie es zunächst den Anschein hat. Wir müssen nur etwas näher das Wesen der europäischen Wissenschaft beleuchten. Dabei wird sich ergeben, daß die von der europäischen Wissenschaft uns allen eingeredete Anmaßung, sie sei die Wissenschaft an sich, bei kritischer Betrachtung wie Spreu im Winde verfliegt. Die europäischamerikanifche Wissenschaft ist eben eine spezifische Wissenschaft des europäisch-amerikanischen Kulturkreises, weiter nichts. Sie geht von denjenigen Denkvoraussetzungen aus, die für den europäisch-amerikanischen Kulturkreis typisch sind, Nur weil sie diese typischen Denkvoraussetzungen nicht weiter in Zweifel zieht, nicht weiter auf ihre Gültigkeit untersucht, sondern sie als unbezweifelbare Voraussetzung des Denkens hinzustellen beliebt, kann und muß sie zu einer Lehre wie der Entwicklungslehre gelangen. Die typische Denkvorausfetzung des eu ropäi sch-amerikanifchen Kulturkreises ist das individuMstische Denken. Ich, der Mensch, denke, bin das allein denkende Wesen, ich,-das Individuum, denke. Ich, das Individuum, komme natürliche immer zuerst. Infolgedessen bin ich, das Individuum, der Mensch, etwas ganz besonderes. Ich bin dann natürlich auch das höchste Produkt, das die Natur bisher hervorgebracht hat. Infolgedessen stehe ich als Schönftes Gefchenk für die Peffach-Feiertage DAS HOHELIED Uebertragen und gedeutet von JOSEPH CARLEBACH Prachtausgabe in Großquart auf Büttenpapieri.feinem Geschenkband Subskriptionspreis Mark 10.— Laden p r eis Mark 12.— Wir haben uns, um die Verbreitung gerade zu Pessach zu fördern, entschlossen, den Subskriptionspreis von Mk. 10.— noch bis EREW PESSACH (1. April 1931). bestehen zu lassen und empfehlen s c h leunige Bestellung. Am 1. April tritt der feste Ladenpreis von Mk. 12.— in Kraft. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, sowie direkt vom Verlag. VERLAG DES ISRAELIT UND HERMON G.M.B.H. Postscheckkonto 19802 Frankfurt am Main Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 7 Krone am Ende einer langen Entwicklungsreihe, die aus Niederem zu immer Höherem geführt hat und als Höchstes mich, den Menschen, hervor-' gebracht hat. Würden wir annehmen, das Rhinozeros würde denken und den Satz geprägt haben: „Ich denke, also bin ich," so wurde das 'Rhinozeros, eine Entwicklungslehre ausgebildet hab-u, m welcher das Rhinozeros eben das letzte und höchste Gebilde der Entwicklungsreihe darstellt. Im Gegensatz zum moiö^ÄA^n Denken steht das kollektivistische Denken. Vom Standpunkt einzelner Organe des Menscheil aus gesehen ist die Behauptung: „Ich, der Mensch, denke", eigentlich schon ein kollektivistisches Denken. Denn genau genommen müßte man mit dem Individualismus erklären, daß das Gehirn denke. Wenn man einmal davon ausgehen würde, daß das Gehirn sich als einen selbständigen Organismus empfinden könnte, so würde das Gehirn alle anderen Organe des menschlichen Körpers als außer ihm selbst befindliche Organismen, also als fremde Lebewesen, betrachten. Herz, Lunge, Magen, Leber, Arme, Beine, alle würden für das Gehirn fremde Wesen fein. Das Gehirn Äs denkendes Wesen unter ihnen würde sich aber für das höchste und vollkommenste all dieser Wesen halten und eine. aufdasGehirnzugeschnittene Entwicklungslehre konstruieren; dies ist ja übrigens auch schon seitens der Entwicklungstheorie geschehen. Dadurch nun, daß der einzelne Mensch ein Jch-Bewußtsein besitzt, das seinen gesamten Körper, also alle seine Organe, umfaßt, wird der Gegensatz zwischen den einzelnen Organen ausgeschaltet und alle Organe zu einer Einheit zusammengesaßt. In dieser Einheit ist dem Menschen das Herz genau so lieb wie das Gehirn, die Leber wie der Magen, die Adern wie die Nerven. Im einzelnen Individuum Mensch herrscht also bereits das kollektivistische Denken, ö. h. dasjenige Denken, das da erklärt, daß die Einheit Mensch denkt, nicht etwa nur das Organ Hirn. Ein kollektivistisches Denken, das über den einzelnen Menschen hinan s g r e i s t und davon ausgeht, daß das Denken des einzelnen Menschen nicht sein ihm eigenes Denken, sondern das Denken eines kollektiven Organismus darstellt, dem bei* einzelne Mensch als Zelle angehört, wird den Menschen seines Charakters als der Krone der Schöpfung entkleiden. Für den kollektivistisch denkenden Menschen sind alle Wesen der Natur gleichwertig.