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Der Israelit · 1931-03-12 · Heft 11 (12.3.1931) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 11 (12.3.1931)
Date
1931-03-12
Page
– (sequence 19)
Language
German
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12. MUz 1931 bringen.-Es sollten daher PMcht jedes festen Agu?;, Asten lstin. sich auchchieranM.hßtbi-lig'en nndchier miitzüarbsiten. 77--/ '. uv<u k -.- irt; :■: ’: :>li! .-:ZM Wnter 1A30 begMMen.Wkr mit bfpHerausgabe der als Ansätze zum Bund erscheinenden . Agud-anachrichien. Leider machten Ae Mitglieder ' von der Aussprachemöglvchksil m.diesen Spalten 7 keinen Gebrauch. Da der Bund heute nicht mehr der Orgcmisationsbeitung der,A..J. I. untersteht, vielmehr durchaus privaten Charakter trägt, hat sich der Vorstand entschlossen, in Zukm.st vorr der Herausgabe der Agudnnachrichten -.östand zu nehmen. Eme besopdere Veranstaltung für de abgehenden Schüler veranstalteten wir in diesem Jahre nicht, da wir uns davon nicht viel Erfolg versprachen^ Wir setzten uns aber in persönlichem Gespräch mit den abgehenden Primanern ms Benehmen und es besteht die begründete Hoffnung, sine größere Zahl der Klasse sowohl in einer unserer Schülergruppen als auch zu einer Arbeisgemeinschaft im Sommer zu erfassen. Der Vorstand hat sich in seinen letzten Sitzungen endlich noch mit der Vorbereitung des Sommerprogrammes besaßt.- Die Hauptarbeit im kommenden Sommer muß entsprechend den Beschlüssen des Delegiertentages in kleinen Zirkeln geleistet werden, die sich nach.-Alter und Jnterefsenkreis zu gliedern haben werden. Andererseits wird im Sommer besonderes Augenmerk auf eine positive Erez Jisroel-Arbeit zu richten sein, .die neben der allgemeinen Näherbringung wirtschaftlicher und geographischer Einzelheiten des Landes den Mitgliedern tim ideologisch fundierte agudistische Einstellung zu Erez Jisroel geben muß. Unsere Freunde sollten aber insbesondere nicht die bereits oben mgebeutete Außenarbeit vernachlässigen. Im Sommer wird sich auch mehr Gelegenheit zu Ausflügen bieten, die im Interesse einer persönlichen Näherbringung der einzelnen Mitglieider neben der übrigen Arbeit wichtig sind. Zwei Mahnungen. Dr. Nathan Birnbaum schreibt in der letzten Nummer des Aulim-Organs: „Der Ausstieg": Hoffen wir: Gam su letauwo. Zuerst lasen wir in den Zeitungen: „Die Exekutive der Jewish Agency hat die Palästinaämter angewiesen, die weitere Verteilung von Arbeiter-Einwanderungs-Zerti,ikaten einzustellen. Es wird-somit ein großer Teiil der anfangs No-iember von der Britischen Regierung ausgesgebenen 1520 Zertifikate vorläufig nicht ausgenützt werden . . . ." Dann hörten wir ^von der revisionistischen Revolution im zionistischen Lager und von dem Anschluß, ausgerechnet, des „Misrachi" an diese Revolution . . . , Und dann, wurde es i»ns. vom „Israelit" als „merkwürdige , FügUntz" . bezeichnet, „daß gerade ln einem Augenblick, - m'dein die ganze Position der Ageücy.wirtschaftlich! und. ' politisch laufs schwerste! gefährdet, erscheint, die spit'^dör . Henessio/gedaulo beabsichtigte,/Änd impier wieder, hinaus!-> geschobene Zusammenkunft yön. Vertretern der Agency; mit Beauftragten der „Agudas Jisroek" im Laufe der nächsten Woche statt, luden soll Und endlich lasen wir - ein osflzielles/Commuttiqueiiüb^r'dieerste Sitzung -der gemeinsamen Kommission, welchedie Fragen der Zusammenarbeit prüfen sollte. Die Führer der „Agudas Jisroel" haben recht daran getan, daß sie in cher ersten Mitteilung-über'die bevorstehenden Verhandlungen die Versicherung abgaben, daß die Agudo,für nichts zu haben sein werde, was einer Beschränkung der Unabhängigkeit der, Organisation gleichkommen würde. Doch will es uns scheinen, daß gerade diese Gefahr ziemlich gering,, dagegen eine ander sehr groß ist. — nämlich die, daß die geistige Unabhängigkeit der Agudo von der zionistischen Ideenwelt verloren gehe. Es sei hier nicht untersucht, ob aus der erwähnten Annäherung etwas -Ersprießliches heraüskommen kann, es sei nur davor gewarnt, in jene gewisse Fiebrigkeit des Tuns oder Nichttuns zu verfallen, die den auf moderne Weife zionozentrisch gerichteten Juden eigentümlich ist, und die .frommen jüdischen Massen damit anzustecken. ' Wenn schon die „Agudas Jisroel" mit der Agency Zusammenarbeiten zu müssen glaubt, so muß sie ihr Gewicht, wenn sie welches haben wird, zugunsten des Maßes, der Vorsicht und der praktischen Arbeit in die Wagschale werfen. Sie darf vor allem, am allerwenigsten jetzt, für Neuansiedlungen eintreten. Sie. muß sich hüten, zionistischer sein zu wollen, als manche Zionisten selbst. Sie muß sich gesagt sein lassen, was das zionistische Zentralorgan in Deutschland sagt: ,/Unter den. heutigen Umständen kommt es vor allem an auf die Erhaltung und Festigung des Bestehenden in^ Palästina; schon dies ist heute eine erhebliche-Leistung, und es gilt, die Erkenntnis dieser Not- * weridigkeit dem' - Bewußtsein des jüdischen Volkes einzu- Der.Israelit . - Blätter hämmern/' Und diese, Mahnung muß bei der Agudo tiefer fitzen als bei deri Mahnern selbst, die ja durch die ihnen eigene Art immer wieder in die Versuchung kommen, in einem, unbezähmten Augenblicke ihre!.Selbstmahnungen in 'den uWind zü< schlagen.^;-Mit "einem Worte: Die Agudo mußacht.-geben, daß aus ihrem letzten Schritte kein Fehltritt werde, durch den sie an Geltung einbüßt, statt welche zu gewinnen, und in ihrem Wesen verfälscht wird. Jugend. Unter den letzthin stattgefundenen vielen Jugendkonferenzon und -Kongressen aller möglichen jüdischen Parteien und Gruppen war auch eine Delegiertentagung der deutschen Agudas Jisroel-Jugend in Frankfurt a. M. Der nunmehr gewesene Vo sitzende der Jug ndorgan'.sation, Dr. Willy Hofmann — selbst ein Jugendlicher in schon vorgerückten Jahren — veröffentlicht im „Israelit" einen lesenswerten Epilog zu dieser Tagung. Er beschäftigt sich in feinem Aufsatz u. a. mit dem Verhältnis der Jungen zu den Alten. Sehr klug beginnt er mit dem Hinweis auf die Einteilung der Lebensalter durch unsere Weisen, um dann der Jugend vorzuhalten, daß sie das Schlagwort senil ebenso freigebig verteile, wie ein anderes „baaleba-- tisch". „Das sind" sagt er, „ f r e m d e Elemente, die aus der nicht jüdischen allgemeinen Jugendbewegung unserer Zeit in die > Köpfe unserer Jungen eingedrungen sind und wir scheuten uns nicht, aber nur bezüglich dieses einen Punktes, von. einer Assimilation an die fremde Umwelt auch bei uns zu sprechen. Trotz alles Guten, das die modernd Jugendbewegung zweifellos auch für uns gebracht hat, muß für uns die Parole lauten: Die Alten mit den Jungen, oder: . Frage Deinen Vater und er wird es Dir künden, Deine Alten und sie werden es Dir sagen! Auch zum Erziehen gehört ein gewisses Maß Lebenserfahrung, und selbst auf die Gefahr hin, daß man auch unsere Anschauung für senil oder b a a l e b a t t fd) hält, wagen wir es, zu sagen: Bei uns sollen nicht dre Kinder die Eltern, sondern die Eltern die Kinder erziehen." i"— '—■« Postscheck >Konlo der Landesarganisation: Landesorganisation der „Agudas Jisroel“ in Deutschland, Hamburg: No. 50204 Hamburg. No. 50204 Hamburg, Alles sehr richtig. Aber noch-, immer — nicht nur bezüglich „alles Guten, das die moderne Jugendbewegung gebracht hat", woran auch noch ein wenig Zweifel angebracht fein dürfte — allzu optimistisch. Es gibt nämlich keine Assimilation in Einem! Punkte, wenn der Punkt wesentlich/ ist/ Aw e r o. gaftrH riss S,.,.Aw e-hp. - Fr«i/ .williges und ^.williges? SichbefchHen der' Jugend-mit Lernen,, Gehorsam' /Und'G?svidjWaftleistest ist eind .der Fundamentalförderungen -jüdischen "Lebens.- And,-'Äd' sie 7sie' riicht-mehr erfüllt/>dk-Sist! die Asfidnilatiqn fchon-Iauf meinemPunkte besonderer Jrllensität,angelangt; da. .Witz sie schon manche ergiebige Vorstudien durchlaufen haben und da sind ihr weitere und noch kräftigere Erfolge gewiß. -'7 --'Es finv>' die«jtr'übsten Aussichten, die sich bei solcher Betrachtung eröffnen. Und fast bleibt nur die eine schwache Hoffnung: Daß die Assimilation selbst die verirrte Jugend auf ihren Ausgangspunkt zurückführe, b. h., daß endlich den anderen Völkern der heutige sinnlose.und unfruchtbare Jugendübermut zu bunt werden und daß ihnen unsere jüdische Jugend, wie sie ihnen jetzt den Jugendrummel dann die Abkehr von ihm abgucken werde. Freilich, führende Männer sollten nicht darauf warten. Sie müßten zunächst der Jugend die ganze Haltlosigkeit der heutigen Anschauungen. über die Jugend und über das. was ihr frommt und worauf sie Anspruchhat, darlegen. Oder gibt es da etwa nicht genug darzulegen? Drückt nicht schon das alte Wort, das in bescheidenem Sinne die Jugend gegen unkluges Alter in Schutz nahm: „Juqend ist ein Fehler, der mit jedem Tage kleiner wird" die wahre Sachlage aus? Stellt nicht schon der Gebrauch des Wortes Jugend im Sinne eines Kollektivums von in ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen, Rechtes und Pflichten gleichartigen Menschen eine komplette Verlogenheit dar, da doch schon jeder Jahrgang der Jugend gegenüber dem vorhergehenden und nachfolgenden eine Kategorie für sich ist und hei größeren Abständen, namentlich zwischen Anfang und Ende der Juqend — insoserne man überhaupt sagen kann, wann sie beginnt und wann sie abschließt — im Grunde schon der Unterschied zwischen Jugend , und Alter gegeben , ist? Und wie sieht es denn in den Seelen der älteren Jahrgänge aus? Ist es denn nicht so, daß es kaum eine gibt, die hundertprozentig „jugendbeweglich" bleibt, dagegen aber viele, die sich auch nicht einen Rest von Glauben an besondere Rechte oder Nr. 6 Seite 3 __' _ 4/ •■iii " gar Vorrechte erhalten haben? Nur daß sie es nicht sagen, entweder, weil sie die ganze Frage nicht mehr interessiert, oder weil sie aus Bequemlichkeit, aus, irgendwelcher Ambition oder aus der Sucht, höchst modern zu sein, in den alten Mahnen -forttrotten.! - Das alles sollten führende Männer den jungest Leuten vor Augen halten. Aber sie haben offenbar nicht den Mut dazu. Fürchten, sich die ganze Jugend zu Feinden zu machen. Ost mögen sie selbst von den Ideen der Jugendbewegung angesteckt sein. Schade! Denn wenn viele von ihnen ihre Stimme erheben würden, um die Jugend auszuklären, zu mahnen und zu niarsten, dann würdenlisie vielleicht doch etwas erreichen, zumindest den Boden/für die Zeit bereiten, da, wie oben ausgeführt, aus der. Fremde abgeblasen werden wird. Zur Frage der rituellen Verpflegung auf den Schiffen der Palästina-Linie des Lloyd-Triestino. Zu den in der Agudas Jisroel-Beilage Nr. 1 vom 1. Januar 1931 in Ihrem geschätzten Blatte abgedruckten diesbezüglichen Bestimmungen und dem Artikel „Gesellschaftsreise nach Palästina" gestatte ich mir Foigendes zu. bemerken: Der Verfasser jenes Artikels hat die Reise unter sehr glücklichen Umständen gemacht: als 1. oder 2. Klassenpassagier auf dem mit 'besonders angenehmem Bordpersonal versehenen neuen Schi,'s der Palästina-Linie, dem „Cello" und hei ruhiger See. Die Wiedergabe meiner vielleicht genau so einseitigen, besonders unangenehmen Erfahrungen sollen es dem Leser ermöglichen, /sich auf Grund beider Artikel ein objektiveres Urteil über die Frage der rituellen Verpflegung zu bilden, als dies m. E. nach dem ersten Artikel allein möglich ist. Ich bin im Oktober 1930 als Touristin mit dem „Cello" nach Palästina gefahren und 7 Wochen später mit der „Adria" von dort zurückgekehrt, beide. Male 3. Klasse und beide Male ber häufig bewegter, zeitweise stürmischer See. ' 1. Zur Qualität der Verpflegung: Ich fand die Koscherverpflegung 3. Klasse — rm Vergleich zur Koscherverpflegung 2. Klasse und zur Nichtkoscherverpflegung 3. Klasse — absolut ungenügend, wobei zu bemerken ist, daß die Verpflegung 3. Klasse auf dem „Eelio", nach dem, was ich sah und hörte, sicher bedeutend bessere ist. Auf der „Adria" gab es in den 4V2 Tagen nur zweimal Fleischkonserven, sonst Sardinen, Bismarckhering, Tomaten, gebratene Kartoffel und Obst in fast ständig gleicher Zusammenstellung. 2. Zur rituellen Zuverlässigkeit des Essens: Als ich auf der „Adria" Glasteller zum Fleisch verlangte, wurde mir vom Steward erwidert, „es gibt keine Glasteller." An Tischtüchern, Tellern und Besteck war kein Koscher-Zeichen zu sehen, die beiden Mcste, als es Fleisch gab, wurde als erster Gang in der Koscherabteilung mit Buttter zubereitete Makkaroni, bezw. Reis serviert und — selbstverständlich auch für den Passagier, der nichts von dieser Speise genossen hatte — dieselbe Teller- und Besteckserie zur Koscherfleisch-Konserve ge. reicht. Freilich lasten sich diese Mitzstände im einzelnen praktischen Fall abstellen — der Passagier kann aus Glasteller usw. drängen oder aus der Konserve selbst und mit dem eigenen Besteck essen, vielleicht habe ich auch besonderes Pech gehabt, obpiohl nach meinen Erfahrungen a"ch auf 'dem. ' die > 'Trennung zwischen Milchig und Fleischig nicht immer streng durchqelllhrt wurde — mir kommt es hier nur auf das Prinzipielle -an: In einem Küchen- S.ötyiech, in. b.jjm derartige sichtbare Ber- Jfjöi.R'c ijeaen di e offiziell eingerichtete 'Kb s ch e r'-'Ue'd'p ft e g u n g Vorkommen können, f irrin si'ch im•'!<&; b er ft r en.g glä uch i g e P ass a- 'gier ,.nrdj:t. h,u>ra-uf , p erlassen-, daß ..in d er Küches e l 6 st die K ä s ch r u t h - V orschriften wirklich immer genau eingehalten werden, daß z. B. immer getrennt gespült wird, die Herdplatte immer neu abgeglüht, die Speisen vor nie? warmgestellt werden. .Wenn wir auf den. Schiffen immer ein ständiges mit den Kaschrüth-Vo'k''ch i'ten genau vertrautes Küchenpersvnal wüßten und ebenso eine regelmäßige' Ileberwachung der Küche bei jeder Ileberfahrt durch die Passagiere stattfinden würde — der: Koch aiso immer in Erwartung eines Schomer — könnte die jetzige Regelung vielleicht wirklich eine rituelle Zuverlässigkeit .gewährleisten. Wie ich mich jedoch beim Koch erkundigte, wird keineswegs auf jeder Fahrt der Küchenbetrieb durch Pastagiere kontrolliert. Aus persönlicher. Erfahrung muß ich weiterhin sagen, daß, wer zu Seekrankheit neigt oder Kinder zu beso-gen hat, nicht wiederholt am Tage in der Lage ist, einige Zeit in der Küche zu verweilen und daß, wenn die Schiffe, wie im Winter, recht leer sind, auch nicht immer Mitreisende zu finden sind, ans die >sich der Passagier, ohne sie zu kennen, in religiöser und technischer Hinsicht verlassen möchte. . Zusammenfaisend möchte ich sagen: Während der Verfasser jenes Artikels „Gesellschaftsreise nach Palästina" uns dankenswerter Weise auseinandergesetzt hat, daß bei einer interessierten und informierten Schisfsleitung und. einem gewissenhaften und aktiven Verhallen der Pastagiere die Koschervervflequng gewährleistet sein kann, lag mir daran, klarzulegen, daß dieser „Kann- Zustand" heute noch keineswegs erreicht ist und unter den geschilderten Verhältnissen, auch wohl kaum erreicht werden : r-i , jti ■ $ ft# Mi

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