Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1931)
- Date
- 1931-03-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Der Israelit Nr. 10. Seite 7 5. Mürz 1931_ , das spätere Gesetz von 1924 hat ihnen die Staatsbürgerschaft geraubt. Ich verlange daher, daß man dem Parlamente ein Gesetz vorlegt, welches allen jenen, die schon i. I 1920 rumänische Staatsbürger waren, Gerechtigkeit widerfahren läßt. Er sei mit der Antwort des Ministers nicht zuftieden und behalte sich vor, seine Mitteilung in eine Interpellation umzuwandeln. Der Oberrabbiner von Cluj wegen angeblichen Bestechungsversuches verhaftet. Buka^rest, 23. Febr. Rabbi Akibah Glasner, der Oberrabbiner von Cluj (Klausenburg), der- Hauptstadt der Provinz Transsylvanien, der Sekretär der Jüdischen Gemeinde Cluj, Löffler, und fein Stellvertreter Rosenberg, sind unter der Beschuldigung der versuchten Bestechung an dem Sekretär der Ortspolizei Clontza verhaftet worden. Gegen Rabbi Glasner wird die Beschuldigung erhoben, er habe Clontza 25.000 Lei angeboten, um ihn zu veranlassen, einem sephardischen Schochet in Cluj das Unterbieten des von der Jüdischen gemeinde festgesetzten Schächttarifs im Hinblick auf den der Gemeinde hierdurch verursachten beträchtlichen Entgang an Schächtgeldern zu untersagen. Auf Intervention des jüdischen Abgeordneten Josef Fischer hat der Innenminister die Freilassung Rabbi Glasners angeordnet. Doch wurde gegen ihn seitens der Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren eingeleitet. Abg. Fischer hat Pressevertretern gegenüber erklärt, es bestehe kein Grund zur Erhebung der Anklage gegen Rabbi Glasner wegen versuchter Bestechung, da wiederholt die lokalen Behörden von der Jüdischen Gemeinde ersucht wurden, Untersuchungen zum Zwecke des Schutzes der Interessen' der Jüdischen Gemeinde einzuleiten, wobei sich die Jüdische Gemeinde bereit erklärte, die Kosten der Untersuchung zu tragen. Der Konflikt zwischen der Jüdischen Gemeinde von -Cluj und dem sephardischen Schochet besteht bereits seit vielen Monaten. Die Frage wurde u. a. auch vom Minister des Innern, Bajda-Voevod, im Verlauf eines im Juni 1930 dem JTA-Vertreter gewährten Interviews berührt. Minister Bajda-Voevod, der selbst Transsylva nier ist und die Verhältnisse dieser Provinz genau kennt, erwähnte damals, Oberrabbiner Glasner habe sich ihm gegenüber über die Unterbietung des Schächttarifs durch den sephardischen Schochet, der keine Taxen zur Aufrechterhaltung der Gemeindeinstitutionen entrichte, beklagt. Minister Bajda-Voevod stellte sich damals auf den Standpunkt, daß ein solches Unterbieten unzulässig sei und behördlich verboten werden müsse. Amerika. Die Lage in Amerika. Newyork, 30. Febr. Die amerikanische Wirtschaftslage weist noch keine merklichen Zeichen einer Besserung auf. Im Gegenteil, wirken sich ganz naturgemäß die Folgen des Zusammenbruchs , jetzt erst im Gemeinschaftsleben, insbesondere aber bei den jüdischen I n st i t u t i o n e n, aus. Die Einkünfte der meisten Wohltätigkeitsinstitute sind um mindestens ein Viertel zurückgegangen und für das neue Jahr sind die Aussichten noch schlechter. Aehnlich wie die Fabriken ihre Produktiokraft in einem unheimlichen und jetzt vernichtend wirkenden Grade gesteigert haben, so steht auch die jüdische Gemeinschaft vor einer Ueberfülle von Neubauten. Erweiterungsbauten, Gründungen aller Art, die jetzt, da man sich für den Aufbau leichtsinnigerweise mit Hypothekenschulden beladen hat, eine schwere Last und eine schwere Gefahr darstellen. Die verschiedenen neuen Sammelkampagnen haben daher leider keine große Aussicht auf Erfolg. Das ist wohl auch der wahre Grund dafür, daß Dr. Weizmann seine Absicht ausgegeben hat, nach Amerika zu kommen. Seine Freunde scheuten mit Recht davor zurück, das Prestige des Führers durch den zu erwartenden Mißerfolg seiner Sammeltätigkeit aufs Spiel zu setzen. Auch die neue Sammlung des Joint wird naturgemäß mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. Andererseits trägt die finanzielle Depression dazu bei, daß die amerikanischeu Zionisten ihren Kampfesmut gegenüber hen Mandatarmacht stark bezähmen und daß man sich mit dem Macdonald-Brief unter den gegebenen Umsianoen abifinden zu wollen scheint. Türkei. Gin Justizmord in der Türkei. London, 27. Febr. Wie der Konstantinopeler Korrespondent des „Jewish Chronicle" meldet, befand sich unter den vor kur? zem wegen revolutionärer Zusammenrottung Hingerichteten Derwisch-Anhänger auch ein Jude, Josef Chajim, der ganz zufällig unter die Menge geraten war und den man hingerichtet hat unter der lächerlichen Anklage, er habe zusammen mit den übrigen fanatisierten Menschen gerufen: „Lang lebe der Mohammedanismus!" Er beteuerte bis zum letzten Augenblick umsonst seine Unschuld, indem er darauf hinwies, daß er Jude sei. Der Unglückliche wurde trotzdem zusammen mit 13 Moslems gehängt und rief noch im letzten Augenblick laut: „Lange lebe die türkische Republik!" Palästina. Aufruf der arabischen Exekutive zum antijüdischen Boykott. Jerusalem, 25. Febr. Die arabische Exekutive veröffentlicht einen Aufruf an die arabische und mohammedanische Welt, in dem die Mohammedaner ausgesordert werden, sich zu vereinigen und sich einzig und allein auf die eigene Kraft zu verlassen. In dem Aufruf wird gegen Macdonald der Vorwurf erhoben, daß er die Rechte der Juden erweitert und aufs Neue die dem arabischen Volk gegebenen feierlichen Versprechungen gebrochen habe. Der Regierungsbrief habe endgültig gezeigt, daß nicht länger Gerechtigkeit von Seiten der britischen Regierung erwartet werden kann. Macdonald habe den letzten Rest des Vertrauender Araber zerstört. Schließlich werden in dem Aufruf die Araber Syriens und des Irak aufgefordert, sich dem Boykott gegen die Juden anzuschließen und ihn durchzuführen, bis die große jüdische Gefahr endgültig beseitigt sei. Protest der arabischen Exekutive gegen den Alacbonalb-Vrief. Jerusalem, 25. Febr. Eine Delegation der palästinensisch-arabischen Exekutive, bestehend aus dem Präsidenten der Exekutive, Muza Kazim Pascha, Pakoub Faraj, Auni Bey Abdul Hadi, Jamal Hufseini und Moghanan Effendi hat dem High Commissioner, Sir John Chancellor, den Protest der arabischen Exekutive gegen, die Aenderung der britischen Politik in Palästina überreicht. In dem vom Präsidenten der palästinensisch-arabrschen Exekutive, Muza Kazim Pascha, Unterzeichneten Dokument wird erklärt, die im Brief der Regierung gegebene Interpretation der Palästina-Politik widerspreche vollkommen dem Weißbuch. Es werde eine neue Politik inauguriert, die sich über die politischen Rechte der arabischen Bevölkerung hinweggesetzt und sich im Interesse der Errichtung des Jüdischen Nationalheims bloß auf die Sicherung der bürgerlichen und wirtschaftlichen Lage der arabischen Bevölkerung beschränkt. Dagegen sei der Forderung nach Beteiligung jüdischer Arbeiter an öffentlichen Arbeiten entsprochen worden. Während das Weißbuch festgestellt habe, daß in Palästina kein Boden zum Verkauf und kein Raum für weitere Einwanderer vorhanden sei, werden auf Grund der Interpretation des Weißbuches Bodentransaktionen und heterogene Einwanderung zugelassen. Schlietzuch schreibt Muza Kazim Pascha: Ich sehe mich genötigt, den Arabern als Gegenmaßnahme gegen den jüdischen Boykott der arabischen Arbeit vorzuschlagen, d i e I u den auf allen Gebieten zu boykottieren. Die neue Interpretation der Regierungspolitik in Palästina machte eine jüdisch-arabische Kooperation, wie sie vom Ministerpräsidenten Macdonald gefordert wird, unmöglich. Polizei- und AMitärschuh in Palästina und Transjordanien. London, 27. Febr. Die Regierung fordert einen Zusatzkrsdit von Lst. 400.000 für die Kosten des polizeilichen und militärischen Schutzes in Palästina und Transjordanien. In der Unterhausdebatte, in der Unterstaatssekretär Dr. Shiels den Regierungsantrag vertrat, wurde die Verteidigung der jüdischen Kolonien von Mr. Hopkin zur Sprache gebracht. Es muffe für genügende Waffenlager in den Kolonien gesorgt werden, die von einer verantwortlichen Persönlichkeit unter Verschluß gehalten werden sollen. Eink Antwort aus diese Anregung wurde von Seiten der Regierung nicht gegeben. Der Kredit wurde bewilligt. Jerusalemer Brief. Die Ergebnisse der Asesath haniwcharim. — Msrachi und Revisionisten. — Gemeindegeseh und Austrittsrecht. — Aebernahme des Erziehungswesens? — Soziale Arbeit. — Antireligiöse Ausfälle. Jerusalem, 26. Febr. Die Asesath haniwcharim ist auseinandergegangen und hat schließlich, nachdem die Siedehitze der Aufregung, die der Exodus der Revisionisten verursacht hatte, sich einigermaßen gelegt, doch die Wahl eines Waad leumi zustande gebracht. Die Revisionisten haben dabei nach ihrem Auszug noch einen Triumph erlebt, indem beschlossen wurde, daß der Waad leumi sich nur dann an Londoner Verhandlungen mit der englischen Negierung beteiligen dürfe, wenn zwei der drei beteiligten Parteien, mit anderen Worten also, wenn der Misrachi zustimmt. Das Bündnis des Misrachi mit den Revisionisten, an und für sich die sonderbarste und widernatürlichste Allianz der Welt, tritt in diesem Punkte, aber auch sonst in die Erscheinung. In den Blättern fordern einige bisher allerdings wenig bekannte Persönlichkeiten auf, eine Art von revisionistischem Misrachi zu bilden/ nachdem, wie sie behaupten, die revisionistische Partei sich bereit erklärt habe, einen religiösen Rat zu bilden, der für die Anerkennung der Autorität des Thoragesetzes sorgen solle, falls der Revisionismus zur Macht kommt. Man fragt sich vergeblich, wie eine Partei, die den Anspruch erhebt, religiös zu fein und die doch naturgemäß auch ihre politischen Maßnahmen einigermaßen im Einklang mit konservativen jüdischen Traditionen halten muß, dem Chauvinismus der fäbelraffelnden Revisionisten Vorschub leisten zu sollen.glaubt. Nüchtern denkende religiöse Kreise verstehen es deswegen sehr gut, daß die klarer denkenden westeuropäischen Misrachisten, insbesondere der deutsche Misrachi, diese widerspruchsvolle Desperado-Politik des Welt-Misrachi nicht mehr länger mitmachen wollen. An den Beschlüssen der Asesath haniwcharim sind besonders diejenigen bemerkenswert, die sich auf die Finanzen, das Gemeindegesetz' und das Erziehungswesen beziehen. Es ist klar, daß die Knefes Israel, solange das von dem Prinzips der Gewissensfreiheit unerläßlich geforderte Austrittsrecht besteht, von ihrem Steuerrecht kaum praktifcheu Gebrauch machen kann. Auf der anderen Seite sieht man ein, daß keine Aussicht besteht, die englische Regierung gegen den Widerspruch, der heute schon auf 20.000 Ausgetretene gestützten „ A g u d a s I i s r o e l" zur Abschaffung des Austrittsrechtes zu veranlassen. Es wurde daher weiter beschlossen, mit der „Agudas Jisroel" neue Verhandlungen anzuknüpfen, um zu einer Verständigung über eine Abänderung des Gemeindegesetzes zu gelangen. Die Idee, das Erziehungswesen in die Kompetenz des Waad leumi überzuführen, ist aus dem Wunsche geboren, dem heute ziemlich inhaltleeren Rahmen der Knefes Israel einen praktischen Inhalt zu geben. Merkwürdigerweise widerstreben vor allen Dingen die Lehrerkreise der Uebernahme, weil sie nicht in Abhängigkeit von der palästinensischen Bevölkerung selbst geraten wollen. Man hat schließlich angesichts des schwierigen Charakters des Problems bloß beschlossen, eine Kommission zu wählen, die mit der Agency über die Frage einer partiellen Ueberführung des Chinnuch beraten soll. Fest steht jedenfalls, daß die Agency, die in ihrer schweren Finanzlage das Erziehungswesen natürlich sehr gern los werden möchte, den Löwenanteil der Kosten des Erziehungswesens auch für die Zukunft auf alle Fälle wird weitertragen müssen. Nicht ohne Reibung wird auch der Versuch des Waad leumi abgehen, die soziale Arbeit in Angriff zu nehmen und sich in das heute durchaus ungeregelte Wohlfahrtswesen einzuschalten. Eine bemerkenswerte Mäßigung zeigte bei der Affefath haniwcharim die Arbeiterpartei, bei der offenbar das Interesse an der Erhaltung der wirtschaftlichen Positionen den politischen und kulturellen Radikalismus mäßigte. Trotzdem sind von linksradikalen Arbeiterdelegierten scharfe antireligiöse Vorstöße unternommen worden. Einer erklärte rundweg: „Meine Religion besteht in dem Kampf gegen die Religion". Originell wirkte die Frauenvertreterin, die mit großer Entschiedenheit öifc