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Der Israelit · 1931-03-05 · Heft 10 (5.3.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 10 (5.3.1931)
Date
1931-03-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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-5. März 1931 .D e r . I s r a e l i t Nr. 10. Seite 5 Korrespondenzen « ßaebricbten. Deutsches Reich Debatte im Sächsischen Landtag über einen Synagogenbesuch christlicher Schüler. Dresden, 25. Febr. Die Israelitische Religionsgemeinde Plauen hatte vor kurzem die höheren Schulen Plauens der Reihe nach zu, einer Besichtigung der Synagoge eingeladen. Dabei klärte Prediger Heimann Lehrer und Schüler gleichzeitig über den jüdischen G'ttesdienst und das jüdische Sittengesetz aus, wofür ihm seitens der Schulleitungen wärmstens gedankt wurde. Im Sächsischen Landtage richtete die nationalsozialistische Fraktion an die Regierung die Anfrage, „ob sie den Besuch der Synagoge in Plauen durch Lehrer und Schüler verschiedener höherer Schulen billige, ob sie bereit ser", eine eingehende Untersuchung über den Vorfall angustellen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft' zu ziehen, und was sie zu tun gedenke, um die deutsche Jugend vor derartigen geistigen Vergewaltigungen zu schützen." Dr. Fritsch hielt zur Begründung der Anfrage eine saftige antisemitische Rede. Für den Ministerpräsidenten antwortete Ministerialdirektor Dr. W o e l s k e r : Herr Heimann, dessen drei Söhne das Realgymnasium besuchen, hatte sich gelegentlich dem Rektor dieser Schule gegenüber bereit erklärt, Lehrern und Schülern einmal die Synagoge zu zeigen und zu erklären. Darauf habe der Rektor festgestellt, daß bei Lehrern und Schülern Interesse für einen Besuch der Synagoge vorhanden sei und dies dem Prediger mitgeteilt. Eine Einladung für andere Zeitpunkte sei auch an die Direktionen der übrigen höheren Schulen ergangen. Die Teilnahme war völlig in das Belieben der Lehrer und Schüler gestellt; es wurde keinerlei Druck ausgeübt. Vei der Besichtigung ist nach den vorliegenden Berichten der Schulleitungen auch nichts gesagt worden, was als eine Herabsetzung der christlichen G'ttesanschauung oder eines christlichen Glaubensgebotes hätte aufgefaßt werden können. Das Ministerium kann den Schulleitungen keinen Vorwurf machen. Sie sind auf die Einladungen eingegangen, weil sie glaubten, die Besichtigung werde für den Unterricht von Nutzen sein. Irgendwelche politischen oder weltanschaulichen Gesichtspunkte haben dabei nicht mitgespielt. Bund gefehestreuer Gemeinden Bayerns. Schweinfurt, 26, März. Die diesjährige Generalversammlung des Bundes gesetzes treuer israelitischer Gemeinden Bayerns fand am 22; Februar hier statt. Aus dem Bericht des Vorsitzenden, Herrn Bezirksrahbiner Dr. Stein, konnten die Teilnehmer wieder erfahren, welche Füll? von Arbeit der Bund im abgelaufenen^ Jahre geleistet hat.. Bei welcher Angelegenheit auch, immer Interessen des bayerischen gesetzestreuen Judentums zu vertreten waren, war der Bund auf dem Plan/ und dank seiner zielbewußten Arbeit hatte er n"3 in der Regel Erfolg zu verzeichnen. Es liegt in der Natur der Sache, daß über diese Tätigkeit' und deren Bedeutung immer nur ein kleiner Kreis informiert ist; die Generalversammlung war deshalb dem- Vorsitzenden dankbar, daß er hier Gelegenheit gab, auch einmal von.dieser Seite der Vundesarbeit zu erfahren. Der Redner referierte ferner.- über die Tätigkeit des Bundes in der Schechito-Angelegenheit und zur Versorgung mit Koscherfleisch, über die ausgedehnte Tätigkeit des vom Bunde angestellten Sofers, über Versorgung von lehrerlosen Gemeinden und Subventionen für Instandsetzung von Mikwoaus usw. Auch im vergangenen Jahre arbeitete der Bund mit der Leitung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in allen das bayerische Judentum betreffenden Fragen einträchtig zusammen. Die an das Referat des Vorsitzenden anschließende Diskussion brachte noch verschiedene Anregungen und unter dem Beifall der Anwesenden wurde zum Ausdruck gebracht, daß der Bund gesetzestreuer israelitischer Gemeinden in den zehn Jahren seines Bestehens eine Fülle von Segen dem bayerischen Judentum gestiftet habe mnd aus ihm nicht mehr wegzudenken fei. Am Nachmittage versammelte ein Bundestag eine große Schar von Zuhörern. Justizrat Dr. Hammel- Schweinfurt richtete im Namen der Kultusgemeinde eine überaus warme Begrüßung an den Bund, dessen Arbeit für den io er gerade angesichts der gegenwärtig drohenden Gefahren für besonders wertvoll erachtet. Vezlrksrabbiner Dr. Stein beleuchtete die Bedeutung des Bundes, der auf der einen Seite berufen ist, 'die Interessen des bayerischen gesetzestreuen Judentums innerhalb des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden zu wahren, der aber darüber hinaus, wie Redner im Anschluß an einen Midrasch ausführte, im Sinne der Philosophie eines Ben Asai praktische religiöse Tat als Ausgangspunkt , religiösen Lebens pflegt. In seinem großzügig angelegten Referate über: „Der Sabbat, seine Idee, seine Forderung; seine Verwirklichung" entrollte Bezirksrabbiner Dr. Ephraim, Burgp repp ach vor den lauschenden Zuhörern ein fein gezeichnetes Bild von der Schönheit und Bedeutung des Sabbats. Das besondere Verdienst des Redners war es aber, daß er die Probleme, die der Sabbat der gegenwärtigen Generation stellt, mit Ausführlichkeit behandelte und die Wege zeigte, die deren Lösung erfordert. Das zweite Referat: „Die portugiesischen Marannen" ,oon Bezirksrabbiner Dr. Stein vermittelte den Anwesenden ein ergreifendes Bild vom Heroismus unserer verfolgten Brüder, die mehr als 100 Jahre allen Gefahren zum Trotz im Herzen Juden geblieben sind, und nun heute mit einem ungeheuren Opfermut wieder die volle Vereinigung mit der jüdichen Gesamtheit erstreben. Mit reichem Beifall dankten die Hörer den Rednern für die weihevollen erhebenden jüdischen Stunden, die sie ihnen gespendet, und deren Labsal in der Rot der Gegenwart doppelt wohltuend empfunden wird. Oesterreich. Verfassungsrechtlicher Konflikt zwischen österreichischer Regierung und den jüdischen Gemeinden. Wien, 1. März. Der latente Konflikt zwischen der österreichischen Bundesregierung und den jüdischen Gemeinden in der Frage der Subventionierung des jüdischen Kults hat nunmehr dadurch eine Verschärfung erfahren, daß das Parlament das Staatsbudget verabschiedet hat, ohne daß die Bedürfnisse des jüdischen Kultus in dem Budget ,irgendwie berücksichtigt worden sind. Der Verband der jüdischen Gemeinden Oesterreichs sandte der Regierung ein-Schreiben, in welchem nachhaltiger Protest dagegen erhöben wird, daß das in der Verfassung verankerte Gesetz der konfessionellen Gleichberechtigung gegenüber den jüdischen Gemeinden! nicht respektiert wird. In dem Schreiben wird die Einbrmgung eines speziellen Gesetzes über Subventionierung des jüdischen Kultus gemäß den Staats- und Friedensverträgen sowie nach dem Grundsatz der konfessionellen Gleichberechtigung gefordert. Nack Erhalt dieses Schreibens hat Kultusminister Czermak das Präsidium der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde zu mündlichen Verhandlungen eingeladen, die in diesen Tagen stattsinden werden. Es verlautet, daß sich neue Schwierigkeiten dadurch ergeben haben, daß der Bundeskanzler End er sich gegen eine Pauschal-Subventionierung des jüdischen Kultus ausgesprochen hat und sich nur zu sallweisen Unterstützungen notleidender Einzelgemeinden verstehen' will. Der Verband der Gemeinden lehnt ein solches Angebot entschieden ab, weil das System einer Notunterstützung der Regierung eine Handhabe bieten wird, eine Kontrolle über die Gemeindeverwaltungen auszuüben, was einer Schmälerung der Gemeindeautonomie gleichkommt. (I. T. A.). Lern Wiedereintritt des Wisrachi in die zionistische Exekutive. Wien. 27. Febr. Rabbi F i s h m a n aus Palästina, Mitglied des Weltmerkas des Misrachi, der in diesen Tagen in Wien geweilt hat, gab vor seiner Rückreise nach Palästina gegenüber dem JTA-Vertreter die folgende Erklärung ab: Alle Meldungen über ein beabsichtigtes Wiedereintreten der Repräsentanten des Misrachi in die gegenwärtige Exekutive der Jewifh Agency oder in die Exekutive der Zionistischen Organisation sind ohne Grundlage. Die Misrachi-Vertreter haben mit ihren: Austritt aus der Exekutive jede Verantwortung für die politische Arbeit derselben von sich getan. Es sei auch die herrschende Meinung in den Kreisen des polnischen Misrachi, daß Dr. Weizmann kein Recht gehabt hat, den Brief Macdonalds zu akzeptieren; dieser Brief enthalte, — außer einigen Zutaten — nichts, was die Gemüter beruhigen oder die Arbeit in Palästina erleichtern könnte. Dr. Oskar W o l f s b e r g berichtet in der „Jüdischen Rundschau" abermals über die energischen Bemühungen des deutschen Misrachi, Lazarus Barths Verbleiben in der Exekutive durchzusetzen und die Wiederherstellung der Koalition, d. h. den Wiedereintritt des Misrachi, hssshssiguführen. Dem deutschen Misrachi kam es darauf an, in so entscheidenden Momenten die Mitverantwortung eines so großen und bedeutenden Teils der zionistischen Welt, wie es der Misrachi ist, und die Mitarbeit seiner Vertreter in der Exekutive zu sichern. Diese Bemühungen führten dazu, daß Herr F a r b st e i n, der Vorsitzende der Misrachi-Fraktion, für den 8. Februar eine Konferenz der misrachistischen AC-Mitglieder, die in Europa weilten, einberies, zu der die Landeszentrale des deutschen Misrachi eingeladen war. Diese entsandte die Herren Max I. Kober und Dr. O. Wolfsberg nach Warschau. Das Ergebnis der Sitzung in Warschau war völlig negativ, das Resultat niederschmetternd. Die Argumente des deutschen Misrachi fanden kaum die Beachtung, die sie beanspruchen durften. So blieb nichts anderes als die endgültige Demission auch Lazarus Barths übrig. (Siehe auch: „Jerusalemer Brief". Red.). Litauen. Regierung, Kirche und Juden. K c w n o, 1. Marz. Die katholische Kirche in Litauen steht seit einiger Zeit in einem Konflikt mit der Regierung. Um die Regierung in Verruf zu bringen, wird von der Geistlichkeit das Gerücht ausgesprengt, daß die Haltung der Regierung auf jüdischen Einfluß zurückzuführen sei. Infolge dieser Gerüchte verbreitet sich im Lande eine gefährliche antisemitische Stimmung. Geistliche verteilen Flugblätter, in denen behauptet wird, die Regierung versuche, die Christen zu zwingen, ihre Hochzeitszeremonien durch Rabbiner vollziehen zu lassen, ferner, daß die Regierung den Juden große Subventionen gewähre, so daß die Rabbiner weitaus höhere Gehälter beziehen können als die katholischen Geistlichen und daß die Juden als Kompensation hierfür der Regierung Spionagedienste gegen die Geistlichkeit leisten. Der jüdischen Öffentlichkeit hat sich, da man allgemein fürchtet, daß diese Propaganda zu antisemitischen Ausschreitungen führen könnte, heftige Erregung bemächtigt. Der Leiter des Polizeidepartements hat gegenüber ffelte*- Die \ Markender TabgermüDder Schokoladenfabrik Neu auf genommen flDS Neuaufgenommen ' Alle ertrieb _d_u rch die Firma- 2k. «Ufifon «Hlexanrfcr, Scrfin OIO. tS, £andls6crgei*sftfa|)e 91 Niederlage für Frankfurt a. M.: Fa. A. Metzger, Langesfraße 7

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