Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1931)
- Date
- 1931-03-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. Nr. 10 Der a elit UiL 8. März 1931 PRMF Nähmaschinen Bequeme Zahlungsweise Martin Decker £l; Gr.Friedbergerstr. 18/20 Len Weg vorbereitet. Bei den letzten Wahlen konnte er das chm von der Regierung angebotene Mandat nicht mehr annehmen. Kirschbraun war, wie ein Redner sagte, em-e harte Schale, in der ein weicher süßer Kern ruhte. Seine innere Welt war nicht die Politik und nicht der Sejm, es war — der h e i l i g e S o h a r. Die Bestallungsfeierlichkeilen. Die Bestattung war eine machtvolle /Trauerkundgebung der gesamten jüdischen Gemeinde Warschaus, an der sich aber auch -das offizielle Polen in seinen Staats¬ und Stadtbehörden aktiv beteiligte. In der Wohnung hielten an der Bahre .Mitglieder der Zeiire Aguda- Jugend die Ehrenwache und beteten Psalmen. Am Sonntag schon in aller Frühe strömten die Ehrengäste aus allen Teilen des Landes, darunter sämtliche orthodoxe Parlamentarier.-und Ratmänner ans Trauerhaus. Kurz vor der Bestattung meldete sich ein Ministerialrat als Abgesandter-des Ministerpräsidenten mit einem Dekret und dem' hohen polnischen! Orden „ Polinia ' R e st i t u t a " als Auszeichnung für Kitschbrauns große Verdienste für den polnischen Staate Dieser Orden war ihm schon vor Wochen verliehen worden und nur aus formellen Gründen noch nicht überreicht worden. Der Ministerialdirektor stellte sich zugleich als offizieller Vertreter des Ministerpräsidenten S l a v e k bei den Trauerfeierlichkeiten vor. Schon um 10 Uhr waren die Zugangsstraßen vollgefüllt mit Menschen. Ordner aus den Kreisen der „Zeirei Agudas Jisroel" wiesen den einzelnen Delegationen ihre Plätze an. Punkt 12 Uhr wurde die Bahre aus dem Hause getragen, nach einem kurzen Abschiedswort durch Senator Mendelsohn. Nur die intimsten Freunde trugen die Bahre. Sämtliche Ressorts des Ministeriums und alle Fraktionen im Sejm, sowie alle Staats- und städtischen Behörden sind vertreten. Die Gemeindeverwaltung sowie das Rabbinat waren vollzählig anwesend. Ein Kordon von Zeiirei Agudas Jisroel mit Ordnerabzeichen umringte den Wagen, sodann Polizeiabteilungen, die den Verkehr regelten. Der Bahre voran wurde auf einem Kissen der goldene Orden getraegn. Hinter der Bahre schritten gleich nach den Familienangehörigen die Mitglieder des A. C. der Agudas Jisroel, Vertreter der Regierung und Delegationen Alle Geschäfte in den Straßen, durch die sich der Trauerzug bewegte, waren geschlossen, der Verkehr stockte vollständig. Man schätzte die Zahl der Beteiligten aus zehntausend. . Erst 3 Uhr mittag erreichte die Spitze des Zuges den Friedhof, wo bereits eine wogende Menge wartete. Polizei mußte den Friedhof vor allen die nicht zu Familie oder Delegationen gehörten, schließen. Trotzdem herrscht? ungeheures Gedränge in der Friedhofshalle. Als erster sprach. Rabhi Jizchok Meir,Kanal im Namen des Warschauer Rahbinats und der Kehillaver- ÜiültUttg. Gleich daraus- Ergriff dest Uräses deq>-Regienmgs.klubs (Unparteiisch^ Block in Wjm und -Henatj. H'älst'bka, ein Nichtjüd^ das WortAEr schilderte--W menschlichen Eigenschaften''und politischen Fähigkeiten Kstschbräuütz '/und beklagte "in ergreifenden Whrten' dem Vetlust!LiMs^ Freündes Und treuen Mitarbeiters. Mr' bezeichMte ihn als glühenden Patrioten, der auch während der schweren Krankheit von der Arbeit für das Gedeihen Polens nicht lassen konnte. Er erwähnte den Briefwechsel Kirschbrauns mit Marschall Pilsudski und entbot letzten Gruß im Namen des Ministerpräsidenten Slävsk^ sowie im Aufträge von Sejm und' Senat, schließlich im Namen des. Unparteiischen Regierungs blockes, an dessen Zustandekommen -K., aktiv mitgearbeitet hat.; Es folgten eine groß angelegte, Gedenkrede vom Frankfurts gröötss Lpezialdaus bietet „6 ssts Q ua I ität zu billigsten Preise n“. Uhren aller Art Juwelen __ Bestecke unD sohr Tr au r i nge NurZeil 95 ü. TöngesgZ25-27 eme Sejmdeputierten Oberrabbiner L e w i n - Rzeszow tm Namen der Agudas Jisroel. Kirschbraun, sagte er, vereinigte in sich hie Hartnäckigkeit und das Erbarmen des G'ttesvolkes. Hart wie Eisen war er, wenn es galt, für die Interessen der Religion einzutreten, voll Liebe und Erbarmen, wenn es ging, der Not Einzelner und des Klall zu steuern. Ratmann Trockenheim verabschiedet sich für den Warschauer Kehillarat, in?dem K. 20 Jahre für das Wohl der Gemeinde und die Ehre der Thora arbeitete, von dem verstorbenen Freund Warme Nachrufe hielten noch Dr. B i ch o w s k i im Namen der-Ratmänner und Hauptmann Dr. Mises ür das Militärrabbinat. Ein Enkel des „Chofez Chajim" Rabbi Kaplan, überbringt in ergreifender Form letzte Grüße des großen Rabbi von Radin. Die Reihe der Reden beschließt der L u b l i n e r Raw im NaMen"des R ab b in isch en Rates der Atzudas Jisroel. Seine machtvollen Worte dringen in aller Herzen und lösen Ströme von Tränen aus. „Du bist", rief er, „ein wahrer Elijahu, ein - viri 'ms* am, Führer, vsns' aber zugleich Geführter, «-> wenn es um religiöse Fragen ging, bei denen die rabbi nischen Instanzen das letzte Wort zu sprechen hatten." Es war schon später Nachmittag, als man die irdische Hülle Kirschbrauns in Ehrengrab bettete. Mit einem Kaddisch des ältesten Sohnes schloß die erschütternde und zugleich erhebende Trauerfeier. maxin Jüdische Emigrationsprobleme. In dem vom Verband für jüdische Enngra krön Hicem herausgegebene Bericht über seine Tätigkeit in den Jahren 1927 bis 1929 wird darauf hingewiesen, daß unter der jüdischen Bevölkerung der osteuropäischen Länder trotz der Maßnahmen zur Hebung ihrer Lage in ihren jetzigen Wohnländern weiterhin ein starkes Auswanderungsbedürfnis besteht. Diesem Auswanderungsbedürfnis stehen nicht genügend Cinwan derungsmöglichkeiten in Europa und Amerika gegenüber. Als Hicem nach seiner im Februar 1927 erfolgten Gründung am 1. April 1927 seine Tätigkeit aufnahm, war die jüdische Wanderbewegung der Nachkriegsjahre auf ihrem Tiefpunkt angelangt. Die steigende Verelendung im Osten Und die gleichzeitige Jmmigrationssperre ist einer Das kann uns doch wohl bedeutend Wir'wiederholest dass Gesetz von rinsin all seinen Bestimmungen die Egelsünde der Väter, wenn wir Len Geist entthronen uns - als unverbrüchlich, wiewohl es wie ein Rätsel sich und indiesennnur ejpen denkenden .Körper sehen und[!un§ -gibt. So wirdes usts zur Mahnung, d^r/Glaube so die .jGrenzep zwischen Materie .und'G?ist v.^swischen. lastI G'ttfordert von, uns Unterordnung, daß rvix uns Wie n'ot tut 'es doch 'auch unserem Geschichte, .daß!es osügen»' dem Willen dös Höchsten, auf-daß wir''würdig sich mit dem Sühnewasser des Glaubens besprenge,!um bleiben der uns von G'tt gewordenen Freiheit. , Nicht sich dauernd von einer Lehre und Weltanschauung frei - u n s e r e r Vernunft sollen wir gehorchen, nicht/ der zu machen, die einen um die höchsten Ideale des Lebens Stimme unserer Weisheit lauschen, m-mv vpn nm das bringt und ihm am Ende die ganze Trostlosigkeit aus zeigt, wie sie in dem Satze liegt: „Heute nur essen und trinken, denn morgen müssen wir sterben". ma nsx mpm a »n «an Wie eine Mutter ihr Kind ist der Thora Grundlage und das ist unserer Freude und unseres Glückes Lebensquell. Den Glauben an G'tt und die Heiligkeit seiner Lehre schärft uns Sabbat Poroh ein, möge er an uns allen feine Sendung bewähren, Wochenkalevder. t>. 7. - 14. März.1881 , o. 18. 25. Adar 5691 von jeder Unreinheit befreit, so will unsere gemeinsame! dann schwinden alle unlauteren Keime aus unserem Muttest unsere Religion, in uns, ehe das Fest unserer j Herzen und wir rüsten uns würdig und mit frohem ' Befreiung und Volkswerdung naht, den Glauben an das Sinn dem Peßachfest entgegen. Geistige stärken und Uns für die Peßachtage weihen und heiligen. Ehe es draußen zu prießen und zu blühen beginnt, soll der wahxe jüdische Glaube in unserem Herzen seine Blüten treiben. Darum sollen wir uns nicht der Mahnung des dritten der „großen" Sabbate verschließen und auch den Sinn und Inhalt unseres Abschnittes noch nach einer anderen Seite zu erfassen suchen. Voller Rätsel und Widersprüche ist die Satzung von der „roten Kuh", das Gesetz der Gesetzlosigkeit, eine Mahnung, daß- Unserem .menschlichen Geiste vom Altweisen Schranken gesetzt sind, die wir nicht niederzureißen vermögen. Wo ist der Denker geboren, der das Geheimnis enthüllen könnte, daß derselbe Stoff rnrr moa trrsnön rein macht die Unreinen rw'wnvn ns i<ntm und die Reinen verunreinigt? Hat selbst König Salomo, der Weise, auf dem Throne, der in der Natur wie in einem offenen Buche las, hier gestehen müssen: nws mn mim «rm „Dachte wohl, ich sei klug, wie fern liegt mir doch die Weisheit". Da wollten wir G'ttes Wort meistern und sein Gebot verwerfen, wenn wir es mit unserm Verständnis nicht fassen können . . . Gilt nicht Samstag 7 18 ms 'Q rrvn Sonntag 8 19 , omas n'nv Montag 9 20 amaa b’iia Dienstag 10 TW 21t Mittwoch :S a 11 22 Donnerstag 12 23 Freitag 13 24 Samstag 14 25 »ihr y v>aa anaulPt): D»..,ierstaa früh Reche,bisheriger Haupteinwanderungsländer hat eiste katastrophale! Situation herbeigeführtf ' Besonders schwierig ist die Lage in Polen, wo das Emigrationsbedürfnis — und zwar nicht nur bei der jüdischen Bevölkerung im Laufe der letzten Jahre gewaltig gestiegen ist. Während aber das Auswanderungsbedürfnis der Nichtjuden in einer wachsenden Auswanderung nach Uebersee und m verschiedene europäische Länder Befriedigung findet, sind die Auswan^erüngsmöglichkeiten für Juden sehr begrenzt Die Emigrätionsarbeit M'/RuUandMrdvon dem Moskauer Büro der Jca geleitet. Auf Grund eines anfangs 1928 zwischen Kömzet und Jca getroffenen- Ülebekeimkomsn,^ ' hat die Jca die Hilfeleistung für jüdische Emigranten aus Rußland übernommen. Seit Ende 1928 entfaltet das Jca-Büro in Moskau eine großzügige Tätigkeit, besonders auf dem Gebiete der Information und Z" ‘nach , Angehörigen '' äusgewanderter russischer Juden/ In einzelnen Fällen war es auch möglich, Erleichterungen der Auswanderungsformalitäten durchzusetzen. Diese Tätigkeit soll in Zukunft erweitert werden. D'ie Höchstgrenze der Nachkriegseinwanderung nach Argentinien, sowohl der allgemeinen Einwanderung wie der von Juden, wurde im Jahre 1923 erreicht. Damals kamen 195.063 Einwanderer nach Argentinien, darunter 13.706 Juden. Seither betrug die jüdische Einwanderung nach Argentinien durchschnittlich 6500 Personen jährlich., Unter den Haupteinwanderungsländern für Juden nahm Argentinien in den letzten drei Jahren nach den Vereinigten Staaten die zweite Stelle ein. Eine wachsende Bedeutung kommt Brasilien für die jüdische Einwanderung zu. Die Zahl der in Brasilien lebenden Juden, d'ie im Jahre 1924 auf etwa 10.000 Seelen geschätzt wurde, ist im Jahre 1928 auf über 30.000 Seelen gestiegen. Dagegen sinkt die jüdische Einwanderung nach Kanada von Jahr zu Jahr. Infolge der fortschreitenden Verschlechterung der Wirtschaftslage der osteuropäischen Juden und der neuen Emwanderungsbeschränkungen,. durch die die Tore einzelner Einwanderungsländer, darunter ,Australiens , und ,Südafrikas, der jüdischen t EinwäNderung /vollständig, ^erschlossen wurden,''sieht'sich Hicem einer Reihe!neuer und wichtiger Aufgaben g ^genübIrg estellt.''Energischa Maßnahmen, werden getroffen; werden müssen, um alle gestehenden ^inwand^rungsNWtzlichkeiten äüszüw erten> .unh.-neue MyglDkeiten'ausfindig zu mäjhen. Diet in den fetztenZZdM Jahren von Hicem in den drei wichtigsten süÜamerikanischen Staaten geleistete Arbeit wird nunmehr auf die weniger bekannten südamerikanischen Gebiete,, wo bereits kleine jüdische Niederlassungen be- 'tehen, wie Chile, Paraguay, Venezuela. Columiien usw. ausgedehnt werden müssen.. Auch die Einwanderungsmöglichkeiten für . Landarbeiter nach Frankreich werden gründlich zu untersuchen ein. Besonderes Augenmerk wird gegenwärtig auf den Ausbau des m Palen und Rumänien betehenden Netzes von Abteilungen von Hicem und auf die Einbeziehung Ungarns, der Tschechoslowakei und Griechenlands in das Tätigkeitsgebiet von Hicem gelenkt., Dies sind die Aufgaben, die ich Hicem für die. Periode der nächsten drei Jahre, für die das Uebereinkommen zwischen den drei in Hicem vereinigten Organisationen verlängert wurde, gestellt hat.