Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1931)
- Date
- 1931-03-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ter wie „Berliner Tageblatt" und „Frankfurter Zeitung" als ein Maximum an Schmutz und WiderwärtWeit empfinden im& bezeichnen. Wenn nun die Welt diese Gefahren für den Geist und das höchste Gut der Menschheit erkannt hat, was tut sie, um dagegen Front zu machen? Liberale, auch katholische Blätter, so das Organ des Erzbischofs von Prag, sprechen die Kirche nicht frei von Mitschuldan dieser Entwicklung. Sie habe Mangel an Aktivität gegen dieses heranziehend^e geistige Giftgas gezeigt. „Eine solche Krastanstrengung, Än so -ingrimmiger, verzehrender Feind, wie es der russische Bolschewismus ist, kann nur durch eine Konzentration, einen Aufschwung von gleicher Größe und Kraft b-ekämpft werden." Immerhin, die l a t h oli sch -e Kirche hat nicht müßig gesessen, hat ihre Arme nach rechts und links, gegen die Gl'aubensfeinlde im Zeichen des Hakenkreuz e s sowohl wie des Sowjet st e r n s, zum kräftigen Äoße gereckt. Weit bedenklicher ist das, was man der evangelischen Kirche in diesem Zusammenhänge vorzuwerfen hat. In Massen seien e van g e l i s ch e G e 4 st l i ch e in > Stadt und Land zum Nat ion als o z ialismus übergegangen, ohne daß das Konsistorium einen Finger gerührt hätte. Und eine solche Verbindung von Kirche und Hakenkreuz wurde eben von vielen, die ohnehin der Kirche ein wenig fremd und fern gegenüber standen, mit dem Anschluß an den Linksradikallismus, bis zur „Liga der Gottlosen", beantwortet. Ob diese letzten Zusammenhänge voll zutrefsen, wissen wir nicht. Daß die Haltung der evangelischen Kirche gegen den Nat-ionalfozialismuL nicht im 'entferntestender der'katholischen entspricht:, kann ein Blinder sehen. In dem sogenannten „Judenhefte" der „Süddeutschen Monatsschrift" konnte man neulich eine höchst beachtenswerte Abhandlung aus der Feder eines angesehenen evangelischen Geistlichen darüber lesen. Vielleicht wirkt nun der neue Stoß vor; links auf die führenden Geister d-er evangelischen Kirche in Deutschland aufrüttelnd, daß ihnen die Augen aufgehen für das, was sie angesichts der; Gefahr auch von rechts ihren- Gemeinden- und der Welt schulden. Wie dem auch fei: „Der Apikores" in Moskau ist Teil erfcheinung ein-er Wel t g e f a h r. Helfen kann nur e -i n i n t >e r n a t i onaler und interkonfessioneller Bund a l l e r G ' tt g l ä u b i ge n! aufzufasssn ist: bis morgen wird sich die Sache geklärt haben, dann feiern wir ein Fest dem Einzigen und Ewigen. Er konnte das umso hoffnungsfroher ausrufen, als nur das Gesindel den wahren Abfall inszeniert hatte. Sehr treffend weist der -.p? darauf hin, daß die Anrede 'm®- 'pb* 'k nur im Munde des an ans? denkbar und formell richtig fei. Gleichwohl hatte Ahron nicht recht gehandelt, ja, in hohem Grade nicht, wie es 5. B. M. 9, 20 ausgesprochen. Und der Satz 'n «p'i pn« rtvfy ne?« Vas?.n nx i®v n®x *n? uyn nx belastet Ahron mindestens indirekt. Mosche macht ihm den Vorwurf, nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben: -n?,n --s».n ib n®j? n»? Ist denn das Volk tätlich gegen dich geworden, daß du solch eine Sünde über es brachtest? Du brachtest es on-spa m»®1?, „zur völligen Unselbständigkeit inmitten ihrer Gesetzesempörer," (Hirsch)?->nx ns?ns '2, du hast es „seiner sittlichen Schwäche ungezügelt überlassen." Sähest du nicht, wie ich das Kalb vor aller Augen zermalmte und keiner rührte sich zum Schutz seines Götzen? (Aben Esra) Sähest du nicht, wie ich den Jrregegangenen den Goldstaub zu trinken gabwie dem abgeschweiften Weibe man das Bitterwasser reicht, und niemand weigerte sich? Du hast den Kern des Volkes unterschätzt in seinem eigentlichen Wesen. Hirsch weist darauf hin, wie groß Ahron in seiner Verteidigung vor Moscheh erscheint. Er verschweigt alle zur Milderung seiner Schuld geeigneten Umstände. Nichts von der überwältigenden Massenbewegung, nichts von seinem Versuche, die Eitelkeit der Frauen als Verzögcrungsmittel zu gebrauchen, nichts von seiner mühsam die Vollendung hinausschiebenden Ziselierarbeit — nichts von alledem. Mit keinem seine Schuld mildernden Grunde will er die Schuld des Volkes vergrößern. Er nimmt fast die ganze Schuld auf sich, klagt sich der energielosesten Schwäche an: „Du kennst das Volk, wenn es im Bösen ist," das ist seine ganze Verteidigung. Welche Llijahu kirschbraun Vst* Wir haben unseren Lesernbereits vom Ableben Krrschbrauns Mitteilung gemacht. Was das polnische Judentum und die orthodoxe Judenheit der Welt au diesem seltenen Führer verloren hat, ersieht man aus den Tranerkund gedungen am Grabe und in der gesamten jüdischen, ja auch nichts üd-ischen Presse -in Polen. Elijahu Kirschbraun hat ein Alter von nur 49 Jahren erreicht. Ein Sohn wohlhabender chasstd-ischer Eltern, wurde er im jüdischen Geiste erzogen und von Kindheit auf an den Quellen jüdischen Wissens genährt. Verhältnismäßig früh schon beginnt feine politische Tätigkeit. Er war der geborene Führer, wie ihn die polnische Juden heit, zumal die bisher ohne Führung der Willkür der Parteien ausgesetzte Orthodoxie, so bitter nötig hatte. Geistige Standhaftigkeit und Tatkraft zeichneten den Mann und machten den Führer. Ehrlichkeit, Wachsamkeit und Prinzipientreue waren die drei Grundsätze, denen er in seinem Geschäfte, in seil nem Privatleben huldigte, die auch die Linie seiner Politik ausmachten. Er stieß auf Gegnerschaft und hatte politische Gegner, die er aber im Persönlichen und Menschlichen durch die Reinheit seines Charakters entwaffnete. Ein Freund Kirschbrauns, A. B. Eckermann, erzählt im „Jüdischen Togb'latt" einige Fakta, die den ganzen Menschen und Führer K. zeigen. Es war zur Zeit des Ministerpräfidenten General Sik o r s k i, da alle russischen Staatsbürger und Staatenlosen den Befehl erhielten-, Polen zu verlassen. Am meisten wurden von diesem Verhängnis die von Rußland nach Polen g e flüchte-- ten Jeschiwaus betroffen. Alle Interventionen schienen vergebens. Da -e r z w a ng sich K. förmlich noch in sehr später Nachtstunde eine Aude-nz bei Sikorski. Eckermann begleitete ihn dahin. Es hat sich bald gezeigt, wie wichtig diese Eile war. Es gelang, von Sikorski Versprechungen zu erhalten, die man aber schon am folgenden Morgen rückgängig machen wollte. K. warf sich mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit all ' diesen Versuchen entgegen, und bald war das Verhängnis abgewendet. Zwei Jahre hindurch arbeitete er unausgesetzt an der Organisierung der Kofcher-Küche s ür j ü d is ch e S ol da te n. Seitdem er in dem zweiten Sejm als Deputierter faß, sah er darin seine Lebensaufgabe. Er ließ sich eigens zu diesem Zwecke in die Militärkommission wählen. Die Militärbehörden zögerten aus Angst vor den Antisemiten. Aber K. ruhte nicht und rastete nicht, bis beim Kriegsministerium durchgesetzt wurde, daß die Menagen und der Proviant für Seelengröße! Welch edle Selbstverleugnung? Es liegt die Vermutung sehr nahe, daß Ahron gerade nach der Egelsünde in ein besonders inniges und zartes Verhältnis zum Volke trat, daß ihm zeitlebens der Schmerz am Herzen nagte über die Rolle, die er bei der unseligen Verirrung unfreiwillig gespielt. Unfreiwillig! Man bedenke doch, daß Mosche, der vom Stamme Levi unnachsichtlichen Kampf selbst „gegen den Bruder" gefordert, Ahron ungestraft ließ — wahrlich nicht aus Parteilichkeit! Man bedenke ferner, daß Ahron nicht von G'tt vom heiligen Hohenpriesteramte suspendiert wurde, daß endlich Ahron nur wegen der Haderwasser-Affäre nicht ins hl. Land einziehen durfte, nicht aber wegen der Egelverfehlung. Letztere Motivierung wäre doch näher gelegen und gravierender gewesen. So schält sich Ahrons Lichtgestalt aus der trüben Episode der Kalbesverirrung doch ganz anders heraus, als dies für den oberflächlichen Blick den Anschein haben könnte. Er starb als Liebling des Volkes, das er und das ihn heiß liebte. Die vier Abschnitte. Von Rabbiner Dr. M. Lewin in Hamburg. Der dritte Abschnitt, die ms nfcns, das Kapitel, das von der Herstellung und Verwendung des „Entsündigungswaffers" handelt, lenkt unsere Aufmerksamkeit ganz und gar auf das nahende Peßachfest. Solange Israel noch durch sichtbare Zeichen der G'tteshuldigung sich weihen durste und durch die Opfer seine Hingabe an G'tt bekundete, war jeder 14. Nissan immer von neuem ein Tag besonderer Weihe und Erhebung durch das Peßachopfer, das in feierlicher Weise unter Jubel und Hallelklängen der zahlreich Versammelten dargebracht wurde. An diesem Opfer durfte aber nur teilnehmen, wer nicht von den Banden der „Unreinheit" die jüdischen Soldaten für ein>e Koscherküche verwendet wurden Das große Werk war einzig und allein die Frucht des unbeugsamen Willens von Kirschbraun. Dieser feste Wille zeigte sich und siegte auch in allen andern außenjüdischen Fragen oder Regierungsfragen. Als vor kurzem das Projekt auf A e n d e r u n g der K o n st -i t u t i o n eingebracht wurde und an der Spitze der Unterschriften der Name Slavek prangte, ließ sich K. nicht beirren und erklärte, er würde nur d-ann mit unterschreiben, wenn ihm das Projekt in allen Einzelheiten Vorgelegen und -er überzeugt sei-, daß dieses keinerlei Handhabe zur Beschränkung des Judenrechtes enthalte. Da half auch nicht ein Hinweis auf die Parteidisziplin. Ein Bruder Pilsudskis kam mit dem Projekt ans Krankenbett Kirschbrauns und ging mit ihm dasselbe Punkt für Punkt durch. Erst nachdem er die beruhigende Gewißheit batte, daß der neue Gesetzentwurf 'das jüdische Recht unberührt lasse, gab er seine Unterschrift. Und gerade diese Ehrlichkeit und Festigkeit machten den größten- Eindruck auf Slavek wie Pilfudskr. Seine Ueberzeugung, daß nur mit der Regierung jüdische Politik in Polen zu machen fei, war unbeirrbar, und das System hat sich bewährt. Er war schon.schwer krank, als er zu einer Sitzung des A. C. der Agudas Jisrgel nach Krakau fuhr, um diese seine Ueberzeugung zu vertreten. A. M. R o g o w i, der ihn auf dieser Reife begleitete, erzählt im „Jüdischen Togblatt", wie K. seine Meinung mit Weisheitssätzen aus Talmud und chafsidischkabbalistischen Schriften zu belegen wußte. Die Freunde, die K. nur als Mann der praktischen Tat und des klaren Blickes kannten, waren höchstlich überrascht von seiner Vertrautheit mit dem alten Schrifttum. Er hat in seiner Jugend viel gelernt und« besaß viel mehr jüdisches Wissen, als die Welt ahnte, da er sich nie als rrn aufspielte. Es ist bekannt, daß K., so oft er im Sejm mit einer größeren Kampfrede hervortreten mußte, erst ein eigenes hebräisches Gebet verrichtete und G'tt um feine Hilfe anflehte. Nach -einer Rede gegen Grünbaum, die damals den größten Eindruck hinterließ, mußte man ihn nach Haufe ins Bett bringen. Es war fein letztes öffentliches Auftreten. In den Wochen seiner schweren Krankheit hat er sich mit der Ruhe eines jr»*rx für den letz- FünKörper und Füsse nur DIA12N-Pude r gefesselt war. Wie nun die verlorene Reinheit roiederzuerlangen sei, das lehrt das nno-Kapitel. das umritttelbar vor dem vierten Abschnitt zur Verlesung kommt. Für uns, die wir kein Opfer mehr bringen können, da das' Heiligtum auf Morijah's Höhen in Schutt und Trümmer gesunken, bedeutet der Sabbat Poroh eine erhebende weihevolle Erinnerung und beseligende, verheißungsvolle Hoffnung auf dauernde Erlösung. Das ist gewiß auch schon reicher Gewinn, den wir von diesem Peßachboten haben. Sollte er aber nicht auch sonst Dauerwertiges, was über Zeit und Raum erhaben, nicht an des Heiligtums Bestand geknüpft ist, in sich bergen? Wir lesen in unserem Abschnitte: v'»' m*aw «vvi ans ®ns ‘öS nna »am „Wer einen Gestorbenen berührt, jede Menschenleiche, ist sieben Tage unrein". Da ists in klaren deutlichen Worten gesagt: Das Tote ,das Entseelte wirkt verunreinigend. Die Seele ist es, das Geistige, das den Menschen zum Menschen macht. Diese Lehre klingt fast wie ein Protest gegen den Totenkult Aegyptens, wo man die toten Körper einbalsamierte, den im Menschen lebenden g'ttlichen Teil aber nicht kannte. Als Israel aus Mizraim erlöst wurde, hatte es bereits am zehnten Nissan seine innere Befreiung bekundet, als es trotz der Tierverehrung der Aegypter furchtlos' getreu dem Befehle G'ttes das Pehachlamm absonderte. Und immer von neuem wurden Israels Kinder durch das Gebot der hl.' Schrift, daß der an einer Leiche Verunreinigte dem Heiligtum und dem Opferdienste fernbleiben müsse, an das Ewige und Heilige im Menschen, an das Unsichtbare in ihm, das zum Unsichtbaren in den Höhen weist, gemahnt . . . Ein schönes Wort unserer Alten bringt unfern Abschnitt in Verbindung mit der Erzählung von Jrsaels Jugendsünde. °?a«n n®s?» bv nsana ms «an Das Opfer der „roten Kuh" sühne die Schuld beim „goldenen Kalb".