Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 10 (5.3.1931)
- Date
- 1931-03-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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- Malbim 1× ep/1002711
- Minsk 1× ep/1000754
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Seite 2. Nr. 10 D e r Israelit 5. März 1931 Zigarren M Wolf Zei ■ V Tel. Hansa 27930 Wochenrundschau. Wirkschafksnok der Jude« und Berufsumschichlung. Die Diskussion in der „C. V.-Zeitung" über die V e r u f s u m s ch i ch t u n g und Landansiedlung der Juden, zur Abstellung der wirtschaftlichen Not, geht weiter . . . Günther Stein schildert die Wirtschaftslage der Juden in Deutschland in schwarzen Farben, aber gewiß nicht übertrieben. Und es kann uns nicht zum Tröste gereichen, daß in einer späteren Nummer Martin Götz die jüdische Not mit der allgemeinen Wirtschafte not in Deutschland erklärt und begründet. Eine Not begründen, ist nicht gleichbedeutend mit deren Abhilfe. Götz ist aber der Meinung, daß der jüdische Anteil an der Siedlung, die heute als Forderungder Stunde im deutschen Volke gilt, entsprechend dem jüdischen Anteil an der Not sein rnuß. Also das ewige Heilmittel: Berufsumschichtung und AnsiMung auf dem Lande. Das Recht zur Siedlung gibt der Staat, die Pflicht, jüdische Siedlungen in Deutschland zu fördern, müssen die Juden auf sich nehmen. Der in den Großstädten entwurzelte jüdische Mittelstand wird aufs Land verpflanzt und dort neu verwurzelt, sei es als Bauern, Gärtner oder Geflügelzüchter. Auch für die h a n d w e r k l i ch e Umschichtung verspricht sich Götz von dieser Aktion große Vorteile. Das hört sich alles schön und einfach an, wüßte man nicht, daß zur Zeit auch die deutsche Landwirtschaft leine schwere Krise erlebt. Dr. Alfred Marcus wirft in der gleichen Nummer mit Recht die Frage auf, ob man heute mit gutem Gewissen den Uebergang einer größeren Anzahl deutscher Juden zu landwirtschaftlichen Berufen verantworten könne. Die bebaute und bebaubare Fläche in Deutschland hat sich, bei allen staatlichen Schutzmaßnahmen, verringert. Ein Vergleich mit Rußland, wo endlose Ländereien brach liegen unld nach Bearbeitung schreiben, und wo sich schließlich auch ein ganz anderes jüdisches Menschenmaterial befindet, ist nicht stichhaltig (auch dort Mieten die Enttäuschungen nicht aus). Eine politische Seite berührt Marcus mit dem Hinweis auf die scharfe Opposition, in der heute die Landwirtschaft zur industriellen Entwicklung Deutschlands steht. Es läge kaum im Interesse der Juden und im Gesamtinteresse Deutschlands, wenn wir uns dieser Opposition einreihten. Das Risiko der landwirtschaftlichen Umschichtung der Juden erscheine aus all diesen Gründen eminent groß. Das sind alles doktrinäre Erörterungen^ und man wird noch viel Zeit zum Diskutieren haben, bis sie in ein akutes Studium treten können. Haben wir heute eine Möglichkeit in Deutschland für die landwirtschaftliche Ansiedlung all der Juden, dic in den Großstädten hoffnungslos am Hungertuch nagen? Es kommt hinzu, daß sich auch die Lage der Juden in der Kleinstadt und auf dem Dorfe wesentlich verschlimmert hat. Prozentual kommen die Klagen vom Lande so häufig wie aus der Stadt. Der Viehhandel, Haupterwerbszweig ber Dorfjuden und immerhin an die Landwirtschaft grenzend, liegt schwer darnieder. Die Landflucht hat abgenommen, — nicht weil sich die Dinge auf dem Lande gebessert, sondern weil die Verhältnisse in der Stadt sich verschlimmert haben. Kaum eine Landgemeinde, die imstande wäre, aus eigenem, ohne Hilfe der Verbände, sich einen Lehrer zu halten. Nun zielt die Siedlung wo anders hin. Es sollen keine Händler, sondern jüdische Bauern angesiedelt werden. Als ob sich solche so mir nichts dir nichts über Nacht aus dem Boden stampfen ließen! In den Dörfern, wo der nationalsoziali'stische Spuk die Köpfe verwirrt, würde heute so etwas auch nicht ohne schwere Kollisionen abgehen. Soll man neue Judendörfer mit dendazu nötigen Ländereien schaffen? Wo und wie? All das schließt aber nicht aus, daß im K l e in e n eine Umschichtung nach der landwirtschaftlichen Seite vor sich gehen kann und muß. Leute, die von der Landwirtschaft, insbesondere Milchwirtschaft und Geflügelzucht, etwas verstehen, ebenso Handwerker, werden auf dem Lande zwar keinen goldenen, aber -einen b r o t s v e n d e n - den Boden finden, und sie werden, indem sie sich selber materielle Existenz schaffen, den Kleingememden neues Blut zuführen und ihnen ihre geistige Existenz sichern. Dahin zu arbeiten, wäre heute eine vornehme Ausgabe aller, die um d-as Schicksal der Juden in Stadt und Land besorgt sind. Der „Apikores". Der K u l t u r b o l f ch e rv i s m u s. und innerhalb desselben der jüdische Kommunismus, -in Rußland sinld mit dem Gange der a n t i religiösen Propaganda nicht zufrieden. Die Tageszeitungen „Eines" in Moskau und „Oktjaber" in Minsk seien in Anfängen stecken geblieben. Darum wurde mit Hilfe d-er Sowjetmacht in Moskau eine atheistische Mo-- natss chrift unter dem Titel „Der Apikores" als Zentralorgan für öie Propaganda unter den jüdischen Massen gegründet.. Der „Apikores" will, wie er in der ersten Nummer zynisch bemerkt, für „die Idee eines dialektischen Materialismus" . eintreten, er will „Marxismus und Leninismus gegen den G'ttesglauben ausspielen". Auch d-er jüdische N a t i o n a l i s m u s , der ein Halbbruder der Religion sei, muß bis zur Vernichtung bekämpft werden. Der „Apikores" kämpft gegen die Religion schlechthin, insbesondere aber, da er ein Blatt in jiddischer Sprache für Juden ist, gegen die jüdische Religion. Die Sammelparole heißt: Gegen d e n Pap st in Rom und gegen den Rabbivvn Lubawitsch! Die „Liga der G'ttlosen" wird in der neuen Zeitung ihr Sprachrohr und ihr wirksamstes Instrument im Kampfe gegenden G'ttesglcmben haben. Solche Anstürme gegen G'tt und die G'ttesburg der Religion sind in der Geschichte nicht neu. i»b wh' h pnv cpö^n vwi'- „Der da im Himmel thront, lacht, der Herr spottet ihrer", heißt das Psalmwort, das der königliche Sänger für solche Fälle und solche jämmerliche Himmelstürmer geprägt hat. Man würde über die Neugründung als über eine besonders krasse Form einer aus materieller und geistiger Not geborenen Zeitverirrung zur Tagesordnung übergehen, wüßte man nicht, daß die Attacke nur Teil und Symptom einer neuen internationalen Offensive gegen Glauben und Religion bildet, die heute nicht nur den Gläubigen, sondern auch den nur Denkenden in allen Ländern und Lagern ernste Sorgen bereitet. Im Hauptauss-chuß des Deutschen Reichstages hat vor wenigen Tagen der Reichsmnen-minister Dr. Wirth ein paar kräftige Worte gegen die hemmungslose kommunistische Propaganda gegen Religion ttnfr Kirche gefunden. Aus der großen Presse, d-ie die Wirth'sche Rede bespricht, erfährt man, daß die in Moskau residierende „Liga der G'ttlosen" in Deutschland 100 000 Mitglieder zählt, neben den 600 000 Menschen, die die ruhigere, in ihrer Propaganda von sittlichen Hemmungen nicht ganz freie Sozialistische Freidenter o r g a n i s a t i o n umfaßt. Auch in B e r - l i n finden sogenannte „Gottlose A b e n d e" statt, deren „Gottlose Revue" auch liberale Blät> Ahron und das Volksbegehren. Zu Paraschat rnrm Von A. Mannheimer in Dettelbach. Israel hatte die Wunder seiner Befreiung aus dem ägyptischen Sklaoenjoch und die feierlich ernste Offenbarung am Sinai kaum erlebt, so verfiel es in einen Irrwahn, der leichterdings nicht zu begreifen ist. Moses weilt 40 Tage auf dem Berge, um die steinernen Tafeln nebst den übrigen g'ttlichen Gesetzen zu empfangen, da fertigt das Volk ein goldenes Kalb und umtanzt es in jubelndem Reigen und ln mächtigem Sprechchor schallt es in die Ferne: tnx» psn -p^yn ~i®« 'tn®’ -ppb« Dies sind deine G'tter Israel, die dich aus Aegypten heraufgeführt haben. Welch ein erschütterndes Bild! Welch ein Kontrast zur jüngsten Vergangenheit! War das Volk von allen guten Geistern verlassen! Klang ihm noch nicht der Schofarschall vom Sinai in die Ohren und der Treueschwur des feierlichen vtiwi von aller, aller Lippen? Welch jäher Abgrund klafft hier zwischen dem so klar und ausführlich umschriebenen Verbot D-nnx 'pbs ~\b n®vr „mache dir keinerlei fremde G'tter" und Israels unbegreiflicher Tat! Es scheint völlig ausgeschlossen, daß hier eine Art Rückfall in heidnischen rohen Fetischismus vorliegt. So sinnlos plump ist die Verirrung nicht aufzufassen. Kann dem eben erzeugten Kalbe rückwirkend und nachträglich insinuiert werden, es habe Israel aus Aegypten geführt? Das wäre vollendeter Wahnsinn! Man verlangte vielmehr nach einem konkreten Symbole, einer neuen Führerschaft. das Volksbegehren doch ausdrücklich eine solche Führerschaft verlangt als Ersatz für den scheinbar verschollenen Moses: Auf, mache uns — d. h. Führer, wie Kap. 4, 16 und Kap. 2, 1 — die vor uns hergehen sollen, weil der andere Führer fehlt, iV rv>n r-t» wp «H Visa i®« ®’«n n®tt n „denn dieser Mann Moses, der uns aus Aegypten führte, wir wissen nicht, was aus ihm geworden." Nicht begehrte man G'tter, 012^3 i®«, denen man „dienen" möchte. Uebrigens war Israel — wie Malbim z. St. richtig bemerkt — längst an konkrete Symbole gewöhnt: Beim Auszuge aus Aegypten zog G'tt vor dem Volke einher '»i ®s ->ivv2, mit einer Feuer- und Wolkensäule; im Stiftszelte sollte die Herrlichkeit des Ewigen wohnen; auf Tafeln von Stein schrieb man die „Zehn Worte"; Cherubimgestalten beschatteten mit ausgebreiteten Flügeln die heilige Lade. In solchem Totalbild ist dasxrnnm- Wort verständlich: lmix i yi ^rrv®,i» 11® ’js iv»®i .122100 vrr irri sie sahen' (Jecheskels) Merkabavision und entrissen ihr das Gesicht des Ochsen von der Linken und fertigten dessen Gestalt". Ahron sträubte sich innerlich gegen jede Anfertigung eines Bildes. Er versuchte es mit einer Verschleppungstaktik. Was konnte er momentan anders tun gegenüber dem gewaltigen Ansturm der niederen Volksmassen des cs» des 3i uvdes Gesindels, das n®',. einst in wohlmeinender Absicht — doch gegen den Willen G'ttes — mit aus Aegypten nahm? Die Konstruktion von ^ipi mit tv zeigt das Andrängen einer aufgeregten Masse an, man suchte über Ahron zu kommen, ihn zu überwältigen. Noch zweimal kommt diese Konstruktion vor, 4. V. M. 16, 3 und 20, 2, das erste Mal, da man gegen Moses stürmte, sodann gegen Moses und Ahron, . und beidemal leisten Moses und Ahron nicht einmal durch eine Gegenrede Widerstand. Dort, beim Aufstand Korachs, wirft Moses sofort sich auf sein Angesicht nieder und tritt erst nach erhaltener G'ttesweisung entgegen. Das zweite Mal retten sich Moses und Ahron zum Eingang des Stiftszeltes. Auch hier war Ahron in fürchterlicher Zwangslage. Er hätte mit Daransetzung seines Lebens Gegenrede und Widerstand leisten können. Allein, er mochte um des Volkes selbst willen nachzugeben für klug und darum auch für recht gehalten haben. Würde denn über seine Leiche hin das Volk nicht noch zügelloser seinem Wahn sich hingegeben haben? Als einziges j Mittel in heikelster Situation empfahl, sich noch die Hinhaltung des Volkes durch Verschleppungsmanöver. Vielleicht erscheint unterdessen der so sehnsüchtig erwartete Moses. '^>k wnm -12-, qo’pj >i®x 2nm ipis „Brechet los die goldenen Ringe in den Ohren eurer Frauen, Söhne und Töchter und bringet sie mir." Die Spekulation auf die Eitelkeit des weiblichen Geschlechtes war keine falsche; dazu kommt, Israel wurde durch das Verdienst frommer Frauen aus Aegypten geführt. Auch gelegentlich der Kundschafter ward über die Frauen nicht das Verhängnis ausgesprochen, daß sie in der Wüste sterben sollen. Nur die Männer ließen sich aufwiegeln. (4. B. M. 14, 36). Die Frauen verlangten vielmehr ihren Anteil am Landbesitz (4. B. M. 26, 4, - Mid. Rabb. ^ir>3 21, 11). Aber r>»n ^>2 das ganze Volk, die Männer, entledigten sich ihres Schmuckes, viel schneller als Ahron vermutete. Statt es in eine Form zu gießen, welche Prozedur die rascheste gewesen wäre, meißelte er das zu einer Masse zusammengeschmolzene Gold und brachte so in schleppender Art die Form hervor. Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß Ahrons öffentliche Bekanntmachung in» rn, in löblichem Sinne