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Der Israelit · 1931-02-26 · Heft 9 (26.2.1931) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 9 (26.2.1931)
Date
1931-02-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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26. Februar 1931 Der Israelit Nr. 9 Seite 11 meinte der eine: „Möchte nur wissen, was dieser Jude ist, en Gauner oder ein Esel." „Wissen Sie, meine Herren," gab der Jude zurück, „ich bin so zwischen beiden." Nehmen wir noch ein! In Galizien fuhren während des Krieges zwei russische Offiziere in der Ersenbahn mit einem Juden. So oft sie an einer' Station vorüberfuhren, wiesen sie hinaus: „Diese Stadt nahmen wir ein, aber," sagten sie mit einem spöttischen Blick zum Juden, „ein I u d e war bei der Schlacht natürlich nicht zu sehen." „Entschuldigen Sie, meine Herren," mischte sich der Jude ins Gespräch. „Kennen Sie die Festunq Misse Meschune?" Die Offiziere nahmen die Karte vor, suchten die Stadt und schämten sich, zuzugeben, daß sie sie nicht kannten und fanden. Darauf schlugen sie die Karte zu und einer ries: „Sorge dich nicht, Jude, Misse Meschune nehmen wir auch noch ein . . ." Die kalevderreform. Frei nach Goethe. Du mußt versteh'n: Der Monde sinds dreizehn. Einen Tag laß gehn; Es ist kein Manko, Mach ihn blanko. Achtundzwanzig statt einunddreißig, So wachs weiter fleißig! Und von Fall zu Fall Bohr ein Loch ins Weltall. Mach Tag zu Nacht, * So ists vollbracht! In meinem Kopfe geht aber ein Mühlenrad herum, Es ist das Hexenkalendarium. - Zeitgemäße Haggada. -min n*m am n«ans naaa Der Hausvater hebt die leere Schüssel und sagt: Gelobt sei G'tt, nun bin ich alle maa twin in einem: nan, denn so steht geschrieben: 20!» awan^ rr>. srpi, wie es heißt: a-v' sbi sren 'i>. cm» wie gesagt ist: ßvan an arr ->aimcrt» via' aa-rrva, nun weiß ich effektiv nicht, wo ich noch etwas borgen soll. Drei Rabbi Akiba-Eger-Anekdokev. Relativität. Zu Beginn seiner wissenschaftlichen Laufbahn soll Albert E i n st e i n gesagt haben: „Gelingt meine Theorie, so sagen die Deutschen, ich sei ein Deutscher, die Franzosen aber, ich sei ein Europäer. Scheitert aber meine Theorie, so heißt es in Deutschland: „Einstein ist ein Jude," in Frankreich aber: „So ist der Deutsche!" Für die Ochsen! In einem Städtchen Deutschlands stand ein jüdischer Kultusbeamter als Zeuge vor Gericht. Der Amtsrichter, ein bekannter Antisemit, redete ihn dauernd mit „Herr Schächter" an. Zum Schlüsse meinte der Zeuge: „Und nun noch eine kleine Feststellung, Herr Richter: Für meine Gemeinde bin ich der Vorbeter, in der Schule bin ich Lehrer,j Schächter bin ich für die Ochsen!" Rache und Liebe. Bischof Hasselbauer schnitt in der Unterhaltung mit seinem jüdischen Freund, Rabbi Jonathan E i bensch ü tz, einmal das beliebte Thema von „G'tt der Liebe" und „G'tt der Rache" an. „Stimmt schon ganz genau," meinte der Rabbi. ..Ihr habt einen G'tt der Liebe, darum könnt Ihr Ihm die Liebe überlassen und selber Rache üben. Wir aber sagen: G'tt der Rache, das heißt: „Ihm allein ist die Rache!", darum müssen wir nur Liebe üben." Zeikglossen. Gegen Kapital. Was will „die Liga der G'ttlosen" in Sowjetrußland bezwecken? Natürlich nur den Kampf gegen den Kapitalismus — und den größten Kapitalisten, von dem es heißt rnam -w'vm 'isi ni-iira 'i ii> Das Weißbuch. Schon Jesajas sagt: is-a!?’ 'wa nassen uk „Häufen sich Eure Sünden an, dann schreibt man Weißbücher." ' Goldmacher. Alte Sachen! Heißt es doch schon in der Schrift (Jesajas 60) :an7 K'as ncman nnn Anstelle des Kupfers entsteht Gold. Und wie heißt der Goldmacher? Darüber am Schlüsse des Kapitels: Der kleine Gernegroß heißt Tausend. Druckfehlerberichligung. Im „Börsenkurier" vom August 1920 war zu lesen: „Deutschland treibt einer Pluto kratie entgegen. Die folgenden zehn Jahre haben den Druckfehler rrchtiggestellt. Es heißt natürlich nicht „Plutokratie", sondern P l e i t 0 k r a t i e. Die »lebendige Synagoge". Ludwig Bog elfte in plädierte auf der Liberalen Konferenz in Philadelphia für die „Lebendige Synagoge". 2n esnem Interview mit unserem Korrespondenten für die am erklärte V.. die „Lebendig? ©tjnciQogc bezwecke den Ausbau der Seelen fei er, des Kaddisch und der Grabrede. Der offizielle Titel der „Lebendigen Synagoge" der Reform heißt crmn ms- Sie lernen Perek. Die „Hundertsieben" im Deutschen Reichstage lernen; „Sprüche der Väter". Zuerst lernten sie man & •pan rr^rr und fingen gleich mit Stuhlbeinen an. mn sagten sie sich ™ «7 inT’* und zogen re Diäten für Februar im Voraus em. Zuletzt lernten •map» jw'vann und warfen sich selbst hinaus. Als Rabbi Akiba Eger einst nach Warschau fuhr, begleitete ihn sein Freund, Rabbi Abraham aus L i s s a, der ebenfalls als großer Gaon und Führer gefeiert war. In Warschau war der Menschenandrang zum Empfange Rabbi Akibas so groß, daß die Polizei die Ordnung aufrecht erhalten mußte. Endlich spannten die begeisterten Menschen die Pferde aus und trugen den Wagen ins Haus, wo der Rabbi Quartier nahm. Auch Rabbi Abraham stieg aus dem Wagen, um an der Ovation mit teilzunehmen. Rabbi Akiba dachte: Diese Ehrungen gelten doch Rabbi Abraham. So stieg er unbemerkt auf der anderen Seite aus und trug am geschlossenen Wagen mit. Als sie am Haus ankamen, hatten sie beide an einem leeren Wagen mitgetragen. In Warschau wurde Rabbi Akiba ins Museum geführt. Dort bot ihm der Direktor einen kostbaren antiken Sessel zum Sitzen an. Rabßi Akiba setzte sich, und da er sehr müde war, nickte er ein wenig ein. Keiner wagte, ihn zu stören. Plötzlich erwachte er und rieb sich die Augen: „Warum bringt man nicht das Kind?" rief er ärgerlich. Er glaubte im Halbschlummer, er sitze auf dem „Stuhle des Propheten Elijahu" bei einem Briß. Einmal traf Rabbi Akiba einen früheren Schüler, der im Leben sein Glück gemacht hatte. „Was machst Du?" fragte er ihn. „Mir geht es gut, die Geschäfte florieren." „Was machst Du?" fragte der Rabbi weiter. „Ich habe ein liebes Weib und allerliebste gesunde Kinder." „Was mach st Du?" beharrte der Rabbi. „Ich bin angesehen und mein Wort gilt in meinem Kreis." „Ja," sagte der Rabbi, „das alles machst Du nicht, sondern der liebe G'tt, ich aber möchte wissen, was D u machst." .Und der Schüler mußte ihm erzählen, ob und wieviel Zeit er dem Thorastudium und dem Gebete widme, wieviel er für Wohltätigkeit übrig habe. -r- * *• Ein betriebsamer Schadchen trug Rabbi Mosche Soser die Tochter von Rabbi Akiba Eger an. Rabbi Mosche meinte aber bescheiden, für einen Schwiegervater wie Rabbi Akiba Eger sei er nicht genug gelehrt. Da begab sich der Vermittler nach Märkisch-Friedland zu Rabbi Akiba und trug ihm den Preßburger Oberrabbiner als Mann für lein? Tochter an. „Wie kann ich es wagen?" sagte Rabbi Akiba, „Schwiegervater eines solchen großen Gelehren zu sein?" „Herrlich!" ries der Heiratsvermittler aus, „zwei Amme Haarez, passen wie geschaffen für einander!" Jüdische Witze. Was ist ein jüdischer Witz? Wenn ein Nichtjude beim Erzählen fragt: „Wie gehts weiter?" und ein Jude ügt: „Den habe ich schon vor dreißig Jahren gehört." „Wie hat Ihnen nun meine Ansprache gefallen?" 'ragte einmal nach einer Feierlichkeit ein etwas eitler Vorsteher den Wiener Oberrabbiner Dr. Jellinek. „Der Glanzpunkt der Rede," antwortete dieser, „war Ihr Zylinder." * * * Als Varon Rothschild in Wien starb, ging ein ärmlich gekleideter Jude hinter der Bahre her und weinte untröstlich. „Seid Ihr mit dem Baron verwandt?" fragte einer den Juden sehr mitleidig. „Darum weine ich doch so," gab dieser zurück, „weil ich leider mit ihm nicht verwandt bin." Zu einem Wohltäter kam ein armer Jude und klagte, er habe eine Tochter zu verheiraten, es fehle ihm aber öie Hälfte der Mitgift. „Das wäre doch nicht schlimm," meinte der Andere. „Ist es doch bei Euch nicht so selten, daß man dem Bräutigam nur die Hälfte von dem gibt, was man verspricht." „Leider aber fehlt mir gerade diese Hälfte," gestand der Arme ein. Bei Wahlen geht es oft umgekehrt, als in der Papierfabrikation zu. Bei dieser kommen Lumpen in die Maschine hinein und Papiere hinaus. Bei Wahlen umgekehrt. . . Den großen Rabbi M a l b i m fragte einst ein Klügler von der linken Seite, ob es nicht gestattet wäre, wie etwa am Chaul-hamoed, am Sabbat eine Zigarre -"irsmr auf abgeänderteWeisezu rauchen. „Gewiß," gab der Rabbi schlagfertig zurück, „mit der brennenden Seite im Munde." ch ch * In der Grenadierstraße von Berlin ereignete sich am Freitag vor Jomkippur folgendes: In einer Geflügelhandlung erschien, kurz vor Sabbateingang ein Jude aus Berlin W. und wollte Geflügel für Kaporaus einkaufen. Der Händler, ein Jude aus dem Osten, sagte höflich: „Es ist gleich Sabbat, ich muß den Laden schließen. Möchte sich nicht der Herr morgen abend hierher bemühen?" Da schrie der Kunde wütend: „Sollen wir vielleicht wegen Ihres dummen Sabbats um unsere Kaporaus kommen?" * * * Ein würdiger Jude im fiaftan klingelte bei einem westlichen Glaubensgenossen. Die Dame des Hauses öffnete die Türe, ließ aber den Fremden nicht über die Schwelle. Er könnte Teppich und Parkett beschmutzen. „Ihr habt die Eigenschaften vom lieben G'tt," sagte der Fremde und schickte sich an, umzukehren. Sehr neugierig über den ^Sinn des Ausspruches, folgte ihm der Hausherr. „Was meinen Sie mit diesen Eigenschaften G'ttes?" „Auch vom lieben G'tt heißt es: „Gelobt fei Er, der sich erbarmt über die Erde", und dann erst „gelobt, daß Er sich erbarmt über die Mensche n." Zuerst der Erdboden, dann erst kommt der Mensch?" Im Dorfe kam der Schankwirt gerade dazu, wie der Hausrebbe mit seinem Jungen das K a d d i s ch g e b' e t lernte. „Was fällt Euch ein?" schrie er den armen Hauslehrer an. „Beide Eltern leben doch noch." „Bis Euer Sohn," gab der Lehrer ruhig zurück, „das Kaddifch erlernt hat, werdet Ihr hundertundzwanzig Jahre alt." * * Ein schwerer Amhaarez fragte seinen Kollegen, warum es eigentlich zwei Jekum Purkan in der Tefillo gebe? „Damit, wenn der eine verloren geht, Ersatz am Platze ist," meinte der Andere. „Warum gibt es aber dann nur einen Mifcheberach?" „Weil das andere schon wirklich abhanden gekommen ist." Der bekannte Arzt aus der Frühzeit der Reform. Markus Herz, hatte an seinem Wagen ein Monogramm mit den Buchstaben M. H. angebracht. „Was bedeuten diese Buchstaben?" fragte ihn einmal ein polnischer Jude. „Das wißt Ihr nicht?" spöttelte der Arzt, „das heißt Mechaje Hamessim" (der die Toten belebt). „Und ich dachte", sagte der Pole, „das heiße Mala ch H a m 0 w e s." * * * Bei einem Teile dieser Anekdoten, die ich bereits dreißig Jahre kenne, fragte bei der Drucklegung der Setzer, ob wohl ein Stück des Manuskriptes verloren gegangen sei . . .

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