Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1931)
- Date
- 1931-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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26: Februar 1931 Der Israelit Ser Existenz von 50—60.000 Juden in Litauen durch die von der Regierung verfügte Entlassung der ausländischen Angestellten aus den litauischen Betrieben. Die litauische Verordnung sei ein gefährliches Beispiel für andere Länder. : Der Eindruck des MacbonaldBriefes. London, 20. Febr. Während Dr. Weizmann in. einem Briefe an den Premierminister seiner Befriedigung über den Brief Macdonalds Ausdruck verleiht und der Hoffnung Ausdruck gibt, daß Mandatarmacht, Araber und Juden nunmehr gemeinsam den Plan einer konstruktiven Politik für Palästna. ausarbeiten werden, gibt man in revisionistischen Kreisen selbstverständlich starker Unzufriedenheit Ausdruck. Obgleich einige Stellen des Weißbuches widerrufen seien, bleibe dieses doch das beherrschende Dokument und es werde sich in ganz kurzer Frist ein Autoritätswettstreit zwischen diesen beiden Dokumenten geltend machen. Eine Verständigung zwischen Arabern und Juden könne auf diesem Boden unmöglich gedeihen. Die Einwanderungsbedingungen seien nicht verbessert und die 88 27 und 28 des Weißbuches bleiben aufrecht erhalten, so daß jede Einwanderung unter Berufung aus Arbeitslosigkeit unter den Arabern oder unter den Juden unterbunden werden kann. Ebenso schweige der Brief über die Einsetzung des Legislative Council, über die Rechte der Jewifh Agency und über'die Schaffung eine Land-Entwicklungs-Fonds. Die Regierung bleibe Labe, daß sie keine aktive Politik zum Aufbau des Nationalheimes entfalten könne, solange nicht eine Verständigung zwischen Arabern und Juden erzielt sei. Infolgedessen hätten es die Araber in der Hand, durch Ablehnung der Verständigung diese aktive Politik jederzeit zu verhindern. Daß Jewish Chronicle den Brief als vollkommen bedeutungslos und als vergoldete Pille bezeichnet, ist bei der bekannten revisionistischen Einstellung des Blattes selbstverständlich. Der parlamentarische Korrespondent des Blattes behauptet, im Colonial Office mache man sich über die Taktik des zionistischen.Führers lustig, der sich den Wünschen der Regierung ohne weiteres unterworfelt habe. In amerikanisch-zionistischen Kreisen übt man Zurückhaltung in der Beurteilung der Lage. Selbst Stephen Weise erklärt, daß ihn die zionistische Disziplin zwinge, die Entscheidung des Zionistenkongresses abzuwarten. In der palästinensischen Presse billigen Haarez und auch das Organ der Arbeiterorganisation Dawar den Inhalt des Macdonald-Briefes, wenn sie auch hinzufügen, daß das praktische Ergebnis sich vor Abschluß des zweiten Teiles der Verhandlungen über die Einzelheiten der Einwanderung und des Bodenkaufs nicht beurteilen lasse. „Doar Hajom" erklärt, daß das neue Statement, keine Grundlage für eine Zusammenarbeit mit der Regierung bildet. Dagegen denunziert die arabische Exekutive den Brief des Ministerpräsidenten als völlige Abkehr vom Weißbuch, die es ihnen unmöglich mache, ben Gedanken einer jüdisch-arabischen Verständgung zu erwägen. Jamein Hussein!, der nach seiner Rückkehr von London überall verkündete, die Regierung werde an dem Pahsield-Weißbuch festhalten, erklärt, er sei wieder enttäuscht, da der Brief Macdonalds eine volle Unterwerfung unter die Juden bedeute. Schweiz. Grohe Züricher Kundgebung gegen die Kalenderreform. Zürich, 20. Febr. Etwa 500 Personen aus allen Schichten der Züricher Judenheit versammelten sich zu einer Kundgebung gegen die vom Völkerbund geplante Kalenderreform, die Gefahren für alle Teile des Judentums in sich birgt, da sie die Wahrung des Sabbat unendlich erschweren würde. Rabb. Dr. Littmann führte aus, das Hauptbestreben der Reform sei die Festsetzung des Monats- und Jahresbeginns auf den gleichen Wochentag. Andere Vorschläge gehen darauf hinaus, das Jahr in 13 Monate zu je 28 Tagen oder vier Wochen einzuteilen. Dies ergebe ein Jahr von 364 Tagen. Der überzählige Tag solle nun als Blankotag ohne Namen gelten. Dadurch würde in jedem Jahr die Woche au einem anderen Tage beginnen und der Sabbat müßte in jedem Jahre an einem anderen Wochentage gefeiert werden. Das jüdische Kalenderreform-Komitee, dessen Generalsekretär Herr Dr. 1 2e* wenstein - Zürich ist, hat beschlossen, das gesamte Judentum zu einer imposanten Kundgebung zu vereinen, überall werden Unterschriften gegen eine die Sabbathaltung erschwerende Reform gesammelt. Auch die Schweizer Rabbiner und Gemeindevorsteher haben sich zu einer Aktion zusammengeschlossen. Oberrabbiner Dr. T. Lewen st ein umriß die bisherige Entwicklung der Kalenderreformfrage. 1926 seien 5 Vertreter der Judenheit, unter ihnen Dr. Lewenstein und der verstorbene Herr Lucien Wolf, im Völkerbundssekretariate vorstellig geworden und hätten aus die großen Schäden, die die Reform für das Judentum verursachen kann, hingewiesen. Von den Vertretern aller jüdischen Richtungen wurde einstimmig erklärt, daß die Judenheit gegen eine Kalenderreform nichts einzuwenden habe, sofern die Feier des Sabbat ohne schwere Beeinträchtigung des bürgerlichen Lebens der Juden gewährleistet wird. Außer der ökonomischen Einbuße, die vielen Millionen von Juden, namentlich im Osten, droht, fei die ideelle Einheit des jüdischen Volkes durch die Verwirrung, die durch die Abweichung des jüdischen Kalenders vom reformierten entstehen würde, in Frage gestellt. Nicht zu übersehen ist ferner die moralische Gefahr, die infolge des Sinkens des religiösen Gefühls entstehen würde, sowie die Gefährdung der Verständigung zwischen Juden und Christen, indem Christen unmöglich ein Verständnis für den jedes Jahr sich verschiebenden jüdischen Sabbat aufbringen würden. An der Spitze der Reform-Propaganda steht ein Pseudowisstenschaftler aus Kanada, Moses Cortsworth, ein Nichtjude, der beweisen möchte, daß Moses bereits einen Blankotag eingeführt habe. Mit Ausnahme von Italien feien anscheinend alle Länder bereit, die Reform gutzuheißen. Nur vereinzelte Kreise von christlichen Konservativen seien dagegen. Der Vorschlag der „Agudas Jisroel" vom Jahre 1925, ein Jahr zu 364 Tagen anzunehmen und die Blankotage zu einer Woche anwachfen zu lassen, die alle paar Jahre eingeschaltet werden müßte, steht bisher leider nicht zur Diskussion. Im nächsten Oktober dürfen nicht nur einzelne jüdische Vertreter, sondern das ganze Judentum die jüdische Sache in Genf vertreten. Das Sekretariat gedenke, der im Oktober tagenden Kalenderreformkonferenz des Völkerbundes eine Petition im Namen des ganzen jüdischen Volkes zu unterbreiten. — Herr Saly Braunschweig sprach über die Bedeutung der Sabbatidee für das gesamte Judentum. Der Inhalt des Berichtes der ktagemaueräomtmjfion. Genf, 22. Febr. Das Mitglied der Klagemauer-Kommifsion, Richter Barde, erklärte in einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter, der vor zweieinhalb Monaten der britischen Regierung übergebene Bericht der Kommission stelle ein 80 Seiten in Maschinenschrift umfassendes Dokument dar, das aus zwei Teilen besteht, einem größeren, der eine historische Uebersicht über die mit dem Klagemauerproblem in Zusammenhang stehenden Fragen enthält, und einem zweiten, in dem auf sieben bis acht Seiten die Konklusionen der Kommission gegeben werden. Dieser Teil enthält ein genaue Regulativ über die den Juden an der Klagemauer zustehenden Befugnisse. Eine Bekanntgabe des Schiedsspruchs der Kommission lehnte Richter Barde mit der Begründung ab, daß dies vor Veröffentlichung des Klagemauerberichtes durch die englische Regierung nicht möglich sei. Doch empfing der JTA-Vertreter im Verlauf des Gesprächs den Eindruck, daß der Status guo aufrechterhalten werden wird und daß den Juden nur jene Rechte zugebilligt werden sollen, die ihnen auf Grund des Art. 13 des Mandats als „bestehende Rechte" zustehen. Richter Barde gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß keine freiwillige Einigung zwischen den beiden Parteien zustandegebracht werden konnte, wiewohl nicht viel dazu gefehlt habe und es durchaus im Bereich! der Möglichkeit lag, einen modus vivendi zu finden. Seiner Meinung nach deckt sich der Inhalt des Schiedsspruches ungefähr mit dem. was ein gerechter Vergleich hätte ergeben können, weshalb er geeignet fei, die Atmosphäre zu pazifizieren und die Gemüter zu beruhigen. Nr. 9 Seite 7 | Palästina. Ein Schreiben Schnukat Alis an Lord Patzfield. I e r u f a l e m, 20. Febr. Wie die arabische Zeitung „Felestin" meldet, hat der indische Mohammedanerführer Schaukat Ali, der vor kurzem aus Palästina nach Syrien abgereist ist, an den Kolonienminister Lord Paßfield ein Schreiben gerichtet, in dem er sich ausführlich mit den Verhältnissen in Palästina und der Wirkung des Briefes Macdonalds an Dr. Weizmann auf die mohammedanische öffentliche Meinung besaht. Der offizielle Text des arabischen Protestes gegen den Macdonald-Brief. Jerusalem, 19. Febr. Nunmehr liegt der offizielle englische Wortlaut des von der arabischen Exekutive dem High Commissioner übergebenen Protestschreibens (f. JTA-Dienft Nr. 43 v. 20. Februar S. 1) vor. In dem von Muza Kazim Pascha Unterzeichneten Schreiben heißt es u. a.: „Diese Politik des Schwankens ist eine höchst ernste Angelegenheit und kann dazu führen, daß dadurch, daß die Araber ihr Vertrauen zur britischen Regierung verlieren, eine tiefe Kluft zwischen der arabischen Bevölkerung und der Regierung Seiner Majestät entsteht. Ich versichere Euer Exzellenz, daß Ministerpräsident Macdonald durch diesen Brief jede Hoffnung aus eine Politk der Kooperation zwischen Arabern und Juden, wenn jemals eine solche Hoffnung bestand, zerstört und eine Verständigung zwischen den beden Parteien absolut unmöglich gemacht ist. Ich überlasse es der Exekutive des 7. arabischen Kongresses, jene politischen Richtlinien vorzuzeichnen, die sie im Hinblick auf die im Briefe des Ministerpräsidenten Maconald an Dr. Weizmann festgelegte Politik der britischen Regierung als den Interessen des Landes förderlich erachten wird." Der Alacdonald-Brief und die arabische Exekutive. Jerusalem, 16. Febr. In einem Gespräch mit dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur hat der Sekretär der palästinensisch- Arabischen Exekutive, Moghanan Effemdi, erklärt, durch das neue Statement der englischen Negerung über Palästina werde das Weißbuch l annulliert. Die Regierungserklärung gebe den Juden neue Rechte, wie z. B. den festen Anspruch auf Beteiligung an den in Palästina ausgeführten öffentlichen Arbeiten, ein Anspruch, der vorher nicht bestand. Das Statement zeigt, fuhr Moghanan Effendi fort, daß die britische Regierung nichts als ein Werkzeug in den Händen Dr. Weizmanns und der anderen europäischen Juden ist. Die in dem neuen Statement gemachte Unterscheidung zwischen landlosen und „dislozierten" Arabern, wobei erklärt wird, daß die Regierung nur jenen Arabern Ansiedlungshlfe gewähren wird, die Nachweisen können, daß sie durch Uebergang ihren Bodens in jüdische Hände landlos geworden find, bedeutet einen Raub an der arabischen Bauernschaft, die 75 Proz. der Bevölkerung Palästinas bildet. Die palästinensisch-arabische Exekutive, erklärte Moghanan Effendi am Schlüsse der Unterredung, wird in den nächsten Tagen ihre Antwort auf das neue Statement der englischen Regierung veröffentlichen. Aegypten. Sabbatschuh in Alexandrien. Alexandrien, 15. Febr. Die Ortsgruppe des Weltverbandes Schomrs Schabbos in Alexandrien hat ihre Arbeit mit großem Elan ausgenommen. In einem Brief an die Zentrale wurde mitgeteilt, daß u. a. eine Jeschiwah Schomre Schabbos unter dem Protektorat detz. Herrn Grandrabbin Professor David Prato in dem Rahmen der Tätigkeit der Ortsgruppe eröffnet wurde, die von einer stark interessierten Zuhörerschaft besucht wird. Nach Rücksprache mit verschiedenen Direktoren allgemeiner Schulen hat die Ortsgruppe auch hebräische Kurse eingerichtet, an der eine stattliche Anzahl von Schülern teilnahm. Diese Kurse bieten eine ausgezeichnete Gelegenheit, den Schmiras Schabbos-Gedanken unter der Heranwachsenden Jugend zu. pflegen. Den sabbattreuen Arbeitern und Angestellten, die schwer um ihre Existenz ringen, schafft die Ortsgruppe durch finanzielle Beihilfe Erleichterungen.