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Der Israelit · 1931-02-26 · Heft 9 (26.2.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 9 (26.2.1931)
Date
1931-02-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 9 Der Israelit 26. Februar 1931 Rechksausfchuß -es braunschweigischen Landtages nimmt Schächtverbot an. Braunschweig, 23. Febr. Im Rechtsausschuh des Braunschweigischen Landtages wurde der nationalsozialistische Antrag, das betäubungslose Schachten von Schlachttieren zu verbieten, einstimmig angenommen. Der Antrag wurde neu formuliert und lautete: Das Staatsministerium wird ersucht: 1. baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den bei der Tötung von Schlachttieren ein möglichst humanes Verfahren zwingend vorgeschrie ben und das betäubungslose Schächten von Tieren verboten wird, und 2. de Reichsregierung zu veranlassen, für das ganze Reich geltende Bestimmungen im Sinne der Ziffer 1 zu erlassen. Belgien. Die wirtschaftliche Jtot in Antwerpen. Antwerpen, 18. Febr. Die Krisis in der Diamantenindustrie hat dazu geführt, daß die Juden Antwerpens, früher fast durchwegs Schleifer oder Diamantenhändler, sich auf alle Arten von Erwerbstätigkeit werfen mußten. Die Zahl der jüdischen Hausierer, die in Dörfern und auf den Märkten ihre Waren verkaufen, ist so groß, daß sie sogar eine eigene Organisation haben. Es gibt keine schwere Arbeit, die nicht von Juden ausgeführt wird. In den Kohlengruben bei Limburg ist die Zahl der jüdischenBergarbeiter ganz ansehnlich. Es gibt auch welche, die durch fachmännische Ausbildung im Bergwerke es zu einer erhöhten Stellung brachten. Der Beschluß der Regierung, die Diamantenproduktion auf 50 Proz. zu reduzieren, hat ruinierend auf das jüdische wirtschaftliche Leben gewirkt. Für hunderte von Familien bedeutete dies vollkommenen Ruin Die jüdischen Wohlfahrtsstellen stehen der zunehmenden Not hilflos gegenüber. Die Errichtung neuer Hilfsinstitutionen ist geplant. Eine jüdische Volksbank ist dieser Tage gegründet worden. Diese Institutionen kommen dem kleinen Kaufmann und den Gewerbetreibenden zugute, der Diamantenhändler aber sieht sich durch die Krisis und die dadurch bedingten Gesetze in den Herzpunkt getroffen, ohne daß die Wohlfahrtseinrichtungen ihm irgendwie helfen können. Aus der Mlnaer kehilla. W i l n a, 18. Febr. Wir stehen noch unter dem Eindruck des grandiosen Sijum des Daf Jomi. Den Festlichkeiten sind graue Sorgentage gefolgt. Die Kehilla als solche hat schwere Etatsorgen. Nicht zuletzt infolge der geistigen Krisis und der gewaltsamen Lösung der Rabbinatsfragen vermindern sich die Steuereingänge mit jedem Jahr. Es sind nun der Not gehorchend von der Verwaltung neue Verhandlungen mit dem Rabbonim eingeleitet worden, freilich unter Umgehung der orthodoxen Ratmänner und der Aguda, mit dem deutlichen Bestreben, einen Frieden mit den Rabbonim über die Köpfe der Vertre ter der Orthodoxie zu schließen. Es darf ohne weiteres erwartet werden, daß das Rabbinerkomitee diese Absicht vereitelt. Abgesehen davon, sind auch die neuen Bedingungen keineswegs befriedigend, so daß die wahre Lösung noch in weiter Sicht ist. Seit über hundert Jahren bildet die Zedoko G e - d a u l o die zentrale Wohlfahrtsstelle der Gemeinde, die auch den Friedhof und die droße Schule umfaßt. Sie besitzt mehrere Grundstücke und verfügt über zahlreiche Stiftungen. Die Kehillaverwaltung setzt nun alle Hebe! in Bewegung, die wichtigsten religiösen Belange aus der Z. K. heraus in ihre Regie zu bekommen. In den Kreisen der Bevölkerung macht sich starke Opposition dagegen geltend, um so mehr, als das Vertrauen zu der derzeitigen Verwaltung stark gesunken, die Z. K. dagegen eine autonome Zentralinstitution ist, die von hochangesehenen streng religiösen Männern geleitet wird. Man hofft, daß die Regierungsbehörden dieser Tatsache und der Stimmung er Bevölkerung Rechnung tragen. Uebrigens hat die Gemeindeverwaltung ihre Zeit ausgelebt. Die Neuwahlen müssen demnächst ausgeschrieben werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die O r t h o d o xi e diesmal bei den Wahlen ihren Mann stellen wird. Dann kann aber auch der Sieg nicht ausbleibe n. Tschecho-Slowakei. Tagung des Kultusgemeindeverbandes in Groß-Prag. Prag, 19. Febr Unter dem Vorsitz von Dr. August Stein fand eine Plenarsitzung es Kultusgemeindeverbandes von Groß Prag statt. Dem Tätigkeitsberichtedes Verbandes war u. a. zu entnehmen: Die Volkszählung, welche ein An wachsen der Prager jüdischen Bevölkerung und ein wei teres Sinken der jüdischen Landbevölkerung aufweist, erhöht die Bedeutung des Groß-Prager Verbandes, der vielleicht die Hälfte aller Juden Böhmesn umfaßt. Haupt aufgabe des Verbandes ist de Sorge um die Erziehung und Heranbildung des Nachwuchses der Rabbiner und Die Woche. Berlin. Theodor W o l f f greift in einer Artikelserie im „Berliner Tageblatt" das Verhalten des Reichsgerichtes in Prozessen gegen Antisemiten, das dem Grundsatz huldigt,, „unbestimmte Personenvielheiten wie die Juden, seien nicht berechtigt, wegen Beleidigung zu klagen", sehr scharf an. — Die Schaffung ener zehnbändigen jüdischen Encyflopäöie wurde am Sonntag in einer Beratung aller in Betracht kommenden Faktoren beschlossen. — In ener „Kleinen Anfrage" im Landtag wird daraus hingewiesen, daß in letzterer Zeit wiederholt Juden in der Staatsbibliothek und in Museen von Hakenkreuzlern, angepöbelt und angerempelt werden. — Das Revisionsgericht verhandelte gegen die nationalsozialistischen Schaufen st erst ü r m e r. Einer, der vom Schöffengericht 6 Monate Gefängnis erhalten hatte, wurde freigefprochen, anderen wurde die Strafe gemildert. Bei sechs Angeklagten wurde die Berufung verworfen. — „Berliner Tageblatt" beanstandet in einem Artikel, daß amtliche Inserate in nationalsozialistischen Blättern der Provinz erschenen und diese somit von Amtswegen unterstützt werden. Breslau. Der nationalsozialistische Agitator Fritz W a l d m a n n war wegen Aufreizung zum Klassenhaß bestraft worden und ist nun in zweiter Instanz von der Breslauer Großen Strafkammer freigesprochen worden, weil er sich, we er sich verteidigte, „an die Lehren Hitlers zu halten habe". Rom. Der erste Band der Memoiren des früheren Ministerpräsidenten Luigi L u z z a t t i ist jetzt erschienen. In diesem ist auch ein Briefwechsel über jüdische Probleme enthalten. — Das offizielle Organ des Vatikan, „Osservatore Romane" nennt in einer Besprechung der deutschen Verhältnisse die nationalsozialistische Bewegung eine Rückkehr zur Barbarei. London. Der Präsident der zionistischen Organisation, Prof. Dr. Chajim W e i z m a n n, hat sich nach Palästina begeben. Bukarest. In einer Gemeinderatssitzung in T i g f i n a wurde der Senator Zip sie in, ein Jude, während einer Rede gegen die antisemitische Propaganda tätlich angegriffen und mißhandelt. Die Freunde Zippsteins kamen diesem zu Hilfe und es entstand ein Handgemenge. Brüssel. Generalleutnant Louis Vernheim, der Kommandant des ersten belgischen Armeekorps im Weltkriege war, ein Jude, ist im Alter von 69 Jahren in Paris gestorben. Gemeindefunktionäre. Es wurden eine Präparande für Anwärter des Rabbinatsstudiums und Kurse für Religionslehrer eröffnet. Eine weitere Ausgabe des Verbandes ist die Besorgung der Uebersetzung der süns Bi'u cher Moses ins Tschechische. Die Uebersetzung des ersten Buches wurde von Rabbiner Dr. Sicher und Dr. Hirsch besorgt. Es wird an jene Personen appelliert, die für die Uebersetzung der weiteren Bücher in Betracht kommen, sich der ebenso bedeutsamen wie ehrenden Aufgabe zur Verfügung zu stellen. Die Dotation für 43 aktive und fünf pensionierte Rabbiner belief sich im abgelausenen Jahre auf 294.000 Kc. Den eingegliederten Gemeinden wurde empfohlen, sich mit einer Krone pro Kopf an der Fürsorgezentrale für Durchwandererhilfe zu beteiligen. — Nach Annahme einer Reihe von Bewilligungen erstattete Dr. F l e i s ch m a n n den Tätigkeitsbericht des Obersten Rates. Das Projekt des Rabbiner-Seminars wurde, da die Regierung sich bezüglich der Subvention sehr zurückhaltend zeigte, vorläufig in den Hintergrund gedrängt. Um die Not an für die tschechoslowakische Republik geeignetest Räbbinatskandidaten zu mildern, werden geeignete Absolventen Prager Gymnasien in ausländsche Seminare geschickt, und mit Stipendien unterstützt. Es gibt 5 solcher Stipendiaten, von denen 4 in Breslau, einer in Berlin studieren. Die staatliche Subvention für Heranbildung von Seelsorgern wurde von 20.000 Kc. auf 100.000 Kc. erhöht. Der Oberste Rat ist bestrebt, aus einer fakultativen Institution zueiner obligatorischen zu werden.- Es sind verschiedene diesbezügliche Gesetzesvorschläge unterbreitet worden. Weizmann lehnt die Aebernahme der Leitung nach dem Kongreß ab. London, 22. Febr. Unmittelbar vor Antritt seiner Palästina-Reisö gab der Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency, Prof. Dr. Weizmann, einem Vertreter der „Jewish Tmes" gegenüber die Erklärung ab, er werde auf keinen Fall die Führung der zionistischen Organisation über den Zionistenkongreß hinaus beibehalten. „Ebensowenig wie man Ost und West zueinanderbringen kann", sägte Prof. Weizmann wörtlich, „ebensowenig wird man mich bewegen können, weiterhin an der Spitze der Organisation zu bleiben." Weiter erklärte Dr. Weizmann, der einzige Zweck seiner Bemühungen in letzter Zeit und seiner ferneren Arbeit bis zum Kongreß sei der, für den Ausbau des Jüdischen Nationalheims eine klare und günstige Situation zu schaffen und die Zionistische Organisation in einer besseren Verfassung zu übergeben als der, in der sie sich zur Zeit seines Amtsantrittes befand. (ITA.) Die palästina-Frags im Ankerhaus. London, 20. Febr. Col. Howard Vury fragt, ob angesichts der Tatsache, daß Dr. Weizmann vollkommen befredigt sei, nicht ein gänzlicher Wechsel der Politik hinsichtlich des Weißbuches eingetreten sei? Macdonald anwortete: Es ist kein Wechsel in der Politik eingetreten. Howard Bury: Wie kann dann Dr. Weizmann befriedigt sein, da er doch gegen das Weißbuch ursprünglche Einwendungen erhoben hat? Macdonald: Wie bereits während der Debatte, die der Ausgabe des Weißbuches folgte, festgestellt worden ist, lag eine große Zahl von Mißverständnissen vor und die Wirkung des Briefes ist die Wirkung dieser Mißverständnisse zu beseitigen. Das bedeutet aber keinen Wechel in der Politik. Jewish Board of Deputies zur britischen Regierungserklärung. London, 16. Febr. Am Sonntag, den 15. Februar, fand in London eine Sitzung des Jewish Board of Deputies 'statt, zu deren Beginn der Vertreter der Association of Jewish Friendly Societies Michael L e v y an den Präsidenten des Board die Frage richtete, ob es möglich sei, die Stellungnahme des Board of Deputies zum Briefe des Ministerpräsidenten Mäcdonald an Dr. Weizmann auf die Tagesordnung zu setzen, damit der Board Gelegenheit habe, „feiner Enttäuschung und seinem Unwillen über diesen Brief Ausdruck zu verleihen." Der Präsident, d'Avagdor Goldfchmid, erklärte, er 'ei der Meinung, der Board könne in dieser Frage über keine Resolution abstimmen, die nicht vorher durch das Palästina-Komitee gründlich beraten wurde. Das Palästina-Komitee habe sich seinerzeit gründlich mit dem Weißbuch befaßt und müsse daher jetzt auch zu der neuen Regierungserklärung Stellung nehmen. Er werde daher den Obmann des Palästina-Komitees beauftragen, das Komitee einzuberufen und dem Board of Deputies in einer nächsten Sitzung eine Resoluton zur Regierungserklärung vorzulegen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurde die Frage der Staatenlosen erörtert. Der Sekretär des Synagogenverbandes, Julius Jung, stellte die Anfrage, ob das Komitee Untersuchungen darüber eingeleitet habe, nach welchem Lande die unlängst aus der Tschechoslowakei deportierten Staatenlosen gebracht wurden. Präsident Goldsmid erwiderte, die Untersuchungen hierüber eien noch im Gange. Der Ehrensekretär der Agudas Jisroel-Weltorganifation, H. A. Goodman, lenkte »die Aufmerksamkeit des Board auf die drohende Vernichtung

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