Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 9 (26.2.1931)
- Date
- 1931-02-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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26. Februar 1931 Lote. Hier und in allen Kämpfen gegen Amalek erwies sich als. Quell der Hilfe und Errettung für Israel, daß es sich mahnen ließ an feine Aufgabe und Bestimmung. Mögen auch wir jetzt die Zeichen der Zeit verstehen und begreifen, dann erweist sich auch an uns zum Segen das Wort der Festrolle: * ‘pznin nnaizn mix nmn den Juden ward Licht und Freude und Wonne und Würde. Der Israelit Nr. 9 Seite 5 Deutsches Reich. Der Hilfsverein und die Einwanderungseinschränkung in den U. S. A. Berlin, 18. Febr. Herr Rechtsanwalt Dr. I. Rosenak, Vorsitzender des Bremer Komitees des Hilfsvereins der Deutschen Juden (Zentralbüro für jüdische Auswanderungsangelegenheiten in Deutschland) wird sich am 25. Februar auf der „Europa" nach Newyork begeben. Er wird über wichtige Fragen der jüdischen Auswanderung mit den jüdischen Organisationen Besprechungen haben, die mit bem Hilfsverein dauernd Zusammenarbeiten. Die amerikanische Gesetzgebung macht heute die Einwanderung nur noch in einem ganz geringen Maße möglich, wodurch namentlich auch die Emigranten aus osteuropäischen Ländern sehr hart betroffen werden. Der verstorbene Bremer Rabbiner Dr. Rosenak, der Vater des Herrn Dr. I. Rosenak, war schon im Jahre 1923 im Interesse der zahlreichen, infolge Veränderun gen in der amerikanischen Gesetzgebung zur Unterbrechung der Reise nach den Vereinigten Staaten gezwungenen gestrandeten Emigranten, von denen sich ein Teil in Bremen befand, in Amerika. Er ist auf der Rückreise nach Bremen einem Herzschlag erlegen. Sein langjähriges Wirken im Dienste der Auswandererfürsorge des -Hilfsvereins ist unvergessen geblieben. Reduktion des hebräischen Sprachunterrichts und Ueberj Vorschläge wurden genau geprüft. Zum Schluß Übernahme der jüdischen Volksschulen durch die Berliner > zeugten sich die Delegierten, daß in jedem Falle die Stadtgemeinde ein. Ihm antwortete für den Gemeinde- Schwierigkeiten und Schäden viel . größer wären als der Vorstand Dr. K a r e s k i, die Ausgaben für den hebräischen Unterricht seien nur ganz unwesentlich gestiegen. Bei aktiver Unterstützung durch die Vertreter der Liberalen hätten auch die Verhandlungen bezüglich Gewährung eines Beitrages für die Schulen der Jüdischen Gemeinde seitens der Stadtgemeinde Berlin einem Abschlüsse näher gebracht werden können. Ueber die Schulfragen entwickelte sich nun eine längere Debatte, in der R o s e n t h a l den Standpunkt vertrat, es müsse nicht auf die Gewährung eines Zuschusses seitens der. .Gemeinde, sondern auf eine Uebernahme der Schulanstalten durch diese hingewirkt werden. Die vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde in Erwägung gezogene Umwandlung der Mittelschulen der Jüdschen Gemeinde in höhere Schulen sei, abgesehen vom prinzipiellen Bedenken, schön deswegen nicht möglich, weil der jetzige Lehrkörper bei Umwandlung der Schulen in» höhere Schulen nicht mitübernommen werden könnte. R.-A. Dr. Kollentscher (Vorstand) erklärte, die Stadt HVbe es "bisher strikte abgelehnt, die Schulen zu übernehmen, es fei auch nicht zu erwarten, daß sie sich späterhin dazu bereit erklären wird, da sie gesetzlich hierzu nicht verpflichtet ist. Wohl aber bestehe die Möglichkeit, für die Schulen das Oeffentlichkeitsrecht und entsprechende Beiträge seitens der Gemeinde zu erlangen. Es werden einige Beihilfen genehmigt. Die Liberalen kündigten an, daß sie in der kommenden Periode die Einschränkung^, des Schulwerks und die Streichung der Ausgaben für den Lehrstuhl an der Hebräischen Universität durchsetzen würden, während von Seiten der Vertreter der Jüdischen Volkspartei darauf hingewiesen wurde, daß die Finanzierung des Lehrstuhls an der Universität Jerusalem auf Grund einer Pareienvereinbarung vom Gemeindevorstand einstimmig beschlossen wurde und keinesfalls bloß für eine einzige Legislaturperiode gedacht war. Nutzen. So kam es, daß der Beschluß ein negativer war. Bereits früher hatte sich auf Einladung des Ministers der nationalen Erziehung in der königlichen Akademie dei Lincei eine Kommission gebildet, bestehend aus den Akademikern: Angelitti, Armellini, Hagen und Rallino, welche ebenfalls die geplante Reform einstimmig zurückgewiefen hat, vor allem die Einführung der Blankotage. In anderen Staaten haben, sich analoge Kommissionen aus gleichen Gründen gegen die Reform erklärt. Wenn es auch schwer ist, die Zukunft vorauzusehen, so läßt doch alles daraus schließen, daß die Reform des Kalen-, ders bald definitiv zu Grabe getragen sein wird." (Dieser Optimismus ist etwas verfrüht. Red.). Sitzung der Repräsentantenverfammlung der Jüdischen Gemeinde. B er l in, 20. Febr. Am Donnerstag, den 19. Februar, trat die Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin zu einer Sitzung zusammen. Vor Eingang in die Tagesordnung sprach Dr. Kl e erwärme Worte des Gedenkens für de in letzter Zeit verstorbenen hervorragenden Mitglieder der Gemeinde, Kommerzienrat Gerson Simon, Eugen C a s p a r y und Frau Lucie P r i n z. Die Repräsentantenversammlung erledigte ein ungemein reichhaltiges Arbeitspensum. Bei einzelnen Punkten der Tagesordnung kam es zu lebhaften Erörterungen grundsätzlicher Art. Lebhaftem Interesse begegnete ein von der Fraktion der Jüdischen Volkspartei eingebrachtex Antrag, der Vorstand der Jüdischen Gemeinde möge nach dem Muster der von der Essener Gemeinde für nichtjüdische Kreise veranstalteten Aufklärungsvorträge noch in diesem Winter enen ähnlichen Aufklärungszyklus für Berlin abhalten. Einladungen zu diesen Vorträgen sollen an weite nichtjüdische Bevölkerungs kreise, u. a. an das Reichsbanner, die freien und christlichen Gewerkschaften gehen, darüber hinaus auch an rechtsstehende Gruppen. Zweck der Vorträge soll sein, darzulegen, daß Geheimlehren im Judentum ebensowenig bestehen wie — nach allgemein ethischen Begriffen — unmoralische Gebote des Talmud. Darüber hinaus könnte ein Grundriß der jüdischen Lehre und ihrer Auswirkungen auf die Menschheitskultur unter Berücksichtigung insbesondere der Wirtschaftsethik des Judentums gegeben werden. Der Antrag wurde von Ministerialrat Hans G o s? lar (Volksp.) wie Dr. Kurt Fleischer (lib.) unterstützt. Beide wurden beauftragt, sich zum Zwecke der Vorbereitung dieser Aufklärungsaktion mit dem Gemeindevorstand ins Benehmen zu setzen. * Dx. E l bogen gab eine Reihe von Ersparnismaßnahmen bekannt, die vom Gemeindevorstand getroffen werden sollen.. Herr Moritz R o s e n t h a l (lib.) trat für Die Ablehnung der Kalenderreform durch das Italienische Ttationalkomikee. Berlin, 20. Febr. Die Ablehnung der Kalenderreform durch das italienische Nationalkomitee hat in der jüdischen Welt starke Beachtung gefunden Der Weltoerband für Sabbatfchutz Schomre Schabbos, verbreitet nun einen der italienischer Tageszeitung „Jl Giornale d'Jtalia" (Nr. 16, Jahrg. 1931) entnommenen Bericht, der u. a. lautet: „Wir sind erfreut, unseren Lesern wichtige Mitteilungen machen zu können. Bis heute hat uns das Gefühl der Zurückhaltung, welche jedem obliegt, der die Ehre Hatz einer staatlichen Kommission anzugehören, daran gehindert, die leiseste Andeutung zu machen. Heute aber,, da die Arbeit beendet ist und der verehrte Präsident des Komitees, Comm. Giannini, uns freundliche erlaubt hat, davon zu sprechen, beeilen wir uns, unsere interessierten Leser darüber zu informieren. Es handelt sich um Folgendes: Das Italienische Komitee, welches vom Minister für Auswärtige Angelegenheiten ernannt wurde, um die Reform des Kalenders zu studieren, die Italien mit den anderen Nationen in Genf zu behandeln haben wird, hat sich ausdrücklich gegen eine Reform erklärt. Jrn äußersten Falle — wenn nämliä) die anderen Nationen auf einer Einführung einer Reform bestehen sollten — hat das Komitee vorgeschlagen, diese in minimalen Grenzen zu halten, d. h. auf Abrundung oder auf völlige Gleichmachung der verschiedenen Monate zu beschränken, doch in keiner Weise den Wochen-Zyklus durch Einführung eines außerhalb der Woche stehenden Tages, des „Blankotages", zu unterbrechen. Den Vorsitz im Komitee führte Comm. Giannini, Berichterstatter war Prof. Armellini, Direktor des königl. Observatoriums des Campidoglio in Rom. Unter den Mitgliedern des Komitees befanden sich führende Persönlichkeiten aus den Kreisen dör Wissenschaft, der Bank- und Geschäftswelt und der Agrarwirtschaft. Auch der Klerus war durch Reo. Monsignore Prof. Pellizzola, von her italienischen Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl, vertreten. Die ersten Zusammenkünfte des Komitees fanden im Mai im Palazzo Chigi statt, die Arbeit wurde in diesen Tagen beendet. Das Reformproblem wurde unter astronomischen, bürgerlichen, wirtschaftlichen, Bank-, Schul- und religiösen Gesichtspunkten erwogen. Die zahlreichen Jahresversammlung des Vereins jüdischer Hotelbesitzer und Reslaurateure. O b e r h o f, 19. Febr. Die diesjährige Tagung des Vereins jüdischer Hotelbesitzer und Restaurateure fand in Oberhof in Thüringen statt. Wie alle Versammlungen von Jnteressen-Verbänden stand auch diese Tagung unter dem Eindruck der Wirtschaftsnot, de sich im jüdischen Hotelgewerbe, insbesondere in den Kur- und Badeorten, mehr noch wie in fast allen anderen Berufsgruppen auswirkt. Die Krise hat einen sehr großen Teil der zahlungsfähigen Kundschaft ausgeschaltet, der Minder-Umsatz des Jahres 1930 gegenüber 1929 betrug 40—60 Proz., in einigen Betrieben noch mehr. Es wurde sehr lebhaft darüber Klage geführt, daß man in gewissen Ländern die ohnehin schwer kämpfenden jüdischen Gaststätten, statt sie unter den neuen Verhältnissen erst recht zu stützen und zu unterstützen, meidet und dadurch ihren Ruin herbeiführt. Aus dem Jahresbericht ergab sich, daß im Berichtsjahr außer gemeinsamer Zeitungsreklame auch andere Propaganda für den vermehrten Besuch der rituell geführten Gaststätten gemacht wurde. So richtete der Verein an alle deutschen Rabbiner ein Rundschreiben, in welchem gebeten wurde, die Bestrebungen des Vereins zu fördern. Viele der Herren Rabbiner haben in Zuschriften an den Verein sich hierzu bereit erklärt, wofür ihnen die Versammlung dankte. Mit dem Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser in Hamburg wurde nutzbringend zusammengearbeitet, dieser Verein stellte auch einen Geldbetrag zur Propaganda zur Verfügung. — In dem Jahresbericht wurde darüber geklagt, daß zu den bereits bestehenden Logenheimen und von den Logen eingerichteten sogenannten Mittelstandskuren sich als neue Konkurrenz ein Erholungsheim für jüdische Akademiker, gegründet vom Kuratorium der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, gesellte. Den größten Raum bei den Verhandlungen nahm der Punkt „Preispolitik" ein. Durch eine Umfrage wurde festgestellt, daß in allen Betrieben schon im letzten'Sommer die Preise unter dem Druck der Kundschaft beträchtlich gesenkt wurden und nahezu bei denjenigen von 1914 angelangt sind. Die Preise der deutschen Hotels sind heute nicht teurer, ja zum Teil billiger als diejenigen der Schweiz, während z. B. nach einer Untersuchung der „Frankfurter Zeitung" die Steuerbelastung je Gast und Tag in großen deutschen Hotels durchschnittlich Mk. 5.50, in gleichrangigen Schweizer Hotels aber nur Mk. 1.50 beträgt. Zur Preispolitik hat der Reichsverband der Deutschen Hotels, Restaurants und verwandter Betriebe V. folgende Entschließung angenommen: „Der Reichsoerband erklärt, daß das Goststättengewerbe den Aufforderungen' der Reichsregierung, die Preise zu senken, leider nicht folgen kann, so gerne man eine solche Parole beachtet hätte. Solche Aufforderungen können in einem Augenblick, wo die Reichsregierung erhöhte, in ihrem Ausmaß unbegrenzte Umsatzsteuern auf einen wichtigen Betriebsteil des Gaststättengewerbes legt, unmöglich ernst genommen werden. Bei den hohen Unkosten, steigenden steuerliichen und sozialen Abgaben und bei der Neueinführung unerhörter Sondersteuern ist jeder Preisabbau, mit dem die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit von einer durchaus verfehlten Steuer- und Wirtschaftspolitik abgelenkt werden soll, selbstverständlich vollkommen unmöglich." Die Preise der jüdischen Hotels können nur noch gesenkt werden, wenn damit gleichzeitig eine Vereinfachung der Leistungen einhergeht, da die Verdienstspanne eine weitere Belastung, nicht mehr erträgt.