Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-02-26 · Heft 9 (26.2.1931) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 9 (26.2.1931)
Date
1931-02-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450661--77676-2535321
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

26. Februar 1931 , ö i;H o rt —Me Partei der revisiomstischen Tollköpfe zu ergreifen, ist dabei ein besonders bedauerliches Moment, auf das noch zurückzukommen fein wird. Alles hier Ausgeführte bezieht sich auf den w i r tschaft l i ch e n TeU des Weißbuches und des Macd'onaldbriefes. In politischer Hinsicht hatte das Weißbuch, wie wir von vornherein betonten, gegenüber dem Churchill-Weißbuch von 1922 k aum etwas Neu e s geb rächt, und es ist daher begreiflich, daß p oI rtisch der Macdonald-Brief keine unmittelbare Bedeutung hat. Nach wie vor wird es die Aufgabe aller ehrlichen Erez Jisroel-Freunde sein, die Phantasien von I u d e n st aa t oder j ü d i s ch e m „C o m m o nw e a l> t h" oder dem wie Sprengstoff wirkenden Gedanken der E r z v e lunq einer jii d> i •- s ch e n Mehrh e i t durch Einwanderung und alles, ums damit zufammenhangt, r e st l o s aufz u g e b e n und sich auf den Bod>en dvr realen Tatsachen zu stellen, die in dem einen Worte: „Möglichst großzügige Erfüllung von Mizwas Jifchuw Erez I i s r o e t" zufcvmm enzufasien find.' Alles, was darüber hinausgeht, ist eine Bedrohung der jüdischen Existenz und der Mischen Zukunft in der Diaspora wie in Erez Jisroel. Die rationalisierte zionistische und Agency- Arbeit an Palästina bedeutet -freilich, mit und ohne Maodvnald-Brief, keinen Schritt zur Lösung des Judenproblems— aber sie kann trotzdem Segen bringen, wenn sie m den Dienst der als S e l b st w e r t erfaßten religiösen Pflicht jüdischer Siedlung auf jüdischem Boden gestellt wird. 3« wenig Zotet. . .' Ein eigenartiger Streit wird zur Zeit in der cm'ttsemitischen und. der Abwehrpresse ausgetragen. Der „Stürmer" sucht das „Märchen von den 12 000 gefallenen Juden" zu zerstören. Er weiß nur von 4700. Die „C.-B.-Zeitung" und der „Schild" aber halten fest an ihren Zwölftausend und lassen sich kein Stück abhandeln. Der ^Stürmer" stürmt, gegen diese Mauer, wie immer, mit Vermutungen, Berdächtigiungen und Verleumdungen. C. V. und R. j. F. befestigen sie aber mit Angaben und Listen. Mehr und mehr Tote, noch und noch, jeder einzelne ein Gewinnt Die Herren auf der anderen Seite gönnen uns aber die Toten nicht, sind neidisch, mindern ihre Zahl in schändlichster Weise. Wäre das nicht ein Motiv zu einer Purim- Groteske? Wenn nur der Hintergrund nicht gar so düster und tiefttaurig wäre! Der I s r a e l i t j Scham und Schmerz ergreifen uns bei. dem Gedanken an die vier Jahre der Menschen- und Kulturvernichtung. Der Menschheit ganzer Jammer saßt uns an, wenn wir nur an ein liebes Haupt denken, das uns dieser unselige Krieg gekostet hat. Pazifisten diesseits und jenseits der Grenze treffen sich auf den endlosen Schlachtfeldern trimn ,‘rm inni 1K3PV um das Gruseln zu lernen, um die mahnende Stimme der toten Armeen in ihr Herz aufzunehmen. Voller Entsetzen sprengen sie in die Heimat zurück mit dem Rufe: „Nie mehr Krieg! Schluß mit dem Menschenmorden!" Und da verteidigen sich vernünftige und gewiß dem Frieden zugewandte Menschen gegen den Vorwurf, sie hätten zu wenig Tote aus ihrer Gemeinschaft gestellt ... Hier entsteht die Frage: Wir verteidigen mpfer unsere Ehre, den jüdischen Namen, die Mische Moral, die heilige Lehre, jüdisches Leben und jüdisches Eigentum, wehren uns gegen Verleumdung und Verunglimpfung. Aber ist es nötig, daß wir uns vom Feinde auf feine bluttriefenden Gebiete-locken lassen, ihm in seine mittelalterliche Gedankenwelt folgen, um aus Tod und Verderben einen anbetungswürdigen Kult zu machen, dem man gar nicht genug opfern kann? . . . Das scheint uns doch eine zu weitgehende Konzession an die dunkelsten Nachtseiten antiquierter Seelen, die ja nur die Fieberkurve einer kranken Zeit angeben. Die Abwehrvereine legen Listen an. Und da sie sich mit Zahlen, Daten und Nummern von vornherein gegen Angriffe und Anzweifelungen sichern wollen, so wird es noch einige Zeit dauern, bis sie ganz hergestellt und abgeschlossen sind. Daß die Zahl 12 000 noch weit übertroffen wird, läßt sich — leider, leider! — heute schon mit Sicherheit sagen. Aber sollen wir heute schon mit unserer Totenzahl prunken und prahlen? Nur darum, weil sie die Gegenseite uns nicht gönnt? Wieviel der Toten es auch waren, bei Juden und bei Nichtjuden, in Deutschland oder in Frankreich, in England, in Rußland und Italien, es waren zu viel! Und sind die Opfer einmal gefallen, so schreit ihr Blut zu uns aus der Erde. Nicht nach Rache. Das von einer verirrten Menschheit vergossene Blut schreit: Versöhnung! Krieg dem Kriege! Haß und Kampf dem Hasse! Ausgerottet sei das, Ruhmesgedächtnis Amaleks, wo und wie immer es am Menschheitsgedanken zehrt! Rr. S Seite 3 Sabbat-Idee und Zeitgeist. Bon Rabbiner Dr. Aasbacher in Wiesbaden. Wenn jedes Gebot unserer Thora irgendeine Idee zum Ausdruck bringt, dann ist die Sabbat- Idee wohl die umfassendste. Sie erinnert an die Schranken, die G'tt sich selbst als Schöpfer setzte und mahnt den Menschen destomehr, sich in allen seinen Betätigungen und Neigungen Schranken zu setzen. Die Speisegesetze — die Uebertragung des Sabbatgedankens auf das Genußleben, die Zedokoh auf das Besitzleben, die Chegefetze, die uns hüten sollen, in den Pfuhl der Sinnlichkeit zu versinken, der Sabbatgedanke in der Ehe. Und wenn ein H. Eohen -sägte, der Sabbat sei der Inbegriff aller sozialen Ethik, so dürfte man vielleicht noch weiter gehen: der Inbegriff aller Ethik überhaupt. Das Gebot „Hüte Deine Zunge vor allem Bösen," der Sabbatgedanke in der Sprache, die Pflicht, unser Gemütsleben m Schranken zu halten, schwer zum Zorn und Leicht zur Versöhnung zu kommen^ die Säbbattdee im Gemütsleben. Ja noch inehr: iim Geistesleben unseren! Forschen Grenzen zu setzen, in der Erkenntnis, nicht alles wissen zu können, der Sabbatgedanke auf dem Gebiete des Geistes. Man spricht viel von der Welt ohne Seele, die nur nach Gewinn und Genuß drängt. Es ist der Schabbosgeist, der unserer Welt verloren ging. Der Standard der Lebensführung ist in werten Kreisen viel zu hoch. Gebt der Welt den Sabbatgeist wieder und ihr werdet sie erlösen. Die Völker stehen mit Mißtrauen und Machtgelüsten sich gegenüber, insbesondere das jüdische Volk fühlt den Rassen- und Klassenhaß, der selbst das hellige Gebiet des Gebetes nicht unberührt ließ, um nach dem Vorbilde Bileams Fluch heraufzubeschwören. Es fft der Sabbatgeist, der der Welt entschwunden ist, die Sehnsucht nach dem „tofchiw linedon berak haschonun" — daß das Schwert des Kampfes in die Sabbatfcheide des Friedens einkehre. Es dürfte daher Aufgabe des Sabbatverbandes sein, diesen Sabbatgeist auf allen Gebieten des Lebens über Landesgrenzen und Sprachzonen zu tragen. Die Sehnsucht Jisroels feit Jahrtausenden geht nach dem Mikdosch.. dessen Errichtung, wie bekannt, am Schabbos ruhen mußte. Wie groß muß erst die Sehnsucht nach dem Sabbat sein, der noch über dem Mikdosch steht. Was jenes im . RaUM, ist der Schabbos in der Zeit. Unsere Wessen sagen: „Wer mit seinem Enkel Thora lernt, hat sie vom Sinai übernommen". Es gibt Lein Buch der Welt, an dem Enkel und Großvater sich gleichzeitig erbauen können. Die Märchender Jugend sind und nisa für das dortfelbst, an der Stätte der ruhende höchste Ideal. So erklärt sich die Aufeinanderfolge 29.45, 46 und 30.1, so erklärt sich ferner die bereits oben erwähnte, den nivpn nata vor den anderen v^a des.^am auszeichnende Bezeichnung als 'n^> v'vip vis (30.10). Dem entspricht auch seine Stellung genau gegenüber dem nin5n zu dem er, ebenso wie zum niaa und nais offenbar von der nun in eine besonders innige Beziehung gesetzt wird; vgl. 30.6. Rabb. Hirsch weist auch darauf hin, daß es hier naisn 'aai> und nicht, wie bei nuaai p^V, riaivb pmn heißt, womit also ebenfalls die Zugehörigkeit zum nais gekennzeichnet ist. Dementsprechend auch die amn nata 1>?1 naisn Vyi D’ian bv '»ja tamisan 01' N112V- Allrch geschahja die onp Jmsy am a*m» mit nivp, dem der nivpn nata seinen Namen verdankt. Man vergleiche übrigens auch 30.32 mit 30.36, 37. Beim nnvan pw heißt es: aaV 'w snp sin wip, beim nivp aber, bei dem übrigens (30.36) wiederum die Zugehörigkeit zum nii» betont wird: - - - aai> ''NN v'Vip snp 'nV ii> 'i.-unnp. Die Unterscheidung zwischen vip und D'tpnp vip bedürfte noch einer näheren Erörterung, die aber hier keinen Platz finden kann. Wir verstehen nun auch, daß bei der Einzelaufzählung der naina paa 28.36 ff. das dem anm naia entsprechende r», ganz parallel der Zusammenhangsbetonung 30.6, unmittelbar, nach üiais> eingefügt ist, obwohl antn nata räumlich seinen Standort etwas weiter östlich als ]nbv miaai hatte und dementsprechend auch später im Text (30.27, 35.15, 37.25 u. s. w.) stets nach den letzteren D’*>a eingeordnet ist. Dieser Umstand, daß einige mpioo auf einen Standort des antn natn westlich von miaai lnbv, vor den naiv, andere aber auf einen solchen östlich von niiaai^n^V hindeuten, beantwortet übrigens auf einfachste Weise die Frage öerin'pnV '»aptai nm wn» dw 'QoiK. Eine Zugehörigkeit des nara zum Kreis des v'vip vip wird also auch von der tnaa in ihrer Frage anerkannt. — a'oaaa erscheinen dann 28.42 als letztes der Dpsa, ebenso wie das entsprechende iva, obwohl es weiter westlich als der nViyn nat» seine Stellung hatte (natam oi>i«n pa); bei allen Aufzählungen stets am Schluß erscheint, wie dies dem Wesen und der Funktion dieses ’b entspricht. Geht man von dieser Zugehörigkeit des antn nata zu dem Bereich des v'vnp v p aus, so finden wir nun auch, daß die zum v'vip vip zu rechnenden o'i>a denjenigen vier a-naa entsprechen, die nur der jna trug, die übrigen pEtan aber den übrigen naina ua, womit die Richtigkeit der vorgettagenen Ansicht wieder bestättgt sein dürste. Uebrigens dürste n-naa in besonderer Beziehung zum nivpn na,» stehen, ebenso wie möglicherweise — was aus dem Text noch näher zu belegen wäre, aber an sich dem Wesen dieser ta’^a gut entspricht — ]nbv zum n^ijw nata. Elfteres ergibt sich aus 30.7, 8; vgl. Hirsch dortfelbst. Dementsprechend die Zusammengehörigkeit von 7'» und naasa; vgl. 28.37. Es ist ferner, obgleich sowohl nivpn nivpn als auch nnan npi-ini navn durch jeden vi'in pa gefchehen konnte, 30.7, 8. nur von nn«, also dem Vna pa die Rede (pam zur Stelle), womit also wohl nicht nur nivpn »ata' was nach obigem ohne weiteres verständlich ist, denn antn nata gehörte ebenso wie 7'» zum Bereiche des (a'snp enp) ‘pvn pa — sondern auch nnaa in eine beson dere Beziehung zum i>na fna gesetzt wird. Dazu würde dann gut passen, daß auch bezüglich der, der ,miaa entsprechenden, Kopfbedeckung ein Unterschied zwischen (Vra p ) naas •> und (vi'in pa) niraaa bestand, und daß gerade niitaaa, die die v'ana als Gehilfen und Stellvertteter des pa bezüglich der eigentlich diesem in erster Linie zustehenden Aufgabe der „Erleuchtung" und Belehrung des Volkes Gniaa) erscheinen ließen, ihnen besonders ni«anl»i niaa^ gereichten (28.40, 39.28). Sie stehen darum 28.40 am Schlüsse, anders als ns»a 28 39. Später fand ich, daß 'a pbn nrtn iapia ni>i»n nun iao 'o pia im Namen des iivn mir ivo dem Gedanken der Parallelität von ripan und naina paa wie folgt bringt : siM bV im» '»n pom ^npnn ’VaV o»roii an a»uan ii>«v rr"' -'.iv nini^n anav^ wi«n anaai »ia i v« p« mm!>n b» »aarr, anaw 7'tni .v'aiiai» nrw »aam ,Nivai> i'v'na bv msrni >'pbx anaa vtn nrvH »ioan naivi» ^»yam ,B.rVy jairn iiaart taa 'nb tnp ia 13 Etai^a panr *ti»ai np »iaa I«ipa mbw'i ,pvan i>a 7'vaa vnv •b~zy snipai ttnp «in Man sieht also eine weitgehende Uebereinstimmung mit Obigem, allerdings auch mit wesentlichen Abweichungen. Es erübrigt sich wohl der Hinweis, daß ttotz der aufgezeigten „Parallelität" die narno paa gegenüber den »■»pan »5a eine modifizierte Bedeutung Hab n. Vgl. besonders die Begründungen der nun 28.12, 29, 30, 35 sowie den merkwürdigen Umstand, daß ms» im Gegensatz zu 28.4 in der folgenden Einzelanordnung als erstes naa, also vor ]®n dargestellt wird Weitere Anregungen krittscher wie ergänzender Natur wären erwünscht. Gerade die pr&n *Va bieten hierfür eine Fülle von Ausgangspunkten. Gewiß ist, daß nicht nur auf diesem Gebiete, sondern auch in allen übrigen, sowohl geschichtlichen, wie gesetzlichen Teilen der nun die auch im Obigen angewandte vergleichende Methode noch wesentliche Ergebniffe und Anregungen erzielen kann Ein Beispiel hierfür dürste etwa die Geschichte der nia« sein. . Jsr. Aleines Feuilleton. (Palästinensische Briefmarken in der Kunstsammlung der Berlin« Gemeinde.) Gin« interessante Bereicherung der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde bedeutet die von Seiten eines bekannten Briefmarken Händlers ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.