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Der Israelit · 1931-02-19 · Heft 8 (19.2.1931) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 8 (19.2.1931)
Date
1931-02-19
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 2 Nr. 1 und mit aller Kraft sich für den Kampf ums Dasein einsetzen, ist selbstverständliche Pflicht, ohne die ein Erfolg nicht Möglich ist. Doch auch soll uns dieses Chafak l-ehren, daß wir uns ein unverlierbares Erbe auf unserem Lebensweg bewahren sollen: das Vittochaun, das Vertrauen auf diie gütige g'ttliche Vorsehung, die unfern Vätern Kraft und Mut und Hoftnungsfreudigkeit auch in den schwersten Stunden ihres oft bitterharten Ganges durch die Wettgeschichte verlieh, das sie aufrecht erhielt in dem Schmelztiege! ägyptischer Tyrannei, das sie in finstersten Zeiten des Mittelalters befähigte, freudig ihr Leben hinzugeben für die Heiligung des g'ttlichen Namens, das ihnen in den Ghettomauern das Dasein verschönte und die herrlichsten Blüten und Früchte am geistigen Baum des Judentums hervorzauberte. Dieses G'ttvertrauen soll auch uns Stütze und Stab in dem schweren Ringen der Gegenwart sein, wo uns neben der wirtschaftlichen Bedrängnis eine Flut von Haß und Feindschaft von außen her umbraust. Daß sich dieses Vertrauen in uns erhall, dazu soll alljährlich unsere Tagung beitragen, auf. der wir aus den Geistesschätzen g'ttbegnadeter Redner Wissen und Begeisterung für unser Judentum schöpfen, die uns den Alltag zum Fest weihen und in uns den lebensbejahenden Optimismus erwecken und erhalten. Und so darf ich Sie, hochverehrter Herr Ministerialrat Goslar, aufs Herzlichste hier bei uns begrüßen und Ihnen aufrichtigen Dank dafür aussprechen, daß Sie es trotz Ihrer überaus starken beruflichen Inanspruchnahme und Ihrer Erkrankung ermöglichen konnten, unsere Einladung anzunehmen und unsere Tagung mit Ihrer Anwesenheit zu beehren. Der gute Klang Ihres Namens, Ihre Eigenschaft als hoher Beamter des Preußischen Ministeriums bürgt uns dafür, daß kein besserer dazu berufen ist, auf die uns alle so tief berührende Schicksalsfrage nach der Zukunft des deutschen Judentums eine Antwort zu erteilen; Ihre innere Verbundenheit mtt den hohen Zielen und Aufgaben unseres Vereins wird uns Ihre Teilnahme an der Tagung ganz besonders wertvoll machen. Und so, wie wir überzeugt sind, daß Sie uns ein guter Wegweiser sein und zur Erhöhung unserer Festesstimmung beitragen werden, so hoffen wir gern', daß auch Sie sich in unserm Kreise wohlsühlen und daß Sie uns eine freundliche Erinnerung bewahren. Ich begrüße ferner: die ehrwürdigen Herren Rabbiner, die Vertreter beider Synagogengemein- Jüdischer Volkssre -u n d den, der Kölner Großlogen und der verschiedensten Korporationen und Vereine. Sile Me heiße ich willkommen unifr danke Ihnen für Ihre Teilnahme an unserer Tagung. Es gehört zur Tradition des Vereins, daß sich unter feinem Panier alle das Judentum bejahenden Kräfte zusammensinden, sowohl die, die in Lehre und Leben auf dem gesetzestreuen Boden stehen, wie aber auch alle die Brüder und Schwestern, die in ihrer praktischen Lebensführung — fei es infolge Erziehung oder äußerer Verhältnisse — da und dort von diesem Wege abirren. Jeder, dem die Erhaltung des positiven gerichtlichen Judentums, dem die Förderung feiner Interessen am Herzen liegt, der als die Grundlage allen religiösen Lebens das uns am Sinai gegebene G'ttesgesetz anerkennt, gehört zu uns. Gemeinsam wollen wir an dem guten Werke arbeiten und uns in gegenseitiger Liebe und' Achtung begegnen. Was hat uns das abgelaufene Vereinsjahr gebracht? Wiederum hat der Tod' Lücken in unsere Reihen gerissen. Ich habe die schmerzliche Pflicht, der treuen Weggenossen zu denken, die in dem Berichtsjahr ihre Augen zum ewigen Schlummer geschloffen haben und die in die himmlischen Gefilde eingekehrt sind. Herr Moses Heymann in Ahrweiler, das langjährige Mitglied unseres Ehrenbeirates, das mir bä der vorigen Jahresversammlung in den Vorstand wählten, konnte dies Amt leider nicht ausüben. Der treue Zionswächter an der Ahr, dessen lautere, reine Gesinnung ihm Ehre und Ansehen auch bei unseren nichtjüdischen Mitbürgern verschaffte, mußte in der Blüte seiner Jahre seinen irdischen Wirkungskreis verlassen.' Herrn Juda Hartmann in Mayen, auch Mitglied unseres Ehrenbeirates, haben wir vor einigen Wochen in die kühle Erde gebettet. Ihm, der in den letzten Jahren ununterbrochen unsere Versammlungen hier besuchte, um den in ihm glimmenden Funken zur flammenden Begeisterung für den jüdischen Gedanken entfachen zu lassen, mußten wir trauerersülll aus der letzten Versammlung, die für ihn bei seinem letzten Wege auf den Bejs Hachajim in Mayen einberufen war, Worte des Abschieds, aber auch des Dankes für seine Treue zu uns weihen. Auch e r ist uns und' ferner Gemeinde ein unersetzlicher Verlust. Mögen die Seelen' dieser edlen- Männer im Gan Eden der wahren Glückseligkeit zuteil werden; möge ihr Verdienst uns beistehen, - 19. Februar 1931 das Andenken an die Gerechten gereiche zürn Segen. - . Meine Damen und Herren'! Die Not der Zei-r blieb für uneren Verein nicht ohne betrübliche Folgen. Von einer großen Anzahl Mitgliedern blieb die Beitragszahlung aus. - Die einzelnen Ziffern werden Sie nachher von unserm Herrn Rendanten erfahren. Daß wir genötigt waren, unfern Aufgabenkreis enger und enger zu ziehen und ihn auf das Allernötigste zu beschränken, ist. dadurch verständlich. Wenn wir dennoch Vieles aufrecht erhallen konnten, so verdanken wir das nach der ideellen Seite hm unserm- Herrn Vereinsrabbin-er, in materieller Hinsicht unserm Herrn Rendanten. In ca. 130 Reisen besuchte Herr Dr. Wolf die uns angeschl-ossenen Gemeinden, hielt in zahlreichen Fällen Vorträge, prüfte Schulen, Schochtim und Mikwoaus. Im Gegensatz zu den kaufmännischen Reisenden, dern Besuch bei der' Kundschaft, insbesondere in der schlechten Konjunktur, nicht immer gern gesehen und deren Erfolge nicht immer auf gleicher Höhe mit den Mühen stehen, ist unser oberster Führer ein immer gern gesehener Gast. Seine volkstümlichen Vorträge werden überall gerngehört. Die Saat, die er in die Herzen pflanzt, hat manche schöne Blüten und Früchte gezeitigt. Ueberall bleibt er bemüht, die versiegten Brunnender Religion aufs Neue zu erschließen und aus ihnen, das lebendige Quellwasser der Tauroh schöpfen zu lassen. Der Zauberftab seines erfolgreichen Wirkens ist das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, ist die Gewissenhaftigkeit, mit der er seines Amtes waltet und nicht zuletzt d-as gute Vorbild und die heilige Ueberzeugungskrast, die ihm innewohnt. Je größer der seelische Druck, desto empfänglicher und dankbarer sind wir für ein gutes Wort, das uns stärkt und ausrichtet, desto beseligender ist das G'ttvertrauen. mit dem wir erfüllt werden. Darum darf ich wohl, ohne Widerspruch zu finden, sagen, daß diese Tätigkeitunseres Vereinsrabbiners, dieses Darbieten der geistigen und seelischen Nahrung die wertvollste Aufgabe unseres Vereins'ist und ich spreche sicherlich in Ihrer aller Namen, wenn ich Herrn Rabbiner Dr. Wolf für sein hingebungsvolles, rastloses und' opferfreud'rges Wirken unseren tiefgefühlten Dank ausspreche. Ebenso aber wie „Im Ein Tauroh Ein Kemach", ist auch „Im Ein Kemach— Ein, Tauroh", ohne Geld kann kein Krieg geführt werden und ohne Mittel sind die Aufgaben des Vereins nicht durchführbar. Daß das, was in materieller Hinsicht uns zu leisten möglich war, überhaupt Verlag der Bibliothek des Jüdischen Volksfreundes Cöln: Hohenstaufenring 14. , Cöln: Hohenstaufenring 14. Postscheckkonto des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands Cöln 50648. „UeberSetzungen und Bemerkungen zum Pentateuch“ rrnnn d^vh von Rabbiner Dr. B, Wolf-Cöln, Der Commentar erscheint in einzelnen Wochenabschniftten. Preis jedes Heftes Mark 1.— Ganz mtPim geh. zu haben bei Sänger & Friedberg in Frankfurt a. M. Ganz broschiert zu beziehen durch den Verlag oder durch sämtliche Buchhandlungen des In- und Auslandes. ^^::+:/+..+^-8^.::++/.:/+..^::..:^^...:++:2B

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