Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 8 (19.2.1931)
- Date
- 1931-02-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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19. Februar 1931 D e r Israelit Nr. 8 oeite 7 seinerzeit von der deutschen Reichsrejzierung in einer Novelle zum Sonntagsruhegesetz formuliert, besagen, daß Geschäfte, die i ihrem Personal gleicher Konfession eine unterbrochene 25 ständige Sabbathruhe sichern, am Sonntag eine Anzahl von Stunden hindurch dieses Personal beschäftigen dürfen. Zum mindesten könnte dadurch den Engrosgeschästen, wennauch nicht den Ladengeschäften, eine gewisse Erleichterung geschaffen werden. Schweiz. Gegen eine Kalenderreform mit Blankotag. Zürich, 12. Febr. In der ersten Sitzung des schweizerischen Nationalkomitees für die Kalenderreform betonte eine hervorragende Persönlichkeit, daß die im Werke befindliche Sammlung von Unterschriften gegen den Blankotag seitens der Juden in Verbindung mit den Widerständen aus anderen religiösen Lagern unter Umständen ein sehr gewichtiges Moment gegen die ganze Kalenderreform darstellen würde. Ein Universitätsprofessor führte aus. daß die Notwendigkeit der ganzen Kalenderreform sehrernstlich zu bestreiten wäre und daß ein besonderer Nutzen in ihr nicht zu erblicken sei. England. Rückkehr der englischen Palästinapolikik zum Churchill-Weißbuch. London, 15. Febr. Als schöner Erfolg der Verhandlungen zwischen der Jewish Agency und der Regierung ist der soeben veröffentlichte Brief des Premier Macdonald an Dr. Weizmann anzusehen, der zwar keinen vollen Rückzug bedeutet, aber doch mindestens eine wesentliche Minderung der im „Weißbuch" enthaltenen Maßnahmen enthält. Auch der Tatsache kommt Bedeutung zu, daß der Brief nicht vom Kolonien- oder Außenminister, sondern vom Ministerpräsidenten selbst geschrieben und unterzeichnet ist. Im Briefe wird betont, daß das jüdische Nationalheim in Palästina nicht allein für die Juden Palästinas gedacht sei, sondern für das jüdische Volk in der ganzen Welt. Das Weißbuch sei nicht als Kritik an der Arbeit der Zionisten aufzufassen. Die Vorteile, die die jüdische Aufbauarbeit dem Lande gebracht hat, werden im Gegenteil voll anerkannt. Ebenso wird die positive Verpflichtung Englands anerkannt, die jüdische Einwanderung und Ansiedlung in Palästina zu erleichtern — soweit hierdurch die Interessen der anderen Devölkerungsteile nicht geschädigt werden. Unter den „landlosen Arabern", von denen im Weißbuch die Rede ist, sind nur diejenigen Araber zu verstehen, die direkt durch jüdische Landkäufe bodenlos geworden sind. Aber auch durch Entschädigung dieser Kategorie soll die Durchführung des Planes für die Landentwicklung zum Aufbau des jüdischen Nationalheimes nicht beeinträchtigt werden. Das Ausmaß des für die jüdische Kolonisation in Betracht kommenden Kulturbodens soll in allernächster Zeit festgestellt werden. An eine Ansiedlung im Gebirge ansässiger Araber in den Ebenen ist nicht gedacht. Es werden Siedlungsmöglichkeiten für die Bergaraber an Ort und Stelle geschaffen werden. Die Regierung wird die jüdische Einwanderung nicht hemmen, sofern durch jüdische Unternehmungen den Einwanderern Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Die Verwendung jüdischer Arbeiter bei öffentlichen Arbeiten geschieht nicht nach Verhältnis der jüdischen Vsvölkerungszahl, sondern der jüdischen Steuerleistung. Bei jüdischen Unternehmungen wird die Verwendung reinjüdischer Arbeiter gutgeheißen. Der Brief schließt mir einem Appell an alle Bevölkerungsteile zur friedlichen Zusammenarbeit. Dr. Weizmann erklärte einem Vertreter der ITA., daß mit diesem Zugeständnisse das Verhältnis zwischen Negierung und Zionismus hergestellt und eine Basis zu neuen Verhandlungen geschaffen ist. Im Unterhaus erklärte Macdonald auf verschiedene Anfragen, daß sein Brief an Weizmann als „autoritative Interpretation" des Weißbuches zu betrachten sei. Bon zionistischer Seite wird angestrebt, die Vorlageder ganzen neuen Regierungserklärung im Unterhause durchzusetzen, wodurch der Brief den Charakter eines parlamentarischen Dokumentes erhielte. Wie man hört, werden die Vertreter der Jewish Agency schon in den nächsten Tagen mit den Veri ' tretern der Regierung zu neuen Verhandlungen Zusammentreffen, diesmal auch unter Mitwirkung von John Hope S i m p f o n. Die Iewish Secondary School. London, 1.2. Febr. Eines der schönsten Denkmäler, das sich der unvergeßliche Rabbiner, Rabbi S ch ö n f e l d , errichtet hat, ist die Jewish Secondary School. Unter bewährter Leitung und Mitwirkung hervorragender Lehrer sucht sie die Schüler zu Menschen und Jehudim zu ertüchtigen, die, auf der Höhe der Kultur, Treue zum Judentum bewahren und Kenntnis seiner Lehren besitzen, ganz nach der Methode, wie sie S. R. Hirsch mit seiner Schule in seiner Gemeinde dem modernen Judentum vorgezeigt hat. Auch für andere Länder und nicht zuletzt für Deutschland kann die Schule ein Segen sen. In einer Zeit, da mehr denn sonst zu einer anderen Zeit Bildung Macht ist, schickt manch einer seine Kinder für ein Jahr oder weniger ins Ausland, um dort fremde Sprachen zu erlernen. Dem Kinde gesetzestreuer Eltern bietet aber die englische Schule die Gelegenheit, nicht allein für gründliche Erlernung der englischen Sprache, sondern zugleich auch gute jüdische Fortbildung. Zur Besserung der finanziellen Lage der Schule wird am 24. Februar im Savoy-Hotel ein Diner veranstaltet, für das ein Komitee von prominenten Führern der englischen Judenheit alle Vorbereitungen trifft. Unter den Männern, die dem Komitee angehören, finden wir Nathan Laski, Sir George W. H. Jones, Elkan N. Adler, D. S. Sassoon, Chiefrabbi Hertz, Chacham Dr, Gaster, Major H. L. Nathan u. v. m. Der Kassierer der Schule, der sich um dieselbe erheblich verdient gemacht hat, ist der auch in Frankfurt bekannte Herr A. L i s s a ck. Wir werden über den Verlauf der Veranstaltung noch berichten. Frankreich. Warnung an Emigranten vor Auswanderung nach Argentinien über Uruguay. Paris, 1. Febr. Die I. T. A. erhält von der Direktion der Hias- Zca-Emigdirect („Hicem") die folgende Mitteilung: Im Zusammenhang mit der Erhöhung der Gebühren für das Einreisevisum nach Argentinien ist eine Neigung unter den Emigranten bemerkbar, nach Argentinien via Uruguay zu reisen; sogar 'Emigranten, die in Argentinien Verwandte haben, glauben die Einreiseerlaubnisse von Uruguay aus schneller bekommen zu können. Dies ist aber keineswegs der Full. Wie das Komitee der „Hicem" in Montevideo mitteilt, ist die Erhöhung der Gebühren für das argentinische Visum von 3 Dollar auf 33 Dollar auch für Emigranten aus Uruguay gültig. Das argentinische Konsulat in Uruguay, ebenso wie die Konsulate in Europa, erteilen das Visum ausschließlich an Emigranten, die eine Einreiseerlaubnis („Llamada") vorlegen können. Es hat deswegen gar keinen Zweck, nach Uruguay zu gehen, um dort auf die Erledigung der Formalitäten seitens der Verwandten in Argentinien zu warten, denn dies ist mit einem großen Zeit- und Geldverlust verbunden. Es wird deshalb sämtlichen Emigranten, die nach Argentinien zu gehen beabsichtigen, dringend empfohlen, das Eintreffen der Einreiseerlaubnis in Europa abzuwarten; insbesondere bezieht sich dies auf Frauen, die sich nach Argentinien zu ihren Männern begeben möchten; auch diese weiblichen Auswanderer müssen das Eintreffen der „Ltamada" in Europa abmarten, denn in Uruguay würden sie bei der Landung aus große Schwierigkeiten stoßen. Amerika. Ehegatten amerikanischer Bürgerinnen wird die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert. Newyork, 3. Febr. Im Gebäude von Hias fand eine Versammlung von 200 jüdischen amerikanischen Staatsbürgerinnen statt, deren in Europa befindlichen Ehegatten von den dortigen amerikanischen Konsuln die Erteilung der Einrciseb--/- willigung nach den Vereinigten Staaten bisher verweigert wurde. Die Versammlung faßte eine Protestresolution gegen dieses mit den in Geltung stehenden Einwanderungsgesetzen in Widerspruch stehende Vorgehen der amerikanischen Konsule im Ausland. Es wurde beschlossen, Mitglieder des Repräsentantenhauses und' des Senats um eine Intervention bei der Regierung in dieser Angelegenheit zu ersuchen. Palästina. Die Assesath Haniwcharim Jerusalem, 12. Febr. Am Montag nachmittag trat die neugewählte Jüdische Nationalversammlung (Assesath Haniwcharim) zur ersten Sitzung zusammen. Den Vorsitz führte David Ben G u r j o n. Das Präsidium wurde aus sämtlichen Parteien paritätisch zusammengesetzt. Die Revisionisten, deren Führer Jabotinsky nicht zur Stelle ist, lehnten eine Vertretung im Prsiädium ab und erklärten gleich zu Anfang, daß sie ihre Beteiligung an der Nationalversammlung von dem Verhalten derselben zu den Verhandlungen der I. A. mit der englischen Regierung abhängig machen. Viele Begrüßungen liegen vor. Die Palästinaregierung ist bei der Eröffnung nicht vertreten und es liegt auch keine schriftliche Begrüßung von ihr vor. Nach Worte,i des Gedenkens für die Toten feit der letzten Versammlung referierte Dr. A r l o s r o f f über die politisch eund wirtschaftliche Lage in Palästina. Er verteidigt de Verhandlungen mit der englischen Regierung und fordert die Schaffung eines moäus vivei.di mit den Arabern. Das Recht der Juden auf Palästina bleibe aber davon unabhängig. Ben Z w i erstattet den Bericht des abtretenden W a a d L e u m i. Er bespricht die Schwierigkeiten, unter denen der Waad Leumi seit den Augustunruhen zu arbeiten hatte. Eine Resolution gegen die Verweigerung einer Einreisebewilligung für P a l ä st i n a wurde einstimmig angc.nommcn. Damit erreichte die Eröffnungssitzung ihr Ende. Schon in der ersten A r b e i t s s i tz u n g kam es zu der erwarteten Kollision mit den Revisionisten. Ben Gurjon warnt die Opposition vor Obstruktionsversuchen. Hatte doch Jabotinsky im Jahre 1922 selbst das Weißbuch mir unterschrieben und seine Freunde aufgefordert, dem Hochkommissar Vertrauen auszusprechen. Ein Judenstaat, der darauf ausginge, die Araber zu beherrschen, würde von der jüdischen Arbeiterschaft abgelehnt werden. Daraus erklärte Wolfgang von W e i s l von den Nevisionisten. seine Partei bekämpfe alles, was sich hinter Weizmann stellt, also auch die Arbeiterpartei. Weigmann helfe England, eine panislamitische Union mit dem Mittelpunkt Jerusalem zu schaffen. Das wollen sie nicht mitmachen. Rabbi Ostrowski beschwört mit einem Referat über die Beziehungen zwischen WaadLeumi und dem Rabbi nischen Rat eine siebenstündige, zeitweise sehr stürmische Debatte hervor. Misrachi wünscht, daß der Waad Leumi gegen alle Verstöße gegen die Religion in Palästina scharf eintrete. Die Arbeitervertreter schreien nach „Gewissensfreiheit". Die Revisionsten, die in letzterer Zeit mehr als in einem Punkte mit Misrachi Zusammengehen, suchen zu vermitteln. Es wird noch Bericht erstattet über Budget und Gemeindesteuern. Auf Grund einer Wahlnachprüfung scheidet David Pellin aus und an seiner Stelle zieht Epstein als fünfzehntes Mitglied der Revisionistenpartei in die Versammlung ein. Die Arbeiterorganisation unterbreitet Resolutionen und Anträge. Sie wünscht, unter Protest der Revisionisten, Verhandlungen mt der Negierung und Einberufung einer jüdisch-arabischen Verständigungskonferenz. Die Abendsitzung stand unter dem Eindruck der gerade eingelaufenen Nachricht von dem Briefe Macdonalds an Weizmann. Die Nachricht löste größte Erregung aus. Die Revisionisten verlangen stürmisch sofortige Abbrechung der Debatte und Stellungnahme zu der neuen Lage. Das wird abgelehnt. Man entschließt sich aber, das von London eingetroffene Telegramm zu verlesen. Sodann aber setzt man die Verhandlung über die aus der Tagesordnung stehenden Punkte fort. Man spricht über sanitäre Institutionen und Erziehungswesen, lieber letzteres Thema referieren eingehend Dr. B. Mo f f i n - f o h n und Salman R u b a f ch o w. Die Absicht der Revisionisten, unter dem Eindruck des Brieses die Assesath Haniwcharim zu sprengen, ist mißlungen. Es wurde zum Schluß eine Delegation aus der Versammlung zum Hochkommissar mit einem Protest ge^en die Eint reiseverWeigerung für Jabotinsky abgesandt. Schlußsitzungen der Assesath Haniwcharim. Jerusalem, 16. Febr. Am Donnerstag erreichte die Opposition der Revisionisten gegen eine Verhandlung mit der englischen Regie-