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Der Israelit · 1931-02-19 · Heft 8 (19.2.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 8 (19.2.1931)
Date
1931-02-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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19. Februar 1931 derponstranten. Hier treten die Massen des Volkes in einem eklatanten 'Fall - sich - erstmals-!höchst bezeichnend gegenüber mi-t der Lösung-: Hie Krieg — hie Frieden. Der Kampf gegen die „jüdischen" Filme ist hier typisch. Er wird sicher weitergehen, weil Vernunft, Gefühl, Kultur und wahre Zivilisation sich den Wahnsinn eines Massenmordes nicht gefallen lassen; denn nichts anderes.ist der Krieg, mag man das Menschenschlachten auch mit hohen Orden verbrämen. Im. Gaskrieg falls sogar hinter Frauen, Kinder und' Greife gehen- und die Giftnebel im belgischen Maastal boten jüngst einen traurigen Vargeschmack hierzu. Nein, der „Frontgeist" hat der Menschheit an Tugend, Gesittung und Fortschritt nicht das Geringste zu bieten. Solch erhabene Dinge gedeihen nur in der sonnigen Sphäre des bürgerlichen Friedens, der Religion, der,menschenverbrüdernden Kunst und Wissenschaft.' Öder hatte die Menschheit einen Fortschritt davon-!daß die Russen im Frühjahr 1813 die Leichen von 200 000 erstarrten Fran- Zvsen verbrannten? Krieg kann nur verrohen, entsittlichen, verwildern und vevrpüsten, ,rrieherreißen und zerstören. Was man von ihm als fögenanNte übermenschliche Leistungen und Errungenschaften zeigen möchte, sind nur gleißende Giftbeeren, ist Betäubungsmittel für das. wache Gewissen der Menschheit. In der Wertung des nwnWiche-n Lebens fteht mohl daL Judentum an der Spitze. Geht es doch soweit, von einem itd’DW tn zu reden, wenn man jemandem die Schachröte ins Ängesicht treibt. Hier liegt eine Art und Form von Blutvergießen vor, wegen der damit verbundenen Schädigung der Gesundheit, die letzten Endes auf eine, wenn auch noch so minimale Verkürzung des Lebens hinausläuft. Fein-' fühliger und weitherziger kann das Verbot H1? nmn wohl kaum gefaßt werden. Der Jude nennt den menschlichen Körper einen Bau G'ttes.^ Mag man noch so sehr die realen und Kunstwebte beklagen, die der entsetzliche Weltkrieg grausam vernichtete:. der menschliche Körper mit seinen gefunden Anlagen und normalen Kräften ist und bleibt die herrlichste und kunstvollste Maschine und es muß uns tief erschüttern;, wenn wir einen Krüppel sehen, der nicht durch Krankheit, sondern in mörderischer Schlacht seine gesunden, schönen Glieder einbüßte, im Kampfe mit Menschen, denen er nie was zuleide tat, die auch ihn nie gesehen und gekränkt. Darum stehen wir als gläubige Juden treu zur Fahne des Pazifismus und begrüßen aufrichtig jede Aeußerung der Friedensbewegung. Die rohen Szenen der Filmftürmer in den jüngsten Wochen werden uns daran nicht irre machen. Zum Kampfe für den Frieden gehört auch Heldenmut, wie überhaupt alles Gute -erkämpft werden muß. In diesem Kampfe soll man uns Inden in vorderster Front treffen und nicht als Feiglinge finden. Es ist erfreulich, daß führende Männer der Politik sich von der Kriegshetze ab wenden upd daß beispielsweise der Exekutivausschuß des l Internationalen Sekretariats der Katholischen- Parteien jüngst kraftvoll Stellung genommen hat für die Weltfriedenspolitik und gegen das Wiederaufleben eines intransigenten Nationalismus. Wir Juden, die Nachfahren eines Jesaja, haben dem nichts hinzuzufügen. Es zerschelle das Schwert, es sterbe der Krieg, ' 'sslebe der Friede! Korrespondenzen « Hacbricbten. Deutsches Reich. Vereinstag der «Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums^. Frankfurt«. M., 13. Febr. Der Vereinstag der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" fand am Sonnlag, den 8. Februar 1931, im Hörsaal der Israelitischen Der Israelit Nr. 8 Sette 5 Religionsgesellschaft Frankfurt a. M. bei Anwesenheit zahlreicher Delegierter von auswärts statt. Herr Leo Wreschner eröfsnete die Versammlung mit einem Hinwies, daß die „Freie Vereinigung" in Zusammenarbeit mit allen. gesinnungsgenössischen - Organi sationen steht, Der von Herrn Emil H. Lehmann ver- Berlin. Ein nationalsozialistischer Parteiführer hatte in einer Versammlung bei Insterburg behauptet, „das auserwählte Volk würde in der deutschen Judenrepublik herrschen". Er bekam nun wegen Vergehens gegen das Republikschutzgesetz drei Monate Gefängnis. — Der Kultusminister Dr. Grimme erklärte im Haushaltungsausschuß des Preußischen Landtages, daß er die Bildung eines Studentenrechtes begrüße, aber nur unter der Voraussetzung, daß diese Körperschaft auf Grund des staatsbürgerlichen, nicht aber des Raffenpriyzrpes gegründet wird. — Eine Verlagsgesellschaft. istins Leben gerufen worden,! mit dem Zwecke.,!die erste Enzyklopädie,! in jiddischer' Sprache herauszugeben. Die Enzyklopädie soll neben den allgemeinen Wissenschaften alle jüdischen Probleme eingehend behandeln.- — Auf der Hauptausschüß-Sitzung der „Deutschen Stuben tenschn fl" wurde der Beschluß gefaßt, - daß sich in nächster Zeit alle Einzelstüdentenschaften mit dem Problem des „Numerus clausus auf Volksdeutscher Grundlage" beschäftigen sollen. Durch diesen Beschluß werden also alle Mitglieder der Deutschen Studentenschaft verpflichtet, sich hinter die antisemitische Parole: „Ausschluß jüdischer Studenten vom Hochschulstudum" zu stellen. München. Die Deutsche Akademie veröffentlicht einen Programmentwurf für die j i ddische Abteilung des Rahfprachen- I n st i t u t s, verfaßt von Dr. Salomon Birnbaum, Lektor für Jiddisch an der Hamburger Universität. Wien. Am Sonnabend, den 14. Februar, verstarb in Wien der langjährige Rektor der Wiener Israelitischen Theologischen Lehranstalt (Rabbinerseminar), Professor Dr. Adolf Schwarz, im 85. Lebensjahre. Bukarest. In R a d a u z (Neurumänien), gab es wieder ernstliche Judenkrawalle. Für die zweite Februarhälfte ist in Jassy ein antisemitischer Kongreß angesagt, auf dem u. a. Cu za als Redner auftritt. Prag. Bei der Verteilung des M a s a r yck - I u b i - läumsfonds in der Höhe von 20 Millionen Kronen sind die Juden leer ausgegangen. Alle anderen nationalen Minderheiten erhielten namhafte Summen für ihre kulturellen Zwecke. Sofia. Entgegen der von uns veröffentlichten Erklärung des bulgarischen Unterrichtsministers teilt die Jüdische Tageszeitung „Unsere Zeit" in Bulgarien mit, daß zur Zeit keine Einwanderungsmö glichkeiten für Juden in Bulgarien gegeben sind. Kairo. Der Oberrabbiner von Alexandrien, Prof. David Prato, wurde vom König von Italien mit einem hohen Orden ausgezeichnet. Warschau. Der „Joint' hat zur Stützung der einzelnen Genossenschasts-!> banken,' diö infolge Iber Krisis und der damit « ' verbundenen Zurückziehung der Depositen; in' Bedrängnis kommen, eine Summe von Dollar 100.000 überwiesen Moskau. lEinHiPM'eß, , Her jetzt gegen christliche Bergarb e!i;t e t wegen M i ß.h a n d lu n g j ü d i f $ er .'jß;eÄr-•' linge ausgeträgien witd, zeiaft. i daß -per Kampf der Sowjets -gegen den Antif emi* ■' tismus noch nicht zum Siege geführt hat. Auch Kommunisten beteiligten sich an den Mißhandlungen. Schwere Strafen wurden verhängt und scharfe Maßnahmen für die Zukunft getroffen. Jerusalem. Die Newyorker „Arhusah" errichtete auf einem Bodenkomplex von 5000 Dunam in der Nähe von i Rechowoth eine neue Kolonie. Es sollen sich dort jüdische Orangenzüchter aus Amerika ansiedeln. — Eine strengere Handhabung der Einreife- und Aufenthaltsvorfchrift ten in Palästina ist zu beobachten. In den letzten Wochen wurden etwa 100 Araber aus dem Hüurän aus Palästina ausgewiesen. — I Der Arbeitersportklub „Hapoel" schickt eine Ab- I teilung von Radlern und Motorradfahrern zu I der in Wien im Sommer stattfindenden Arbeiter-Olympiade. Moderner Hellenismus/ lesene Bericht schilderte die Tätigkeit der „Freien Vereinigung" im abgelaufenen Jahre auf dem Gebiete der Förderung kleinerer Gemeinden, religiöser Institutionen, wie Synagogen-Reparaturen, Herstellung von Ritual- ZU PURIM 6 Karten von Mk. 3.< stark ermässigte Preise an Photo-Samson & Co., Zeil 102 Telefon; 25379 direkt neben M. Schneider bädern, Beihilfe für Rabbiner- und Lehrer-Gehälter. Stipendien für begabte Zöglinge jüdischer Lehranstalten, Beschaffung verbilligter Mazzoth für 82 Gemeinden |unb eine Reihe von Einzelpersonen, Herstellung von Tefillin und Mesusoth. , Ueber das zukünftige Arbeitsprogramm der „Freien Vereinigung" referierte namens des Vorstandes. Herr Dr. Salomon E h r m a n n. Er bezeichnete es als vornehmste Aufgabe der „Freien Vereinigung", der Idee der religiösen Sehnsucht -der Gegenwart entgegen zu kommen und durch geeignete Veranstaltungen ' in den großen Städten die ewige Wahrheit des überlieferten Judentums durch Vorträge und Aussprachen auch jenen Kreisen nahezubringen, denen durch Elternhaus und Schule keine jüdische Erziehung vermittelt war. In den kleineren Gemeinden scheint es nötig, durch geeignete Kräfte allsonntäglich von der „Freien Vereinigung" aus Vorträge und Aussprachen über jüdische Themen zu veranstalten. Im Anschluß an einen Bericht des Züricher Komitees betreffs der Kalenderreform weist der Referent darauf hin, daß in Deutschland bis jetzt erst 15 000 Unterschriften gesrnnmelt worden seren und daß die „Freie Vereinigung" Mitwirken möge, die Zahl dieser Unterschriften' zu vermehren. Zur Erörterung der Frage der deutschen Judenheit, der Berufsumschichtung, sei ein Gremium aus Fachleuten von der „Freien Vereinigung" einzusetzen. Die Verknüpfung der in Deutschland wohnenden Ostjuden, soweit sie der gesetzestreuen Richtung angehören, mit den deutschen Gemeinden, mit den deutschen Juden, liegt ebenfalls in dem Ausgabenkreis der „Freien Vereinigung". Zur Vertretung der jüdischen Belange vor den Behörden wird die „Freie Vereinigung" ersucht, nach wie vor ihren Schwester-Organisationen in Preußen und Hessen ihre Dienste zur Verfügung zu stellen. Ueber den augenblicklichen Stand der Schächtangelegenheit referierte im Aufträge des Schächtbüros Herr Rabb. Dr. Merzbach, Darmstadt. Nach einer kurzen Diskussion wurde dem Vorstand Entlastung gewährt. Dem Vorstand gehören nunmehr an: Isaak Wolf-Frankfurt a. M., Emil H. Lehmann- Frankfurt a. M., Dr. Emil Hirsch-Berlin, Rabb. Dr. Cahn-Fulda, Dr. Markus Hirsch-Frankfurt a. M., Viktor Löwenstein-München, Dr. Salomon Ehrmann-Frankfurt a. M., Louis Kahn-Frankfurt a. M., Leo Wreschner-Frankfurt -a. M., Rabb. Dr. Jsak Auerbach-Halberstadt, Dr. Willy Hofmann-Frankfurt a. M., Studienrat Max Munk-Franksurt a. M., Rabb. Dr. Merzbach- Darmstadt. Der Ausschuß setzt sich aus 40 Persönlichkeiten aus allen Teilen Deutschlands zusammen. Der Wettsijum des Daf Iomi . Frankfurt a. M., 16. Febr. Aus allen Städten! und Pändern,. wo Juden in Leben und Lernen zur' Thora1 haltert, langen Nachrichten über große Festlichkeiten aus Anlaß der Beendigung des gesamten Talmud am 15. Schwat ein. Uekier die itnposanten Feierlichkeiten in der Zentrale des Dal- Jaumi, in der Jeschiwa zu Lublin, haben wir bereits in den Agudablättern zur letzten Nummer berichtet. Auch find unsere Leser über die Teilnahme der Frankfurter Aguda am Weltsijum orientiert. In Jerusalem nahmen 6000 Menschen, von denen Tausende den Daf Jomi wirklich täglich gelernt haben, an den Festlichkeiten teil. Rabbi Chajim Sonnenfeld war anwesend und erfreute die Festversammlung mit einer Ansprache. Rabbi Kl atz k in (früher Lublin), einer der bedeutendsten Gaonim in Jerusalem, hielt den Hadran. Die Organisation des Festes hatte die Agnda-Jugend unter Leitung von Rabbi Mosche Blau übernommen und n hervorragender Weife durchgeführt. Rauschende Thorafreude herrschte zwei Tage hindurch und hatte Jung und Alt ersaßt. Aehnliche Berichte kommen aus Warschau. Wilna, Kowno, Lemberg, Krakau und anderen jüdischen Zentren. Zu einer besonderen Manifestation der Thora gestaltete sich der Sijum in L o d z. Dort nahm sich die Organisation „Poale Agudas Jisroel"

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