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Der Israelit · 1931-02-19 · Heft 8 (19.2.1931) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 8 (19.2.1931)
Date
1931-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 8 Der Israelit J19. Februar? 1931 Sie sind nicht in derSy n a g o g e vonTel - offener Sprache so gründlich abgeschüttelft,. daß Awiw erklungen, sondern in einer Syna - keine Türe.mehr zum Versuche einer Interessen? goge in Tel-Am iw. Das Leben draußen gemeinfchaft offen bleibt geht weiter in gewohnter Weise, mit Arbeit Und Erwerüstreiben (was gut ist), mit Volkshaus und Versammlungen, (was nicht immer gut ist), mit Demonstrationen und'Fahnen, mit Ball auf Sportplatz und im Tanzsaal, mit Schönheitskönigin, mit Karneval und Mummenschanz und allen schalen Freuden eines blasierten Europas. Und darin, in der Kluft, die zwischen Synagoge und Straße in Tel-Awiw gähnt, liegt die Tragik und die Gefahr. „Heil denen, die im Hause sitzen" (beten und lernen) lautet der eine Psalmfatz. „Heil denen, die ganz mit G'tt auf dem W e g e sind und wandeln in der Lehre G'ttes," so hebt ein anderer Psalm an. Auf die Straße und den Markt des Lebens müssen die Psalmverse und deren Lehren hinausklingen und hinemklmgen in die Herzen und'Seelen, Tanz und Tand und Tango und wie alle diese Auswüchse einer neu-europäischen Negerkultur heißen, übertönend. Dann erst könnten wir der R ek o r d l e i st i: n g der Th i l im s ä n g e r ganz froh werden, als einer Quelle, aus der die.jüdische Atmosphäre mit Reinheit und Heiligkeit gespeist wird. ' Und dennoch stehenmir voller Bewunderung, nicht allein vor den Männern, die mitten in einer Stadt des hebräischen Ueber-Europäertums solches fertig bringen! Noch mehr vor der Wunderkraft des jüdischen Geistes, der sich überall seine Zellen und seine Inseln schafft, aus denen Erneuerung zu erhoffen ist. Etwas wird in den Sphären der jüdischen Stadt von diesen vierzigtätigen heiligen Klängen geblieben sein, und einmal erleben wir es vielleicht doch noch, daß dieses Tel-Awiw der „Wall eines neuen Frühlings" für Israel und das Land Israel wird. Das letzte Berdikt gegen die'J r.r l e h r e des N a t i o n a l f o z i a l i s m it s; ikommt aus Bayern, dem Lande, das den-: zweifelhaften Vorzug hat, einen Hitler und einen Ludendorff zu beherbergen und damit dieser unglückseligen Bewegung die Residenz zu stellen. Vielleicht kennt man dort die Herren und ihr Treiben auch am besten. A ch t b a y r i s ch e D i ö z e s e.n veröffentlichen in ihren Verordnungsblättern eine Kundgebung mit gleichem Wortlauts in der dar auf hingewiesen wird, daß der N at ion also z i a l i s m u s d e m k a t h o l i s ch e n G laubenwiderstrebe und' eine neue Lehre anstelle der christlichen setzen will. Er stelle die Rasse über die Religion und lehne die alttestamentarischen Offenbarungen samt den Zehn geboten ab. Der Gedanke der „Nationalkirche", mit dem die Herren spielen, richte sich gegen die christliche Kirche., Die Bischöfe müssen ihre Gläubigen vor dem Nationalsozialismus warnen, darum fei den katholischen Geistlichen aufs strengste verboten, sich an der nationalsozialistischen Bewegung irgendwie zu beteiligen. Ebenso bleibe die Teilnahme von Nationalsozialisten in Uniform an kirchlichen Veranstaltungen verboten. - : Wie sollten,,sich auch, die Gläubigen Hitlers an „ die zehn Gebote halten? Lautet doch eines davon: „Du sollst mäht falsches Zeugnis ausfagen wider deinen Nächsten!" Und das erste und letzte Gebot des Nationalsozialismus heißt: Haffe, hetze und verleumde! Ein Licht in der Finsternis. Sucht das Auge die düstere Oede unseres politischen Lebens nach einem Lichtpunkte ab, bleibt es in der Saalmitte des Reichstages haften, wo das Zentrum seinen Sitz hat und, geleitet von seinem großen Führer an der Spitze der Legierung, tapfer und mutig, mit der Entschlossenheit von Menschen, die in zwölfter Stunde das Schiff noch retten und ans Ziel steuern möchten, den Kampf gegen eine Chaospolitik unverantwortlicher dunkler Elemente führen. Wir dürfen es geradezu als eine glückliche Fügung vom Himmel ansehen, daß zu einer Zeit, in der die gesamte Rechte, von Hugenberg bis Hitler, wie von einer wilden Psychose geschüttelt, keine andere Zielscheibe für ihre vergifteten Pfeile kennen, als den Juden, auch die ihnen, verhaßte Regierung als „Judenrepublik" 'Mschrmpfen, und bekämpfen, daß zust' In/Msem HWrstäAn.'HHment Brüning und fmtü' FmmiÄ. M.-eHaNÄche' Gefäh.t für'den Staat ^unä'dD Menschheitßgedanken erkannten und ' ihren Kächpjftmst den nie versagenden WaffH.ötzr/'RehMn- .Mt Geistigkeit/ der Mitffchen'/Uttsicht''lrrrd"-^r. Vernunft gegen diesen Seuchenherd konzentrieren. Katholische Kirchenfürsten haben sich schon in früheren Jahren klar und deutlich gegen den Nationalsozialismus ausgesprochen, seine geisttötende Wirkung auf die Jutz^nd, nachgewiesen, und haben sich damit' den unoersöhnst.chen Hast der Hitler-Leute zugezogen. DerN Beispiel des Erzbischofs von Mainz sind trotz aller Drohungen von völkischer Seite auch andere Bischöfe gefolgt und organisierte Hakenkreuzler als außerhalb der Kirche und ihrer Gnade n st e h e nd Erklärt. Die Politik hielt sich/so schien es wenigstens eine Zeitlang, reserviert. Wer aber die letzten Entwicklungen und Vorgänge im Reichstag, bis zum Exodus der Nationalsozialisten, verfolgt hat, weiß, daß die Führer der katholischen P o T i' t i k ihren.Freunden von-der Kirche bereits nachgekommen sind. Brüning sowohl wie Kaas, und alle anderen, die im Zentrum ein Wort mitzureden haben, haben alle Brücken nach der Radauecke des radikalrechten Flügels abgebrochen. Sie.haben sie in den Abrüstung. Filmsturm Von A. Mannheimer in Dettelbach. „Und Er (G'tt) wird richten zwischen Völkern und zurechtweifen viele Nationen!, daß sie ihre Schwerter zu Pflugscharen abstumpfen und ihre Spieße zu Rebenmessern, auf daß nicht ein Volk gegen das andere mehr das Schwert erhebe , und man sich nicht'mehr übe im Kriegführen." (Jesaja, Kap. 2, 4). Der erste große Künder des Weltfriedens und Völkerbundes, der jüdische Prophet Jesaja, hat nicht nur vom Weltfrieden gesprochen wie von einem schönen politischen Traum. Er faßt das Problem tiefer an. In seiner grandiosen Rede fügt er den äußerst charakteristischen Satz an „und man sich nicht mehr im Krilegffihren übe." Darin also klingt die jesajanische Friedensidee und Friedenszuversicht aus. Jesaja verlangt Abrüstung. Abrüstung, der Geister,, Das ist..die. erstem und tetztey-ffnhes.die einzige'Vorbedimgung derfriedlichen Ordnungä albst. MenschenMellschÄstlichen ünb. Zwischgnstaatttzchen.Beziehungen. Abschaffung des ^Milstgrismus, so würdq. manl.Hesäjas'!Forderung in moderner Prägung.übersetzen können. Wo man noch riesige Kasernen! erblictt, Rekruten eknexerziert, Manöver abhältgleich großen- Volksfesten, da ist man noch wett entfernt vom jesajahen Friedensideal. Die Geister haben noch nicht abgerüstet. Der Militarismus lebt, mag man ihn zehnmal 'ableugnen. Das Wort Abrüstung klingt uns seit Jahren wie gellender Höhn m die Ohren. Völkerbund und Friedensliga haben sich hier fast machtlos erwiesen. Es gibt Millionen, die den Frieden ~ enr fürchten, weil er ihrer ganzen, geistigen Einstellung zuwiderläuft. Und diese Millionen chissen ganze Staaten und Völker in chren Bann zu schlagen: denn sie sind gatte Psychologen, die auf die Unvernunft, ja die rohen Instinkte der %mten Massen spekulieren.. Der theatralische Aufputz, welcher von jeher zum ^A.eußeren des Militarismus gehörte, wird geschickt ausgenütztum hie Jugend zu bstaufchen, um die Sinne durch Illusionen zu,täuschen; denn» „der Mensch geht nur nach, dein Augenschein." Die Drahtzieher deD Militarismus inszenieren Hunderte von. sogenannten „Wiedersehensfeiern" ehemaliger Regimentsangehöriger mit Fahnen, bunten Uniformett, glänzenden Orden und ^klingendem "Spiele^ Schülkinder machen Maiägsftüge und singen MÄ^eich wollen wir FrankHich schlagen", als fei, der.moderne Krieg eine Art Schulspaziergang' in ligoldener Morgensonne. .IM sogcvrHas KfWkaüberschießeN' wiird amtlich/Mördert Und geftöM dert zur ft,Ertüchtigung deOEMgend". Wann hW der Gedanke der Abrüstung Wurzel schlagen? Am tollsten treiben es aber unsere Erzfeinde,. Nationalsozialisten und die ihnen nahestehenden GWMY. BrWyhemd und Stahlhelm-Wd udtt- Abzeichen strafft militärischer Organlsafton. Pazisist gleich Väterländsverräter, .eine bekannte Gleichung. Ihnen blüht im „Dritten Reich" der Galgen. Als ob man das im Auslände nicht wüßtet Würde Deutschland —- angenommen —' von den Tributlasten befreit, ihm die Kolonien wieder zurückerstattet, würden Oft- und Westgrenzen entsprechend reguliert, so wärenjene Kreise trotz-? dem unbefriedigt, weit sie einen „glänzenden Waffensieg" brauchen. Die Friedensfeinde find auch die größten Judenfeinde. Heimwehr und andere Verbände macht man mobil und überall unter-antisemitischer Führung. qw ris rn ' lös? nK “pr /n . Sie ahnen und. wissen ganz genau, sie gang richtig, daß Israels „Macht" nur der Frieden ist, für den einst Jesajas Propheienftimme so laut Und lieblich, so wahr und wundervoll einst ertönte. Ihr gilt der Kampf. Der Kampf für Abrüstung und Frieden wird trotz ö>er brandlenden antisemitisch-militaristischen Welle nicht erlahmen, er kann nur zeitweise gelähmt, gehemmt werden. Auf Seiten dieses Kampfes stehen Wahrheit und. Recht, stehen Vernunft und Gefühl, stehen, reines Menschentum und Kultur, stehen Heil und Segen der ^Völker und Staaten. Diese mächtigen Bollwerke des Friedens fürchtet man, daher das Toben gegen die „jüdischen Filme", wie ein Wiener Blatt sie nannte. Wer einmal einen solchen Film gesehen, ist nicht nur entsetzt und tief erschüttert über das Grauenhafte, Wahnsinnsvolle und Höllische des „modernen" Kriegs, nein, jeder Mann schämt sich geradezu seines Geschlechtes vor der Frauenwelt. „Gefährlich ists, den Leu zu wecken ... jedoch, der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn." Was liegt doch alles in dem kalten Worte „gefallen". Ein Meer, des Schmerzes und der Todesqualen, ein Meer der Tränen und Verzweiflung. Ob Josfre, beifranzösische Generalfeldmarschall einmal daran gedacht, ' als die Aerzte ihm ein Bein amputierten? Dort im Felde gab es keiüe feierlichen Beerdigungen. Man verscharrte Menschen, insofern sie nicht in, in? Mas-U. .... ... sMllexft- Wie meist,Kri^ft WMxjeg Hqttm-- wir 11 Millionen Tote^ Davon fühDeuLschlandi: allein _ 2 055,000. An , Perwundeteß^ KrÜMefn und Plinden gäh Hft insgesamt 48 Mllioneyft,V{. QeMchlcm^ hat 785 000 Kriegsbeschädigte .Und^ft 533 siOOft'Kn'eDrÄitweN. X 134 000 rentenberech? , tigte Kiüder, 58 OOÜ Vollwaisen' und 200 öOll'be- ' dürftige Eltern gefallener Söhne. Man muß schon durch seine Phantasie der wahren Börstel-. lung etwas zu Hilfe zu kommen suchen. Man denke zunächst an 1000 Menschen seiner Uäheren Umgebung und steigere diese Zähl allmählich 'äuf 10 000, 20 000 uff. bis 100 000 imd ^stzWlich! MMon. Nur'so ist' der Wahnsinn der neuen // verbrecherischen Kriegshetze voll zu verstehen/ bezw. zu würdigen. Freilich, vor die Völksnienge/ treten Leute mit gesunden Gliedern und bünteä Orden. Niemalshat man einen Blinden . oder ' Halbblinden, einen Krüppel ahne Arme' oder' . Beine, ohne Nase oder Gehör vom „Stählbad"' ' des Krieges reden hören. Am Rednerpult stehen nur Gesundeoft: Leute, die nicht einmal m der- Etappe "waren geschweige W Schutzengräblen?"-ft Ost. sinds -Jugendliche, die im Weltkrieg noch auEft''! der! Schulbank faßen? Aber : Massen für den „Frontgeist" zu entstammen und gegen Novemberverbrecher, Juden und Pazifisten zu Hetzen. Das ist die traurige Psyche der Fllm-

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