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Der Israelit · 1931-02-12 · Heft 7 (12.2.1931) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 7 (12.2.1931)
Date
1931-02-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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1 I;■ I-; li 1. ^UII, Seite 6 Nr. 7 Der Israelit 12. Februar 1931 nahezu 13 Jahren, vollständig freiwillig um meine Pensionierung angesucht habe, und daß diese mit Schreiben der Repräsentanz vom 20. März 1918 bewilligt wurde " Der Hessische Landtag zum Numerus clausus- Beschluß des Gießener Asta. Darmstadt, 6. Febr. Der Finanzausschuß des hessischen Landtags befaßte sich heute mit dem demokratischen Antrag, die Regierung zu ersuchen, den Studenten-Ausschuß (Asta) an der Universität Gießen aufzulösen, weil dieser Ausschuß die mit der Verfassung nicht zu vereinbarende Forderung aufgestellt hat, den „Numerus clausus für Studierende der jüdischen Rasse" einzuführen. Von den demokratischen Antragstellern wurde erklärt, ihr Antrag habe mit der vor wenigen Tagen erfolgten Neuwahl des Asta mit einer, absoluten nationalsozialistischen Mehrheit nichts zu tun. Immerhin zeigen die Wahlen, daß man bei der Studentenschaft von der staatsfeindlichen Betätigung nicht ablassen wolle. Das Recht der Erhebung von Zwangsbeiträgen, mit denen staatsfeindliche Umtriebe bezahlt würden, müsse beseitigt werden. Von den Sozialdemokraten wurde ebenfalls schärfstes Vorgehen gegen die antistaatliche Tätigkeit des Asta gefordert. Von der Volkspartei wurde bedauert, daß eine gebildete Jugend sich in Antisemitismus ergehe. Auch vom Zentrum wurde betont, daß die Studentenschaft ihre Befugnisse überschritten habe. Wenn es so weiter geht, müsse die Selbstverwaltung aufgehoben werden. Von der Volksrechtspartei wurde schärfste Mißbilligung der Vorgänge in der Studentenschaft ausgesprochen. Der Kultusminister Dr. Adelung stellte mit Genugtuung die einmütige Mißbilligung und Ablehnung der Gießener Vorgänge durch den Ausschuß fest. Die zutage getretenen Bestrebungen können nicht geduldet werden. Es müsse ernstlich erwogen werden, ob die bestehende Selbstverwaltung noch ausrecht erhalten werden könne. Eine Abführung von Zwangsbeiträgen an die deutsche Studentenschaft sei verboten. Die Studentenzeitung könne in der bisherigen Weise nicht erscheinen. Es wurde folgender Ausschußantrag einstimmig angenommen: „Auf Grund eingehender Verhandlung im Finanzausschuß hat sich -die Regierung bereit erklärt, die Vorgänge in dem Gießener Asta weiter zu untersuchen und im Falle sich eine Ueberschreitung seiner Befugnisse ergibt, die gebotenen Maßnahmen zu ergreifen. Die Regierung wird nach Abschluß der Untersuchung dem Landtag berichten." Ungarn. Verbot der postalischen Lieferung des „Israelitin Ungarn außer Kraft. Budapest, 6. Febr. Im hiesigen Amtsblatt vom 5. Februar wird unter Nr. 72 920/31 X 2 eine Verfügung des Kgl. Ungarischen Handelsministers bekannt gegeben, nach der das seinerzeit (in der Zeit des weißen Terrors) gegen den „Israelit" ausgesprochene Verbot der postalischen Lieferung in Ungarn außer Kraft gesetzt worden ist. Bulgarien. Bulgarien ladet polnische und rumänische Inden zur Einwanderung ein. Newyork, 10. Febr. Der ehemalige bulgarische Unterrichtsminister Stoyan Omarchewsky ist in Newyork eingetroffen, um auf Einladung der Carnegie-Stiftung einige Monate hindurch das amerikanische Erziehungswesen zu studieren. In einem Gespräch mit dem JTA-Vertreter führte Minister Ormachewsky aus: Die zwar arme, aber hoffnungsvoll in die Zukunft blickende bulgarische Nation, die unter den Nachwirkungen des Weltkrieges, in dem sie auf der Seite der Unterlegenen gekämpft hat, schwer leidet und eine ungeheure Last von Kriegsentschädigungen zu tragen hat, richtet hiermit an die armen verfolgten und leidenden Juden Rumäniens und Polens die Einladung, nach Bulgarien zu kommen und uns beim Aufbau eines glücklichen Landes behilflich zu sein. Wir sind frei von der Seuche des Antisemitismus, die fast überall in Europa wütet. Wir gewähren unserer 50 000 Seelen starken jüdischen Bevölkerung volle Freiheit und Gleichberechtigung; wir sind stolz auf das von unserer Regierung finanzierte hebräische Schulwerk und wären froh, wenn mehr Juden zu uns kämen, die mit ihrem Unternehmungsgeist in unserem jetzt säst' nur agrarischen Lande Industrien schaffen könnten, insbesondere eine heimische Bekleidungsindustrie, für welchen Zweig die Juden in anderen Ländern eine besondere Begabung gezeigt haben. Doch knüpfen wir keinerlei Bedingungen an unsere Einladung an die osteuropäischen Juden. Mögen sie nach Bulgarien kommen und jedem von ihnen gewünschten rechtmäßigen Erwerb nachgehen. Wir sichern ihnen religiöse Freiheit und das Recht kulturellen Eigenlebens zu. - Wir haben zwar eine Textilindustrie, doch muß trotzdem der Kleidungsbedarf zum größten Teil durch Einfuhr gedeckt werden. Jüdisches Kapital und jüdische Arbeit könnten sehr leicht eine rentable Bekleidungsindustrie für unsere Bevölkerung schaffen. Bulgarien hat Verfolgten stets Gastfreundschaft gewährt. Unmittelbar nach dem Kriege fanden 300 000 Russen und andere Flüchtlinge bei uns Aufnahme. Obwohl wir gegenwärtig infolge des Sinkens der Weizenpreise eine scharfe Wirtschaftskrise durchmachen, könnte doch durch eine Einwanderung die Wirtschaft in unserem Lande stärker belebt werden als in änderet! Ländern. Die meisten Juden in Bulgarien leben heutzutage in guten Verhältnissen, sind hochgebildet und spielen im politischen und beruflichen Leben eine bedeutende Rolle. Wohl gab es im Jahre 1924 eine von den Studenten propagierte antisemitische Bewegung, sie blieb jedoch völlig bedeutungslos. Die Bulgaren sind ein. freundliches, tolerantes und intelligentes Volk, das die nationalen Minderheiten so behandelt, daß sie keinen Grund zur Klage haben. Dies hat auch Prof. Russell von der Columbia-Universität anerkannt, der anläßlich einer vor einigen Jahren nach Bulgarien zum Zweck des Studiums des dortigen Schulystems unternommenen Reise erklärt hat, die Minoritätengruppen in Bulgarien genössen auf dem Gebiete der Erziehung größere Freiheit als in irgendeinem anderen Lande. Tschechoslowakei. Wendung im karpakhorussifchen Ritualmord- Prozeß. Prag, 6. Febr. Im Ritualprozeß von Velka Berezna ist eine interessante Wendung eingetreten. Die Militärprokuratur von Uzhorod hat auf Grund einer Zeugenaussage der Mutter des Knaben Vasil Kostja ein Strafverfahren gegen den bisherigen Untersuchungsrichter Faltynek, den Kreisgendarmeriehauptmann des Bezirkes Perecin, zu dem Velka Berezna gehört, eingeleitet. Die Mutter Vasil Kostjas hat als Zeugin erklärt, Faltynek habe sie durch die Drohung, sie müsie sonst die Spitalkosten selbst bezahlen, gezwungen, ihre Unterschrift unter die Privatklage zu setzen. Die Fortführung der Untersuchung wurde dem mit der Leitung der Gendarmerieabteilung Uzhorod neu betrauten Stabskapitän Novak übertragen. Das Organ der „Liga für Menschenrechte" in der CSR., der „Aufruf", veröffentlicht das Protokoll der Zeugenaussage des Entlastungszeugen Pazuchanic, Direktors der Bürgerschule in Perecin, gegen den, wie vor kurzem gemeldet, ein Verfahren wegen Meineids eingeleitet wurde. In seiner Zeugenaussage machte Pazuchanic u. a. folgende. Angaben: „Als sich die Kinder von irgend einer Konfrontation aus Uzhorod nach Hause begaben, hörte ich, wie sie untereinander erzählten, die Verletzungen seien ihnen nicht von Juden beigebracht worden, sondern sie hätten sich die ganze Sache bloß ausgedacht, um sich "einer besonderen Tat zu rühmen. Ich sprach mit Beka Borka, der Mutter des Kosty und diese sagte mir, ihr Sohn habe sich die Verletzung selbst an einer Fensterscheibe zugezogen. Sie selbst habe ihm das Glasstück aus der Hand entfernt. Helene Bogdan behauptete, sie hätte sich die Verletzung auf der Weide zugezogen. Ich habe die Kinder aufgefordert, die Wahr-' heit zu sagen, ihnen aber nie damit gedroht, daß sie geprügelt werden würden, wenn sie sagen sollten, daß sie von der Sache etwas wissen." In seiner weiteren Aussage wies Pazuchanic darauf hin, daß Helene Bogdan auch vor dem Redakteur Havas der halbamtlichen ungarischen Wochenschrift „Uj Közlöny" eingestanden, sie sei von der Lehrerin Szöke zu ihrer unwahren Aussage verleitet worden. Anläßlich einer neuen Konfrontation vor Gericht habe die kleine Bogdan abermals ihr Blutmärchen aufgetischt, sei jedoch verstummt, als sie vom Lehrer Pazuchanic auf ihr seinerzeitiges Geständnis aufmerksam gemacht wurde. Die Fragen des Verteidigers, betreffend Person und Verhalten der Lehrerin Szöke, seien nicht zugelassen worden. (ITA.). Polen. Ein bedeutsamer Brief des kalischer Raw. War sch au. 8. Febr. Der Warschauer „Moment" veröffentlicht einen Briest des Kalischer Raw, Rabbi Jecheskel Lipschütz, in dem er sich gegen den Vorwurf verteidigt, als hätte er bei Anwesenheit von Rabbiner Fischmann in Kalisch seine Pflicht als Mitglied der Jewish Agency nicht erfüllt. Er schreibt u. a. wörtlich: Die Ehre, Mitglied der Agency genannt zu werden, kann ich nicht für mich in Anspruch nehmen, denn ich bin es nicht und war es faktisch nie gewesen. Meine Genehmigung, in die Jewish Agency gewählt zu werden, gab ich seinerzeit dem Misrachi, der wiederholt in dieser Sache an mich herangetreten ist, nur unter der Bedingung und Voraussetzung, daß es mir in Zürich gelingen werde, eine Verständigung zwischen der zionistischen Leitung und der Agudas Jisroel herbeizuführen. In den Konferenzen und Zusammenkünften vor und in Zürich habe ich mich wiederholt nach dieser Richtung bemüht und Misrachi hatte mir vollste Unterstützung versprochen. Auf der Eröffnungssitzung in Zürich sprach ich es ganz deutlich aus, daß die Agency sich nur dann als Vertreterin des ganzen Klall würde betrachten können, wenn es ihr gelänge, gemeinsam mit dem religiösen Judentum zu arbeiten. (Die Presse hatte damals meine Rede in tendenziöser Entstellung wiedergegeben, aber die stenographischen Protokolle sind da. und können von jedermann nachgelesen werden.) Nachdem unsere entsprechenden Vorschläge in den Kommissionen gegen Marburg und Marshall durch die Zionisten abgelehnt worden und die versprochene Unterstützung des Misrachi nicht in zulänglichem Maße gekommen war, sahen wir uns veranlaßt, tags darauf eine Erklärung abzugeben, daß wir unter diesen Umständen fürs erste keinen Anteil an den Ar beiten dev I. A. und der Propaganda für Keren H a - jessod haben können. Die Erklärung war außer von mir auch von den Rabbinen aus Stanislau, Warschau, Frankfurt, sowie von Rabb. Dr. Unna in Mannheim, Rabb. Dr. Jung, Newyork und angesehenen Männern aus Frankfurt und Hamburg unterschrieben. Die Erklärung ist sämtlichen Mitgliedern der Exekutive und des Präsidiums zugegangen. Pon diesem Standpunkte konnte mich auch ein Brief von Herrn Felix Marburg wie eine Aussprache mit seinem Beauftragten nicht abbringen. Nach all dem begrüße ich es mit Befriedigung, daß unsere Bestrebungen in Zürich, denen damals kein Erfolg beschieden war, jetzt, nach zwei Jahren, wieder ausgenommen wurden und daß zur Zeit Vertreter beider Parteien über die Mittel einer Verständigung beraten. Besser spät als gar nicht! Was den Besuch des Rabbi Fischmann betrifft, stelle ich fest, daß ich auch in diesem Falle nicht um Haares breite von meinem Standpunkte abgewichen bin. Auf- Verdächtigungen, geboren aus der Phantasie einiger junger Mitläufer von Rabbi Fischmann, zu antworten, erachte ich nicht als notwendig, wie ich es überhaupt fernerhin ablehnen werde, mich in Pressedebatten über diese Angelegenheit einzulassen. Der Warschauer kehillarat von der Behörde geschlossen. Warschau, 10. Febr. Mit einem Dekret des Bildungsministeriums wurde der jüdische Kehillarat in Warschau aufgelöst. Die Neuwahlen für Rat und Verwaltung der Kehilla sind mr den 27. Mai ds. Js. angesetzt. Die Verwaltung leitet provisorisch die Geschäftsstelle der Gemeinde bis zu den Neuwahlen. An der jüdischen. Gemeinde herrscht infolge ^dieser Maßnahme sehr große Erregung. Ueber die Gründe dieser Maßnahme schwirren allerlei Gerüchte, doch weiß man nichts Bestimmtes. aaaEawggaB

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