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Der Israelit · 1931-02-12 · Heft 7 (12.2.1931) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 7 (12.2.1931)
Date
1931-02-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 2 Nr. 7 Der Israelit 12. Februar 1931 Wirtschaft nochmals eüner eindringlichen Betrachtung unterzogen. In der ersten dieser beiden Sitzungen entwickelte Herr Leopold MerZbach aus Frankfurt a. M. in einem gründlichen Referate feine Anschauungen über die Ursachen und die Perspektiven der gegenwärtigen Wirtschaftsentwicklung unter besonderer Berücksichtigung der Gesichtspunkte, die für die gesetzestreüe. Judenheit in Betracht kommt. Aus seinen Ausführungen sei insbesondere die Feststellung hervorgehoben, daß in unserem Kreise in den letzten fahren sich ein besonderer Mangel an Umstellungsvermögenauf neue Verhältnisse gezeigt habe. Neu entstandene Berufszweige, wie das Radio, die neuen Spezialberufe in der elektrotechnischen Industrie und andere neue technische Branchen wurden von Mischer und insbesondere gesetzestreuer Seite verhältnismäßig wenig beachtet und die gleiche Einbuße an wirtschaftlicher Elastizität zeigt sich auch in der Erscheinung, daß viele jüdische Unternehmer es nicht verstanden, aus den veränderten wirtschaftlichen Tendenzen rechtzeitig die richtigen Folgerungen zu ziehen. Aus dieser Feststellung folgt u. E., worauf bereits in den Frankfurter Beratungen wiederholt hingewiesen worden ist, die Notwendigkeit, schon bei der s ch u l m ä ß i g e n Vorbildung unserer Jugend größeren Nachdruck als bisher auf die Schärfung des Blickes für technische Dinge, für die Bewegungen und. Erschwungen der äußeren Welt überhaupt hinzuwirken. Die jüdische Erziehung, wenn sie im gesetzestreuen Geiste erfolgt, braucht nicht zu befürchten, daß ihre Zöglinge durch eine solche „Veräußerlichung" Materialisten werden und den Blick nach innen, das Organ für die Realität des Uebersinnlichen oinbüßen. Sie darf ohne Furcht vor Einseitigkeit ruhig das Auge schulen und erziehen für die äußere Wirklichkeit und damit zu ihrem Teile daran Mitwirken, daß auch die idealen Güter, deren Pflege unsere Aufgabe ist, die unentbehrliche wirtschaftliche Grundlage zu ihrem Gedeihen in der Welt der greifbaren Tatsachen finden. In den Diskussionen, die sich-an das Referat anschlossen, wurden eine Reihe wertvoller weiterer Anregungen für die Ausgestaltung der Tätigkeit des Reichsverbandes gegeben. Interessant war insbesondere ein von Dr. Robert Weiß ausgesprochener Gedanke, der dahin geht, die jüdische Verbraucherkraft und das Mische Sparkapital in Konsumgenossenschaften analog den katholischen und sozialistischen Genossenschaften zu erfassen. Dr. Weiß hat diiefe Idee insbesondere im Schoße der Wirtschaftskommission des Weltverbandes Schomre Schabbos entwickelt, deren Aufgabentveis sich teilweise mit dem. Die vier Abschnitte. HX’ ' Von Rabbiner Dr. 2H. Lewin in Hamburg. I. Es ist nicht nur das zeitliche Zusammentreffen der vier ausgezeichneten Sabbate mit Winters Ende und Frühlings Nahen, das ihnen unsere Herzen mit besonderer Freude entgegenschlagen läßt, als ob es gute lang ersehnte Freunde sind, die wir in ihnen grüßen. Gewiß, des Lenzes Vorfreude zieht alljährlich bei ihrem Kommen in unser Herz ein, und es erfüllt sich immer wieder an uns: „nn»M D’arn *m ojmwö, Beginnt der Monat Adar, so steigert sich in Israels Mitte die Freude." Mehr aber noch ist es der kostbare Ideengehalt, den wir aus den nnvis 'i aus den vier jene Sabbate charakterisierenden Abschnitten schöpfen, der uns mit froher Hoffnung und Zuversicht erfüllt und des Wi.iters Starre von unseren Herzen löst und so uns den Frühling ins Innere zaubert, noch ehe draußen sich neues gestaltendes Leben und Weben zeigt. „bpvn xr-sna P2"N 5on. Alle sind verpflichtet, den halben Schekel abzutragen." Niemand ist von dieser Leistung befreit. Mag man auch sonst von seinen Gaben gespendet und all' seine Kraft angespannt haben, um Großes zu vollbringen, diese Pflichtgabe hat auch er zu leisten, der sich auf den Höhen des Lebens bewegt, um sich nicht erhaben zu dünken über den, für den die Gabe des Re'ichsverbandes der Schomre Schabbos- Stellenvermittlungen schneidet. In Parenthese sei bemerkt, daß angesichts unserer allgemein bekannten Ueberorganisation für eine sorgfältige Abgrenzung der Arbeitsgebiete gesorgt werden müßte. Die Ausführung der Weiß'scheu Idee geht zweifellos über den Rahmen d'er Arbeit des „Reichsverbandes" hinaus und sollte dem Weltverband „Schomre Schabbas" verbleiben. Dagegen halten wir es für ganz unzweckmäßig, wenn der Wsliverbiand sich, wie Dr. Weiß berichtet, mit der systematischen Zuweisung von Arbeitsplätzen für sabbattreue Juden befassen will, eine Aufgable, diedurchaus innerhalb des legitimen Gebietes des Reichsverbandes liegt. In seiner zweiten Sitzung hat der Reichsverband nun einen engeren Arb e i t saus - schuß speziell für Zwecke der Wirtschaftsberatung gebildet, dem, mit dem Rechte der Kooptation, einstweilen folgende Berliner Herren angehören: Samson B u t t e n w i e s e r, Heinrich F r e ir i ch, James H a l b e r st a d t, Felix Golösch m i d t i. Fa. Gans u. Goldfchmidt,, Aron Loew enstein, Dr. A. Marcus, Dr. M. R -achmilew i tz. Wir möchten der Hoffnung Ausdruck verleihen, daß der neugewählte Arbeitsausschuß sich feinen Aufgaben nicht nur innerhalb Berlins mit möglichster Intensität widmen werde, sondern daß er auch darauf bedacht ist, in allen größeren deutschen Wivtschaftszentren analoge Organe in Verbindung mit den bestehende StellenvermAtlungszentralen ins Leben zu rufen. Nur dann kann die notwendige wohltätige Wechselwirkung zwischen den überall in anderer Nuancierung hervortretenden praktischen Bedürfnissen und den mannigfaltigen Anregungen zu ihrer Befriedigung hergestellt und die Arbeit der Berliner Zentrale ebensowohl wie die der Filialstellen dauernd befruchtet werden. Die jüdische O Öffentlichkeit aber, vor allem auch die Gemeinden, müßten es als Pflicht d e r S e l b st e r h a l t u n g betrachten, den „Reichsverbandder Schomre Schabbos-Stellenvermittlungen" mit den nötigen Geldmitteln zu unterstützen. Im Zusammenhang mit hier in Vorstehendem bereits erwähnten Gründung einer sabbattreuen handwerklichen ProduNvgenossenschaft ist auf einen anderen Zweig jüdischer Genossenschaftsbewegung in Deutschlaichhinzuweisen, die zwar ohne Rücksicht auf die besondere Not der sabbattreuen Kreise ins Leben gerufen worden ist, die aber für diese Kreise ift ganz anderem Maße als bisher nutzbar gemacht werden könnte: Die Beeines halben Schekels ein wirkliches Opfer bedeutet. Niemand ist ausgeschlossen und darf abseits vom Wege bleiben, auch der nicht, der sich winzig wähnt und schwach in seinem Können und Leisten. Alle sind berufen, sich leistend einzureihen und dienend sich als „Gemusterte Gottes" zu fühlen. „»->»»> sV Vinn nav &b wn. Der Reiche nicht mehr und der Arme nicht weniger" — diese erhabene Lehre von der Gleichheit aller, von der Eigenung eines jeden zum Dienste im Heiligtum des großen Alls predigt der Abschnitt vom halben Schekel. Diese Botschaft erhebt und weiht und löst Freude und Beseligung aus „denn sie drückt jedem redlichen Schaffen und Mühen den Stempel des Heiligen und Gottgefälligen auf und veranschaulicht im Bilde die bedeutsame Meinung unserer Alten, roa nr pit» w'ian *>a. Alle Menschen sind aufeinander angewiesen, sie sind ein jeder des anderen Schuldner und haben ihre Schuld in treuer Pflichterfüllung und Hingabe an der Gesamtheit abzuttagen. Auch die größte Leistung ist im letzten doch nur ein halber Schekel, nie etwas Vollendetes, zu dem der andere nichts hinzuzufügen hätte. Das Große und Größte wird vielmehr nur dann ein Ganzes, wenn es von dem Willen aller getragen wird. Da braucht niemand zurückzustehen, der mit voller Kraft und Bereitwilligkeit sein Bestes darbietet. Wahr bleibt für alle Zeiten und Verhältnisse: narren i'i-v sb. Es liegt nicht in deiner Macht, das Werk zu vollbringen, — doch bist du nicht ftei, dich ihm zu entziehen . . . Fange ein jeder an, wie und wo er es vermag, und Gefährten werden sich ihm hinzugesellen, um ihm zur Seite mitzubauen zum Segen der Gesamtheit, bis das Werk vollendet dasteht und seine Meister lobt und preist. Sind diese Gedanken, die mna vermittelt, nicht modern? Krankt nicht unsere Zeit auch daran, daß die Menschen ihre Verpflichtung gegen einander nicht genug begreifen oder doch nicht ihr Leben von ihr beherrschen wegung zur Gründung jüdischer Geno ss en sch a f t s b a n fe.fr. d e s M l tt e tst a N - des. Wie bereits früher erwähnt, hat in dieser Hinsicht die von zionistischer Sekte ins Leben gerufene Berliner Volk s b er-n t Iw r i a> offenbar gute Erfolge erzielt. Wir entnehmen dem neuesten Mitteilungsblatt dieser Volksbank, daß an verschiedenen Orten, z. B. in Breslau, Chemnitz, Zwickau, Mannheim Ansätze zur Gründung solcher Genossenschaftsbanken feit unserem letzten Berichte gemacht worden sind', und es wäre besonders wünschenswert, wenn an diesen' oder an anderen Orten gesetzestreue Kreise sich in den Mittelpunkt dieser Arbeit stellten, deren sachliche Notwendigkeit bei der ganzen Einstellung unserer Großbanken jeden Tag deutlicher ersichtlich wird. Die deutschen Großbanken kann man heute mit Recht als einen Apparat bezeichnen, der die Sparpfennige des kleinen Mannes und. des Mittelstandes sammelt und sie ausschließlich den großkaMalistischen Unternehmungen zuführt. Auf diese Weise arbeitet der Mittelstand, wenn er seinen Sparpfennig den Großbanken anvertraut, an'seinem eigen en Ruin. Kleine Betriebe können bei dien Großbanken naturgemäß keinen Kredit finden- und es ist ihnen nur durch e i g e n e Mitte l st a n d s b a n.-- k e n zu helfen. Wochenrundschau. „Judentum und Politik". Innerhalb der vom „Jüdischen Lehrhans" in Stuttgart veranstalteten Vortragsreihe über das Judentum und die Welt, der Gegenwart hielt Dr. Martin B u b e r einen Vortrag über „ D a s Judentum und die politischen Triebkräfte der Gegenwart". Der Redner wollte nicht davon sprechen, wie wir als Juden unter den politischen Erscheinungen der Gegenwart leiden, auch nicht davon, wie wir als Juden etwa als Minderheit m den Oststaaten an der Politik des Tages beteiligt sind. Er wollte vielmehr die Frage beantworten, ob das Judentum als solches elfte Antwort auf die Frage der Politik zu geben hat. Diese Frage müsse' unbedingt bejaht werden. Während überall Religion und Politik getrennte Sphären um^ schrieben haben, bildeten sie im Judentum elfte u n l ö s b a r e C r n h e i t. Das Judentum war lassen. Wie soll die Nacht, die sich über die Erde und über die Menschen gesenkt hat, weichen, wenn nicht der Geist der Gleichheit und Freiheit und das Gefühl der Zusammengehörigkeit der entscheidende Machtfaktor für die Menschen und Völker sind, wenn diese noch immer es nicht lernen, daß das Leid des einen auch zum Sorgenquell für den anderen wird. Und vollends Israels Kinder müssen den Gemeinsinn pflegen und in Leid und Freud sich eins und verbunden fühlen. Wir mögen darum das Wort des Midrasch beherzigen, das uns spornt, auch an unserm Teil unfern vollen halben Schekel zu bringen im Dienste unserer Gesamtheit und zur Verherrlichung Unseres Judentums. Moses, heißt es, stellte die bange Frage: „np onn nn* ton»» bv. Herr und Meister der Welten, wodurch kann sich Israels Macht heben." Da entgegnete ihm Gott: „Verkünde es laut und eindringlich: '«■>»’ na aan nrr «vn •>> nnx ipoa nb i»aa isa v'x nmi ompsl». „Wenn du erhebst die Hauptmacht der Söhne Israels nach ihren Eingeordneten, sollen sie geben ein jeder ein Sühnegeldseiner Person dem E., wenn man sie mustert." Hier ist es deutlich gesagt: unsere Kraft wächst in der Vereinigung aller und unsere Heiligtümer sind nur dann gesichert, wenn wir alle unsere Fähigkeiten und unsere Mittel ihnen weiherr Wie das erste Heiligtum, das Israel in der Wüste errichtete, durch die allgemeine Schekelspende erst seinen Halt fand und die täglichen Opfer auf dem Zionsaltare nur durch die Gaben aller bestritten wurden, so kann auch nur dann unser Judentum und unsere Gemeinschaft allen Anfechtungen widerstehen, wenn, wir uns alleein jeder nach seiner Kraft und Fähigkeit — mit hl. Feuereifer für unsere Sache einsetzen. "nm Sie sollen geben von dem, was sie besitzen, das ist die Bürgschaft für unfern Bestand und für die Verwirklichung unserer großen jüdischen Aufgabe.

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