Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 7 (12.2.1931)
- Date
- 1931-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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13 J Eil'i 12, Februar >1931 A^anksurt a. M., den 25 Schebat 5691 |B|| Ein Cenfralorgan für das orthodoxe Judentum |föI jII Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. 1U I matt »üvt. Tageskurs oder 7 Zlottzi Schweiz 5 Fr.; Tschecho-Slowakei 25 Kronen; Ungarn Pengo 5 ab 1. Juli 1927; Dänemark 3.89 Krön.; Norwegen 3.3V Krön.; Schweden 3.8V Krön. -' . . : Einzelnummer vierzig Goldpfennige. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Inserate 8V Goldpf. für chte siebengespaltene Nonpareille-Zeile. Abonnenten zahle» bei Stellengesuchen Und Familienanzetgen nur *9 Pf. Die 75 wm breite ReNamezeile: letzte Textseitr 2.— Mk., vorletzte Textseite S8V Mk.; Ehifsregebühr in Höhe eines dopp. Fernbriesportos. Rabatt nach Tarif. Bei laufenden Inserataufträgen tarifm. Preiserhöhung jederz Vorbehalt. Inseratenannahme durch den Borlag des Israelit G. m. b. H, Frankfurt a. M , Rechneigrabenstraße 7, Tel. Hansa 21M1 sow. durch sämtl. Annoncen-Exped. d. In- und Auslands. Alleinige Inferatenann. für Franks. Geschäftsanz.: Jul. Schmidt, Hölderlinstraße 25 Tel. 45888. Platzvorschr. ohne Verbindlich!. r direkt an den Berlag auf Postscheckkonto Frankfurt (Main) Nc. 19892. — Außerdem an: Postsparkasse Wien Nr.79695.—Postsparkafsenamt Budapest Nr. 18424.— Postscheckkonto Warschau Nr. 190757. — Postscheckamt Zürich Nr. VIII7254. — Inkasso-Bank Rotterdam — Postscheckamt Amsterdam Nr. 21889 — Postscheckamt Prag Nc. 79.969 — Banca Marmarosch Blank & Co. in Bukarest — Filiale des Wiener Bankvereins in Agram. — Der Gerichtsstand für alle aus Abonnements oder aus Inseraten stch ergebenden Zahlungsverpflichtungen ist Frankfurt a. M. Erneuern Sie sofort beim Postboten die Bestellung auf den „Israelit" für den Monat März! Wird dies versäumt, so tritt eine Unterbrechung der Zusendung ein, ohne daß wir selbst Kenntnis davon erhalten, Für verspätete Bestellungen rechnet die Post einen Aufschlag von. 20 Pfg, Verlag des Israelit G.m.b.H., Frankfurt a.M. Wirlschafisberalung. Wer die Erörterungen der Weltpresse und die Untersuchungen her Fachorgane zu den heute alle Gernüter beherrschenden Problemen der in t e r n at i o n a l e n Wir t sch a f t s k ri\ e mit ih reN.vernichtenden Wirkungen auf die Einzelexistenzen aufmerksam verfolgt, wird sich dem Eindruck nicht entziehen können, daß von den führenden Wirtschaftstheoretikern und Praktikern zwar mancher überaus wertvolle, klärende Gedanke über die Ursache und das naturn otwen d i g e Werden der Kn'se ausgesprochen. worden ist, daß man aber, sobald es sich um die Frage aktiven Eingreifens zwecks Besserung der Lage handelt, ziemlich ratlos und ohnmächtig dasteht. Man wäre fast versucht zu sagen, daß die Wirtschaftsprobleme nachgerade, trotzdem es sich bei ihnen doch an und für sich um restlos erkennbare, konkrete Größen und Erscheinungen handelt, dinen ebenso sphinxartigen Charakter angenmmen haben, wie die höchsten metaphysischen Fragen, um deren 'Lösung aus 'eigener Geisteskraft die Menschheit seit Jahrtausenden vergebens stch müht. . -.--Äst aber vollendete Ratlosigkeit der wissensreichsten und scharfsinnigsten Köpfe gegenüber der allgemeinen Wirtschaftsnot das charakteristische Kennzeichen der Lage, so darf nicht erwartet werden, daß es nun innerhalb des kleinen Ausschnittes aus dem allgemeinen Notbezirke, wie ihn die Problematik des s a b b a t t r e u e n j ü d i s ch e n Wirtschaftsi n d i v id u um s darstellt, so etwas wie die Möglichkeit wunderw'irkender Rettungsideen geben könnte. .Hier muß vielmehr das ganze Schwergewicht auf die Erhaltung und Erweckung der seelischen Kräfte, gelegt werden, des aus der religiösen Idee strömenden pnv2, das unseren Vätern Und Müttern vom ersten ägyptischen (Bolus an durch Jahrtausende beispielloser Notzeiten hindurch das Durchhakten ermöglicht hat. Heute mehr als je gilt es, uns selber, wie unsere Söhne und Töchter mit gesteigerter Energie an das ewig lebendige G'tteswort wie an die lebenspendenden Urkräfte der Mizwotat heranzuführen und, bei äußerster Herabdrückung der Anspüche an äußeren Lebenskomfort, im Dunkel der Not das Primat des Geistes, die überwindende Kraft G'tt hingegebener innerer Freudigkeit zu bewähren. Nichtsdestoweniger aber wäre es sündhaft und würde den Traditionen der jüdischen Ethik aufs schärfste widersprechen, wollte man auf wirtschaftlichem Gebiete die Hände in den Schoß legen und nicht alles, was in unseren Kräften steht, unternehmen, um wenigstens im Kleinen, wenn schon ein großer Wurf nicht möglich ist, diese oder jene jüdische Seele vor dem wirtschaftlichen, ja dem physischen Untergang, oder vor der Preisgabe des Sabbats'und damit vor dem Abgleiten in völlige Entfremdung zu schützen. Wir haben breeits früher von den auf Anregung der Agudas Iisroel im vorigen Jahr stattgehabten internen Beratungen berichtet, die in Voraussicht der mit dem Herbste einsetzenden weiteren Verschlechterung der Wirtschaftsverhältnisse eine Reihe von Maßnahmen zur Linderung der Wirtschaftsnot der sabbattreuen Kaufleute ins Auge faßten und dabei insbesondere die zweckentsprechende Ausgestaltung des in Berlin seit Jahren segensreich wirkenden „ R e i ch s ver - b a n d e s derSchpmre S ch a b b o s Stellenvermittlungen " forderten. Das Programm, das in den Frankfurter Beratungen ausgestellt wurde, gliederte, sich in zwei Teile. Aus der einen Seite wünschte man, daß die Berliner Stelle in Verbindung mit entsprechend organisierten Filialstellen im Reiche auf längere Sicht hinaus die Berufswahl der sabbattreuen Kreise insbesondere nach der Seite der Zurückdrängung des rein Kaufmännischen und der Bevorzugung der industriell-technischen Vorbildung und Verufsergreisung beeinflusse. Aus der anderen Seite wurde die Ausgestaltung der I bloßen Stellenvermittlungstätigkeit zur allgemeinen W i r t s ch a f t s b e r a t u n g und beruflichen Wirtschaftshilfe verlangt. Wie aus den uns vorliegenden Berichten und Protokollen des Berliner Reichsverbandes ersichtlich, haben die Führer des Verbandes, die damals gegebenen Anregungen mit Bereitwilligkeit und Verständnis ausgenommen, und es sind in der Tat mancherlei Erfolge im Einzelnen erzielt worden. Naturgemäß handelt es sich auf diesem Gebiete immer um mühevolle, auf den ersten Blick kleinlich scheinende Detcrilarbei't, die aber grade darum mnso größere Anerkennung verdient. Einerlei ob man diesem oder jenem durch die Einrichtung eines Schreib- und Vervieksältigungsbüros, eines Uebersetzungsbüros, durch den Nachweis einzelner wertvoller aus den tausend wertlosen Vertretungsstellen, durch Unterbringung im Reklame- und Werbefach, durch Zuweisung von Heimarbeit unmittelbar eine Existenz geschaffen, ob man sabbattreuen jüdischen Handwerkern Aufträge verschafft, einem geeigneten jungen Handwerksmann eine Werkstelle eingerichtet, oder ob, wie es dem Reichsverband in Verbindung mit anderen Stellen möglich war, 'eine ganze Produktivgenvssenschaft sabbattreuer Handwerker gegründet werden konnte — imitier ist es erfreuliche schöpferische Arbeit, die geleistet wurde, und die zum Weiterschreiten ermutigt. Aus Grund der Beobachtung, daß die Wahrung des Sabbats in der Heimarbeit verhältnismäßig leichter durchführbar ist, hat der Verband einzelne Firmen der Wäsche- und Konfektionsbranche veranlassen können, gewerbliche männliche und weibliche Kräfte, die den Sabbat beobachten, zu beschäftigen und man glaubt, daß auf diesem Gebiete noch manches zu erreichen fein wird. Daß unter den heutigen Verhältnissen der wachsende. Zustrom weiblicher Kräfte in das kaufmännische Berusswesen unterbunden, und die jüdischen Mädchen in weit stärkerem Maße als bisher auf die häuslichen Berufe verwiesen werden müssen, liegt auf der Hand. Wichtig wäre, wie es der Reichsverband in Berlin zu tun im Begriffe ist, die Herstellung eines kompletten Verzeichnisses der sabbattreuen jüdischen Handwerker und Kleingewerbetreibenden, das unter dem jüdischen Publikum in möglichst umfassendem Maße verbreitet werden müßte-. In zwei von Kaufleuten, Industriellen und Wirtschaftstheoretikern gut besuchten Sitzungen Ende November und anfangs Januar, hat der Verband dann die ganze Lage der sabbattreuen L-