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Der Israelit · 1931-02-05 · Heft 6 (5.2.1931) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 6 (5.2.1931)
Date
1931-02-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 6 Seite 5 5- Zebruär 1931 D e r I s r a e l i t geordnet sind. Dies ist möglich, weil das Ideal nicht in ferner Distanz liegt, sondern dauernd verwirklicht Wird. Es ist das Glaubensbuch ohne Glauben, in dem auch die größten Autoritäten ständiger Kritik ausgesetzt sind und die Wahrheit in dauernd fortgesetzten Diskussionen gesucht wird. Es' ist die Doppelwelt von Halacha und Wäda, wo jede hohe Idee Verwirklichung findet (ausgeführt an der Sabbatgesetzgebung). Er ist endlich eine Schule '.leidenschaftsloser Objektivität. — In den Rahmen dieser Darstellung werden die wichtigen historischen Tatsachen (Palästina und Babylon, die talmüdische Literatur,' Källah-Versammlungen, Mischna und Gemara usw.), für den Unkundigen vielleicht manchmal etwas'kurz, eingefugt. - Kalenderreform-Komitee und Weltverband Schomre Schabbos. Berlin, 1. Febr. . Wie aus einer - früheren Veröffentlichung ersichtlich, bestanden zwischen dem Weltverband „Schomre Schab- .bos": und dem in Zürich domizilierenden zentralen jüdischen Komitee für Abwehr der Kalenderreformgefahren Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die Sammlungvon Massenunterschristen, wie sie das Komitee eingeleitet hat, oder eine Eingabe von Gemeinden und Organisationen äst den' Völkerbund zweckmäßiger sei. Zum Ausgleich dieser Meinungsverschiedenheiten hatte sich der -Generalsekretär des Züricher Komitees, Herr Oberrabbiner Dr. L e w e n st e i n aus Zürich, nach Berlin begeben ^und:-es-ist'nunmehr vereinbart.,worden, daß die Sammlustg der Einzelunterschriften insbesondere inner- . Halb der östlichen Länder,' wo sie kaum begonnen hat, mit Energie' durchgeführt werden soll. Die in der Konferenz des Sabbatverbandes angeregte Organisation einer Eingabe von Gemeinden und Organisationen wird bis .zum März ds. Js. zurückgestellt. " ' Wir möchten hierzu bemerken, daß es uns der zweck- . mäßigste Weg zur Sicherung der Einheitlichkeit der ganzen Aktion schiene, wenn der Sabbatverband ebenso wie es „Agudas Jisroel" von Anfang an getan hat, einen Delegierten in das Züricher Komitee entsendete, so daß .^die Anschauungen der verschiedenen beteiligten Organi- ^sMosten in legitimer Form zur Geltung gebracht wer- M'dH^Akonnen. Die bedeutungsvolle Angelegenheit sollte ä'j nicht unter der herrschenden Ueberorganisation ch lWM ' Ä^heitsgemeinschrrft -er jüdischen Landesverbände. p ' Berlin, 3. Febr. '.Die „Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände" tagte am. 1. Februar unter dem Vorsitz von Kammergerichtsrat W o l f s. Man beschäftigte.sich nicht mit der Frage des Reichsverbandes/ sondern mit aktuellen Angelegenheiten, insbesondere der Organisation des Büros für Schächtfchutz, der Frage der Kalenderreform, der Ausgestaltung des Religionsunterrichtswesens und der Mrtschaftsnot. Angeregt wurde, die Erhaltung des in Marburg' bestehenden Erziehungsheimes dadurch zu ermöglichest,-daß sich die Landesverbände mit angemessenen Beiträgen beteiligen. ' Der 'Preußische' Landesverband soll sich mit den Vorarbeiten, zur Errichtung! eines Hilfsfonds für notleidende Landesverbände befassen.!! Ein Antrag des Provinzialverbandes Schleswig-Holstein' auf Uebernahme der Abwehrarbeit Dürckj die Gemeinden und Gemeindeverbände (der sich, letzten Endes gegen den Centralverein richtet) wurde, nachdem die süddeutschen Landesverbände dazu Stellung genommen hatten, zurückgezogen. Sabbatschuh. Köln, 3. Febr. Am Sonntag, den 18. Januar fand, wie bereits kurz mitgeteilt, die von der-Ortsgruppe des Weltverbandes für Sabbatschutz veranstaltete große Kundgebung in Köln statt. Der große Saal der Rheinlandlöge hat wohl noch nie eine derartig große Fülle von Zuhörern gesehen, mie sie an diesem Abend dort zusammenströmte. ^Herr Ministerialrat/ Hans Goslar, Berlin, hatte . es-übernommen, übüMis Thechä: „Sabbat, Judentum einer 7tägigen^WÄHe liegende Sabbat beweglich wird und durch die.Woche Kvändert. Ein eifriger Befürworter der KalenderrefgkmAB l o ch m a n n, habe vor kurzen; zur Aufrechterhaltustg der -7tägkgen Woche den Vorschlag gemacht, daß nicht einzelne Blankotage in jedem Jahre eingesetzt werden, sondern eine Schaltwoche. Dadurch wäre der Kalender ungestört und stabil., Der allgemeine Rabbineroerband hatte gelegentlich seiner letzten Tagung im Anschluß an die Ausführungen des Referenten feine Anregung, diese Schaltwoche als Weltfriedenswoche zu bestimmen, ausgegriffen und befürwortet. Die Heiligkeit des Sabbats als Sabbat der Schöpfung und der Ruhe im Gegensatz zur Bewegung, als Statuierung des Geisiig-g'ttlichen gegenüber einer materailisierten Welt darf dem jüdischen Volke nicht entrissen werden. Herr Ministerialrat Goslar, der alsdann das Wort nahm, wies auf die Wirkungen des wirtschaftlichen - , Verlinst'Jä de^jNacht zu Freitag haben unbekannteWäter ' j»m Eingangstor zum Reichstage: mit - estrem'Meißel ein großes Hakenkreuz mit'den rüdesten Beschimpfungen gegen die Juden angebracht. Auf die Ergreifung der Täter ist eine größere Belohnung ausgefetzt Nürnberg. Der in Nürnberg erscheinende „Stürmer" sah es besonders auf die Juden im fränkischen Städtchen Leutershausen ab. Die gegen sie losgelassenen schweren Beschimpfungen und Verleumdungen wurden in Massenauflagen in der Gegend verbreitet und in jedes Haus bis zum letzten Dorfe getragen, so daß sich die Juden der Ortschaft kaum noch hinaustrauten. Die Juden erhoben Anklage, und der Redakteur Holz wurde vom Amtsgericht zu 14 Tagen Gefängnis' vernrtellt. Auf seine Berufung wurde vom Landgericht die Gefängnisstrafe ineine G e lch strafe von 600 Mark umgewandelt. Die „Wahrheitsbeweise" des „Stürmers" werden in der Begründung als gescheitert bezeichnet, trotzdem wurden ihm unerklärlicherweise mildernde Umstände zugesprochen. Hanau. Die 9 8. Friedhossschändung betrifft die jüdische Gemeinde in Klein-Krotzenburg. Auf dem dortigen Friedhof sind sieben Grabsteine umgestürzt und zum Teil schwer beschädigt worden. Alle Zeichen weisen darauf hin, daß mehrere Hände am Zerstörung.swerk beteiligt waren. Genf. Wie bereits gemeldet, wurde Professor Robert Haas, ein französischer Jude, zum Direktor der Bölkerbündssektion für Verkehr und Transit ernannt. Diese Ernennung erhält dadurch eine besondere Bedeutung, daß in dieses Ressort die Frage der Kalenderreform, an der die Judenheit der ganzen Welt besonders interessiert ist, gehört. Rom. In dem vom Mitglied der „Academia d'Jtalia", Architekt Marcello P i acentini dem Ministerpräsidenten Mussolini vorgelegten neuen Stadtregulierungsplane für die "Stadt Rom ist u. v. a. auch die Abtragung der großen Aluminiumkuppel der am Ufer des iüEtber gelegenen Synagoge vorgesehen. Der -Vorschlag hat in den Kreisen der jüdischen Bevölkerung Roms lebhaftes Befremden hervorgerufen.' Die. grüße Synagoge von Rom gehört zweifellos igu den schönsten Synagogenbauten Europas und gewährt mit ihrer hohen Kuppel gerade, jetzt/ nach ihrer Freilegungdurch - Demolierung des 1000jährigen römischen ' Ghettos und Erweiterung der umliegenden Straßen und Plätze/ einem imposantest Anblick. _, <£> ab b a-üünfr? eso rm" referierte . In tiefgründigen-sachverständigeniMussühkungen wies - er ‘ nach, was für ein Unheil darin bestehen' würde/ ^wenn Lurch Einschieburig eines Blankotäges der sollst inst' Ende j Antisemitismus' hin, der die jüdischen Angestellten immer mehr von der Mitarbeit ausfchließe. Die Ausgabe des Weltoerbandes der Schomre Schabbos müsse sein, alles zu tun, um diesen katastrophalen Erscheinungen entgegenzuwirken. Er empfahl als zweckdienliches Mittel: Berufsberatung. Es müsse zu einer Umschichtung der Berufe kommen. Auch der Staat habe die Pflicht, Juden als Beamte-anzustellen, die Zeiten, in denen es Prämien auf Taufen gegeben habe, seien vorbei. Der Staat habe in dieser' Hinsicht noch viel Schuld abzutragen. Kredit- und Genossenschaftsbanken müssen gegründet werden, um dest kleinen Und mittleren Händlern zu helfen. Das SWem dieser Bänken müsse über ganz Deutschland ausgedehnt werden und wer es ermöglichen könne, müsse seine Geldgeschäfte über diese Banken leisten: Ein besonderes Gewicht muß auf die Verlegung ^cheI^HM^hAngstäges/gelegt werden, der besonders s in den kreisten', Fon Bedeutung ist. Auch st muß sich die 'Verlegung '-deP"Ää^te in den kleinen Städten ermöglichen lassen. Auf hie "großen Firmen, vie Staat). Lotterie-Einnahme Ernst Lejeune, Sehäfersassets empfiehlt Lose zur Hauptziehung der Preuß.-Südd. Klassenlotterie Gesamtgewinne über RMk. 96 Millionen Ziehung vom 9. Februar bis 14. März 1931 An- und Verkauf alter Münzen auch wenn sie Sabbat nicht geschlossen sind, müsse der Einfluß dahin geltend gemacht werden, daß sie einige sabbathaltende Angestellte aufnehmen. Die jüdische Selbstachtung und wirtschaftliche Solidarität müßten gestärkt werden. Der Redner machte noch viele andere Vorschläge zur Abwendung und Hebung der Sabbatnot, wobei er manche persönlichen Erlebnisse vortrug, die zeigten, wllche innere Kraft und Seelenstärke die Heiligung des Sabbat dem Juden verleiht. Auch die Ausführungen des Herrn Ministerialrat Go s l a r riefen einen Beifallssturm hervor. Das Schlußwort nahm Herr Rabbiner Dr. D. Carlebach, in dem er einen warmherzigen Appell an die Versammlung richtete, alles zu tun, um die Bestrebungen des Weltverbandes für Sabbatschutz zu fördern und die Heilighaltung des Sabbats in allen jüdischen Kreisen zu stärken. Gemeindewahlen in der sächsischen Hauptstadt. Dresden, 1. Febr. Seit dem Tode unseres unvergeßlichen Paul Lehmann verirrt sich selten eine Kunde aus Elb-Florenz in die Spalten des „Israelit". Nicht als ob jüdisches Leben in gssetzestreuem Sinne hier nicht mehr zu finden wäre; aber leider finörfeine. Anhänger zersplittert und gespalten. Es fehlt an eistetll'/festen Zusammenhalt und Zusammenschluß. ' ' •'>- •“*' Das ist auch in den äußerest- Lagern bekannt, und so war es eigentlich kein Wunderst daß bei der Neuwahl unserer Gemeindevertretung Liberale und Zionisten in sonst ungewohnter Eintracht, die zu vergebenden Mandate unter sich austeilten. Von den 20 Mändäten (5 Vorsteher und 19'-Gemeinderäte) sollten die Liberalen 3 bezw. 7, die Zionisten 2 bezw. 8 erhalten; eine Einheitsliste, bei der die 10 ersten 'Mandate den Liberalen zufielen, sollte jeden Wahlkamps unnötig machen. Die Vertretung der konservativen Interessen sollten — nach berühmtem Berliner Muster — die Zionisten im Nebenamt übernehmen. Merkwürdigerweise aber wollte das Häuflein Konservativer sich weder diese Art Neuwahl, poch die rührend selbstlose Wahrnehmung, seiner Interessen durch die Zionisten gefallen lassen. In ihrem Unverstand glaubten sie, die Vertretung ihrer Wünsche und Förderungen in ihren eigenen Händen am besten aufgehoben. Sie erlaubten sich sogar, die Eignung der zionistischen Führer zu der angebotenen Leistung zu bezweifeln. Sie wiesen dabei u. a. darauf hin, daß zur Zeit an der Spitze der Dresdner Zionisten und auf der Kandidatenliste Herr Dr. Schornstein stehe, der vor noch nicht sehr langer Zeit aus seinem Amte als Oberrabbiner von Kopenhagen nicht ganz freiwillig ausscheiden mußte, unter Umstünden, die eine Wiederaufnahme rabbinischer Funktionen, also auch den Sitz in einer Kaschruth-Kommission, ausschlietzen. * Diese schlimmen Konservativen, als richtige Glieder des q-ty w dv, trieben es so weit, daß sie eine eigne Liste aufstellten und einreichten. Darob große Entrüstung unter Liberalen und Zionisten. „Quertreiber, Friedensstörer usw.", waren noch die gelindesten unter den Koseworten, die aus dem Lager der Verbündeten erschallten. , Aber auch das vermochte das Verhängnis nicht auszuhalten. Die Konservativen beriefen eine öffent-^, liche, äußerordentlich stark besuchte Versammlung "ein. in der Herr Moritz A. Loeb.aus Berlin in einem ' auf die Ideologie von Liberalismus und Zionismus eingehenden, ausführlichen Referat, die Notwendigkeit der Aufstellung eigner konservativer Kandidaten darlegte.

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