Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1931-01-29 · Heft 5 (29.1.1931) · page 16

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 5 (29.1.1931)
Date
1931-01-29
Page
– (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2450652-2450657--77613-2535254
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 2 Nr. 3 Feinden zu: „Ich sterbe nicht, denn ich lebe und ich künde G'ttes Taten!" Rufts ihr zu: nicht' in lärmenden Kundgebungen und Proklamationen, in Versammlungen der Massen und Gassen. Rusts ihr, zu mit dem allen vertrauten Nigun des Lernens, in welchem sie nun ganz Schaß als das Lied der jüdischen Ewigkeit durchgesungen hat! Sijum aus ganz Schaß, nicht die fleißige zufällige Tat der E i n z e l n e n , die hier und dprt so ihren Eifer belohnt sehen, das gemeinsame Fest der Vielen über die ganze Welt Zerstreuten, im Lernen aber eins Gewordenen. Dies ist der Sinn des Feiertags! Es ist das Fest der AgudasJisroel! Nicht nur weil der Lubliner Raw, der zu diesem Bau den Grundstein legte, einer der unseren ist, weil alle unsere Menschen es waren, die zu diesem Bau die Steine häuften, es ist das Fest der Agudas Jisroel, weil es ihren tiefen und letzten Sinn verkündet: „Der Krone alter Glanz erneuern". nivvn TinnV Will Agudas Jisroel anderes, will sie mehr? Am iS. <Bd)wat wird der Sijum Haschah in der LubtÄer Jeschiwah festlich begangen. Meier Schapira feiert in seiner Jeschiwah seinen Sijum. Wo aber in der großen weiten Welt der Sijum mitbegangen wird, da wird in dieser Stunde das kleinste Beth Hamidrosch, das unscheinbarste Stübel zur Jeschiwath Chachme Lublin, in die hineinstrahlt Licht vom Lichte G'ttes. Der 15. Schwat des Jahres 5691 soll zu ewiger Zell zu einem Festtag des jüdischen Volkes werden. Und wenn man auch sonst Freude nicht'mit Freude mischen darf, der 0"pn M'v und T"ü' das sind keine verschiedenen-Freuden, das ist die eine große Freude an dem Gedanken, den das Bewußtsein auslöst, daß, so wie die Natur G'ttes, so auch sein Volk sich ewig verjüngt und erneut. Wir feiern den V2P2 V'ü indem wir genießen, vor allem von den Früchten des heiligen Landes, so mögen Mir.alle auch feiern den M'v die Früchte genießend, die aus unserem geistigen Lande erblüht) in diesem Jahrsiebent gereift sind. . 0; Und Meier Schapira, pla ihm wünschen wir mll den Worten des jüdischen Dichters: daß ihm weiterhin die Kraft des Leistens die Feurigkeit des Willens, die Strahlen der Helligkeit des Denkens fließen aus dem Bewußtsein, daß alles, was er tut, G'tt, Jisroel und seiner Tauroh gilt. >'?TW2 TS’ '21 •'H nj nnsn W. S. I. Lanferenzkage in Lemberg. Zu der großen Aguda-Konserenz, für die umfassende Vorbereitungen getroffen waren, erschienen 170 Delegierte, die 125 Städte..vextraten. Parallel mit der Agüda-Konferenz geht eine Beratung von 150 agudisttschen G.e m e i n d e v o rst e h e"r n über gemeinsame Richtlinien zur Vertretung der jüdischen Interessen in den Gemeindeverwaltungen. An diesen Beratungen nehmen auch--25 Rabbinen teil. Die Aguda-Konferenz wurde bei Anwesenheit von etwa 700 Gästen und in feierlicher Stimmung mit einer großen politischen Rede des Oberrabbrner Lew in, Rzeszow, eröffnet. Er fetzte sich mit der zionistischen Politik auseinander und zeigte die klare Linie, die die Agudainstanzen und Landesorganisationen, scheide und sie zugleich zu ein er Front gegen die zionistische Vormundschaftspolitik eine. Es wurde dann ein Hoch auf Marschall Pilsudski ausgebracht und'-, ein Begrüßungstelegramm an denselben abgeschickt. Deputierter Minzberg aus Lodz hielt dann ein Referat über K e h i l l a a n g e l e g e nh eiten. Das Streben müsse dahingehen, eine agudistische Mehrheit in den Gemeindeverwaltungen zu erreichen. Geben die Zionisten die Parole Der Israel it B l ä t t er. .... 29. Januar'1931. aus: „Eroberung der Gemeinde^., so heißt es bei uns:. ,,^E r Haltung der Gemeinde!" Es folg-' ten eine-große Anzahl von Begrüßungsansprachen. ’ ‘ Nachmittags hielten weitere! Referate Herr Josef Lau-Kolomea üher „Gemeindefragen", Rabb. U. A. Ioller - Stryj über „Fragen der Erziehung". Sodann referiert Herr Rabb. Dr. L e w e n st e i n - Zürich über d e n St and de r Kalender re form. Die Äbendsitzung füllt ein inhaltsreiches Referat des Herrn Dr. Benzion Feßler über „Die ökonomische Lage der Juden in Polen". Herr Wolf Jacobson aus Hamburg wird als Gast begrüßt und es wird ihm Las Wort erteilt. Er überbringt Grüße der deutschen Gesinnungsgenossen, der Agudainstanzen in Frankfurt und Hamburg, des Keren Hathora und der Palästinazentrale sowie persönliche Grüße von Jacob R o s e n h e i m. ... Unter den Begrüßungsschreiben, und Telegrammen befinden sich solche" von C/Mtkower Rebben, dem „Lubliner Raw", Rabbi fm. Schapiro, Rabbi Chajim Oser in Wilna, Senator Oberrabb. Zirelsohn u. v. a. Nach Verlesung dieser Begrüßungen ergreift Herr Jakob Wittels das Wort zu seinem groß angelegten Referat über Organisationsfragen-' ... > * * * Wie weiter mitgeteilt wird, wurde in der Vorsteher-Konferenz ein P a r n o s s i m - V e r - band gegründet, mit dem Zwecke, über den jüdischen Charakter in der Gemeinde und der Politik in den Gemeindeverwaltungen zu wachen und für die Wahrung aller religiösen Interessen besorgt zu sein. * * . * In Verbindung mit diesen großen Konferenzen ging auch eine Konferenz der Galizischen Aguda-Jugendorga-nisation vor sich, die ebenfalls einen vollen Erfolg zu verzeichnen hat. Es waren etwa 70 Delegierte anwesend aus 52 Städten. Die Konferenz wurde eröffnet durch den Vorsitzenden, Herrn I. S. Z u ck e r. Es folgten viele Begrüßungen, worauf das Präsidium gewählt wird. Erster Referent^ist Herr A. M. Krongrad, Warschau, der in längeren Ausführungen über die Agudabewegung in Galizien berichtet. Er greift, auf die früheren orthodoxen Jugendbewegungen in Polen und Galizien zurück. Die Jugendgarden der Aguda haben die Aufgabe, die Rechen in Galizien und Polen zu befestigen. Das Zweite Referat hält der Ehrenvorsitzende der Aguda in Galizien, Rabbi Jakob W i t t e l s, der eingehend die Arbeiten und Aufgaben der Zentrale während der Sejm wählen bespricht. Herr Hillel Seid m a n n berichtet i über. die. bisherigen Arbeiten der Ingen d o x ganifation. Er schlägt die. Gründung einer zweiten Zentrale für O st galizi e n in Lemberg vor. Sodann hält Herr Dr. Benzion F e ß l e r ein Referat, über die Erez Jisro el-Arb eit. Seine Vorschläge gehen dahin, ein M e l a m d i m- Seminar zu gründen und die Arbeit in der Kolonie Mach.ne Ii8Toe.l wieder aufzunehmen. Am zweiten Verhandlungstag referiert Herr Zwi Dauer über >,Thorastudium als Programm der Agudajugend". Herr S e i d m a n n betone die Notwendigkeit der o r t h o d o x e n P r e f s e.: Herr A. M. Krongrad ergänzt diese Ausführungen mit dem Hinweis auf die , erzieherische Bedeutung einer guten jüdischen Jugend- und Volks-Litern tur. Es sollen A g u d a- Kindergruppen gegründet werden.^ Es entwickelt sich eine lebhafte Debatte, in deren Verlauf die Jugend über Verständnislosigkeit für die Ziele der Aguda, besonders bpc Jugend, auch in Kreisen der Gesetzestreuen,' klagt. Man debattierte weiter über die Schaffung einer eigenen Zentrale in Lemberg, in der viele nur eine Zersplitterung der Rechte erblicken. Der Vorschlag Lemberg wurd e ab gelehnt. Alle - Jützendtztüppen in Galizien unterstehen dem Zenttal'komi- t e e trt W ar s chau. Dem „Jüdischen Togblatt" wird Anerkennung ausgesprochen, dem Oberrabbiner L e w i n Dank abgestattet für sein mutiges -. Auftreten im^Dejm. Eiü-M'PFHD'MmiMfchluß^ ergeht an die gesamte orthodoxe Jugend in Galizien. Mit einer Schlußrede des Herrn Krong r a d wird die Konferenz 8 Uhr morgens, nach anregender Arbeit die ganze Nacht hindurch, unter großer Begeisterung der Teilnehmer geschlossen. ' '' Nachdenkliches zum Delegierteukag. Von D. ANmann in Kassel. . Es war ein mutiges Wagnis der alten Leitung der Agudas Jisroel-Jugendorganisation, dm Delegiertentag einzuberusen, ein ' Wagnis darum, weil in der!' agudisttschen Jugend die - Welle der Gärung noch nicht abgeebbt ist,, eher, im Gegenteil'noch im Ansteigen begriffen ist. Die sogenannten' positiven Ergebnisfer: wie sie der Durchschnittsmensch im allgemeinen von solchen Tagungen erwartet, würden dieses Wagnis noch nicht rechtfertigen, wenn sich nicht manche Erkenntnis, und mag sie auch zunächst bitter sein, darätt änschließen würde. Erkenntnisse, .die_u. E. aber gewonnen werden müssen^ wenn nicht ein weiteres Abgleiten Platz greifen soll. In der jüngsten Nummer der Hamburger Agudoblätter ist ein. überaus klarer Artikel von Hermann Cohn über Emanzipation und Assimilation enthalten, und es ist sicherlich ein günstiges Omen, daß man den Verfasser gerade für die Leitung gewann. Wenn er die Emanzipation, im wohlverstandenen Sinne, fordert, und in gleicher Schärfe jede Assimilatton ableh-nt, so ist zu hossen, daß er diese seine Gedanken nun auch zur Grundlage des von ihm übernommenen großen - - Aufgabenkreises macht. Es ist hier nicht der Platzt darüber zu sprechen, ob Hermann Cohn in öUem0* Recht hat, aber eines dürste sicher sein, in dev)- an sich von ehrlichem Willen getragenen agu^r''^ distischen Jugend machen sich erhebliche Assimi-'-. lationserscheinungen geltend. Das Erfreulichste während der" ganzen Tagung war die Erkenntnis, zu spüren, daß ein Nachwuchs da ist, ein Nachwuchs, der sich ehrlich bemüht, in die A. I. hmeinzuwachsen, ein Nachwuchs, der zum weitaus größten Teil schon sein Arbeitsgebiet in der A. I. gefunden hat,, aber zugleich ein Nachwuchs, der allzu' stark die Zeichen der Zeit an sich trägt. Seit jeher war es ein Kennzeichen jugendlicher Menschen, sich der Kritik hinzugeben, aufbräusettd zu tadeln,!1 und wir haben, 'gewiß vollstes .Verständnis^ für dieses Rechtt der agudisttschen/Jugend,. von dem 'wir selbst noch gerne Gebrauch machen/ Aber'.'.'die Form der Kritik war bedingt durch die Utticheltserscheinungen, /war' eine.'zügellose Form, eine Form, die die gefährliche Unklatheitt in aller Offenheit zeigte. Gewiß, es ist sinnlos, erwarten zu wollen, daß der junge Mensch eine „geschlossene Persönlichkeit" sei, daß er sich „klar" fest dafür ist er jung, aber aller ehrlicher Wille, und den spürten wir immer wieder, scheiterte an dev geistigen Unklarheit. Man hat wiederholt die neue Sachlichkeit" auch der agudistischen Jugend gerühmt, ist sie denn wirklich so jüdisch, uns so adäquat, jene das letzte Jahrzehnt kennzeichnende Stimmung? Ist wirklich jene scheinbar schon längst vergessene Hingabe und Begeisterung, jenes Ausflammenkönnen, mn zum Brande zu werden, all jenes Stimmungsvolle) was so'/ oft den Boden geistiger Errungenschaften erst präpotierte, ist e$ wirklich alles ein Nichts gewesen? Gibt es nicht in der Geschichte des.MifcheWPolkes selber . Zahllose Beispiele, durch die evSent erwiesen 'wird, daß all das mehr ist, als/Sachlichkeit lind Nüchternheit? Gewiß, klare und ruhige Ueberldng, gewissenhaftes und logisches Abwägen soll die- Entschlüsse beeinflussen, aber das wahrhaft Jugendliche, die Liebe zur Idee, das Fürfieaufgehen-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.