Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1931)
- Date
- 1931-01-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 Nr. 5 D e r. 3, s r aelit U. IaWM '1831 Tribüne schuf, von der aus er alle Juden, Männer,, Frauen und Kinder in ganz Deutschland, ja weit über dessen Grenzen hinaus für das Judentum und die Treue zum Gesetz begeisterte. Der Redner schilderte, wie Lehmann es verstanden hat, 20QP Jahre Geschichte in Romanen und Novellen zu lehren, angefangen von „Rabbi Äkiba", „Bostanai", über „Das Licht der Diaspora", „Der Fürst vonCoucy", Rabbi Joselmann von Rosheim" und viele andere bis an die Schwelle unserer Tage. Dr. Lehmann habe nie eigentliche Jugendliteratur geschrieben, aber gerade das Ungewollte sei die beste Leistung, es gäbe keine bessere Literatur für unsere Jugend als die ewig jungen Lehmann'schen Geschichten. Redner richtete einen eindringlichen Appell an alle Eltern und Erzieher,, der Jugend die Lehmann'schen Bücher und die in seinem Geiste geschriebene neuere Literatur in die Hand zu geben und damit für die Erhaltung und Verbreitung des überlieferten Judentums im Sinne und Geiste Rabbiner Lehmanns zu sorgen. Redner schloß mit der geistvollen Anwendung des Satzes 'ui "ßon aus dem voraufgegangenen Wochenabschnitt auf Dr. Lehmann, indem er ausführte und dartat, wie es Lehmann verstanden hat, durch lV»- iBtjfi, durch seine Erzählungskunst das Ziel 'i ’=> onsn'i zu erreichen. — Dankbarer Applaus lohnte denverehrten Redner für sein glänzendes Referat. Alsdann’ nahm das Wort Herr Bankdirektor E. Simon, der vor mehr als 71 Jahren als kaum 5jähriger in die von Dr. Lehmann begründete Schule kam, und gab aus dem reichen Schatze seiner Erinnerungen lebendige, Herz und Geist erfreuende Darstellungen, wie Dr. Lehmann es verstanden hat. Alt und Jung für sich und seine Ideale zu begeistern. Diese Begeisterung strahlte noch jetzt nach Jahrzehnten aus den oft humorvollen Ausführungen des Redners hervor. — Als letzter bestieg Herr Rabbiner Dr. Bamberger die Tribüne, um nochmals in kurzen, aber sehr geistvollen und wohldurchdachten Worten zum Festhalten am Erbe Dr. Lehmanns zu mahnen. Der Redner führte aus, daß wir zwar bei den rrsr '»-n die N2i2 sprechen inopn» ]t\w, aber bei den '«to* '»2N sagen viaan» pbnv- Er erblickt den Unterschied darin, daß die nv-n unserer Großen g'ttverbunden bleibe, sie daher nur ein P^> ein Teil bleibe. Nach dem Gesangsvortrag von Psalm 123 durch den Synagogenchor und Schlußworten des Vorstandes endete' die überaus würdig und stimmungsvoll verlaufene Feier. besondere Notlage gekommen. Wenn z. h. christliche Ge-, „Hlueisll M Ne HaMpsMttt btt deutschen meinden 10—20 Proz. der Einkommensteuer für Kultus-' ‘ B,erlin, 22. Jan. zwecke erheben, so' müßten manche jüdischen Gemeinden \ Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen.' 10Q—200 Proz., im Einzelfalle bis 49Q Proz. nehmen, : Glaubens erläßt einen Aufruf, dem wir folgende Sätze, um ihren Kultus aufrecht zu erhalten. Die Gefahr jedoch entnehipen: 4*4 W H* OH A SitA ö T A**t A A 1A4 At L*S* A*4 Sil} A «4M 4 it Bezirksgemeindetag des Bezirksrabbinates Borken i. Wests. Borken, 23. Jan. Am 18. Januar fand der, Bezirkögemeindetag der dem. Bezirksrabbinate Borken angeschlossenen Gemeinden in, Borken i. Wests, statt. Der Einladung waren recht viele Besuchergefolgt. Herr Bezirksraöbiner Dr. Köhler begrüßte die Erschienenen, besonders den Ehrengast dieser. Tagung, Herrn. Dr. Jsmar Freund aus Berlin und erstattete den Tätigkeitsbericht, Das Kaschruth wurde in vielen Gemeinden zur Befriedigung geregelt. Zwei berufsmäßige Schauchtim wurden im Bezirke , angestellt. Der Religionsunterricht wurde methodisch und inhaltlich verbessert und die Belehrung auch zum Teil auf die schulentlassene Jugend ausgedehnt. Das Leben der einzelnen, kleinen Gemeinden wurde geistig belebt durch besondere Veranstaltungen, durch Predigten und Ansprachen, durch Gemeindeabende und religiöse Feiern und durch wissenschaftliche Vorträge. Die soziale Arbeit gereichte/ durch ihre neuzeitlichen Methoden dem Wohle der Gemeinden und der bedürftigen Mitglieder. Die Gemeinden wurden nach außen rechtlich vertreten, was in, der heutigen Zeit des politischen Radikalismus von besonderem Werte ist.- Die religiösen Institutionen wurden erhalten und die verfallenen wieder neu aüfgebaut. So ist eine Mikwoh in ihren inneren Einrichtungen umgebaut und eine andere als Zentralmikwoh hergestellt worden. Alle Arbeiten des Bezirksrabbinates Bqrken wurden in dankbarster Weise durch den Preußischen Landesverband unterstützt. Nach mehreren Begrüßungsansprachen erhielt Herr Dr. Jsmar Freund aus Berlin das Wort zu seinem Vortrag: „Das Leben unserer jüdischen Gemeinden." Er begrüßte die Tagung und dankte dem Bezirksrabbinate. Er beleuchtete dann die heutige Wirtschaftslage. Die Wirtschaftskrise» an der alle Völker leiden, sei für die, Juden deshalb besonders schchhr,weil die ' Anden zufolge geschichtlicher Verkettungen auf dem Handel beschränkt und ausgeschlossen seien von der Landwirtschaft und dem Beamtentum. Dadurch seren die jüdischen Gemeinden in bedrohe in sehr starkem, Maße die Kleingemeinden, Wenn durch die Arbeit des Preußischen Landesverbandes' die Verbindung zwischen Eroßgemeinden und Kleingemeinden geschaffen worden wäre, und bisher die Großgemeinden in ihren Abgaben einen Teil der Hasten der kleinen Gemeinden übernommen hätte, so sei heute die Steuerkraft der größten Gemeinden zurückgegangen und dadurch nicht nur die Kleingemeinden, sondern auch die lSroßgemeindSn in ihrem Bestände bedroht. Besondere Arbeit, in dem Gemeinden verdiene die Jugend, die durch den Krieg, die Revolution und durch die schweren Krisen in ihrer seelischen «Struktur gefährdet sei und beim Glauben der Väter erhalten bleiben müsse. Berlin. Mit Rücksicht auf bestimmte Vorkommnisse' weist der Zentralverein noch einmal darauf, hin, daß die Anbringung j u d e n f e i n.d l i ch e r P l'a k a.t e i n, E i s e nb a h n ro a g e n verboten ist. Das Eisenbahnpersonal hat, nach Anordnung der Eisenbahnbehörde, in vorkommenden Fällen sofort Abhilfe zu schaffen. Wo dieses nicht geschieht, .muß von jüdischen Reisenden Beschwerde, an die Vorgesetzte Dienststelle geleitet werden. — In den Reihen der j üd isch e n Fro ntsoldaten, aber auch sonst in weiten jüdischen Kreisen Berlins und Deutschlands, erregt es tiefe Mißstimmung, daß zur R e i ch s g r ü nd u n g s fei e r aus Anlaß des 60jährigen Bestehens des Deutschen Reiches im Reichstage der „Bund jüdischer Frontsoldaten" als. solcher, nicht eingeladen wurde. — In der Beratung des H a u s h ä l t ü n g s a u s f ch u f f es am 21. Januar kam es zü einem so schweren Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokratie, daß man die Beratung abbrechen mußte. Die nationalsozialistischen Mitglieder ergingen sich in . wüsten Beschimpfungen. Und da sie keinen OrLnungsrüs exhielten, verließen'die Sozialdemokraten, danach aüch die Vertreter, der Volkspartei, des Zentrums und der Wirtschaftspartei, den Saal. München. Bei einem, Vortrag. Ludwig, Hollän d,e..r s vom C. V/ über „Jüdische Presse" in der M ü n ch e n e r Uni v e r s i t ä t, suchten nationalsozialistische Studenten Störungen heroorzurusen. Die Verweise des Rektors, und nicht zuletzt die kluge Art, in der Holländer die Angriffe parierte/ ließen alle Störüngsversuche scheitern, und der Vortrag konnte vor einer verständnisvollen gebildeten. Zuhörerschaft bis zu Ende durchgefuhrt werden. Heidelberg. Nach Auflösung, des, „Studentenausschusses," veranstalteten völkische Studenten unter Führung natlonälsoziättstrscher Hetzer in der Universität und auf den. Straßen eine lärmende Demonstration mit, antisemitischen, Liedern, und unter Anpöbeckung, jüdischer Passanten, daß die Polizei mit Gummiknüppel die Rühe und Ordnung wieder Hersteller wußte. Weimar. Vom Minister Frick, der auch für Kunstängelegenheiten.- zuständig ist, wurden eine Reihe von Künstlern am. Deutschen Nationaltheater in Weimar e n t l a.ss'e n. Grund: Sie sind 'Juden, oder haben sich durch Judenfreundschäft verdächtig gemacht. In der freien Aussprache würde das Gebiet der Schechi 1 ah in den Gemeinden besprochen und aus die trostlosen Zustände hingewiesen, die noch in einigen Gemeinden herrschen. Hierzu sprachen Herr Lehrer Sasfra, Herr Holzmann ans Oberhausen, Vorsitzender des Reichsperbandes der Schauchtim und Herr Bezirksrabbiner Dr. Köhler. Sodann wurde die , Frage der Jugend, besprochen und. die Zusammenarbeit jugendlicher Menschen der einzelnen verstreuten Gemeinden. Eine eingehende Würdigung fand der vom/Bezirksrabbinat beabsichtigte Kantorenkurs. Herr Dr. Freund beleuchtete dann die Notwendigkeit der Heranbildung junger Kräfte züm Dienste in lehrer- und beamtenlosen' Gemeinden. ' So konnte am Ende der Tagung sowHl der Leiter der Veranstaltung, wie auch Herr Dr. Freund mit Vefriedigung feststellen, daß diest. /Tagung pm ErMg gewesen tzf und, daß das Vezirksrahbinät nünmeHr neuen' Mut hieraus schöpfen könne zur weiteren Arbeit, um in dM ^iMnen.^ GtzAeind^.. w^üier G'ttesglaube, FtHmlnigkert und ThöriKiffep erstehest tzu lasten. Die Not der Zeit, die Schwere der-Wirtschaftskrise haben die Lage der deutschen. Juden bedrohlich verschärft. Es gibt eine besondere Ju dennot; den Dastinskampf, best jeder Deutsche, zu' sMen/'M,? has/'tzh§rjüdische. Deutsche doppelt, zu führen:, für sich/ und, seine'Ge-- meinschast. Die Bedrängnis, der Zeit birgt eiste, Gefahr,, die besonders verhängnisooll werden kanp; sie lahmt/ den, Willen, die Vprantwo.rstmg, für. die, jüdische Gemeinschaft zu erkennen und zu'betätigen. Die Tagesnöte nehmen alle Kräfte in Anspruch; sie gestatten es nicht, über die primi-- tivsten Notwendigkeiten des Lebens hinaus zu denken.. Und doch hat uns Gemeinschaftswille Und VerantDortungsgesühl noch nie so notgetan wie im gegenwärtigen Augenblick. Noch nie war der Een Ir stl- V e r e in, d i e No t.g ent eins ch af t d er d euts chen. Juden, eine solche Notwendigkeit wie zur Stunde. Der Central-Verein steht aus . seinem Posten. Er kämpft. gegen die Feinde des Judentums, er 'ebnet die Wege zur Verständigung und Befriedung im innerdeutschen, Leben, er ringt um jeden Fußbreit Boden, den er s ü t sti.e Freiheit der deutschen Juden den Mächten der Zerstörung abtrotzen kann. Der Centräl-Verem steht in breiter, Front in. der vordersten Linie des Äbwehrkampfes. Es gilt, diese Front: zu vertiefen, es gilt, ihr unerschütterlichen Rückhalt zu geben. Es ist darum eine unabweisbare Ausgabe, die: Stoßkraft des CentrahVereins zu, verstärken. Seit Jahr-- zehnten führt, er, in vorderster Reihe den Kampf des deutschen, Judentums um sein Recht. Der Ausruf schließt , ryit der Aussorderung: „Hinein in die Kampffront der deutschen, Juden.'' - Oberrabbiner Lewenstein-Zürlch über Sabbatschuh und kalendMefoxm. Berlin, 27. Im. Herr Oberrabbiner- Dr. Lewenstein- Zürich, Geschästs-- sührer des „Jüdischen Komitees betreffs der Kalenderreform" und Mitglied der Leitung der Agudas, Jisroel-- Weitorganisätion, weilte zur. Vorbereitung von Sabbath-- fchutzmaßnahmen in Deutschland einige Tatze in Berlin und sprach, sich gegenüber dem I. T. A.-Vertreter über den gegenwärtigen Stand aller mit, der Kalenderreform zusammenhängenden ■ Fragen aus: Herr Dr. Lewenftein ging aus von seinem, grundlegenden und seiner Zeit viel beachteten- Referat aus dem Weltkongreß des „Weltverbandes für ' Sabbathschutz Schomre Schabbos" im Somme 1930. Seitrdem hat das jüdische /Kalenderreformkomitee seine Anstrengungest vervielfacht durch Berhandlungen mitanderen/ Räligionsgemeinschaften mit den zuständigen Völferbundsstellen, mit einzelstaatlichen Behörden, vor allem hat es die jüdischen Enegien in der ganzen Welt wirksam zu machen versucht. Fast überall ist diese Arbeit, von Erfolg gekrönt. Milt besonderer Genugtuung schilderte Herr Dr. Lewenstein die Begeisterung, mit der seine Parolen in ganz Polen, vor allem in Warschau, ausgenommen werden. Dort - hat er erst vor wenigen Tagen erreicht,' daß die GeÜieindeverwaltung sich an die Spitze der Bewegung und der übrigen Gemeinden stellt- und vor allem die. Sammlung von Unterschriften für eine dem Völkerbunde anläßlich seiner nächsten Rats- und Delegiertentagung um September 1931 zu überreichenden Massenpetition in die Hand nimmt. Die einleitende Kundgebung in Warschau war yon.Vertretern fast aller jüdischen Parteien Und Gruppen einberufen und, besucht — ein unter den gegenwärtigen Verhältnissen höchst bemerkenswertes Ereignis. Auf die Frage über. den Fortgang der Arbeit in Deutschland zeigte sich Herr Dr. LewMstein enttäuscht und zugleich desvrgt.. Nach/ seiner Ansicht haben die deütschen Juden in allen Lagern noch nicht in vollem Maße begriffen,' daß die „KakenderrefoE mit Blankotag" an die? Grundpfeller des ^Judentums rührt und seinen Bestand nach jeder Richtüntz' äuf^?^^^ äüßerste^ gefährden würÜe. Dr. Lewensteni betont^, Saß vyr./Mfer HraMalle Mitdiünterfchiede verschwinden üMssen. da jeder JÜbe, zuMphest seelisch und ideell, von den /drohenden Maßnahmen cherührk 'sei. Was in Polen Höglrch 'fei, müsse auch für dps in ''jüdischem TemeiHnn d«lhche HuhenHm möglich sein: es müsse sich zu einem konkreten Zchecke 'in gemeinsamer Arbeit unter gesamtjüdischem Aspekt zusmn-