Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 72 (1931)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1931)
- Date
- 1931-01-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 5 . 1931 ,2, c r Z s r a e I i i menfinden. Großen Wert legt Dr. Lewenstein Ms die Unterschriftensarnmlung. Auf den Eipwand, ob nicht eine Intervention seitens der im jüdischen öffentlichen Leben Deutschlands mehr als in anderen Ländern ausschlaggebenden Gemeinden und. Gemeindeoerbände das Gleiche leisten könne nnd der Erfolg von Petitionen mit Einzel- Unterschriften nicht, doch recht zweifelhaft sei, erwiderte Dr. Lewenstein: Hier ist zu scheiden Arbeit im Lande und Arbeit beim Völkerbunde. Während dort Gemeinden und Verbände ihren Einfluß Und Gewicht geltend zu Mächen haben, fruchtet hier vor allem die demokratischste, dem „Referendum" nachgebildete Form der Aktion: Die Massenpetition. Diese ist gerade in einer religiösen Angelegenheit besonders aussichtsreich. Auf die Frage nach dem voraussichtlichen.technischen Ablauf der Dinge in Genf erwiderte Dr. Lewenstein, .daß zunächst der Eingang der Gutachten der Regierungen ab- Mwarten ist, die sich wiederum auf den Vorschlägen der einzelstaatlichen und berufsständischen Studienkomitees aufbaüen. Im März läuft die Berichtsfrist der Regierungen ab. Bis dahin wird es Aufgabe gerade der deutschen Juden sein, in ihren berufsständischen Körperschaften, und der Verbände, bei der Regierung ihren ganzen Einfluß zur Wahrung der jüdisch-religiösen und sozialen Belange auszubieten. Im Herbst wird wahrscheinlich der Völkerbund zu einer Konvention zu gelangen suchen. Herr Dr. Lewenstein schloß seine Mitteilungen mit der, wie er meinte, aus Freundesmund gewiß nicht verletzenden Mahnung an alle Kreise der deutschen Juden, die-zu erhoffende Aera friedlicher Gemeinschaftsarbeit am Sabbath als der vornehmsten Grundlage des Judentums zu orientieren und sie mit einer jüdische Zukunftshoffnung zeigenden Aktion für den Sabbath einzuleiten,' wenn nicht das Judentum und damit auch feine Parteien schweren Schaden leiden sollen. Vom thüringischen Schächlverbote. Waim.ar, 21. Jan. Wie bereits mitgeteilt, nahm der Gesetzgebungsausschuß des Thüringischen Landtages das Schächtv erbo tsge.setz in zweiter Lesung a n. Dafür stimmten die Nationalsozialisten, der Landhund und der Vertreter der Wirtschaftspartei. Der Stimme enthielten sich die D eu t s ch e V o l k s - p artet, die Sozialdemokraten und die Kommunisten, sodaß also gegen das Gesetz niemand stimmte. Nunmehr wurde vom Fraktionsführer der Deutschen W.i rtschaftsp artet mitgeteilt, daß die Wirtschaftsparteiliche Fraktion die Stellungnahme ihres Vertreters im Gesetzgebungsausschuß nicht billige. Die Wirtschastspärtei sei in ihrer großen Mehrzahl aus wirtschaftlichen Gründen gegen die Annahme des Gesetzes. Dies sei ,auch von den Thüringischen Handlskainmern als durchaus beachtlich anerkannt worden. Es hat doch den Anschein, als wollte die Wirtschafts- Partei nach der m i t ihrer H i l f e vollbrachten Arbeit-es hinterher mit ben Juden nicht verderben. j folgende Anträge: 1. Alle Art Beschränkungen gegen die Juden, die aus der'Zeit der alten zarischen Regierung Und aus der Zeit der fremden Okkupationen formal in Geltung sind, und auch diejenigen Beschränkungen, die die polnische Regierung vor Annahme der März-Verfassung verfügt hat, werden abgeschafft. 2. Aus der Verfassung der polnischen Republik werden alle jene Stellen ausgemerzt, die seitens der administrativen Behörden gegen die jüdische Bevölkerung ausgelegt werden könnten. 3. Abzuschaffen sind auch die sprachlichen Beschränkungen gegen Juden (im Regierungsprojekt ist nur die chede von Beschränkungen nationalen, religiösen und Rassencharakters). Zum Schluß der Aussprache wurde mit Stimmenmehrheit das Gesetzprojekt der Regierung a n g e n o m me n. Das Projekt des Abg. Grünbaum würde abgelehnt. Ebenso wurden die Abänderungsvorschläge des Abg. Sommerstein abgelehnt mit Ausnahme des Punktes, der die Abschaffung der rechtlichen Beschränkungen des Gebrauchs der j i d d i f ch e n oder hebräischen Sprache betrifft. . Litauen. Die litauische Regierung raubt Tausenden Juden ihre Existenz. K o w n o, 16. Jan. Das Innenministerium hat an alle jüdischen öffentlichen Institutionen und Privatunternehmungen die Aufforderung gerichtet, die bei ihnen beschäftigten Personen, die nicht litauische Staatsbürger find, zu entlassen. Nichtjüdische Institutionen und Unternehmer, die Juden nicht beschäftigen, haben eine solche Aufforderung nicht erhalten. In Litauen leben gegenwärtig über 9 000 jüdische Ausländer und Staatenlose, die meist aus Rußland oder aus dem von Polen besetzten litauischen Gebiet stammen. Allen diesen hat nun die Regierung das Recht auf Arbeit und Erwerb entzogen, fo daß ihnen der Hungertod droht. Zu protestieren ist ihnen verboten, die Militärzensur hat der Presse untersagt, ein Wort über diese Verordnung zu bringen. die ^Gemeinde-Union in religiösen Angelegenheiten zu beraten. Voten. Die juridische Kommission des polnischen Sejm heschttetzt die Aöschaffung der rechtlichen Beschränkungen gegen die Inder». V War schau, 22. Jan. Die juridische Kommission des polnischen Sejms befaßte sich in ihrer letzten Sitzung mit der Vorlage treffend Abschaffung der noch aus der Zeit der Z a - renherrschastin Polen bestehenden rechtlichen Besch r än kuy g en ge gen d se Jude n, die — obwohl die Verfassungches"steuert Polen jeden» Bürger ohn.e bde ^tlseffihy GleichbereDigung zuerkenstt — ays formalest Munden bisher noch inGeltung wärest. Mr AeMtierte, M, Up yr M e rftei st, würde ^eKjxeladen, "abs-Vertreter des Wischen Kltzhs — stber nur weither Klub wetzen seiner Tschecho^Stowakei. Ende der Rituatmordtegende. Prag, 29. Jan. Im Ritualmordprozesse in Karpathotußland stellten sich alle Kinderaussagen als Phantasterei heraus. Das Verfahren gegen die angeklagten Juden wurde eingestellt. Gegen zwei Hetzer, die die Kinder zu falschen Aussagen anstifteten, würde Anklage erhoben. -HM,*». Fratze» MKMMJahKMMN^Üsse cht- KiHekeMte Italien. Das neue jüdische Gemeindegesetz für Italien in Kraft. R o m, 18. Jan. Durch die soeben erfolgte Veröffentlichung in der „Gagetta Usficiale", dem italienischen Amtsblatt,-.hat das im Oktober v. I. angekündigte' königliche Dekret über die Verwaltungsnormen für die jüdischen Gemeinden in Italien und die Schaffung eines Gesamtverbandes der jüdischen Gemeinden Italiens (Unione delle Community Jsraelitiche) Rechtskraft erlangt. Auf Grund des neuen Dekrets gehört jeder Jude zwangsläufig einer jüdischen Gemeinde an. Austritt aus einer jüdischen Gemeinde ist nur durch Religionswechsel oder durch eine öffentlich in vorgeschriebener Form abgegebenen Erklärung, weiterhin nicht mehr al- Jude betrachtet werden zu wollen, möglich. Die Gemeinden haben für die Erhaltung der Kultuseinrichtungen und die religiöse Unterweisung der Jugend Sorge zu tragen. Sie haben das Recht, Steuern auszuschreiben und aus Grund staatlichen Steuerprivilegs einzuziehen, und werden durch gewählte Vorstände repräsentiert und geleitet. Alle Gemeinden innerhalb des Königreichs und der Kolonien werden in einem Zwangsverbastd, der Union der jüdischen Gemeinden Italiens, die als offizfeste RexrWstM her MftemHen Jüdenheit gilt, zusamMNgMloHn.L>ie stnron' ryrrd durch gewählte Örgane repräsentiert. D^r Köngreß der. Gemeindedelegierteü'ist befugt, zürn Zwecke der'Durchführung seiner Aufgaben Umlagen einzüheben. Das neue Gesetz regelt guA zum eMtl Ws die rechtliche und wirMafMche Stellung der Rabbiner. Es sieht die Bilh^üg Hres obersten Rabbinatsrätes» der aus dM fteWLM BdüAlt^MhbWcch. vor, Ax die Mtzab^ hchtz Palästina. Profest hex Revisionisten Palästinas gegen die Verschiebung des kpngrehlermms. Jerusalem, 21. Jan. Eine außerordentliche Konferenz der Revisionisten Palüstina s tritt zusammen, um gegen die vom Aktions-Komitee beschlossene Verschiebung des Termins des 17. Zionistenkongresses zu p r o t e st i e r e n. Außer den Delegierten der letzten Konferenz der palästinensischen Revisionisten. werden auch die neugewählten revisionistischen Mitglieder der Assesath Hanirvcharin an der außerordentlichen Konferenz tcilnehmen. Die revisionistische Parteileitung Palästinas wird der Konferenz eine Resolution oorlegen, in der erklärt wird, daß die Revisionisten Palästinas die gegenwärtige zionistische Exekutive nicht anerkennen. An die Juden der ganzen Welt wird in der Resolution der Appell gerichtet, der britischen Regierung mitzuteilen, das jüdische Volk werde sich durch Abmachungen, die aus Grund der gegenwärtigen Verhandlungen von der zionistischen Exekutive etwa mit der englischen Regierung bezüglich Palästinas getroffen werden sollten, nicht gebunden fühlen. Es ist vorläufig unbekannt, ob dieser Schritt der palästinenseschen Revisionisten von der Leitung der revisionistischen Weltunion gebilligt wird. Beisetzung Mohammed Alis in der Omar-Moschee. Jerusalem, 23. Jan. Die Beisetzung des Führers der indischen Mohammedaner Maulana Mohammed Ali in der Omar-Moschee zu Jerusalem fand am Freitag, den 23. Januar, statt. Anläßlich der Feierlichkeiten, an denen Tausende von Mohammedanern aus ganz Palästina und den Nachbarländern teilnahmen, kam es zu Verbrüderungsszenen zwischen palästinensischen und indischen Moslems. Da die Herbstbestellung in Palästina zum großen Teile bereits beendet ist, waren zahlreiche Fellachen nach Jerusalem gekommen. Auf Anordnung des Großmufti waren die arabischen Arbeiter und Angestellten Jerusalems dienstfrei. Zahlreiche Deputationen aus verschiedenen mohammedanischen Ländern nahmen an der Bestattungsfeier teil. Dank den umfangreichen Sicherungsmaßnahmen der englischen Behörden ist es im allgemeinen nicht zu Ruhestörungen gekommen. Nur ein Auto mit jüdischen Insassen wurde mit Steinen beworfen. (ITA.) Amerika. Die amerikanischen Einwanderungsquoten um 90% gekürzt. Washington, 23. Jan. Der Einwanderungsausschuß des Repräsentantenhauses hat den Antrag Staatssekretärs S tim so ns, die Einwanderungsquoten für die nächsten zwei Jahre aus 10 Prozent ihres jetzigen Ausmaßes herabzusetzen, angenommen. PerjonaUen. Joseph Zucker V"XT* Berlin, 23. Jan. Die Jüdische Gemeinde Berlin hat einen großen Verlust zu beklagen. Der Mitbegründer und lanjährige Vorsitzende der Synagogengemeinde Liesenstraße (Ohel Jizchok). Joseph Zucker hat am 18. Januar sanft und 'riedlich, wie er gelebt und gewirkt, im fast vollendeten 79. Lebensjahre die Äugen zum ewigen Schlumstrer gechlosien. Er wurde unter einer ungewöhnlich starken Beteiligung von Freunden und Verehrern beigesetzt. Neben einer Reihe von Rabbinern tzaben prominente Persönlichkeiten der Gemeinde und der Stadt Berlin dem Verewigten das letzte Geleit. Auch der Polizeipräsident von Berlin, der frühere preußische Innenminister Grzesinski, ein intimer Freund des ältesten Sohnes des Verblichenen, hätte es sich nicht nehmen lassen, zusammen mit seiner Frau dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Mit Jüseph Zucker ist ein Mann mit gang besonderen jüdischett Qualitäten dahingegangen. Was er in mehr als SOjähriger Tätigkeit für seine Gemeinde und für das Wnjervative Judentum geleistet hat, wM unvergessen bleiben.' Dre ungewöhnliche Bedeutung des Verewigten kam in -der ausgezeichneten, großangelegten Rede Rybhrners Dr. N o b e i. zum hinreißenden Ausdruck. Dr. Nobel sprach nicht nur als der amtierende Rabhmer der durch, Joseph, Zucker Jahrzehnte hindurch 'DettWl.'UeWmde> sondern er erWM Ärch. als "per- UnlicherMeM M HWterM Ä Ö& WewHaMsMheMM gWtch WWdiM'tzA'! '*'*’"* ' '7T3SK*