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Der Israelit · 1931-01-22 · Heft 4 (22.1.1931) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
72 (1931)
Issue
Heft 4 (22.1.1931)
Date
1931-01-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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22. Januar 1931 Der Israelit Nr. 4 Seite 7 Pole«. Senator Deutscher verhaftet. Krakau, 18. Jan. Aufsehen und Empörung erregt hier die Verhaftung des früheren agudistifchen Senators Moses Deutscher. Die Verhaftung erfolgte darum, weil in Deutschers Druckerei das Organ der linken Bauernpartei „Chlopskie Zycye", das Opposition gegen die Regierung treibt, hergestellt wird. Alle Interventionen für Haftentlassung Deutschers waren bisher refultallos. Likauen. Rabbinat und Iefchiwo zü Slobodke. K o w n o, 15. Jan. Zu der von Ihnen veröffentlichten Mitteilung über die Wahl des Herrn Rabbiner Jerusalemski zum Stadtrabbiner von Slobodke ist zu bemerken, daß im Gegensatz zu der daran geknüpften Meldung der neugewählte Rabbiner mit der Slobodkoer I e s ch i w o keine Beziehungen hat, diese vielmehr unter ihrer alten Leitung b leib t. Rabbiner Jerusalemski hat schon wör einem halben Jahre eine eigene kleine Jeschiwo auf den Namen Rabbiner Jjzchok Elchonon Spektors gegründet. Holland. Aotftandsaklionen zur Bekämpfung der jüdischen wirtschafisnol in Holland. A m st e r d a m, 8. Jan. Der überwiegende Teil der Juden Hollands leidet schwer unter der herrschenden Wirtschaftskrise. Die jüdischen Gemeinden und Wohlfahrtsgesellschästen haben sich .daher veranlaßt gesehen, besondere Notstandsmaßnahmen Zu treffen. Einigermaßen gesichert ist bloß die Lage der öffentlichen Angestellten und der Beamten der jüdischen Gemeinden. Nur 1 Prozent der holländischen Juden sind jedoch öffentlich angestellt, obwohl die Juden in Holland 2 Prozent, in der Stadt Amsterdam sogar 10 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Das Einkommen der Angehörigen der freien Berufs, wie der Aerzte, Zahnärzte und Rechtsanwälte, Berufe, in denen die Juden stark vertreten sind, ist beträchtlich gesunken. Besonders schwer ist Hurch die Wirtschaftskrise der holländische Handel betroffen, in dem der überwiegende Teil der Juden Hollands -tätig ist. Der Hausierhandel in Amsterdam ist, abgesehen von dem Lumpenhausierhandel, einem völlig jüdischen Berufszweig, zu 31,6 Prozent in jüdischen Händen. Unter den Angehörigen dieser Berufszweige herrscht vielfach bitterste Not. Der fortschreitenden Verelendung tritt -einigermaßen die von A. B. Davids begründete Gewerbeschule .entgegen, die, obwohl keine konfessionelle Schule/ hauptsächlich von jüdischen Kindern besucht wird. Hier werden jüdische Kinder aus jenen Schichten, aus denen fich hauptsächlichder Hausier- und Straßenhandel rekrutiert, in produktiven Berufen ausgebildet. Die Diamantindustrie, ein früher rein jüdischer Berufszweig, ist heute nur noch zur Hälfte in jüdischen Hängen. Die Arbeitslosigkeit in diesem Berufe ist außerordentlich groß. Es gibt derzeit etwa 2000 arbeitslose jüdische Diamantschleifer. Vor kurzem wurde in Amsterdam eine Beratung der Vertreter sozial-philanthropischer Gesellschaften abgehalten, d.ie im Hinblick auf den beginnenden Winter No>taktionen einleiten wollen.. Es wurde gemeinsam mit dem jüdischen Frauenrat eine Kleiderkammer gegründet, die Bedürftige mit Kleidern und Wäsche versorgen soll. Die Wohltätigkeitsvereine in Amsterdam, im Haag, kn Rotterdam und in anderen Städten werden, ebenso wie die Armenräte, ihre Tätigkeit verstärken. So werden zum Beispiel in Amsterdam allein durch den holländischen jüdischen Armenrat etwa 1000 Familien Unterstützungen erhalten, an 600 Familien werden zu Pessach unentgeltlich Mazzoth verteilt, werden. - Auch die Stadtgememde Amsterdam hat eine großzügige Notstandsaktion eiugeleitet. Neben Geldunterstützung und Kleiderverteilung werden auch städtische Ausspeisungen durchgesührt werden, wobei auf die jüdische Bevölkerung durch Sonderbereitung ritueller Speisen Rücksicht genommen werden wird. Jeder Bedürftige wird täglich um den Preis von 5 Cent eine warme Mahlzeit erhalten. Für die jüdischen Schulkinder findet,.-außerdem das ganze Jahr hindurch eine Kofcher-Ausfpeisung statt. Die Aktion der Gemeinde Amsterdam für die jüdischen Armen wird ml enger Kooperation mit dem holländisch-israelitischen Ärmenrat durchgeführt werden. i Die wirtschaftlichen Aussichten in der nächsten Zukunft werden in Holland selbst äußerst ungünstig beurteilt. Besonders der Diamantenindustrie hat erst vor kurzem Senator Henri Polak, der Präsident des allgemeinen holländischen Diamantenarbeiterverbandes, eine düstere Prognose gestellt. Palästina. Die Zusammensetzung der neuen Assefalh Haniwcharim. Jerusalem, 7. Jan. Die Wahlen zur jüdischen Nationalversammlung in Palästina haben nachstehendes Ergebnis gebracht: Arbeiterpartei 31, Revisionisten 16, Sephardim 6, Misrachi 5, Allgemeine Zionisten 4, Jemeniten 3, Linke Poale Zionn 3 und Frauenpartei 2 Mandate. Die „Proletarische .Liste" (Kommunisten) konnte kein Mandat erlangen. . In Jerusalem wurden für die Arbeiterparteien einschließlich der sephardischen Arbeiterliste 3580, für die Revisionisten einschließlich der sephardischen Anhänger Jabotinskys 2573, für bie sephardische Liste 1131, für den Misrachi 550, für die Allgemeinen Zionisten 459, für die Frauenliste 357, für die Jemeniten 225, für die Linke Poale Zion 109 und für die Kommunisten 126 Stimmen abgegeben. In Tiberias entfielen auf die Liste der sephardischen Arbeiter 191, auf die Allgemeine sephardische Liste 129, auf die Arbeiterpartei 135, auf die Revisionisten 53 und auf die Frauenliste 50 Stimmen. In Slchron Jacob wurden 158 Stimmen für die Arbeiterliste 24 für die Revisionisten, 53 für den Misrachi und 50 für die Jemeniten abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug im Durchschnitt 60 Prozent, in Jerusalem, wo insgesamt 9376 Stimmen abgegeben wurden, nur 55 Prozent; stärker war die Wahlbeteiligung in Tel-Aviv, wo von 22 000 Wahlberechtigten 17162 zur Wahl gingen. In Haifa übten von den etwa 10 000 Wahlberechtigten 6773 ihr Wahlrecht aus. Die Mitglieder des Kolonistenverbandes haben sich an den Wahlen nicht beteiligt. England. Die Tagung des zionistischen Aktionskomitees. o n d o n, 19. Jan. Am Mittwoch, den 14. Januar, trat das Aktions- Komitee der zionistischen Organisation in London zusammen. Von den Verhandlungen wird es abhängen, ob, wann und wo der Kongreß stattfinden wird. Den Vorsitz führt an Stelle des erkrankten Präsidenten Motzkin, H. Farbstein, Warschau. Es fällt auf, daß die amerikanischen Mitglieder, sowie der Misrachi, nicht vertreten sind. Der Vorsitzende begrüßte die Mitglieder in der üblichen Weise, woraus S o k ol o w in längerer Rede die kritische Finanzlage des Zionismus betonte, aus der ihn nur außerordentliche Mittel retten könnten. Zionismus bedeutet nach der Balfour-Deklaration Palästina-A r b e i t. Ohne Geld aber keine Arbeit. Er setzt seine Hoffnungen auf Amerika, wohin eine Delegation geschickt werden soll. Mit Hinblick aus die Situation sei es ratsam, den Kongreßtermin um einige Monate hinauszuschieben. Dr. Weizmann gab kurze Auskunft über den Verlauf der noch schwebenden Verhandlungen der I. A. mit der englischen Regierung. Es sprachen noch in der ersten Sitzung Dr. Rahum G o l d m a n n und Dr. Senator. In der Generaldebatte führen G r ü n b a u m und M. G r o ß - mann das Wort. In der Sitzung der Politischen Kommission, die am Donnerstag volle 13 Stunden einnahm, ließ sich Dr. Weizmann etwas eingehender über die Verhandlungen mit der Regierung aus. Die Führung der Verhandlungen über die I m m i g r a t i o n sfragen und die Einsetzung der Gesetzgebenden Körperschaft müsse er persönlich ablehnen. Die Verhandlungen über die anderen Punkte seien noch nicht abgeschlossen. Die Kommission wird dem Plenum des Aktions-Komitees einen Antrag unterbreiten, den Zionistenkongreß erst im Mai 1931 einzuberufen. Das Aktions-Komitee wird am Samstag über diesen Antrag abstimmen. Es liegen aber 'Anzeigen dafür vor, daß inzwischen die gesamte E re k u t i v e ihren Rücktritt erklären wird. Am Schluß der Sitzung beglückwünschte Dr. Berthold F e i w e I im Namen des Aktions-Komitees den Präsidenten der Zionistischen Exekutive Nahum Sokolow zu seinem 70. Geburtstag. — Sokolow dankte für seinen Glückwunsch und erklärte, er selbst habe nicht Verlangen danach getragen, das heutige Ereignis zu feiern. Es sei aber unausweichlich. Für ihn gibt es keine größere Ehre, als Präsident der Zionistischen Exekutive zu sein. Er habe keinen anderen Wunsch, als bis zu seinem Lebensende für das Rationalheim zu arbeiten und dem jüdischen Volke zu dienen. Damit wurde die außerordentliche Tagung des Aktions-Komitees geschlossen. Die Beschlüsse des zionistischen A. L. London, 19. Jan. Das Plenum des A. C. trat Samstag abend zusammen und hörte zuerst den von Dr. Nurok verlesenen Bericht der Politischen Kommission. Darauf faßte das A. C. einstimmig eine Resolution, die die Verhandlungen der I. A. mit der englischen Regierung billigte und das Verhalten zu England von dem Ergebnis der weiteren Verhandlungen abhängig macht. Mit 20 gegen 11 Stimmen wurde der Antrag auf Verschiebung des Kongresses bis — späte st ens — zum 15. Juni angenommen. Darauf erklärten die Vertreter des Misrachi, Lazarus 18arth und Rabbi M. Berlin ihren Austritt aus dH Exekutive. Dr. N. G o l d m a n n von den radikalen Zionisten behielt sich seinen Beschluß vor bis zur nächsten Beratung seiner Fraktion. In der Sonntagssitzung wandte sich Dr. Weizmann in einer großen Rede gegen die Opposition und verurteilte scharf ihre Methoden. Er könnte nur unter der Bedingung die Arbeit vorläufig fortführen, wenn Garantien für Einhaltung straffer Disziplin geschaffen werden. Amerika. Der Mißerfolg des „Vereinigten jüdischen Drive". " — Revisionismus. Newyork, 10. Jan. Es hat in der ganzen Welt Sensation hervorgerufen, als zu Beginn des vorigen Jahres zum ersten Male der Joint und die Zionistische Organisation bezw. die Agency in Amerika sich vereinigten, um eine gemeinsame Kampagne zur Aufbringung der notwendigen Geldmittel für die Arbeiten beider Organisationen zu veranstalten. Jetzt liegt das Ergebnis dieser gemeinsamen Arbeit vor. Statt der als Minimum verlangten 6 Millionen Dollar, die in der Tat notwendig gewesen wären,, um den dringlichsten Bedürfnissen gerecht zu werden, sind nach den offiziellen Berichten 2% Million Dollar gezeichnet, aber kaum mehr als 1 Million Dollar bezahlt worden, viel weniger als früher der Keren Hajesfod allein zusammenzubringen pflegte. Die Hauptursache für den völligen Mißerfolg ist natürlich die amerikanische Wirtschaftskrise, daneben aber auch muß festgestellt werden, daß der Enthusiasmus durch die Zusammenarbeit gelitten hat. Im neuen Jahre ist man nunmehr in das entgegengesetzte Extrem verfallen. Nicht nur die Jewish Agency wird allein vorgehen und ebenso der Joint, sondern i n n e r h a b des zionistischen Apparates tritt ein lustiges Nebeneinanderarbeiten ein. Keren Hajesfod,. Nationalfond, Hadassa und Misrachr werden jeder für sich einen Sammelapparat aufstellen. — Die revisionistische Konferenz in Amerika hat sich in schärfster Weise gegen Weizmann ausgesprochen. Sie beschuldigt diesen, der eigentliche Urheber des Weißbuches der englischen Regierung zu sein, weil er durch seine „schüchterne Politik" die antijüdischen Strömungen in der engischen Bürökratie ermutigt habe. Es wird die Lostrennung der Revisionisten von der zionistischen Organisation gefordert. Personalien. Hamburg, 14. Jan. Wem es durch Glltes Gnade vergönnt ist, die Schwelle des gesegneten Patrrarchenalters zu überschreiten, dem öffnet sich nach dem bekannten Worte jüdischer Weisheit die Pforte der und mit stolzem Haupte und froher Seele darf er sie dann durchschreiten, wenn auf ihr förmlich als Fazit eines Lebens, wie er es begriffen, und verwirklicht hat )ie goldene Inschrift prangt: „Welch prächtige Krone ist doch das Ereisenalter, das auf dem Wege der Pflichterfüllung erreicht worden ist." Mit diesem Satze königlicher Weisheit begrüßt ein großer Kreis von Freunden

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